Blick auf den Flugplatz Karlsruhe-Forchheim, 1961, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A8/46/5/04.

Flugsportverein 1910 Karlsruhe e. V.

Der Flugsportverein 1910 Karlsruhe e. V. ist ein Karlsruher Verein im Bereich Flugsport und Modellbau. Er besteht aus den vier Abteilungen Segelflug, Motorflug, Ultraleicht sowie Modellflug und gehört heute zur Luftsportgemeinschaft Rheinstetten, die das Segelfluggelände Rheinstetten betreibt. Der Verein wurde am 29. September 1910 als Badischer Luftschiffahrt-Verein Karlsruhe e. V. gegründet, aber bereits 1911 in Karlsruher Luftfahrtverein e. V. umbenannt. Weitere Namensänderungen erfolgten in den 1930er-Jahren. Landesweite Bekanntheit erlangte der Verein bereits kurz nach seiner Gründung durch die 1910/11 auf den Karlsruher und Forchheimer Exerzierplätzen unternommenen Flugversuche des Flugpioniers Paul Senge.

Seit 1913 bemühte sich der Verein um die Errichtung eines Flugplatzes auf dem Karlsruher Exerzierplatz an der Erzbergerstraße. Dieser wurde 1924 eröffnet. Durch den Bau der ersten Flugzeughalle 1925 begann der erste kleine Flugverkehr in Karlsruhe. 1931 wurde die vereinseigene Motorflugschule eröffnet. Die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstörten den Flugplatz sowie die meisten seiner Gebäude. 1945 erfolgte die Beschlagnahmung des Geländes durch die Besatzungsmacht. 1950 benannte sich der Verein abermals um, diesmal in Flugsportverein Karlsruhe e. V., bevor er im November 1960 seinen heutigen Namen erhielt.

Nach der Aufhebung des Segelflugverbots 1950 begannen der Verein und die Stadt Karlsruhe 1952 mit der gemeinsamen Suche nach einem neuen Segelfluggelände. Der ehemalige Truppenübungs- und Exerzierplatz auf Forchheimer Gemarkung bot hierfür gute Voraussetzungen. Nach eineinhalbjährigen Verhandlungen unter Federführung des Karlsruher Oberbürgermeisters Günther Klotz stimmte der Forchheimer Gemeinderat im März 1954 der Verpachtung des 26 Hektar großen Geländes an den Flugsportverein Karlsruhe zu. Von 1954-1957 wurde das Areal zunächst als Segelfluggelände genutzt, nach umfangreichen An- und Umbaumaßnahmen von 1957-2000 als Verkehrslandeplatz.

Die Entscheidung des Karlsruher Gemeinderats vom Oktober 1992, den Neubau eines Regionalflughafens bei Söllingen (Baden-Airpark) einem Ausbau des Flugplatzes Forchheim vorzuziehen, brachte dem Flugsportverein eine Zeit der Ungewissheit über die Zukunft des Flugsports in Karlsruhe. Nachdem das Karlsruher Landgericht 1999 die Klage des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands zur Weiternutzung des Fluggeländes für den Verein gemäß Erbbauvertrag abgewiesen hatte, drohte in der Region Rheinstetten-Karlsruhe-Ettlingen das Ende des Flugsports. Allerdings schlug der Flugsportverein 2000 ein neues Gelände, das Gebiet im Bereich der ehemaligen Landesanstalt für Schweinezucht, für den weiteren Flugbetrieb vor. Der Gemeinderat der Stadt Rheinstetten stimmte der Nutzung des Areals als Fluggelände 2001 zu, sodass der Flugsportverein nach diversen Baumaßnahmen im Februar 2004 die Betriebsgenehmigung für das neue Segelfluggelände Rheinstetten, das seit Juli 2004 auch für den Motorflugbetrieb freigegeben ist, erhielt.

René Gilbert 2014

Quelle

StadtAK 1/H-Reg 2353-2354, 8227, 9757, 9881.

Literatur

Flugsportverein 1910 Karlsruhe e. V. (Hrsg.): Flugsportverein 1910 Karlsruhe - der Flugsportverein von 1909 bis heute, Rheinstetten 2010; Amalie Heck: 200 Jahre Karlsruher Flug- und Luftfahrtgeschichte, Karlsruhe 1998; Manfred Koch: Vom Exerzierfeld zur Landepiste. Die Flugplätze Karlsruhe und Forchheim, in: Von Graspisten zum Baden-Airport. Luftfahrt in Mittelbaden, hrsg. von Manfred Koch und Jürgen Morlock, Karlsruhe 1999, S. 63-124.