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De:Lexikon:bio-0060: Unterschied zwischen den Versionen

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Geehrt wurde Adam Remmele 1926 von der Universität Freiburg mit der Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät anlässlich der Grundsteinlegung der Universitätskliniken, die ihm 1935 aberkannt, 1946 aber erneut verliehen wurde. Als ihm im Jahr 1948, am 15. Jahrestag der <lex id="ereig-0229">Schandfahrt vom 16. Mai 1933</lex>, die <lex id="ins-1497">Ehrenbürgschaft</lex> von Karlsruhe verliehen wurde, sah die <lex id="ins-1806">Süddeutsche Allgemeine Zeitung (SAZ)</lex> dies als Abtragung einer "Dankeschuld" an, was Remmele mit der Bemerkung akzeptierte, dass er die Ehrung stellvertretend für alle, die 1919 bis 1933 an der Schaffung und der Führung des badischen Staates beteiligt waren, gern annehme. <lex id="ins-1014">Oberbürgermeister</lex> <lex id="bio-0028">Friedrich Töpper</lex> würdigte ihn als einen "Mann von seltener Tatkraft". Remmele, zu dessen Arbeitsschwerpunkten in der <lex id="ereig-0212">Weimarer Republik</lex> die Reichsreform gehörte hatte, sprach sich bei dieser Gelegenheit auch für die Schaffung eines <lex id="ereig-0149">Südweststaates</lex> unter Einschluss der Pfalz aus. Als mit ihm ein überzeugter Sozialdemokrat aus dem Arbeiter- und Handwerkermilieu mit einer klassischen Laufbahn vom einfachen Gewerkschafts- und Parteimitglied zum Landtags- und Reichstagsabgeordneten und Minister am 9. September 1951 in Freiburg i. Br. verstarb, wurde die Urne nach Karlsruhe überführt. Auf dem Grabstein seines Ehrengrabes auf dem Karlsruher <lex id="ins-1353">Hauptfriedhof</lex> steht: "Ein Sohn des Volkes wollte er sein..."
Geehrt wurde Adam Remmele 1926 von der Universität Freiburg mit der Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät anlässlich der Grundsteinlegung der Universitätskliniken, die ihm 1935 aberkannt, 1946 aber erneut verliehen wurde. Als ihm im Jahr 1948, am 15. Jahrestag der <lex id="ereig-0229">Schandfahrt vom 16. Mai 1933</lex>, die <lex id="ins-1497">Ehrenbürgschaft</lex> von Karlsruhe verliehen wurde, sah die <lex id="ins-1806">Süddeutsche Allgemeine Zeitung (SAZ)</lex> dies als Abtragung einer "Dankeschuld" an, was Remmele mit der Bemerkung akzeptierte, dass er die Ehrung stellvertretend für alle, die 1919 bis 1933 an der Schaffung und der Führung des badischen Staates beteiligt waren, gern annehme. <lex id="ins-1014">Oberbürgermeister</lex> <lex id="bio-0028">Friedrich Töpper</lex> würdigte ihn als einen "Mann von seltener Tatkraft". Remmele, zu dessen Arbeitsschwerpunkten in der <lex id="ereig-0212">Weimarer Republik</lex> die Reichsreform gehörte hatte, sprach sich bei dieser Gelegenheit auch für die Schaffung eines <lex id="ereig-0149">Südweststaates</lex> unter Einschluss der Pfalz aus. Als mit ihm ein überzeugter Sozialdemokrat aus dem Arbeiter- und Handwerkermilieu mit einer klassischen Laufbahn vom einfachen Gewerkschafts- und Parteimitglied zum Landtags- und Reichstagsabgeordneten und Minister am 9. September 1951 in Freiburg i. Br. verstarb, wurde die Urne nach Karlsruhe überführt. Auf dem Grabstein seines Ehrengrabes auf dem Karlsruher <lex id="ins-1353">Hauptfriedhof</lex> steht: "Ein Sohn des Volkes wollte er sein..."
<div style="text-align:right;">''XYZ 2021''</div>
<div style="text-align:right;">''Ernst Otto Bräunche 2025''</div>


==Quellen==
==Quellen==

Aktuelle Version vom 30. September 2025, 07:36 Uhr


Adam Remmele

Adam Remmele um 1920, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schmeiser 16390.
Adam Remmele um 1920, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schmeiser 16390.
Ludwig Marum und Minister Adam Remmele (rechts sitzend) auf der Schauahrt ins Konzentrationslager Kislau bei Bruchsal, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/29b.
Ludwig Marum und Minister Adam Remmele (rechts sitzend) auf der Schauahrt ins Konzentrationslager Kislau bei Bruchsal, Stadtarchiv Karlsruhe  8/Alben 5/29b.
Das Lied wurde am 16. Mai 1933 zur Verhöhnung des gelernten Müllers Adam Remmele gesungen, Stadtarchiv Karlsruhe 8/StS 14/209.
Das Lied wurde am 16. Mai 1933 zur Verhöhnung des gelernten Müllers Adam Remmele gesungen, Stadtarchiv Karlsruhe 8/StS 14/209.

