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[[Datei:Ins-0026 Vogel Schnurmann 8 PBS oXIVf 120.jpg|alternativtext=Ansicht des Fabrikgebäudes in der Zeppelinstraße, Postkarte 1905, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 120.|links|mini|Ansicht des Fabrikgebäudes in der Zeppelinstraße, Postkarte 1905, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 120.]] |
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1833 gründete Juda Levi Vogel in Muggensturm, Amt Rastatt, einen Lumpensortierhandel. Lumpen (althochdeutsch Hader) aus pflanzlichen Rohstoffen wie Leinen, Baumwolle und Hanf waren zu dieser Zeit für die Herstellung von Papier noch unerlässlich. Vogels Sohn Samuel und sein in Muggensturm geborener Schwiegersohn Samuel Schnurmann stiegen in das Geschäft ein. Durch den Tod des Gesellschafters Juda Levi Vogel wurde die Firma Vogel und Schnurmann zum 12. Dezember 1867 aufgelöst. Zum 1. Januar 1868 gründeten Samuel Vogel und Samuel Schnurmann durch Gesellschaftsvertrag die gleichnamige Firma neu. |
1833 gründete Juda Levi Vogel in Muggensturm, Amt Rastatt, einen Lumpensortierhandel. Lumpen (althochdeutsch Hader) aus pflanzlichen Rohstoffen wie Leinen, Baumwolle und Hanf waren zu dieser Zeit für die Herstellung von Papier noch unerlässlich. Vogels Sohn Samuel und sein in Muggensturm geborener Schwiegersohn Samuel Schnurmann stiegen in das Geschäft ein. Durch den Tod des Gesellschafters Juda Levi Vogel wurde die Firma Vogel und Schnurmann zum 12. Dezember 1867 aufgelöst. Zum 1. Januar 1868 gründeten Samuel Vogel und Samuel Schnurmann durch Gesellschaftsvertrag die gleichnamige Firma neu. |
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Version vom 7. September 2026, 09:52 Uhr
Vogel & Schnurmann
1833 gründete Juda Levi Vogel in Muggensturm, Amt Rastatt, einen Lumpensortierhandel. Lumpen (althochdeutsch Hader) aus pflanzlichen Rohstoffen wie Leinen, Baumwolle und Hanf waren zu dieser Zeit für die Herstellung von Papier noch unerlässlich. Vogels Sohn Samuel und sein in Muggensturm geborener Schwiegersohn Samuel Schnurmann stiegen in das Geschäft ein. Durch den Tod des Gesellschafters Juda Levi Vogel wurde die Firma Vogel und Schnurmann zum 12. Dezember 1867 aufgelöst. Zum 1. Januar 1868 gründeten Samuel Vogel und Samuel Schnurmann durch Gesellschaftsvertrag die gleichnamige Firma neu.
Mit der wachsenden Bedeutung der textilen Rohstoffverwertung ging der Aufschwung des Unternehmens einher. Trotz eines neuen Lagerhauses mit großem Sortiersaal und Gleisanschluss am Muggensturmer Bahnhof stieß die Hadernsortieranstalt, die zwischen 70 und 80 Personen beschäftigte, bald an ihre Grenzen. Daher beschlossen die beiden Gesellschafter die Firma in die badische Landeshauptstadt Karlsruhe zu verlegen. Der Betrieb in Muggensturm blieb als Zweigniederlassung bestehen.
Zum 1. Juli 1878 eröffneten sie in der Kaiserstraße 253 (bzw. Mühlburger Straße 3, Kaiserallee 5) direkt an der Rheinbahnstation Mühlburger Tor eine Lumpensortieranstalt. Das Sortieren, Zerkleinern und Entstäuben der Lumpen verursachte sehr viel Staub, weshalb die Großherzoglich Badische Fabrikinspektion die Arbeitsbedingungen in den relativ kleinen Arbeitsräumen beim Mühlburger Tor regelmäßig beanstandete.
