Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schmeiser 16411.

Leopold Ferdinand Robert Rückert

Schlosser, Gewerkschafter, Politiker, * 20. April 1881 Karlsruhe, † 11. November 1942 Karlsruhe, ev., konfessionslos, ∞ 1904 Elisabeth Rothfuß, 5 Kinder.

Wie sein Vater erlernte Rückert in Karlsruhe 1895-1898 den Beruf des Schlossers. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat er in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein und engagierte sich in der Gewerkschaft. 1905-1918 übernahm er die hauptamtliche Geschäftsführung des Metallarbeiterverbandes Karlsruhe und 1909-1919 vertrat er die SPD als Stadtverordneter im Bürgerausschuss. 1914 wurde Rückert in den Vorstand des Ortskrankenkassenverbandes delegiert. Über eine Teilnahme am Ersten Weltkrieg ist nichts bekannt.

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs mit der Revolution von 1918/19 nahm der von der reformistischen Politik der badischen SPD geprägte Rückert eine führende Rolle bei der Gründung der Republik ein. Er setzte sich für eine breite Basis der provisorischen Regierung ein und übernahm selbst zunächst die Leitung des Verkehrsministeriums und 1919 des Ministeriums für Soziale Fürsorge und Öffentliche Arbeiten. Rückert nahm zudem als Mitglied sowohl der badischen wie der deutschen verfassungsgebenden Nationalversammlung an den Arbeiten für die freiheitlichen Verfassungen der neuen deutschen Demokratie auf Landes- wie Reichsebene teil. Als ein von seinem Ministerium mit Staatsmitteln gefördertes Siedlungsunternehmen in Pforzheim Konkurs anmelden musste, trat Rückert im Januar 1921 von seine Ministeramt zurück. Beruflich verstärkte er nun seine Aktivitäten in Führungspositionen des Angestelltenverbandes in Karlsruhe und in Baden. Im ÞLandtag, dem er 1919-1933 angehörte, arbeitete er in herausgehobener Position unter anderem als Vorsitzender des Haushaltsausschusses seit 1928 und im Vorstand seiner Fraktion mit. In der Endphase der Republik wurde Rückert im Juni 1931 als Staatsrat Mitglied der badischen Regierung und im August 1932 kommissarischer Innenminister. Im November 1932 zerbrach die Koalition der SPD mit dem Zentrum im Streit über den Abschluss eines badischen Konkordats, Rückert musste die Leitung des Innenministeriums niederlegen.

Im Landtag hatte Rückert 1932 und noch im Februar 1933 mit scharfen Worten die Unfähigkeit der Nazis zur Bewältigung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme angeprangert sowie deren verleumderische Agitation und ihren Willen, den Parlamentarismus zu beseitigen. Nach der Machtübernahme der Nazis im März 1933 wurde er bis Ende Juni im Gefängnis in der Riefstahlstraße inhaftiert und stand fortan unter Beobachtung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Den Lebensunterhalt für seine Familie musste er als Versicherungsvertreter verdienen. Als der herzkranke Rückert womöglich nach einem Gestapoverhör einen Herzinfarkt erlitt und verstarb, verhinderten die Nazis ehrende Nachrufe.

2013 wurden in Karlsruhe an zwei Stellen Stolpersteine für Leopold Rückert verlegt: Vor seiner letzten Wohnung in der Ettlinger Straße und vor seiner einstigen Wirkungsstätte als Parlamentarier, der heutigen Stadtbibliothek mit der Erinnerungsstätte Ständehaus.

Manfred Koch 2015

Literatur

Gunther Treiber: Leopold Rückert, in: Im Mittelpunkt der Mensch. Parlamentsreden Karlsruher SPD-Abgeordneter, hrsg. vom SPD-Kreisverband Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2001, S. 55-62; Frank Raberg: Rückert, Leopold, in: Badische Biographien NF, Bd. 6, hrsg. von Fred Sepaintner, Stuttgart 2011, S. 334-338; Michael Kitzing: Leopold Rückert, in: Badische Heimat Jg. 91, 2011, Heft 2, S. 305-310.