Karl Dillinger
Maler, * 14. Oktober 1882 Karwin/Österreichisch-Schlesien/heute Tschechien, † 22. Januar 1941 Dirmstein/Lkr. Bad Dürkheim, kath., ledig.
Der Sohn eines badischen Braumeisters, der zunächst in Karwin und ab 1893/94 in Ludwigshafen tätig war, besuchte nach der Übersiedlung zunächst eine Privatschule in Mannheim, die ihn auf den Besuch der Königlich Bayerischen Lateinschule in Ludwigshafen vorbereiten sollte. Im Schuljahr 1894/95 ist Dillinger in der Quinta der Schule nachweisbar, die zum 1. September 1894 in ein Progymnasium umgewandelt wurde. Nach der Untersekunda 1899 verließ er die Schule ohne Examen. Von 1899 bis 1902 absolvierte er an der Großherzoglich Badischen Kunstgewerbeschule in Karlsruhe eine Ausbildung zum Dekorationsmaler. Seine anschließende Bewerbung für ein Studium an der Großherzoglich Badischen Akademie der Bildenden Künste wurde abgelehnt, weshalb er sein Glück an der Königlichen Kunstschule im württembergischen Stuttgart suchte. Von 1902 bis 1904 belegte er dort die Zeichenklasse und von 1904 bis 1906 die Malklasse.
Entscheidend für Dillingers künstlerische Entwicklung war der Aufenthalt 1906/07 in Paris. Dort belegte er Kurse an der privaten Académie Julian und lernte vor allem das Werk von Paul Cézanne kennen. Cézannes Malerei wurde für Dillingers zukünftiges Kunstschaffen prägend. Die Selbstbildnisse und Bildnisse, die er seit 1910 schuf, lassen im Bildaufbau, in der Farbwahl und in ihrem breiten Pinselduktus unverkennbar seine intensive Auseinandersetzung mit Cézannes Œuvre erkennen.
In den Landschaftsdarstellungen dagegen bediente sich Dillinger bis in die frühen 1930er-Jahre der impressionistischen Malweise, die ihren Ursprung ebenfalls im Paris der 1870er-Jahre hatte, und seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert auch in Deutschland von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und ihren Anhängern aufgegriffen wurde. Und auch mit der fauvistischen Malerei von Henri Matisse und dessen französischen Mitstreitern ab 1905 und ebenso mit der Kunst des Speyerer Malers Hans Purrmann, der von November 1905 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Paris lebte und mit Matisse 1908 die Académie Matisse eröffnete, beschäftigte sich Dillinger eingehend, der Anfang der 1930er-Jahre regelmäßig Studienreisen nach Paris unternahm. Vor allem Dillingers späte Landschaften, die er nach seiner Entlassung aus dem badischen Schuldienst 1933 in der Pfälzer Abgeschiedenheit bis zu seinem Tod noch malte, stehen stilistisch und farblich den Landschaften von Purrmann sehr nahe.
1907 kehrte Karl Dillinger nochmals an die Stuttgarter Kunstakademie zurück und wurde Meisterschüler von Robert von Haug und Adolf Hölzel. 1909 siedelte er dann als freischaffender Künstler nach Mannheim über, wo er in den folgenden Jahren regelmäßig im „Verein der bildenden Künstler und Kunstfreunde Mannheim“ ausstellte. In Mannheim freundete er sich mit Willi Storck, seit 1911 wissenschaftlicher Mitarbeiter der dortigen Kunsthalle, an. Als Storck 1920 die Leitung der Badischen Kunsthalle in Karlsruhe übernahm, folgte ihm Dillinger 1921 nach Karlsruhe nach.
Im Frühjahr 1924 ersuchte der Senat der Badischen Landeskunstschule das Kultusministerium, zum Beginn des neuen Schuljahres Dillinger als Fachlehrer für eine Malklasse einzustellen, da es an einer solchen mangelte. Zum 15. Oktober 1924 nahm Dillinger die Lehrtätigkeit auf. Für das Studienjahr 1925/26 wurde der Fachlehrer neben den drei Professoren Kurt Edzard, Hermann Goebel und Fritz Spannagel zum Mitglied des Senats ernannt. Am 17. November 1926 wurde ihm, wiederum auf Ansuchen des Senats der Landeskunstschule, die Amtsbezeichnung Professor für die Dauer der Zugehörigkeit zum Lehrkörper verliehen.
