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Journalist, Verleger, Kommunalpolitiker, * 6. Februar 1895 Schwäbisch Gmünd, † 18. Mai 1973 Bad Ragaz/Kanton Sankt Gallen, kath., ∞ 1946 Hildegard Raab, kinderlos.<br/ ><br/ > |
Journalist, Verleger, Kommunalpolitiker, * 6. Februar 1895 Schwäbisch Gmünd, † 18. Mai 1973 Bad Ragaz/Kanton Sankt Gallen, kath., ∞ 1946 Hildegard Raab, kinderlos.<br/ ><br/ > |
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Der Sohn eines Goldschmieds zog 1911 mit seiner Familie nach Pforzheim, wo sein Vater eine kleine Fabrik gründete. Nach dem Abitur 1914 nahm Baur im |
Der Sohn eines Goldschmieds zog 1911 mit seiner Familie nach Pforzheim, wo sein Vater eine kleine Fabrik gründete. Nach dem Besuch des Gymnasiums Schwäbisch Gmünd (bis 1911) und dem Abitur am Reuchlin-Gymnasiusm Pforzheim 1914 nahm Baur im <lex id="ins-1139">Badischen Grenadierregiment 109</lex> am <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach zwei Semestern an der Universität Freiburg begann Baur 1919 als Redaktionsvolontär bei der in Karlsruhe erscheinenden <lex id="ereig-0250">Tageszeitung</lex> <lex id="ins-1153">"Badischer Beobachter"</lex>. Bereits hier trat Baur für die politischen Belange der <lex id="ins-0339">Zentrumspartei</lex> ein und gründete 1921 die "Badische Zentrumscorrespondenz", später Badische Zentrumspresse GmbH, eine von fast allen badischen Zentrumszeitungen getragene Presseinformation, mit der er unter anderem regelmäßig aus dem <lex id="ins-1520">Landtag</lex> berichtete. |
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Von 1922-1933 war Baur Sekretär der Zentrumspartei für Karlsruhe und Mittelbaden. In dieser Funktion trat der "mitreißende Redner" (<lex id="bio-0004">Otto Dullenkopf</lex>) häufig in Znetrumsversammlungen auf. In der Endpase der <lex id="ereig-0212">Weimarer Republik</lex> seit Anfang 1931 übernham Baur auch die Leitung der Katholischen Jugend, in der er seine politische Laufbahn begonnen hatte, und der <lex id="ins-1626">Badenwacht</lex>, der Schutzorganisation des Zentrums vor <lex id="ereig-0016">nationalsozialistischen</lex> Störmanöver bei Versammlungen und anderen Veranstaltungen. Die <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> auf die Nationalsozialisten 1933 brachte Baur ein Berufsverbot und er musste eine Zeitlang vom Verkauf von Messwein leben. Nach einem Aufenthalt in Chur/Schweiz 1934 wurde er in Karlsruhe Werbeleiter bei der 1932 von Otto Raab gegründeten <lex id="ins-0253">Badenia Bausparkasse</lex>. Später heiratete er die Tochter des Inhabers. |
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| ⚫ | Unmittelbar nach dem Ende des <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkriegs</lex>, Baur war im Herbst 1944 noch eingezogen worden, begann er mit der politischen Arbeit. Mit ehemaligen Zentrumsmitgliedern, die wie er zum Kreis um <lex id="bio-0531">Reinhold Frank</lex> gehörten, gründete Baur eine neue christliche Partei, die <lex id="ins-0306">CDU</lex>. Baur wurde Vorstandsmitglied in Karlsruhe und Generalsekretär für Baden. Von 1946–1971 gehörte |
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| ⚫ | Unmittelbar nach dem Ende des <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkriegs</lex>, Baur war im Herbst 1944 noch einmal eingezogen worden und leistete im Wehrmeldeamt Ludwigsburg als Gefreiter, begann er mit der politischen Arbeit. Mit ehemaligen Zentrumsmitgliedern, die wie er zum Kreis um <lex id="bio-0531">Reinhold Frank</lex> gehörten, gründete Baur eine neue christliche Partei, die <lex id="ins-0306">CDU</lex>. Baur wurde Vorstandsmitglied in Karlsruhe und Generalsekretär für Baden. Von 1946–1971 gehörte er dem <lex id="ins-1095">Gemeinderat</lex> an, wo sich Baur, der selbst einmal beim FC Pforzheim <lex id="ereig-0105">Fußball</lex> gespielt hatte, vor allem für die Belange der Vereine und die städtische <lex id="ereig-0131">Polizei</lex> ein. |