1897 konnten die Firmeninhaber von der Stadt Karlsruhe ein großes Areal im Bannwald in unmittelbarer Nähe des 1895 eröffneten Westbahnhofs kaufen, das von der Lohnstraße (heute Benzstraße) im Süden, der Grünwinkler Straße (heute Zeppelinstraße) im Westen, der Lagerstraße im Norden und der Arbeitsstraße im Osten begrenzt wurde. Für den Bau einer Fabrikanlage gründeten sie zum 17. Januar 1898 eine zweite Firma, die Rohprodukten-Vorbereitung zur Papierfabrikation, GmbH mit Sitz in Karlsruhe. Ihr Zweck war "die Erwerbung und Errichtung von Lagerhäusern, Sortieranstalten (insbesondere zur Vorbereitung von Rohprodukten zur Papier- und Kunstwollfabrikation) und Arbeiterwohnungen für die Firma 'Vogel & Schnurmann'". Geschäftsführer der neuen Gesellschaft waren Samuel Vogel, Samuel Schnurmann, Jakob Schnurmann und Adolf Schnurmann, alle in Karlsruhe wohnhaft.
Jakob Schnurmann beauftragte sogleich den jüdischen Architekten Ludwig Levy mit der Planung einer Fabrikanlage. Noch 1898 entstand der erste langgestreckte und vier Geschosse hohe Fabrikbau I an der Ecke Lohn- und Grünwinkler Straße. 1899 folgte das dreigeschossige Bürogebäude an der Grünwinkler Straße, dessen zweites Geschoss über eine gedeckte Brücke mit dem Fabrikbau verbunden war. 1901 entstand parallel zum Fabrikgebäude I und mit diesem über gedeckte Brücken verbunden der langgestreckte Fabrikbau II, in dessen zwei Sortiersälen für jeweils 100 Arbeiterinnen und Arbeiter die im Bau I vorsortierten, zerkleinerten und schon entstäubten Hadern nachsortiert wurden. 1904 kam entlang der Lagerstraße ein kleines Fabrikgebäude hinzu, das 1907 zunächst nach Westen erweitert und 1914 nach Osten um eine Wäscherei und Färberei ergänzt wurde. Im Februar 1907 lagen Ludwig Levys Planzeichnungen für das Hochreservoir mit Wohnungen für Beamte der Firma "Vogel und Schnurmann" (heute Zeppelinstraße 3) vor. Da Levy am 30. November 1907 überraschend verstarb, übernahm Levys Mitarbeiter Adolf Singrün die Bauausführung.
Mit der Inbetriebnahme des letztgenannten Gebäudes 1908 war der Zweck der Firma Rohprodukten-Vorbereitung zur Papierfabrikation, GmbH erfüllt. Am 3. Juli 1909 wurde sie durch die Firma Vogel & Schnurmann ersetzt, deren Zweck "die Verwertung und Verarbeitung von Hadern, Fabrikation von Kunstwolle sowie der Handel hiermit und mit verwandten Artikeln" war. Das bisherige Stammkapital wurde von 180.000 Mark auf 600.000 Mark erhöht. Gesellschafter waren die Witwe des 1908 verstorbenen Jakob Schnurmann, Adolf Schnurmann, sowie die drei Söhne des altersbedingt ausgeschiedenen Samuel Vogel, Julius Vogel, Leo Vogel und Willi Sally Vogel. Leo Vogel wurde zum alleinigen Geschäftsführer bestellt.
Durch den Ankauf weiterer Grundstücke östlich der Arbeitsstraße und nordwestlich der Lagerstraße wurde das Fabrikareal zwischen 1907 und 1918 um weitere Firmenbauten und etliche Lagerschuppen und Schuppen ergänzt.
Der Erste Weltkrieg führte zu Einschränkungen im Betrieb, vor allem ab 1916, als in Berlin die Aktiengesellschaft für Verwertung von Stoffabfällen (1917-1921 "Kriegshadern AG") als staatliches Organ gegründet wurde, das die Beschaffung und Verteilung der Rohstoffe zentral lenkte.
