Einweihung der neuen Friedhofskapelle Grünwinkel, 1956, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A4/38/2/21.

Friedhof Grünwinkel

Nach der Gründung von Grünwinkel als Landarbeiterkolonie im Jahr 1710 durch Markgräfin Sybilla Augusta wurden die Verstorbenen des überwiegend katholischen Dorfes in Daxlanden und Ettlingen bestattet. 1825 ordnete das Großherzogliche Landamt gegen den Willen der etwa 300 Einwohner den Bau eines eigenen Friedhofs für den Ort an. Nachdem Grünwinkel in den folgenden Jahrzehnten stetig gewachsen und damit auch die Zahl der Toten gestiegen war, wurde der südlich der Blohnstraße zwischen Durmersheimer Straße und der Alb gelegene Friedhof 1902 um 900 Quadratmeter vergrößert. Im Vertrag zur Eingemeindung zwischen Grünwinkel und Karlsruhe von 1909 wurde für den Friedhof ein garantierter Bestandsschutz von 25 Jahren vereinbart. 1948 erfolgte offiziell die Schließung des Friedhofs, wobei für solvente Bürger weiterhin die Möglichkeit bestand, in ihrem Stadtteil eine Grabstätte zu erwerben. Durch den maßgeblichen Einsatz des Bürgervereins Grünwinkel konnten 1954 der Weiterbetrieb, die Erweiterung und die Freigabe des Friedhofs für alle Einwohner erreicht werden. 1956 folgte der Bau der von dem Architekten Johannes Auler entworfenen Friedhofskapelle. In den 1960er-Jahren drohte erneut die Schließung des Friedhofs, nachdem die Stadt die Anlage eines Waldfriedhofs am Stadtrand erwogen hatte. 1973 verwarf Oberbürgermeister Otto Dullenkopf jedoch diese Pläne.

Im Zuge einer neuerlichen umfassenden Erweiterung, für die auch an der Alb gelegene Kleingärten aufgegeben werden mussten, wurden zwischen 1992 und 1996 das alte Feuerwehrhaus an der Durmersheimer Straße abgerissen, die Friedhofskapelle umgebaut und renoviert, die westliche Friedhofsmauer erneuert sowie Parkplätze und befestigte Wege angelegt. Im Eingangsbereich des 1,5 Hektar großen Friedhofs befindet sich die Gedenkkreuzanlage für die Gefallenen beider Weltkriege. Eines der zehn Ehrenkreuze erinnert an den Eisendreher August Dosenbach, der als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war und 1933 von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) erschossen wurde. Auf der östlichen Seite der Kapelle befinden sich die Grabtafeln der bekannten Grünwinkler Familie Sinner.

René Gilbert 2017

Quellen

StadtAK 1/TBA 122; 1/GA 145; 8/ZGS 3.2.

Literatur

Heribert Scherer: Der Friedhof, in: Manfred Fellhauer/Manfred Koch/Gerhard Strack (Hrsg.): Grünwinkel. Gutshof, Gemeinde, Stadtteil, Karlsruhe 2009, S. 380-385; http://www.friedhof-karlsruhe.de/friedhoefe/stadtteilfriedhoefe/gruenwinkel.html; https://www.karlsruhe.de/b4/buergerdienste/bestattungen/friedhoefe/fried-westen/gruenwinkel.de (Zugriff am 17. September 2017).