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| ⚫ | Der politisch unbelastete frühere Journalist Baur |
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| ⚫ | Der politisch unbelastete frühere Journalist Baur bekam von der amerikanischen <lex id="ereig-0091">Besatzungsmacht</lex> Anfang 1946 zusammen mit <lex id="bio-1230">Walter Schwerdtfeger</lex> die Lizenz für eine Tageszeitung. Sie erschien erstmals am 1. März 1946 mit dem Titel <lex id="ins-1145">"Badische Neueste Nachrichten" (BNN)</lex>. Schon bald war Baur alleiniger Verleger und Chefredakteur und blieb es bis zu seinem Tod 1973. |
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| ⚫ | Baur erhielt 1960 das Bundesverdienstkreuz und 1965 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Anlässlich seines 75. Geburtstages 1970 |
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| ⚫ | Baur erhielt 1960 das Bundesverdienstkreuz und 1965 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Anlässlich seines 75. Geburtstages 1970 ehrte ihn die Stadt Karlsruhe mit der <lex id="ins-1497">Ehrenbürgerwürde</lex>. Nach ihm benannt ist die <lex id="top-2957">Wilhelm-Baur-Straße</lex> und die <lex id="ins-1645">Wilhelm-Baur-Stiftung</lex>. |
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<div style="text-align:right;">''Marco Wagner 2011''</div> |
<div style="text-align:right;">''Marco Wagner 2011''</div> |
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StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten |
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Günther Philipp: Der Verleger, Chefredakteur der Badischen Neuesten Nachrichten und Politiker Wilhelm Baur, in: Rüppurrer Lebensbilder, Bd. 2, Karlsruhe 2009, S. 26-31 (= Rüppurrer Hefte Bd. 6); Verleger, Chefredakteure, Ressortleiter. Journalisten aus den ersten Jahrzehnten der "Badischen Neuesten Nachrichten", in: Blick |
Günther Philipp: Der Verleger, Chefredakteur der Badischen Neuesten Nachrichten und Politiker Wilhelm Baur, in: Rüppurrer Lebensbilder, Bd. 2, Karlsruhe 2009, S. 26-31 (= Rüppurrer Hefte Bd. 6); Verleger, Chefredakteure, Ressortleiter. Journalisten aus den ersten Jahrzehnten der "Badischen Neuesten Nachrichten", in: Blick in die Geschichte. Karlsruher Stadthistorische Beiträge, Bd. 5, hrsg. von Manfred Koch, Karlsruhe 2013, S. 99-105, S. 99-101; Josef Werner: Baur, Josef Wilhelm, in: Baden-Württembergische Biographien Bd. 5, hrsg. von Fred L. Sepaintner, Stuttgart 2013, S. 11-13 https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/1012803341/Baur%20Wilhelm%20Josef (Zugriff am 3. Januar 2021). |
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in die Geschichte. Karlsruher Stadthistorische Beiträge, Bd. 5, hrsg. von Manfred Koch, Karlsruhe 2013, S. 99-105, S. 99-101 https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick88/aufsatz1.de (Zugriff am 24. Juli 2018); Josef Werner: Baur, Josef Wilhelm, in: Baden-Württembergische Biographien Bd. 5, hrsg. von Fred L. Sepaintner, Stuttgart 2013, S. 11-13 https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/1012803341/Baur%20Wilhelm%20Josef (Zugriff am 3. Januar 2021). |
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Aktuelle Version vom 19. Dezember 2025, 16:57 Uhr
Wilhelm Baur
Journalist, Verleger, Kommunalpolitiker, * 6. Februar 1895 Schwäbisch Gmünd, † 18. Mai 1973 Bad Ragaz/Kanton Sankt Gallen, kath., ∞ 1946 Hildegard Raab, kinderlos.
