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[[Datei:Ins-1948 Hitlerjugend 8 Alben 5 336b.jpg|alternativtext=Hitlerjungen helfen als Straßenbahnschaffner aus, 1940, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/336b.|links|mini|Hitlerjungen helfen als Straßenbahnschaffner aus, 1940, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/336b.]] |
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Der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> auf die <lex id="ins-0324">Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)</lex> mit der Ernennung <lex id="bio-0043">Adolf Hitlers</lex> zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 folgte nach der nur noch mit Einschränkungen letzten demokratischen <lex id="ereig-0289">Reichstagswahl</lex> am 5. März rasch die Ausschaltung der Gegner und die Gleichschaltung von Gesellschaft und Staat im Sinne der <lex id="ereig-0016">NS-Ideologie</lex>. Träger und Verbreiter der NS-Ideologie waren die Partei und ihre Gliederungen, die alle ihren Sitz in der <lex id="ereig-0107">Gauhauptstadt</lex> Karlsruhe hatten. Zu Beginn waren dies außer der Gauleitung mit 18 Abteilungen, die Kreisleitung mit 13 Abteilungen, die <lex id="ins-1941">Sturmabteilung (SA)</lex> mit elf Untergliederungen, die <lex id="ins-1942">Schutzstaffeln (SS)</lex> mit vier Gliederungen, die <lex id="ins-1949">Deutsche Arbeitsfront (DAF)</lex> und die Hitlerjugend (HJ). |
Der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> auf die <lex id="ins-0324">Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)</lex> mit der Ernennung <lex id="bio-0043">Adolf Hitlers</lex> zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 folgte nach der nur noch mit Einschränkungen letzten demokratischen <lex id="ereig-0289">Reichstagswahl</lex> am 5. März rasch die Ausschaltung der Gegner und die Gleichschaltung von Gesellschaft und Staat im Sinne der <lex id="ereig-0016">NS-Ideologie</lex>. Träger und Verbreiter der NS-Ideologie waren die Partei und ihre Gliederungen, die alle ihren Sitz in der <lex id="ereig-0107">Gauhauptstadt</lex> Karlsruhe hatten. Zu Beginn waren dies außer der Gauleitung mit 18 Abteilungen, die Kreisleitung mit 13 Abteilungen, die <lex id="ins-1941">Sturmabteilung (SA)</lex> mit elf Untergliederungen, die <lex id="ins-1942">Schutzstaffeln (SS)</lex> mit vier Gliederungen, die <lex id="ins-1949">Deutsche Arbeitsfront (DAF)</lex> und die Hitlerjugend (HJ). |
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Aktuelle Version vom 23. April 2026, 16:47 Uhr
Hitlerjugend (HJ)
Der Machtübertragung auf die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 folgte nach der nur noch mit Einschränkungen letzten demokratischen Reichstagswahl am 5. März rasch die Ausschaltung der Gegner und die Gleichschaltung von Gesellschaft und Staat im Sinne der NS-Ideologie. Träger und Verbreiter der NS-Ideologie waren die Partei und ihre Gliederungen, die alle ihren Sitz in der Gauhauptstadt Karlsruhe hatten. Zu Beginn waren dies außer der Gauleitung mit 18 Abteilungen, die Kreisleitung mit 13 Abteilungen, die Sturmabteilung (SA) mit elf Untergliederungen, die Schutzstaffeln (SS) mit vier Gliederungen, die Deutsche Arbeitsfront (DAF) und die Hitlerjugend (HJ).
Die HJ war im Juli 1926 auf dem zweiten Parteitag der NSDAP in Weimar als Hitlerjugend, Bund deutscher Arbeiterjugend, gegründet worden, nachdem zuvor schon seit 1922 andere NS-Jugendorganisationen bestanden hatten. In Karlsruhe entstand 1927 eine kleine Ortsgruppe, die am 29. Dezember eine erste Weihnachtsfeier abhielt, in der der gebürtige Rüppurrer Jugendführer Hellmut Wetz, geboren am 26. Juli 1908, eine Ansprache hielt und der Anfang 1928 rund 20 Mitglieder hatte. Wenig später verkündete der Gaujugendführer des Bundes Nationaler Pfadfinder, Werner Teichert, dass der Bund geschlossen zur HJ übergetreten sei. Wetz verkündete Mitte 1928 die Aufteilung der HJ in die Jungmannschaft (12 bis 15 Jahre) und die Wanderabteilung (16 bis 18 Jahre). Gezielt sprachen Lehrer wie der spätere Landtagsabgeordnete Karl Lenz oder der spätere Gaupropagandaleiter August Kramer in HJ-Veranstaltungen.
