Hotel Germania, Karl-Friedrich-Straße 34/Ecke Lindenstraße, rechts südliche Flanke des Malschbrunnens mit Vorplatz, 1896, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVe 155.

Hotel Germania

Mit dem Abriss des von Friedrich Weinbrenner entworfenen Ettlinger Tors Anfang 1872 verlor die Via Triumphalis nicht nur im Süden ihren architektonischen Abschluss, sondern eine Remisenwand des Markgräflichen Palais verunstaltete seitdem auch die östliche Ecke von Karl-Friedrich- und Kriegsstraße. Um das städtebauliche Erscheinungsbild an der durch den nahe gelegenen Bahnhof wichtigsten Hauptzufahrtsstraße zum Zentrum zu verschönern, beschloss die Stadtverwaltung, die kahle Mauer mit einer architektonisch gegliederten Brunnenwand, dem Malschbrunnen, zu kaschieren sowie auf dem gegenüberliegenden Grundstück mit dem einstigen Weinbrenner-Wohnhaus ein Grandhotel zu errichten.

1871/72 erwarb die Badische Immobiliengesellschaft das Anwesen, für das Stadtbaurat Heinrich Lang intern einen ersten Hotel-Entwurf mit genauen Baufluchten und -höhe anfertigte. Allerdings fand sich erst 1875 mit dem Münchner Architekten Joseph Ritter von Schmaedel ein Finanzier für das geplante Luxushotel. Nach Zusicherung verschiedener finanzieller Vergünstigungen und der Erlaubnis, einen Teil der Lindenstraße als Hotelveranda zu überbauen, kaufte Schmaedel im November 1875 das Anwesen. Der Inhalt der 2011 bei Bauarbeiten für den Stadtbahntunnel geborgenen Grundsteinkassette dokumentiert, dass Schmaedel gemeinsam mit seinem Münchener Kollegen Carl Schönhammer das viergeschossige, um einen Innenhof gruppierte neorenaissancistische Gebäude mit hoher Sockelzone, Mansardengeschoss und kreisförmiger, überkuppelter Ecke entwarf. Mit der Ecklösung, die zwei Jahrzehnte später von Josef Durm beim Großherzoglichen Bezirksamt am Marktplatz rezipiert wurde, nahmen die Architekten Bezug auf Weinbrenners Ständehaus.

Am 24. Mai 1876 fand die Grundsteinlegung statt; 1877 war der Neubau fertig gestellt; 1878 wurde er zur Versteigerung ausgeschrieben. Den Zuschlag bekam Gastwirt Josef Leers, der das Haus von 1879-1890 führte. 1890 verkaufte er es an Gastwirt Heinrich Sitzler. Dieser nahm 1922 seine beiden Söhne Heinrich junior und Friedrich als Gesellschafter in den Betrieb auf. Während er selbst 1924/25 aus dem Unternehmen ausschied, führten die Söhne das Hotel bis zu seiner Zerstörung durch Brandbomben 1944 weiter. Zwischen 1895 und 1924 nahm Sitzler senior regelmäßig Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen vor, um den hohen Komfort des Hauses zu gewährleisten. Wer Rang und Namen hatte, bezog hier Quartier: Gäste des badischen Fürstenhauses, darunter wiederholt Kaiser Wilhelm II., bedeutende Künstler, Politiker und Militärs wie Franz Liszt, Richard Strauss, Cosima Wagner, Engelbert Humperdinck, Bernhard von Bülow, Paul von Hindenburg, August von Mackensen, Alfred von Tirpitz und Friedrich Ebert. Adolf Hitler nutzte das Hotel am 17. Mai 1939 für ein Treffen mit Oberbefehlshaber Walter von Brauchitsch. Der Große Festsaal im Parterre wurde von der Stadt für besondere Veranstaltungen gemietet, die Sitzungszimmer in den oberen Etagen dienten für Tagungen und Konferenzen.

Mit der Verlegung des Bahnhofs von der Kriegsstraße an die südliche Stadtperipherie 1913 verlor das Hotel die ihm zugedachte repräsentative Entree-Funktion. Fortan gab es einen hoteleigenen Zubringerdienst zwischen Hotel und Hauptbahnhof, ab 1925 auch zwischen Hotel und Flugplatz. Beim Fliegerangriff vom 27. September 1944 brannte das Haus vollständig aus. 1948 beantragten die Brüder Sitzler den Wiederaufbau des Hotels, der aufgrund dringlicherer Wiederaufbaumaßnahmen abgelehnt wurde. 1954/55 wurde die Hotelruine abgerissen und an ihrer Stelle die Wirtschaftsoberschule (später Friedrich-List-Schule) errichtet, deren Anschrift Kriegsstraße 116-120 lautete. Heute erstreckt sich das Ettlinger-Tor-Center über diesen Standort.

Katja Förster 2015

Quellen

StadtAK 8/StS 40/32, 38, 45, 1/BOA 1952; Karlsruher Adressbücher 1871-1956.

Literatur

Friedrich Hirsch: 100 Jahre Bauen und Schauen. Ein Buch für jeden, der sich mit Architektur aus Liebe beschäftigt oder weil sein Beruf es so will. Zugleich ein Beitrag zur Kunsttopographie des Großherzogtums Baden unter besonderer Berücksichtigung der Residenzstadt Karlsruhe Bd. 2, Karlsruhe 1932, S. 447 f., http://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/Drucke/content/titleinfo/2965504 (Zugriff am 22. Dezember 2015).