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Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 1564.

Anton Alexander von Werner

Maler, * 9. Mai 1843 Frankfurt/Oder, † 4. Januar 1915 Berlin, ∞ 1871 Malvine Schrödter.

Trotz seines künstlerischen Talents absolvierte Anton von Werner auf Wunsch des Vaters, eines Tischlermeisters, zunächst eine Ausbildung zum Stubenmaler. Von 1859-1862 studierte er an der Berliner Kunstakademie, bildete sich gleichzeitig in Architektur- und Ornamentzeichnen weiter und übernahm erste Illustrationsaufträge. In Berlin sah er erstmals Gemälde von Carl Friedrich Lessing und Adolf Schroedter, was ihn veranlasste, ab Oktober 1862 sein Studium in Karlsruhe fortzusetzen. Mit Unterbrechungen wohnte er in Karlsruhe von Oktober 1862 bis zu seiner endgültigen Übersiedlung nach Berlin im Frühjahr 1871 bei der Familie Schroedter, deren Heim einen wichtigen kulturellen Treffpunkt bildete. Hier lernte er unter anderem Hans Canon, Ludwig des Coudres, Ferdinand Keller, Hans Thoma, Joseph Victor von Scheffel und Hans Frederik Gude kennen. Der Unterricht an der Kunstschule interessierte Werner nur wenig, lieber assistierte er Schrödter bei dessen Auftragsarbeiten, wie den zwei von Großherzogin Luise in Auftrag gegebenen Supraporten für das Berliner Kronprinzenpalais, oder er arbeitete an eigenen Kompositionen. Ab 1864 entstanden Illustrationen zu Dichtungen von Scheffel.

Für Werners frühe Historienbilder bis 1870 waren in stilistischer und ikonografischer Hinsicht insbesondere Lessings naturalistisch-realistische Historienbilder prägend. Der nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges erhaltene Auftrag einer monumentalen Darstellung von Generalfeldmarschall Moltke vor Paris, der ihn durch Vermittlung von Großherzog Friedrich I. im Oktober 1870 ins Hauptquartier der deutschen Armee nach Versailles führte, markiert eine Zäsur in Werners Malerei. Aktuelle politische Ereignisse rückten von nun an in den künstlerischen Fokus wie die in fotorealistischer Manier in Szene gesetzte Proklamierung des Deutschen Kaiserreichs am 18. Januar 1871 in Versailles, der er selbst beiwohnte, der Siegeseinzug in Berlin am 16. Juni 1871 und die Eröffnung des Reichstags im Weißen Saal des Berliner Schlosses durch Wilhelm II. am 25. Juni 1888.

Werners freundschaftliches Verhältnis zur kaiserlichen Familie und führenden Militärs bewog ihn, sich im Frühjahr 1871 in Berlin niederzulassen, wo ihn zahlreiche öffentliche und private Aufträge erwarteten, darunter weitere Darstellungen zu den 1870/71er-Ereignissen, Staatsporträts, offizielle Bildnisse, Zeremonienbilder und die Ausschmückung des Berliner Doms. Er bekleidete zahlreiche Ämter, unter anderen von 1875 bis zu seinem Tod 1915 das Direktorat der Berliner Akademie. 1910 zum "Wirklichen Geheimrat" mit dem Prädikat "Excellenz" ernannt, wurde ihm 1912 der Königliche Rote Adler-Orden I. Klasse verliehen.

Katja Förster 2014

Werk

Jugenderinnerungen (1843-1870), hrsg. Von Dominik Bartmann, Berlin 1994; Erlebnisse und Eindrücke. 1870-1890, Berlin 1913.

Literatur

Dominik Bartmann: Anton von Werner. Zur Kunst und Kunstpolitik im Deutschen Kaiserreich, Berlin 1985; Lore Schwarzmaier: Anton von Werner und Karlsruhe, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, N.F. 104, 1995, S. 528-531.