Menü
Suche

De:Lexikon:ort-0135: Unterschied zwischen den Versionen

Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 5: Zeile 5:
Das von <lex id="bio-0241">Friedrich Weinbrenner</lex> gestaltete <lex id="ort-0116">Mühlburger Tor</lex> markierte von 1820 bis 1874 den westlichen Zugang zur Stadt. Wie auch andere Toranlagen musste es den damaligen Verkehrsanforderungen weichen. Die beiden Wachhäuser blieben bis in die 1950er-Jahre stehen. Das Areal vor der damaligen Stadtgrenze dient heute wie damals den verschiedenen Verkehrsarten. Für die räumliche Situation vor dem Mühlburger Tor waren diese bis in die Gegenwart bestimmend. So trennt der westliche Tunnelmund der <lex id="ins-1231">Straßenbahnanlage</lex> den Gesamtbereich noch stärker als davor.
Das von <lex id="bio-0241">Friedrich Weinbrenner</lex> gestaltete <lex id="ort-0116">Mühlburger Tor</lex> markierte von 1820 bis 1874 den westlichen Zugang zur Stadt. Wie auch andere Toranlagen musste es den damaligen Verkehrsanforderungen weichen. Die beiden Wachhäuser blieben bis in die 1950er-Jahre stehen. Das Areal vor der damaligen Stadtgrenze dient heute wie damals den verschiedenen Verkehrsarten. Für die räumliche Situation vor dem Mühlburger Tor waren diese bis in die Gegenwart bestimmend. So trennt der westliche Tunnelmund der <lex id="ins-1231">Straßenbahnanlage</lex> den Gesamtbereich noch stärker als davor.