SPD-Politiker, Mitglied des Badischen Landtags und des Reichstags, Minister, NS-Gegner, * 26. Dezember 1877 Altneudorf/Rhein-Neckar-Kreis, † 9. September 1951 Freiburg i. Br., freireligiös, ∞ 1901 Philippine Dilger, 1 Tochter, 3 Söhne.

Adam Remmele, einer der bedeutendsten badischen Sozialdemokarten, erlernte nach dem Besuch der Volksschule in Budenheim bei Mainz und Ludwigshafen wie sein Vater das Müllerhandwerk 1890 bis 1893 in Ludwigshafen. 1894 trat er der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und der Gewerkschaft bei. Im Jahr 1900 wurde er bis 1903 Vorsitzender des Gewerkschaftskartells in Ludwigshafen und von 1903 bis 1905 Leiter des dortigen Arbeitsamtes. Zwischen 1906 und 1908 war er zweiter hauptamtlicher Vorsitzender des Mühlenarbeiterverbandes mit Sitz in Altenburg. Ab 1902 war Adam Remmele außerdem Funktionär des Verbands der Konsumvereine. Von 1908 bis 1918 war er Redakteur der sozialdemokratischen Volksstimme in Mannheim. 1911 bis 1918 gehörte er dem Mannheimer Stadtrat an.

Remmele, der im Ersten Weltkrieg 1918 als Landsturmmann noch kurz Kriegsdienst geleistet hatte, kehrte von Villingen nach Mannheim zurück und übernahm die Leitung des städtischen Lebensmittelamtes. Er gehörte 1918/19 zu den führenden Vertretern der Rätebewegung in Baden und wurde 1919 Vizepräsident der Badischen Nationalversammlung. Anders als sein Bruder Hermann, der sich zunächst der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und dann der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zuwandte, blieb Adam Remmele der SPD stets treu.

1919 wurde Adam Remmele badischer Landtagsabgeordneter und blieb dies bis 1929. Große Bedeutung erlangte Remmele auch als badischer Minister. Von 1919 bis 1929 war er Innenminister, 1925/26 auch Minister für Kultur, von 1929 bis 1931 war er nur noch für Kultur und Justiz zuständig. In den Jahren 1922/23 und 1927/28 hatte er auch das Amt des Staatspräsidenten von Baden inne, eine jährlich wechselnde Position.

In seiner Amtszeit als Innenminister hatte Baden als erstes deutsches Land ein neues Polizeibeamtengesetz bekommen. Remmele war unter anderem für die Bekämpfung der links- und rechtsextremen Organisationen und Parteien zuständig. Er veranlasste nicht zuletzt aus diesem Grund 1922 die Gründung des Landespolizeiamts, das für deren Überwachung zuständig war und einen modernen Erkennungsdienst erhielt. In seine Amtszeit fielen auch das Verbot der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) 1922 und weitere Verbotsmaßnahmen, weshalb er zu deren verhasstesten Gegnern gehörte. Mit der Gemeindeordnung von 1921 lockerte er die Staatsaufsicht über die Gemeinden. 1928 übernahm er das Reichstagsmandat des verstobenen Oskar Geck, blieb aber Minister. 1931 gab er sein Ministeramt auf, weil er "der politischen Brunnenvergiftung wegen amtsmüde geworden" war.

Mitte des Jahres übernahm er noch einmal für ein Jahr die Geschäftsführung der Volksstimme in Mannheim, ehe er zum 1. Oktober 1932 nach Hamburg zog und hauptamtliches Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine wurde, dessen Ausschuss er schon seit 1925 angehörte. Dort wurde er nach der Machtübertragung auf die NSDAP am 3. Mai 1933 verhaftet, zunächst in ein Hamburger Polizeigefängnis eingeliefert und von dort nach Karlsruhe gebracht, um ihn dort am Ort seiner politischen Aktivitäten öffentlich zu demütigen. Zusammen mit anderen führenden badischen und Karlsruher Sozialdemokraten wurde Remmele am 16. Mai 1933 vor seiner Einlieferung in das Konzentrationslager (KZ) Kislau in einem offenen Polizeiauto durch die Innenstadt vorbei an seinen politischen Wirkungsstätten, am Landtag und dem Staatsministerium, gefahren und dem Spott der nationalsozialistischen Anhänger ausgesetzt, die die Straßen säumten. Während die meisten seiner Mitgefangenen relativ schnell wieder entlassen wurden, blieben Remmele und Ludwig Marum bis 1934 in Kislau. Marum wurde dort ermordet, Remmele nach Hamburg entlassen und mit einem dreijährigen Reiseverbot belegt.