Im August 1919 trat Anton Friedrich (Fritz) Huber, der nach einer kaufmännischen Lehre in einer Reißwollfabrik und Lumpensortieranstalt mit angegliederter Tuchfabrik in der Textilrohstoffbranche tätig war, in die Firma ein. Bereits 1921 erhielt er Prokura und wurde mit der Auslandsvertretung von Vogel & Schnurmann betraut. Nach Jahren des Aufschwungs führte die Weltwirtschaftskrise 1929 zu einer schweren Rezession, welche das Unternehmen durch die zur gleichen Zeit geforderte Auszahlung der Schnurmann-Erben an den Rand des Ruins brachte. Aufgrund der hohen Verschuldung beim jüdischen Bankhaus Straus & Co. waren Lagerbestände und ausstehende Forderungen schon vor dem Brand am 9. Oktober 1933, bei dem das Fabrikgebäude II mit der Lumpensortieranstalt zerstört wurde, gepfändet worden. In dieser wirtschaftlich katastrophalen Lage spielte das Bankhaus mit dem Gedanken, die Fabrik stillzulegen und die Gelder aus der Brandschutzversicherung für eine Teiltilgung der Schulden zu verwenden.
Der badischen NS-Führung aber war der Fortbestand der Kunstwollfabrik und Hadernsortieranstalt mit über 300 Arbeitsplätzen wichtig. Durch die Vermittlung von Wilhelm Kimmich, Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Südwest und Mitglied der "Judenkommission", und die Unterstützung der Deutschen Arbeitsfront (DAF) Karlsruhe blieb der Betrieb aufrechterhalten. Zum 1. November 1933 wurde die Firma von einer Kommanditgesellschaft in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt.
Der Prokurist Huber übernahm in den nächsten Jahren weitgehend die Firmenleitung und war ab 1937 auch in die Arisierung des Betriebes involviert. Diese erfolgte in zwei Schritten: In Rücksprache mit dem Badischen Finanz- und Wirtschaftsministerium gründete der Freiburger Rechtsanwalt und Verbandsyndikus Otto Fehrenbach, seit 1933 juristischer Berater von Leo und Willi S. Vogel, am 18. Februar 1937 die Kommanditgesellschaft Fehrenbach & Co., ein Sortier- und Handelsbetrieb mit Station am Karlsruher Westbahnhof. Fehrenbach war persönlich haftender Gesellschaft, die Firma Vogel & Schnurmann Kommanditistin. Zum 9. März 1937 wurde Huber auch als Prokurist für die Firma Fehrenbach & Co. tätig, die als Zwischenhändlerin zwischen arischen Händlern und Vogel & Schnurmann fungierte. Ab Januar 1938 suchte Fehrenbach – auch wegen den Schwierigkeiten durch die Berliner Überwachungsstelle für Wolle und andere Tierhaare, die das Unternehmen für eine "arische Scheinfirma" hielt – einen Käufer für beide Firmen. Ein bereits aufgesetzter Kaufvertrag mit Wilhelm Köster, Direktor der Frankfurter Maschinenbau AG, vorm. Pokorny & Wittekind, zum 1. Juli 1938 kam nicht zustande.
Am 4. Juli 1938 wurde Leo Vogel auf Anordnung der Geheimen (Gestapo) Staatspolizei Karlsruhe in "Schutzhaft" genommen und am 14. Juli wegen seiner Herzerkrankung in die Krankenabteilung des Landesgefängnisses Mannheim-Herzogenried verlegt. Der Verkauf der Firma Vogel und Schnurmann und die Vorbereitung für seine Auswanderung nach England waren Bedingung für seine Haftentlassung am 4. Dezember 1938. Am 11. November wurde der Kaufvertrag zwischen Vogel & Schnurmann und Hermann Heim, bisheriger Geschäftsführer der Theodor Hettler GmbH in Ulm unterzeichnet. Heim hatte für die Übernahme und Fortführung der Firmen Vogel & Schnurmann und Fehrenbach & Co die Kommanditgesellschaft Oberrheinisches Textilrohstoffwerk Heim & Co. gegründet. Am 10. Dezember 1938 erfolgte der Eintrag ins Karlsruher Handelsregister. Heim war Komplementär sowie einer von fünf Kommanditisten. Fritz Huber wurde Einzelprokura erteilt. Außerdem war Huber mit einer Einlage von 50.000 Reichsmark zu 7 Prozent an der Firma beteiligt. Am 6. Oktober 1942 trat Huber als zweiter persönlich haftender Gesellschafter in die Firma ein, die sich fortan Oberrheinisches Textilrohstoffwerk Heim, Huber & Co. KG nannte.