Entlang der Landstraße nach <lex id="ort-0083">Mühlburg</lex> entwickelte sich im 19.Jahrhundert die westliche Vorstadt Karlsruhes. Nördlich der Mühlburger Chaussée – ab 1886 <lex id="top-1423">Kaiserallee</lex> – erstreckte sich bis dahin Waldgebiet, südlich davon breiteten sich Wiesen, Felder und Gärten aus, durchsetzt mit Bierkellern, Gartenhäusern und einzelnen Wohngebäuden. 1845 nahm die erste <lex id="ins-1094">Gasfabrik</lex> ihren Betrieb auf, 1865 ließ sich die <lex id="ins-0133">Brauerei Printz</lex> auf dem benachbarten Gelände nieder. Die <lex id="ins-1612">Maxaubahn</lex> querte ab 1862 im Zuge der heutigen <lex id="top-1090">Hans-Sachs-Straße</lex> die Fläche vor dem Tor und führte im Zuge der heutigen <lex id="top-2693">Südlichen Hildapromenade</lex> zum <lex id="top-2289">Rhein</lex>. Acht Jahre später zweigte die <lex id="ins-1746">Rheintalbahn</lex> nach Mannheim am damaligen Mühlburger-Tor-Bahnhof, gelegen an der Ecke Kaiserallee/Hans-Sachs-Straße, ab in Richtung der heutigen <lex id="top-0675">Erzbergerstraße</lex>. 1913 wurden die Bahnanlagen abgebaut, da sie wegen des neuen <lex id="ins-1335">Hauptbahnhofs</lex> am heutigen Standort überflüssig wurden. Die Bebauung der Südseite der Kaiserallee zwischen der ehemals westlichen <lex id="top-1624">Kriegsstraße</lex> - heute <lex id="top-2274">Reinhold-Frank-Straße</lex> - und der <lex id="top-1723">Lessingstraße</lex> begann mit einem freistehenden und von der Straße abgerückten Wohnhaus und ab 1887 mit einem viergeschossigen repräsentativen Wohn- und Geschäftshaus im Neorenaissance-Stil. Seit 1954 steht an der Stelle des kriegszerstörten Gebäudes ein siebengeschossiges Eckhaus. Erst 1929 entstand ein Wohnhaus mit dem Café des Westens im Erdgeschoss. Etwa zeitgleich erfolgte der Bau der westlich der 1914 eröffneten Hans-Sachs-Straße liegenden denkmalgeschützten Gebäudegruppe Kaiserallee 5 – 7a (Architekten Betzel und Langstein und <lex id="bio-0223">Hans Detlev Rösiger</lex>). Weitaus früher, nämlich seit 1899, bildet das Eckhaus Kaiserallee 9 mit der Gaststätte <lex id="ins-0303">Trompeter von Säckingen</lex> den Zugang zur Lessingstraße.
Entlang der Landstraße nach <lex id="ort-0083">Mühlburg</lex> entwickelte sich im 19. Jahrhundert die westliche Vorstadt Karlsruhes. Nördlich der Mühlburger Chaussée – ab 1886 <lex id="top-1423">Kaiserallee</lex> – erstreckte sich bis dahin Waldgebiet, südlich davon breiteten sich Wiesen, Felder und Gärten aus, durchsetzt mit Bierkellern, Gartenhäusern und einzelnen Wohngebäuden. 1845 nahm die erste <lex id="ins-1094">Gasfabrik</lex> ihren Betrieb auf, 1865 ließ sich die <lex id="ins-0133">Brauerei Printz</lex> auf dem benachbarten Gelände nieder. Die <lex id="ins-1612">Maxaubahn</lex> querte ab 1862 im Zuge der heutigen <lex id="top-1090">Hans-Sachs-Straße</lex> die Fläche vor dem Tor und führte im Zuge der heutigen <lex id="top-2693">Südlichen Hildapromenade</lex> zum <lex id="top-2289">Rhein</lex>. Acht Jahre später zweigte die <lex id="ins-1746">Rheintalbahn</lex> nach Mannheim am damaligen Mühlburger-Tor-Bahnhof, gelegen an der Ecke Kaiserallee/Hans-Sachs-Straße, ab in Richtung der heutigen <lex id="top-0675">Erzbergerstraße</lex>. 1913 wurden die Bahnanlagen abgebaut, da sie wegen des neuen <lex id="ins-1335">Hauptbahnhofs</lex> am heutigen Standort überflüssig wurden. Die Bebauung der Südseite der Kaiserallee zwischen der ehemals westlichen <lex id="top-1624">Kriegsstraße</lex> - heute <lex id="top-2274">Reinhold-Frank-Straße</lex> - und der <lex id="top-1723">Lessingstraße</lex> begann mit einem freistehenden und von der Straße abgerückten Wohnhaus und ab 1887 mit einem viergeschossigen repräsentativen Wohn- und Geschäftshaus im Neorenaissance-Stil. Seit 1954 steht an der Stelle des kriegszerstörten Gebäudes ein siebengeschossiges Eckhaus. Erst 1929 entstand ein Wohnhaus mit dem Café des Westens im Erdgeschoss. Etwa zeitgleich erfolgte der Bau der westlich der 1914 eröffneten Hans-Sachs-Straße liegenden denkmalgeschützten Gebäudegruppe Kaiserallee 5 – 7a (Architekten Betzel und Langstein und <lex id="bio-0223">Hans Detlev Rösiger</lex>). Weitaus früher, nämlich seit 1899, bildet das Eckhaus Kaiserallee 9 mit der Gaststätte <lex id="ins-0303">Trompeter von Säckingen</lex> den Zugang zur Lessingstraße.