1927 gründete Dillinger gemeinsam mit Karl Albiker, Hermann Goebel, Albert Haueisen, Karl Hofer, Alexander Kanoldt, Rudolf Schlichter, Gustav Wolf sowie elf weiteren Künstlern die Badische Sezession, die vom 1. Oktober bis 10. November 1927 in der Kunsthalle des Freiburger Kunstvereins ihre erste Ausstellung zeigte. Dillingers Gemälde „Blühender Obstgarten“ (1927), das auf der Freiburger Veranstaltung zu sehen war, kaufte die Badische Landeskunsthalle Karlsruhe 1928 an. 1932 folgte noch der Ankauf zweier Aquarelle – einem Selbstporträt und einer Landschaft. Insgesamt verzeichnet die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe heute in ihrem Besitz fünf Gemälde, zehn Aquarelle, zwei Zeichnungen und fünf Lithografien des Künstlers.
Nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten Ende Januar 1933 wurde der Lehrbetrieb der Landeskunstschule umgestaltet und die bestehenden Fachklassen mit Beginn des neuen Schuljahres 1933/34 aufgehoben. Am 25. Juli 1933 wurde Dillinger gemäß der §§ 6 und 15 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums auf den 1. Januar 1934 gekündigt und bis dahin von der Ausübung seiner Lehrtätigkeit entbunden. Bei der Verlängerung seines Dienstvertrages im November 1930 war ihm für den Fall eines Ausscheidens nach zehnjähriger Lehrtätigkeit eine Übergangsrente in Höhe von je der Hälfte der zuletzt bezogenen Jahresvergütung auf drei Jahre zugesichert worden. Da er immerhin neun Jahre als Lehrer an der Einrichtung gewirkt hatte, wurde ihm "in Anwendung der Härteausgleichsbestimmung" eine zweijährige Übergangsrente in Höhe des hälftigen Betrags der jetzigen Vergütung gewährt.
Noch Ende Juli 1933 kündigte er seine Wohnung in der Dammerstocksiedlung und zog nach Grethen (heute Ortsteil von Bad Dürkheim) in die Pfalz. Das idyllische Isenachtal bei Grethen und Hausen wurde zum wichtigsten Motiv in seinen letzten Schaffensjahren. Nach langer schwerer Krankheit starb Dillinger im Januar 1941 im Haus eines Freundes in Dirmstein und wurde auf dem Friedhof in Bad Dürkheim bestattet. Den größten Teil seines künstlerischen Nachlasses bewahrt heute das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen.
Quellen
GLA 235/1427 (Personalakte); Datenbank der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe; Adressbuch und Schematismus der Brauereien, Brennereien und Zuckerfabriken in Österreich-Ungarn, hrsg. von R. J. Rohr, 5. Ausg., Leitmeritz 1893; Königlich-bayerisches Amtsblatt der Pfalz, hrsg. vom Regierungsbezirk Pfalz, 1901; Jahresbericht über das Königlich Bayerische Progymnasium zu Ludwigshafen am Rhein für das Schuljahr 1894/95, Ludwigshafen am Rhein 1895.
Literatur
Michael Koch: Dillinger, Karl, Maler, in: Badische Biografien NF 4 (1996), S. 62 f., https://www.leo-bw.de/fr/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/122698967/Dillinger+Karl (Zugriff am 3. August 2026); Ottheinz Münch: Karl Dillinger, in: Gedächtnisausstellung Karl Dillinger 1882-1941. 12. Mai – 11. Juni 1951 in der Galerie der Pfälzischen Landesgewerbeanstalt, Kaiserslautern 1951; Kunst in Karlsruhe 1900-1950, hrsg. von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe 1981, S. 150; Die Malerei ist tot – es lebe die Malerei. 150 Jahre Kunstakademie Karlsruhe – die Professoren von 1947 bis 1987, hrsg. von Stadt Karlsruhe – Städtische Galerie, Karlsruhe 2004, S. 16.