Am 13. April 1929 fand die erste HJ-Kundgebung in Karlsruhe statt. Wenig später nahmen neun Hitlerjungen aus Karlsruhe, aus ganz Baden 25, am Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg teil.
Seit Anfang 1932 erschien in der Parteizeitung Der Führer regelmäßig die Beilage Der junge Freiheitskämpfer unter Leitung des HJ-Propagandaleiters Karl Cerff aus Heidelberg. Dort befand sich bis Ende Januar 1932 auch die Gauleitung der HJ, die erst Anfang 1932 zunächst in die Räume der Druckerei Reiff in der Markgrafenstraße 46, dann in die Kaiserstraße nach Karlsruhe zog, wie Gaugeschäftsführer Erwin Fröschle verkündete. Die erste Bannfahne erhielt die Karlsruher HJ im Oktober 1932 auf dem Reichsparteitag in Potsdam. Ende des Jahres wurde Wetz aus der NSDAP ausgeschlossen, weil bei einem von ihm geleiteten Winterlager ein von ihm Beauftragter Parteigenossen und Bauern aus Gutach um 100 RM betrogen haben sollte. Die Führung der HJ hatte schon Anfang 1932 der Alte Kämpfer Friedhelm Kemper, ein Protégé des Gauleiters Robert Wagner, von Felix Wankel übernommen, der zum Reichsinspekteur der Hitlerjugend nach Berlin berufen worden war. Der spätere Erfinder des gleichnamigen Motors hatte seinerseits Wetz abgelöst und war ein nationalsozialistischer Aktivist par excellence, ehe er sich noch 1932 mit der Partei überwarf und sich der Notgemeinschaft Lahr anschloss. Diese verfolgte den Kurs des Parteilinken Gregor Strasser weiter, was die Gauleitung als eine durchaus ernst zu nehmende Gefahr für die NSDAP ansah. Wankel wurde "wegen zersetzender Tätigkeit und wegen Verstoß gegen die Parteidisziplin aus der NSDAP ausgeschlossen." (Der Führer vom 7. November 1932).
Nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten war diese Gefahr aber rasch gebannt, nun kümmerten sich die neuen Machthaber noch einmal verstärkt um die Erfassung der Jugend. Mitte des Jahres 1933 bekam die badische HJ eine neue Struktur. Der Gau wurde nach wie vor von Friedhelm Kemper geleitet, sein Vertreter war Stabsführer Otto Heidt, unter dessen Leitung 1929 die Karlsruher SS gegründet worden war. Heidt war zugleich Führer des Banns Mittelbaden mit Sitz in Karlsruhe, zu dem fünf Unterbanne gehörten: 109 Karlsruhe mit Unterbannführer Walter Rau, der aber schon bald von Walter Haßmann abgelöst wurde. 111 Rastatt, Baden-Baden und Bühl, 169 Hornberg, 170 Offenburg und 172 Pforzheim, Bretten und Bruchsal. Als das Karlsruher HJ-Bannheim in der Kriegsstraße 57 im Jahr 1934 eingeweiht wurde, sollen bereits annähernd 4.000 Jugendliche HJ-Mitglieder gewesen sein. Als “junge soldatische nationalsozialistische Mannschaft” sah Kultusminister Otto Wacker die Jugend. Seine Forderung, dass es bald “keinen deutschen Buben und kein deutsches Mädel” mehr gebe dürfe, die nicht durch die Gemeinschaft und die Schulung der HJ gingen, realisierte das Gesetz über die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936. Zahlreiche Aktionen wie der “Feldzug der Hitlerjugend” im Oktober 1935, der unter der Parole “Einheit der Jugend” stand, bereiteten die Erfassung der männlichen Jugend vor. Alle Redner der NSDAP sollten in Volkskundgebungen gegen die Jugendzersplitterung ankämpfen. Zu diesem Zweck wurde auch über die Schule Druck ausgeübt: "Alle arischen Schüler und Schülerinnen in Baden, auch die, die bis jetzt noch nicht erfasst sind, werden durch die Schulen zu dieser Veranstaltung geführt." Der entsprechenden Anordnung des Kultusministeriums zufolge mussten die Klassenlehrer ihre Schüler darauf hinweisen, dass "es die Pflicht eines jeden deutschen Jungen und deutschen Mädels ist, der HJ bzw. dem BDM anzugehören." In der zweiten Kampfwoche dieses Feldzuges stand die Ertüchtigung der Jugend im Vordergrund. "Durch die Presse, durch den Rundfunk, durch Redner, durch sportliche Darbietungen" sollte der Masse klar gemacht werden, dass "nur der Staat und die nationalsozialistische Partei das Recht haben, für die sportliche Ertüchtigung der Jugend einzutreten." Höhepunkt der Woche war eine HJ-Staffette aus 12 Hauptkreisstädten, deren HJ-Banne dem Reichsstatthalter Wagner die Parole Für die Einheit der Jugend zu überbringen hatten. Am 13. Oktober fanden Morgenfeiern statt unter dem Motto: "Ein Führer! Ein Volk! Eine deutsche Jugend!" Anschließend folgten öffentliche Versammlungen zum Beispiel mit den Themen: "Warum muß der Beamte seine Kinder zur Staatjugend schicken?" und "Die deutsche Mutter will die Zukunft der Nation und schickt ihre Jugend zur Hitlerjugend!."
