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[[Datei:Ins-1943 Haus Solms-DSC 6253.jpg|alternativtext=Haus Solms mit Fahnenschmuck, 2007, Foto: Monika Müller-Gmelin, Bildstelle Stadt Karlsruhe.|links|mini|Haus Solms mit Fahnenschmuck, 2007, Foto: Monika Müller-Gmelin, Bildstelle Stadt Karlsruhe.]] |
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Der Bauherr des herrschaftlich wirkenden Gästehauses der Stadt Karlsruhe an der Ecke <lex id="top-2274">Reinhold-Frank-</lex> und <lex id="top-0361">Bismarckstraße</lex> war der Lahrer Kartonagen-Fabrikant Georg Heimburger, der sich in Karlsruhe nach dem wohl lukrativen Verkauf seines Unternehmens 1882 zur Ruhe setzte und forthin ein Leben als "Privatier" führte. |
Der Bauherr des herrschaftlich wirkenden Gästehauses der Stadt Karlsruhe an der Ecke <lex id="top-2274">Reinhold-Frank-</lex> und <lex id="top-0361">Bismarckstraße</lex> war der Lahrer Kartonagen-Fabrikant <lex id="bio-1061">Georg Heimburger</lex>, der sich in Karlsruhe nach dem wohl lukrativen Verkauf seines Unternehmens 1882 zur Ruhe setzte und forthin ein Leben als "Privatier" führte. |
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Architekt <lex id="bio-1018">Gustav Ziegler</lex> erbaute 1881/82 das damals noch so genannte Palais Heimburger als standesgemäßen Wohnsitz für den ehemaligen Fabrikbesitzer. Die Fassade wird durch Doppelrundbogenfenster und an beiden Schauseiten durch Mittelrisalite und einen Eckrisalit, die im Obergeschoss als Säulenportika ausgebildet sind, gegliedert. Die Risalite werden durch Segmentgiebel, in denen sich Reliefs mit Allegorien zu Handel und Industrie befinden, bekrönt. |
Architekt <lex id="bio-1018">Gustav Ziegler</lex> erbaute 1881/82 das damals noch so genannte Palais Heimburger als standesgemäßen Wohnsitz für den ehemaligen Fabrikbesitzer. Die Fassade wird durch Doppelrundbogenfenster und an beiden Schauseiten durch Mittelrisalite und einen Eckrisalit, die im Obergeschoss als Säulenportika ausgebildet sind, gegliedert. Die Risalite werden durch Segmentgiebel, in denen sich Reliefs mit Allegorien zu Handel und Industrie befinden, bekrönt. |
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Peter Pretsch: Das Haus Solms. Wohnsitz. Museum. Gästehaus, Karlsruhe 2025 (= Häuser- und Baugeschichte, Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 17. |
Peter Pretsch: Das Haus Solms. Wohnsitz. Museum. Gästehaus, Karlsruhe 2025 (= Häuser- und Baugeschichte, Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 17). |
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Aktuelle Version vom 28. August 2025, 09:03 Uhr
Haus Solms
Der Bauherr des herrschaftlich wirkenden Gästehauses der Stadt Karlsruhe an der Ecke Reinhold-Frank- und Bismarckstraße war der Lahrer Kartonagen-Fabrikant Georg Heimburger, der sich in Karlsruhe nach dem wohl lukrativen Verkauf seines Unternehmens 1882 zur Ruhe setzte und forthin ein Leben als "Privatier" führte.
Architekt Gustav Ziegler erbaute 1881/82 das damals noch so genannte Palais Heimburger als standesgemäßen Wohnsitz für den ehemaligen Fabrikbesitzer. Die Fassade wird durch Doppelrundbogenfenster und an beiden Schauseiten durch Mittelrisalite und einen Eckrisalit, die im Obergeschoss als Säulenportika ausgebildet sind, gegliedert. Die Risalite werden durch Segmentgiebel, in denen sich Reliefs mit Allegorien zu Handel und Industrie befinden, bekrönt.
