Blick in das Laboratorium der Homoia GmbH, Karlsruher Adressbuch 1957, G. Braun Verlag, S. A17.

Homoia GmbH

Im August 1923 gründete der Kaufmann und Betreiber eines Reklame-Verlags Otto Rüdiger Bieringer mit dem Kriminalsekretär Nikolaus Werner die Firma „Homoia GmbH“, die sich auf die Herstellung und den Vertrieb homöopathischer Heilmittel spezialisierte. Bieringer brachte das Kapital, Werner die Medikamente in das Unternehmen ein. Bereits 1924 trennte sich Werner von Bieringer und gründete noch im selben Jahr mit dem Apotheker Alfred Weiß die Firma Pharmaka GmbH, die sich ebenfalls auf die Produktion und den Vertrieb von pharmazeutischen Präparaten verlegte. Weiß brachte das Kapital, Werner die Rezepturen in das Unternehmen ein. Bieringer versuchte daraufhin vergeblich, gegen Pharmaka vorzugehen. Nach der Liquidation wurde die Pharmaka GmbH am 5. März 1927 aus dem Handelsregister gestrichen.

Homoia GmbH dagegen konnte das Angebot seiner homöopathischen Heilmittel kontinuierlich ausbauen, da zunehmend mehr Apotheker im badischen Raum die Produkte in ihr Sortiment aufnahmen und auch die Zahl der homöopathisch praktizierenden Ärzte wuchs. Die anfangs angebotenen ‚Wunderheilmittel‘, wie Stomakon gegen Magen- und Darmleiden, Dyskrasakon gegen Nervenleiden und Sklerakon gegen Arterienverkalkung sowie die Dr. Wirzʼ Homoia-Hauskuren wurden ab 1927 um Teeprodukte mit nervenstärkender, entfettender, blut- oder auch darmreinigender Wirkung erweitert.

Während das Büro von Homoia GmbH bis 1927 im ehemaligen Wohnhaus des Architekten Karl Moser in der Stabelstraße 10 untergebracht war, nennt erst das Adressbuch von 1928 (Stand November 1927) ein einfaches Lagerhaus auf dem Gelände der ehemaligen Artilleriekaserne in der Moltkestraße 20 als Firmenstandort. 1935 wechselte der Betrieb auf das Areal der ehemaligen Telegrafen-Bataillonskaserne in der Hardtstraße 86 (heute Hertzstraße 16) und 1937 in das Hinterhaus der Lameystraße 26, welches 1942 durch Brandbomben völlig zerstört wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beantragte Bieringer die Wiederzulassung seines Betriebes. Da er von 1933 bis 1941 aber Mitglied der NSDAP gewesen war, wurde der Antrag bis zum Spruchkammerverfahren gegen Bieringer zurückgestellt, das am 16. Januar 1947 mit der Einstufung als Entlasteter endete. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Bieringer 1941 aus politischen Gründen aus der NSDAP ausgeschlossen und bis zum 22. September 1942 im KZ Buchenwald eingesperrt war. Im Mai 1947 erhielt Bieringer darufhin die Genehmigung zur Weiterführung seines Betriebs. Bis 1949 blieb die Produktion eingestellt.

In der Moltkestraße 20, Eingang Kußmaulstraße (Bau 15), fand der Wiederaufbau der chemisch-pharmazeutischen und Nährmittelfabriken statt, denen mit den beiden alkoholhaltigen Therapeutika (Herz-Kreislauf) Frauengold und Eidran in den 1950er-Jahren ein Riesenerfolg beschieden war. Der Ausbau der Arbeitsräume, die Anschaffung von mehreren 1.000-Liter-Schnellmischern und weitere Rationalisierungsmaßnahmen wurden notwendig. Kosmetische Produkte wie Frauengold-Royal kamen hinzu. Mitte der 1950er-Jahre ist Otto-Rüdiger Bieringer als alleiniger Inhaber von Homoia GmbH bezeugt. 1959/60 wurde das Unternehmen in Biox GmbH umbenannt. Vermutlich ging die Namensänderung mit dem Verkauf des Unternehmens durch Bieringer einher. Das Adressbuch von 1960 (Stand: 1. Juni 1959) führt zum letzten Mal die Homoia GmbH auf.

1981 wurde in Frauengold die möglicherweise krebserregende Aristolochiasäure nachgewiesen und das Präparat in Deutschland verboten.

Katja Förster 2020

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 5956, 1/Wi-ko-Amt 290; Karlsruher Zeitung vom 20. August 1923 und 5. Januar 1925; Badische Presse vom 28. April, 6. Mai und 23. August 1925 und 17. Juli 1927; Homoia. Pharmazeutische, Chemische und Nährmittelfabriken. Otto-Rüdiger Bieringer, in: Karlsruher Adressbuch 1957, S. A17; Karlsruher Adressbücher 1923 ff. https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/bestaende/adressbuecher.de (Zugriff am 23. Dezember 2020).