Aufgrund des von der amerikanischen Militärregierung im November 1947 erlassenen Gesetzes zur Rückerstattung feststellbarer Vermögensgegenstände an Opfer der nationalsozialistischen Unterdrückungsmaßnahmen kam das seit 6. Oktober 1942 als Oberrheinisches Textilrohstoffwerk Heim, Huber & Co. KG firmierende Unternehmen am 1. Februar 1951 in den Besitz von Leo Vogel, New York und Willi S. Vogel, London zurück. Die Brüder gaben dem Unternehmen wieder seinen ursprünglichen Namen Vogel & Schnurmann. Als persönlich haftende Gesellschafter setzten sie die beiden Geschäftsführer Fritz Huber und Hans Löwer ein, während sie mit Einlagen von 500.000 DM und 300.000 DM Kommanditisten waren.
Im August 1954 fassten die 75 und 77 Jahre alten Brüder Vogel den Entschluss, die Firma abzugeben, die schon wenig später wieder als Oberrheinisches Textilrohstoffwerk Heim, Huber & Co. KG firmierte. Huber schied zum 4. März 1955 aus der Kommanditgesellschaft aus. Am selben Tag erlosch auch die am 6. Oktober 1942 an Karl Piestrick und Walter Trinks erteilte Gesamtprokura. Dafür trat am 4. März 1955 Hans-Waldemar Artmann als Komplementär in das Unternehmen ein. Die Prokura von Willi S. Vogel erlosch am 12. Mai 1955, am selben Tag als die Gesellschaft Vogel & Schnurmann aufgelöst und die Firma im Handelsregister gelöscht wurde.
Quellen
StadtAK 1/BOA 3267-3269, 16477, 16485-16487, 1/Wi-ko-Amt 75 und 5324; GLA 237/Zugang 1967-19 Nr. 397 und Zug. 1967-19/1886-1888; 310/34, 480/33812; 465 h/11390 und 15847; Vogel & Schnurmann Karlsruhe. Hadern-Sortieranstalt, Kunstwoll- und Kunstbaumwoll-Werke, in: Deutsche Städte, Karlsruhe, Stuttgart o. J. [1922]; Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff am 3. August 2026); Handelsregistereinträge in badischen und Karlsruher Zeitungen, u. a. Rastatter Wochenblatt vom 9. Juli 1868, Karlsruher Tagblatt vom 2. Februar 1898 und 15. Juli 1909, Badische Presse vom 17. März 1937 und 19. Dezember 1938, Badische Wirtschaftszeitung vom 5. Januar 1939, Badische Neueste Nachrichten vom 19. September 1946, Badische allgemeine Zeitung vom 14. März 1955; Festschrift 125 Jahre - 1833-1958 Oberrheinisches Textilrohstoffwerk, Heim, Huber & Co. KG, vormals Vogel & Schnurmann, Karlsruhe/Rhein, [Karlsruhe 1958].
Literatur
Jürgen Güdler/Birgit Peters: Foto- und Textdokumentation Karlsruher Industriebauten, in: Rainer Beck u. a.: Industriearchitektur in Karlsruhe. Beiträge zur Industrie- und Baugeschichte der ehemaligen badischen Haupt- und Residenzstadt bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, Karlsruhe 1987, 2. überarb. Aufl. 1993, S. 158-159 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 6).