Der selbständige Kaufmann und Betreiber eines Kaffee-, Kakao- und Teeversandes in Hamburg wurde im Zusammenhang mit dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 erneut für zwei Monate im Gefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert. Nach der Zerstörung seines Geschäfts bei dem schweren Luftangriff auf Hamburg am 27. Juli 1943 war er in Hechthausen (Landkreis Cuxhaven) untergekommen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Remmele am Wiederaufbau der Konsumgenossenschaften beteiligt. Für diese wurde das Zentralamt der Wirtschaft in der britischen Zone und Remmele in dessen Beirat für Genossenschaftswesen gewählt. Im März 1947 folgte die Wahl zum hauptamtlichen Mitglied des Vorstandes des Zentralverbandes deutscher Konsumgenossenschaften und des Aufsichtsrats der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumgenossenschaften (GEG), Hamburg. 1948/49 vertrat er die SPD im Wirtschaftsrat in Frankfurt a. M., dessen Alterspräsident er war. Am 31. März 1949 trat er in den Ruhestand und zog krankheitsbedingt nach Freiburg.

Geehrt wurde Adam Remmele 1926 von der Universität Freiburg mit der Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät anlässlich der Grundsteinlegung der Universitätskliniken, die ihm 1935 aberkannt, 1946 aber erneut verliehen wurde. Als ihm im Jahr 1948, am 15. Jahrestag der Schandfahrt vom 16. Mai 1933, die Ehrenbürgschaft von Karlsruhe verliehen wurde, sah die Süddeutsche Allgemeine Zeitung (SAZ) dies als Abtragung einer "Dankeschuld" an, was Remmele mit der Bemerkung akzeptierte, dass er die Ehrung stellvertretend für alle, die 1919 bis 1933 an der Schaffung und der Führung des badischen Staates beteiligt waren, gern annehme. Oberbürgermeister Friedrich Töpper würdigte ihn als einen "Mann von seltener Tatkraft". Remmele, zu dessen Arbeitsschwerpunkten in der Weimarer Republik die Reichsreform gehörte hatte, sprach sich bei dieser Gelegenheit auch für die Schaffung eines Südweststaates unter Einschluss der Pfalz aus. Als mit ihm ein überzeugter Sozialdemokrat aus dem Arbeiter- und Handwerkermilieu mit einer klassischen Laufbahn vom einfachen Gewerkschafts- und Parteimitglied zum Landtags- und Reichstagsabgeordneten und Minister am 9. September 1951 in Freiburg i. Br. verstarb, wurde die Urne nach Karlsruhe überführt. Auf dem Grabstein seines Ehrengrabes auf dem Karlsruher Hauptfriedhof steht: "Ein Sohn des Volkes wollte er sein..."

Ernst Otto Bräunche 2025

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 945; 8/ZGS Personen; 11/DigD 234; Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff jeweils am 14. September 2025).

Werk

Staatsumwälzung und Neuaufbau in Baden: ein Beitrag zur politischen Geschichte Badens 1914/24, Karlsruhe 1925; Lehrerbildung und Sozialdemokratie. Ein Beitrag zum Badischen Lehrerbildungsgesetz, Pforzheim 1926; Vorschläge für die Reichs- und Länder-Reform, Karlsruhe 1929; Faschistische Treibhauskulturen. Eine belehrende Betrachtung über den Kampf zur Reichstagswahl 1930, Karlsruhe 1930; Baden vom Absolutismus zum Volksstaat, Karlsruhe 1931.

Literatur

Gerhard Kaller: Remmele Adam, in: Badische Biographien NF Bd. II, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1987, S. 225-228; Günter Wimmer: Ein unbekanntes zeithistorisches Dokument/Adam Remmeles Bericht über die „Schaufahrt“ und das KZ Kislau, in: Blick in die Geschichte Nr. 78 vom 20. März 2008, veröffentlicht auch in: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte. Karlsruher stadthistorische Beiträge, Bd. 4, 2003-2008, Karlsruhe 2009, S. 204-208; ders.: Adam Remmele: Ein Leben für die soziale Demokratie, Ubstadt-Weiher 2009, dort weitere Quellen- und Literaturhinweise.