Die nördliche Seite der Kaiserallee ist weitgehend mit öffentlichen Gebäuden bis zur <lex id="top-0378">Blücherstraße</lex> hin besetzt. Der Staat als Eigentümer der Flächen baute für seine eigenen Zwecke und überließ anderen Institutionen Flächen wie diese für die <lex id="ins-0252">Karlsruher Lebensversicherung</lex> (seit 1954 <lex id="ins-1796">Rathaus-West</lex>) und die <lex id="ins-1251">Christuskirche</lex>. Die Karlsruher Versicherung baute an der repräsentativen Lage Ende des 19. Jahrhunderts ihr Verwaltungsgebäude (Architekt <lex id="bio-0205">Adolf Hanser</lex>). Das dreigeschossige Eckgebäude an der Kaiserallee zeigt mit seiner dominanten Eingangssituation einerseits Elemente der Renaissance mit dem Sockelgeschoss aus Rustikamauerwerk und den giebelbekrönten Seitenrisaliten, andererseits des Barocks mit dem ovalen Eckrisaliten und den durch Säulen und Pilaster zusammengebundenen Obergeschossen. 1912 erhielt der Bau in der <lex id="top-0981">Grashofstraße</lex> und 1929 entlang der Hildapromenade Ergänzungsbauten.
Die nördliche Seite der Kaiserallee ist weitgehend mit öffentlichen Gebäuden bis zur <lex id="top-0378">Blücherstraße</lex> hin besetzt. Der Staat als Eigentümer der Flächen baute für seine eigenen Zwecke und überließ anderen Institutionen Flächen wie diese für die <lex id="ins-0252">Karlsruher Lebensversicherung</lex> (seit 1954 <lex id="ins-1796">Rathaus-West</lex>) und die <lex id="ins-1251">Christuskirche</lex>. Die Karlsruher Versicherung baute an der repräsentativen Lage Ende des 19. Jahrhunderts ihr Verwaltungsgebäude (Architekt <lex id="bio-0205">Adolf Hanser</lex>). Das dreigeschossige Eckgebäude an der Kaiserallee zeigt mit seiner dominanten Eingangssituation einerseits Elemente der Renaissance mit dem Sockelgeschoss aus Rustikamauerwerk und den giebelbekrönten Seitenrisaliten, andererseits des Barocks mit dem ovalen Eckrisaliten und den durch Säulen und Pilaster zusammengebundenen Obergeschossen. 1912 erhielt der Bau in der <lex id="top-0981">Grashofstraße</lex> und 1929 entlang der Hildapromenade Ergänzungsbauten.

Version vom 27. März 2026, 10:22 Uhr


Vor dem Mühlburger Tor

Das von Friedrich Weinbrenner gestaltete Mühlburger Tor markierte von 1820 bis 1874 den westlichen Zugang zur Stadt. Wie auch andere Toranlagen musste es den damaligen Verkehrsanforderungen weichen. Die beiden Wachhäuser blieben bis in die 1950er-Jahre stehen. Das Areal vor der damaligen Stadtgrenze dient heute wie damals den verschiedenen Verkehrsarten. Für die räumliche Situation vor dem Mühlburger Tor waren diese bis in die Gegenwart bestimmend. So trennt der westliche Tunnelmund der Straßenbahnanlage den Gesamtbereich noch stärker als davor.

Entlang der Landstraße nach Mühlburg entwickelte sich im 19. Jahrhundert die westliche Vorstadt Karlsruhes. Nördlich der Mühlburger Chaussée – ab 1886 Kaiserallee – erstreckte sich bis dahin Waldgebiet, südlich davon breiteten sich Wiesen, Felder und Gärten aus, durchsetzt mit Bierkellern, Gartenhäusern und einzelnen Wohngebäuden. 1845 nahm die erste Gasfabrik ihren Betrieb auf, 1865 ließ sich die Brauerei Printz auf dem benachbarten Gelände nieder. Die Maxaubahn querte ab 1862 im Zuge der heutigen Hans-Sachs-Straße die Fläche vor dem Tor und führte im Zuge der heutigen Südlichen Hildapromenade zum Rhein. Acht Jahre später zweigte die Rheintalbahn nach Mannheim am damaligen Mühlburger-Tor-Bahnhof, gelegen an der Ecke Kaiserallee/Hans-Sachs-Straße, ab in Richtung der heutigen Erzbergerstraße. 1913 wurden die Bahnanlagen abgebaut, da sie wegen des neuen Hauptbahnhofs am heutigen Standort überflüssig wurden. Die Bebauung der Südseite der Kaiserallee zwischen der ehemals westlichen Kriegsstraße - heute Reinhold-Frank-Straße - und der Lessingstraße begann mit einem freistehenden und von der Straße abgerückten Wohnhaus und ab 1887 mit einem viergeschossigen repräsentativen Wohn- und Geschäftshaus im Neorenaissance-Stil. Seit 1954 steht an der Stelle des kriegszerstörten Gebäudes ein siebengeschossiges Eckhaus. Erst 1929 entstand ein Wohnhaus mit dem Café des Westens im Erdgeschoss. Etwa zeitgleich erfolgte der Bau der westlich der 1914 eröffneten Hans-Sachs-Straße liegenden denkmalgeschützten Gebäudegruppe Kaiserallee 5 – 7a (Architekten Betzel und Langstein und Hans Detlev Rösiger). Weitaus früher, nämlich seit 1899, bildet das Eckhaus Kaiserallee 9 mit der Gaststätte Trompeter von Säckingen den Zugang zur Lessingstraße.