Die Innenarchitektur des Palais Solms entspricht heute noch teilweise der äußeren Gestalt des Hauses. Der Direktor der Kunstgewerbeschule, Professor Hermann Götz, entwarf sie, da er der Schwiegersohn Heimburgers war und nach dem 1895 erfolgten Tod des Bauherrn das Palais auch bewohnte. So wurden die Innendekorationen sowie die Wandverkleidungen nach seinen Entwürfen gefertigt. Die Möblierung der Innenräume im historistischen Stil wurde von den letzten Bewohnern des Palais, Max Graf zu Solms und Marie Gräfin Solms, übernommen und ergänzt. Nach dem Tod von Professor Götz erwarben die Eheleute 1902 das Palais Heimburger, das von nun an den Namen Solms trug. Hier entfalteten sie eine wahre Sammelleidenschaft für Kleinkunstwerke, Erzeugnisse alter Silberschmieden und Porzellanmanufakturen sowie für antike Möbelstücke. Außerdem statteten sie das Gebäude mit Familienportraits und Gemälden bekannter Künstler aus. Nach dem Tod des Grafen 1907 führte seine Witwe Marie weiterhin ein großes Haus und war auch durch ihre häufigen Theaterbesuche eine stadtbekannte Erscheinung. 1923 war sie wegen der Inflation gezwungen, ihren noch zu Lebzeiten ihres Mannes an die Stadt Karlsruhe testamentarisch vermachten Besitz nun doch an diese zu verkaufen.
Nach ihrem Tod am 22. April 1930 richtete die Stadt das Gebäude als Museum ein. Im Erdgeschoss blieben die gräflichen Repräsentationsräume mit den Kunstgegenständen als Solms-Museum im Wesentlichen erhalten. Im Obergeschoss baute man eine Gedenkausstellung für den Dichter Josef Viktor von Scheffel auf, die 1936 zum Badischen Dichtermuseum erweitert wurde (heute Literarische Gesellschaft – Museum für Literatur am Oberrhein). Scheffels Denkmal befindet sich seit 1892 unweit des Palais Solms auf dem Scheffelplatz. 1943 bis 1945 fand das ausgebombte Badische Konservatorium im Haus Solms Zuflucht, bevor es in ein Palais in der Jahnstraße umzog.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier das Stadtarchiv und die Stadtgeschichtlichen Sammlungen, heute Stadtmuseum, untergebracht. Die Repräsentationsräume im Erdgeschoss dienten der Stadtverwaltung seit 1946 für Besprechungen und Empfänge. Außerdem wurde dort das Trauzimmer mit dem aus dem 1944 bei einem Luftangriff zerstörten Rathaus geretteten Trausaalmobiliar eingerichtet, das Professor Götz 1899 entworfen hatte und das bei der Weltausstellung der Jahrhundertwende in Paris mit dem 1. Preis ausgezeichnet worden war. 1960/61 hat man das Palais einer Neugestaltung im Innern unterzogen. Das Trausaalmobiliar aus dem Rathaus wurde wieder entfernt und der Raum als Trauzimmer neu eingerichtet, aber die alte Einrichtung in den übrigen Räumen im Erdgeschoss im Wesentlichen belassen. Einige wertvolle Möbel und viele Sammlungstücke befinden sich aber heute im Bestand des Stadtmuseums, ein Großteil der Familienportraits und der Gemälde renommierter Künstler wanderte in das Magazin der Städtischen Galerie.
Das Obergeschoss konnte man, nachdem das Stadtarchiv und das Dichtermuseum ausgezogen waren, für große Empfänge völlig neu ausbauen. Seitdem werden im Palais Solms auch Entscheidungen der Kommunalpolitik besiegelt, verdiente Mitbürger und Mitbürgerinnen geehrt und nach wie vor im glamourösen Ambiente standesamtliche Trauungen vollzogen. Das unter Denkmalschutz stehende Gästehaus Solms mit seinen komfortablen Einrichtungen ist so seit Jahrzehnten zu einer beliebten Stätte für Zusammenkünfte aus vielerlei Anlass geworden, hat aber noch das Flair seiner Vergangenheit bewahren können. 2014 wurde das Gebäude mit einem Aufzugsturm barrierefrei erschlossen.
Literatur
Peter Pretsch: Das Haus Solms. Wohnsitz. Museum. Gästehaus, Karlsruhe 2025 (= Häuser- und Baugeschichte, Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 17).