Der Sohn eines Goldschmieds zog 1911 mit seiner Familie nach Pforzheim, wo sein Vater eine kleine Fabrik gründete. Nach dem Besuch des Gymnasiums Schwäbisch Gmünd (bis 1911) und dem Abitur am Reuchlin-Gymnasiusm Pforzheim 1914 nahm Baur im Badischen Grenadierregiment 109 am Ersten Weltkrieg teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach zwei Semestern an der Universität Freiburg begann Baur 1919 als Redaktionsvolontär bei der in Karlsruhe erscheinenden Tageszeitung "Badischer Beobachter". Bereits hier trat Baur für die politischen Belange der Zentrumspartei ein und gründete 1921 die "Badische Zentrumscorrespondenz", später Badische Zentrumspresse GmbH, eine von fast allen badischen Zentrumszeitungen getragene Presseinformation, mit der er unter anderem regelmäßig aus dem Landtag berichtete.
Von 1922-1933 war Baur Sekretär der Zentrumspartei für Karlsruhe und Mittelbaden. In dieser Funktion trat der "mitreißende Redner" (Otto Dullenkopf) häufig in Znetrumsversammlungen auf. In der Endpase der Weimarer Republik seit Anfang 1931 übernham Baur auch die Leitung der Katholischen Jugend, in der er seine politische Laufbahn begonnen hatte, und der Badenwacht, der Schutzorganisation des Zentrums vor nationalsozialistischen Störmanöver bei Versammlungen und anderen Veranstaltungen. Die Machtübertragung auf die Nationalsozialisten 1933 brachte Baur ein Berufsverbot und er musste eine Zeitlang vom Verkauf von Messwein leben. Nach einem Aufenthalt in Chur/Schweiz 1934 wurde er in Karlsruhe Werbeleiter bei der 1932 von Otto Raab gegründeten Badenia Bausparkasse. Später heiratete er die Tochter des Inhabers.
Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, Baur war im Herbst 1944 noch einmal eingezogen worden und leistete im Wehrmeldeamt Ludwigsburg als Gefreiter, begann er mit der politischen Arbeit. Mit ehemaligen Zentrumsmitgliedern, die wie er zum Kreis um Reinhold Frank gehörten, gründete Baur eine neue christliche Partei, die CDU. Baur wurde Vorstandsmitglied in Karlsruhe und Generalsekretär für Baden. Von 1946–1971 gehörte er dem Gemeinderat an, wo sich Baur, der selbst einmal beim FC Pforzheim Fußball gespielt hatte, vor allem für die Belange der Vereine und die städtische Polizei ein.
Der politisch unbelastete frühere Journalist Baur bekam von der amerikanischen Besatzungsmacht Anfang 1946 zusammen mit Walter Schwerdtfeger die Lizenz für eine Tageszeitung. Sie erschien erstmals am 1. März 1946 mit dem Titel "Badische Neueste Nachrichten" (BNN). Schon bald war Baur alleiniger Verleger und Chefredakteur und blieb es bis zu seinem Tod 1973.
Baur erhielt 1960 das Bundesverdienstkreuz und 1965 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Anlässlich seines 75. Geburtstages 1970 ehrte ihn die Stadt Karlsruhe mit der Ehrenbürgerwürde. Nach ihm benannt ist die Wilhelm-Baur-Straße und die Wilhelm-Baur-Stiftung.
Quelle
StadtAK 8/ZGS Persönlichkeiten
Literatur
Günther Philipp: Der Verleger, Chefredakteur der Badischen Neuesten Nachrichten und Politiker Wilhelm Baur, in: Rüppurrer Lebensbilder, Bd. 2, Karlsruhe 2009, S. 26-31 (= Rüppurrer Hefte Bd. 6); Verleger, Chefredakteure, Ressortleiter. Journalisten aus den ersten Jahrzehnten der "Badischen Neuesten Nachrichten", in: Blick in die Geschichte. Karlsruher Stadthistorische Beiträge, Bd. 5, hrsg. von Manfred Koch, Karlsruhe 2013, S. 99-105, S. 99-101; Josef Werner: Baur, Josef Wilhelm, in: Baden-Württembergische Biographien Bd. 5, hrsg. von Fred L. Sepaintner, Stuttgart 2013, S. 11-13 https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/kgl_biographien/1012803341/Baur%20Wilhelm%20Josef (Zugriff am 3. Januar 2021).
