Albrecht Friedrich von Keßlau

Ingenieurleutnant, Kavalierarchitekt, * 1726 Wesel, † 17. April 1789 Hildburghausen, ∞ 1755 Louise Maria Justina von Carlstein, 1 Sohn, 1 Tochter.

Der Sohn eines preußischen Offiziers trat 1737 in Karlsruhe als Edelknabe in den Dienst des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach. Nach dessen Tod 1738 wurde Albrecht von Keßlau zur Hofhaltung des Erbprinzen Karl Friedrich und seines jüngeren Bruders Wilhelm Ludwig nach Durlach versetzt. 1743-1746 begleitete er die beiden Prinzen zunächst nach Lausanne, wo diese für zwei Jahre die dortige Académie besuchten, und anschließend nach Frankreich und in die Niederlande. Nachdem Karl Friedrich im November 1746 die Regierung in Baden-Durlach angetreten hatte, wurde Keßlau zum Leibpagen und Premierleutnant ernannt. 1748/49 schickte ihn der Markgraf zur Weiterbildung seiner Architekturkenntnisse in die Lehre des italienischen Baumeisters Leopoldo Retti, der mit dem Neubau des Stuttgarter Schlosses und dem Innenausbau des Ansbacher Schlosses betraut war. Vom Frühjahr bis zum Herbst 1750 arbeitete er in Karlsruhe mit Hofbaumeister Johann Heinrich Arnold zusammen, um dann mit Empfehlung Rettis seine Studien bis März 1752 beim Pariser Architekten Philippe de La Guêpière fortzusetzen.

Nach der Rückkehr aus Paris wurde Keßlau von Markgraf Karl Friedrich 1752 zum Baudirektor bestellt und mit der Totalrenovierung des von Friedrich von Batzendorf und Heinrich Schwarz entworfenen und im Verfall begriffenen Karlsruher Schlosses beauftragt. Dabei folgte er einem Entwurf von Balthasar Neumann, der die alten Fundamente und damit den Grundriss des Schlosses weitgehend beibehielt und lediglich zwischen dem Corps de Logis und den Seitenflügeln je einen vorspringenden Pavillon einfügte. Weitere Projekte Keßlaus in Karlsruhe waren der Entwurf eines neuen Kanzleigebäudes (1765), das nach seinen Plänen unter Mitwirkung von Wilhelm Jeremias Müller im chinesischen Stil errichtete Fasanengarten-Schlösschen mit den zwei gegenüberliegenden Pavillons (1765-1773) und der Neubau des katholischen Bethauses an der Ecke Zirkel/Lammstraße (1765/66).

Seit 1756 war er Mitglied des Rentkammerkollegiums. Wegen seiner guten Kameralkenntnisse wurde er 1763 an den Prinzen von Sachsen-Hildburghausen vorübergehend ausgeliehen. 1771 schied er endgültig aus dem badischen Staatsdienst aus, um als Geheimrat und Präsident der fürstlichen Kammer in den Dienst des Herzogs von Sachsen-Hildburghausen zu treten.

Katja Förster 2014

Literatur

Handschriftliche Aufzeichnungen von Jan Lauts, in: GLA N Lauts Nr. 12 (1-4); Hans Huth: Keßlau, Albrecht Friedrich von, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 11, Berlin 1977, S. 543 f.; Gerhard Kabierske: Das Karlsruher Schloß im 18. Jahrhundert, in: Manfred Koch: Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen, Karlsruhe 1992, S. 54 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 14).