Die nördliche Seite der Kaiserallee ist weitgehend mit öffentlichen Gebäuden bis zur Blücherstraße hin besetzt. Der Staat als Eigentümer der Flächen baute für seine eigenen Zwecke und überließ anderen Institutionen Flächen wie diese für die Karlsruher Lebensversicherung (seit 1954 Rathaus-West) und die Christuskirche. Die Karlsruher Versicherung baute an der repräsentativen Lage Ende des 19. Jahrhunderts ihr Verwaltungsgebäude (Architekt Adolf Hanser). Das dreigeschossige Eckgebäude an der Kaiserallee zeigt mit seiner dominanten Eingangssituation einerseits Elemente der Renaissance mit dem Sockelgeschoss aus Rustikamauerwerk und den giebelbekrönten Seitenrisaliten, andererseits des Barocks mit dem ovalen Eckrisaliten und den durch Säulen und Pilaster zusammengebundenen Obergeschossen. 1912 erhielt der Bau in der Grashofstraße und 1929 entlang der Hildapromenade Ergänzungsbauten.

Das zweite dominierende Bauwerk an der Nordseite, die evangelische Christuskirche entstand zwischen 1896 und 1900. Sie ist ein Werk der Architekten Robert Curjel und Karl Moser, die über einen Wettbewerb den Auftrag erhielten. Die Christuskirche ist ein, aus dem Kirchenraum der damaligen reformerischen Anliegen entwickelter "zentralisierter" Bau mit überwiegend neogotischer Ausformung und Hinweisen auf den Jugendstil, ausgeführt in rotem Sandstein. Bombenangriffe während des Zweiten Weltkrieges zerstörten die Kirche, die bis 1976 ohne Turmhelme wieder aufgebaut wurde. Zwischen 1985 und 1988 erhielt die Kirche wieder die rekonstruierten Helme für den Hauptturm und die Seitentürme. Der wieder hergestellte Turm ist seither wieder ein weit sichtbares Zeichen im Westen.

Der Freifläche vor der Kirche fehlt eine Gestaltung. So existiert nicht einmal mehr der Mittelweg zum Hauptportal. Das 1929 aufgestellte Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Angehörigen des Badischen Leibdragoner-Regiments wurde als ReiterstandbildReiterstandbild nach einem Modell von Kurt Edzard geschaffen und gilt heute als Zeugnis seiner Entstehungszeit. An der östlichen Ecke steht das um 1900 errichtete und vor Jahren erneuerte Wetterhäuschen, aber ohne die notwendigen Instrumente.

Zur Zeit der Toranlage lag im nördlichen Anschluss die Anlage der Karl Friedrich-Leopold- und Sophien-Stiftung, südlich des Tores Privathäuser, die alle im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Die heutige nördliche Bebauung entstand 1992 (Architektur: Werkgemeinschaft Karlsruhe), im Süden 1957 (Architekt Karl Brannath).

Harald Ringler 2026

Quellen

StadtAK 1/H-Reg 1185, 1398, 4595, 4600, 8/PBS XVI 215, 8/PBS XIVa 1319.

Literatur

Harald Ringler: Mühlburger Tor, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2013, S. 117-125, hier S. 117 f. (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26).