Um die weibliche Jugend kümmerte sich der Bund Deutscher Mädel (BDM), der erst im Jahr 1930 gegründet worden war. Seit 1933 gehörten Veranstaltungen, an denen die Jugendlichen beteiligt waren, zum jährlich wiederkehrenden Ritual wie das Überführen der Jungmädel und des Jungvolks in HJ und BDM. Direkter Druck wurde zum Beispiel auf die bei der Stadtverwaltung beschäftigten Eltern ausgeübt. Oberbürgermeister Adolf Friedrich Jäger erwartete Ende 1935, dass "sie dem Willen des Führers entsprechen und sein Werk fördern helfen, indem sie ihre Kinder in die Jugendgliederungen der NSDAP eintreten lassen."
1938 waren aus zwei Stadtgefolgschaften elf geworden. Der Bann 109, der inzwischen nach dem 1925 bei einer Straßenschlacht getöteten Schlagetermann Fritz Kröber benannt war, den die HJ bald zu einem der ihren deklariert hatte und ihn bei jeder Gelegenheit als Märtyrer der NSDAP feierte, umfasste etliche Sonderformationen: Marine, Flieger, Motor, Nachrichten, MZ, SZ, Bannorchster und Streifendienst. Geleitet wurden die Jugendlichen von rund 500 Kameradschaftsführern, Scharführern und Gefolgschaftsführern, die unterstützt wurden von Geldverwaltern, Sportwarten, Schießwarten und Geländesportwarten. Stolz war man darauf, dass die Karlsruher HJ unter anderem bei den Schießabzeichen an der Spitze marschierte. Es war also nicht zu übersehen, dass der Dienst in der HJ wesentlich der Vorbereitung auf den Militärdienst diente.
Dass aus diesen Übungen bald bitterer Ernst wurde, ahnten wohl wenige der Jugendlichen. Noch vor Kriegsbeginn bestimmte die zweite Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Hitler-Jugend vom 25. März 1939 den Dienst in dieser Organisation als eine Dienstpflicht, die öffentlich-rechtlichen Charakter trug und dem Arbeits- und dem Wehrdienst gleichgestellt wurde. Auch in Karlsruhe wurde die HJ nun zu den im ganzen Reich üblichen Arbeiten herangezogen, unter anderem für Parteieinsätze, Einsatz für Staat und Kommunen (Meldedienst, Luftschutz, Feuerwehrdienst), Technische Nothilfe und Hilfsdienste bei der Post, der Bahn; Einsatz bei der Wehrmacht (Kurier- und Verladedienst, Verpflegungsausgabe, Telefondienst). Darüber hinaus wurden auch in Karlsruhe Hitlerjungen im weiteren Kriegsverlauf als Flakhelfer und zuletzt auch als Volkssturmmänner eingesetzt.
Quellen
Fritz Kröber: Das Bannheim der Karlsruher Hitlerjugend, o. O. [Karlsruhe], o. J. [1934]; Karlsruher Zeitungen, hier vor allem Der Führer, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7864903 (Zugriff am 4. April 2026).
Literatur
Ernst Otto Bräunche: "... sind auch hier die Führerbilder unbeschädigt": Zum Karlsruher Herrschaftsalltag im "Dritten Reich", in: Rainer Beck u.a.: Alltag in Karlsruhe. Vom Lebenswandel einer Stadt in drei Jahrhunderten, hrsg. von Heinz Schmitt unter Mitwirkung von Ernst Otto Bräunche, Karlsruhe 1990, S. 229-261, S. 242-245 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 10); Arno Klönne: Jugend im Dritten Reich. Die Hitlerjugend und ihre Gegner, Düsseldorf 1982.