Luftbild des Werksgeländes der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe an der Carl-Metz-Straße, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVf 39.

Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe AG

Die Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe AG, die Lokomotiven, Dampfmaschinen, hydraulische Pressen und andere Maschinen produzierte, hatte ihren Ursprung in der 1836 von Emil Keßler und Theodor Martiensen gegründeten Maschinenfabrik Keßler & Martiensen, die wiederum aus der 1833 von Jakob Friedrich Meßmer gegründeten mechanischen Werkstätte in der Karlsruher Erbprinzenstraße hervorgegangen war. 1851 kaufte die badische Regierung das mittlerweile unter dem Namen Maschinenfabrik Karlsruhe firmierende Unternehmen und gründete die Aktiengesellschaft Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe, die die Produktion von Lokomotiven fortsetzte.

Die Zahl der gebauten Loks lag in den ersten Jahren im einstelligen Bereich und bewegte sich in den 1860er-Jahren zwischen 20 und 37. Hierbei ist für das Jahr 1864 eine Mitarbeiterzahl von 766 nachgewiesen. 1874 erreichte die Produktion den historischen Spitzenwert von 89 Lokomotiven, um drei Jahre später auf nur noch 13 Loks zu fallen, was zur Entlassung eines Großteils der Belegschaft führte. Da die Großherzoglich Badischen Staatsbahnen in der Folgezeit weiterhin nur sehr wenige Lokomotiven bestellten, bemühte sich die Geschäftsführung der Maschinenbaugesellschaft vermehrt, Aufträge zum Umbau verschiedener Lok-Typen zu bekommen, um die Fertigung am Laufen zu halten und damit Arbeitsplätze zu sichern. Diese Phase, in der auch Umbauten für die Hessische Ludwigsbahn und die Main-Neckar-Eisenbahn ausgeführt wurden, dauerte bis ins frühe 20. Jahrhundert.

1902 erfolgte die Verlegung des bis dahin im Bereich des heutigen Goethe-Gymnasiums gelegenen Werksgeländes an die Carl-Metz-Straße (damals Wattstraße 1) am Westbahnhof in Grünwinkel. Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren geprägt durch die Umstellung der Produktion auf E-Loks, von denen die Badischen Staatsbahnen über 1.200 Exemplare bestellten, wodurch die Belegschaft auf über 1.000 Arbeiter und Angestellte anstieg. Während des Kriegs erreichte die Beschäftigtenzahl mit 1.400 ihren Höchststand.

Die Kriegsverluste in Verbindung mit den Bestimmungen des Versailler Vertrags führten in Baden wie in ganz Deutschland zu einem akuten Mangel an Lokomotiven. Um diesen Bedarf zu decken, arbeitete die Maschinenbaugesellschaft von 1919-1922 in Vollauslastung, wobei 1921 mit 72 gebauten Lokomotiven das Spitzenjahr darstellt. Da dennoch nicht alle Loks termingerecht ausgeliefert werden konnten, wurde 1921 die große Montagehalle nach Süden erweitert, wodurch das Werksgelände von ursprünglich 100.000 qm (1901) auf 270.000 qm (1923) vergrößert wurde.

Mit Beginn des Inflationsjahrs 1923 brachen die Aufträge von der Reichsbahn massiv ein, woran auch die kurz zuvor gegründete Motor-Lokomotiv-Verkaufs-GmbH Baden, eine Tochterfirma zur besseren Vermarktung der neuen Antriebstechnik, nichts mehr ändern konnte. Die Betriebsstärke sank auf 300 Personen; von 28 produzierten Loks 1923 ging die Zahl bis 1929 auf eine einzige zurück. Alle Rettungsmaßnahmen, darunter die Abwertung des Aktienkapitals, blieben wirkungslos. Nachdem die Bitte der Geschäftsführung um einen Kredit in Höhe von 500.000 Reichsmark am 25. Oktober 1929 vom Karlsruher Stadtrat abgelehnt worden war, meldete die Maschinenbaugesellschaft am 11. November 1929 Insolvenz an. Von 1842-1929 waren in Karlsruhe insgesamt 2.370 Lokomotiven gebaut worden.

Bei der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe begannen mehrere Automobilpioniere ihre Laufbahn, wie Carl Benz als Schlosser (1864-1866), Gottlieb Daimler als Leiter der technischen Werkstätten (1869-1872) und Wilhelm Maybach als technischer Zeichner und Konstrukteur (1869-1872).

René Gilbert 2014

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 2284-2288, 8/StS 24/359.

Literatur

Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe – Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 253, 304, 403 f.; Werner Willhaus: Lokomotivbau in Karlsruhe. Die Geschichte der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe und ihrer Vorgänger, Freiburg 2005, S. 16-90; Maike Doll: Emil Kessler, Karlsruhe 2013, S. 48 f. (= Karlsruher Köpfe. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 2).