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[[Datei:Ins-0404 Bund Königin Luise 8 StS 20 3365 0.jpg|alternativtext=Logo des Bunds Königin Luise, 1930, Stadtarchiv Karlsruhe 8/StS 20/3365.|links|mini|Deckblatt einer Einladungskarte 1930 mit dem Abzeichen des Bundes, ein eichenblattumrandetes "L", mit der monarchischen Devise „Ich dien“ und der Burg Wettin bei Halle, die als Jugendherberge für die Kornblümchen und Jungluisen diente. Stadtarchiv Karlsruhe 8/StS 20/3365.]] |
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Wie im gesamten <lex id="ereig-0212">Deutschen Reich</lex>, so fanden sich auch in Karlsruhe nach dem Ende des <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkriegs</lex> im völkisch-nationalistischen Umfeld zahlreiche neue Gruppierungen zusammen. In der Regel waren dies lokale Ableger reichsweit agierender Gruppen. Zu diesen gehörte der Bund Königin Luise (BKL), der im Mai 1923 in Halle/Saale gegründet wurde. Bis 1928 war dieser nationalistische und <lex id="ereig-0082">antisemitische</lex> Frauenverband die inoffizielle Frauenorganisation des <lex id="ins-0411">Stahlhelm</lex>, Bund der Frontsoldaten. Noch am 26. Oktober des Jahres luden beide zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier ein, der eine Kinderbescherung vorausging. |
Wie im gesamten <lex id="ereig-0212">Deutschen Reich</lex>, so fanden sich auch in Karlsruhe nach dem Ende des <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkriegs</lex> im völkisch-nationalistischen Umfeld zahlreiche neue Gruppierungen zusammen. In der Regel waren dies lokale Ableger reichsweit agierender Gruppen. Zu diesen gehörte der Bund Königin Luise (BKL), der im Mai 1923 in Halle/Saale gegründet wurde. Bis 1928 war dieser nationalistische und <lex id="ereig-0082">antisemitische</lex> Frauenverband die inoffizielle Frauenorganisation des <lex id="ins-0411">Stahlhelm</lex>, Bund der Frontsoldaten. Noch am 26. Oktober des Jahres luden beide zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier ein, der eine Kinderbescherung vorausging. |
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Das <lex id="ins-1099">Badische Landespolizeiamt</lex> berichtete erstmals am 15. Juli 1925, dass der "Luisenbund … vollständig auf völkischem Boden" stehe. An einer öffentlichen Adventfeier des Bundes am 9. Dezember 1926 nahmen circa 150 meist weibliche Personen teil. Die wenigen anwesenden Männer gehörten überwiegend zum Stahlhelm oder zur Gruppe Roßbach, früher <lex id="ins-1940">Schlageterbund</lex>. Leiterin der Ortsgruppe war Anna von Krosigk. Neben der "Pflege des nationalen Gedankens" (<lex id="ins-1171">Karlsruher Tagblatt</lex> vom 5. Oktober 1926) habe sich der Bund auch die Mildtätigkeit auf die Fahnen geschrieben. So fanden sich am 3. Oktober 1926 35 hochbetagte Frauen zu einem geselligen Nachmittag mit Bewirtung und Programm ein. Diese Einladungen erfolgten nun regelmäßig, bald wurden sie als "Mütterchen-Nachmittag" bezeichnet. |
Das <lex id="ins-1099">Badische Landespolizeiamt</lex> berichtete erstmals am 15. Juli 1925, dass der "Luisenbund … vollständig auf völkischem Boden" stehe. Tatsächlich war der Begriff „deutsch“ für den Bund rassistisch definiert, Mitglieder konnten „deutsche Frauen und Mädchen“ werden, „Jüdinnen und andere Fremdrassige“ waren satzungsgemäß ausgeschlossen, womit der Bund die erste offen antisemitische Frauenvereinigung der Weimarer Republik war. An einer öffentlichen Adventfeier des Bundes am 9. Dezember 1926 nahmen circa 150 meist weibliche Personen teil. Die wenigen anwesenden Männer gehörten überwiegend zum Stahlhelm oder zur Gruppe Roßbach, früher <lex id="ins-1940">Schlageterbund</lex>. Leiterin der Ortsgruppe war Anna von Krosigk, Ehefrau des Majors a. D. Dr. Gebhard Dedo von Krosigk. Neben der "Pflege des nationalen Gedankens" (<lex id="ins-1171">Karlsruher Tagblatt</lex> vom 5. Oktober 1926) habe sich der Bund auch die Mildtätigkeit auf die Fahnen geschrieben. So fanden sich am 3. Oktober 1926 35 hochbetagte Frauen zu einem geselligen Nachmittag mit Bewirtung und Programm ein. Diese Einladungen erfolgten nun regelmäßig, bald wurden sie als "Mütterchen-Nachmittag" bezeichnet. Ein Schwerpunkt war auch die Jugendarbeit. In Karlsruhe sind Jugendorganisationen nachgewiesen, Mädchen zwischen sechs und 13 Jahren hießen Kornblümchen, Jugendliche Jungluisen. Bei den verschiedenen Freizeitaktivitäten wurde die Jugend an die Organsiation gebunden und mit den inhaltlichen Zielen vertraut gemacht, z. B. in der Jugendherberge auf Burg Wettin bei Halle. |
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Ende 1927 soll der Bund in Karlsruhe 50 Mitglieder gehabt haben, aber am 3. Dezember 1927 konnten bei einem Werbeabend in Anwesenheit der Bundesführerin Marie Netz aus Halle 35 neue "Bundeskameradinnen" verpflichtet werden. 1927 befand sich die Geschäftsstelle in der <lex id="top-2274">Westendstraße</lex> 69, zwei Jahre später in <lex id="ort-0034">Durlach</lex>, <lex id="top-2896">Weiherstraße</lex> 8a. |
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Aktuelle Version vom 19. Dezember 2025, 18:20 Uhr
Bund Königin Luise (Luisenbund)
Wie im gesamten Deutschen Reich, so fanden sich auch in Karlsruhe nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im völkisch-nationalistischen Umfeld zahlreiche neue Gruppierungen zusammen. In der Regel waren dies lokale Ableger reichsweit agierender Gruppen. Zu diesen gehörte der Bund Königin Luise (BKL), der im Mai 1923 in Halle/Saale gegründet wurde. Bis 1928 war dieser nationalistische und antisemitische Frauenverband die inoffizielle Frauenorganisation des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten. Noch am 26. Oktober des Jahres luden beide zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier ein, der eine Kinderbescherung vorausging.
Das Badische Landespolizeiamt berichtete erstmals am 15. Juli 1925, dass der "Luisenbund … vollständig auf völkischem Boden" stehe. Tatsächlich war der Begriff „deutsch“ für den Bund rassistisch definiert, Mitglieder konnten „deutsche Frauen und Mädchen“ werden, „Jüdinnen und andere Fremdrassige“ waren satzungsgemäß ausgeschlossen, womit der Bund die erste offen antisemitische Frauenvereinigung der Weimarer Republik war. An einer öffentlichen Adventfeier des Bundes am 9. Dezember 1926 nahmen circa 150 meist weibliche Personen teil. Die wenigen anwesenden Männer gehörten überwiegend zum Stahlhelm oder zur Gruppe Roßbach, früher Schlageterbund. Leiterin der Ortsgruppe war Anna von Krosigk, Ehefrau des Majors a. D. Dr. Gebhard Dedo von Krosigk. Neben der "Pflege des nationalen Gedankens" (Karlsruher Tagblatt vom 5. Oktober 1926) habe sich der Bund auch die Mildtätigkeit auf die Fahnen geschrieben. So fanden sich am 3. Oktober 1926 35 hochbetagte Frauen zu einem geselligen Nachmittag mit Bewirtung und Programm ein. Diese Einladungen erfolgten nun regelmäßig, bald wurden sie als "Mütterchen-Nachmittag" bezeichnet. Ein Schwerpunkt war auch die Jugendarbeit. In Karlsruhe sind Jugendorganisationen nachgewiesen, Mädchen zwischen sechs und 13 Jahren hießen Kornblümchen, Jugendliche Jungluisen. Bei den verschiedenen Freizeitaktivitäten wurde die Jugend an die Organsiation gebunden und mit den inhaltlichen Zielen vertraut gemacht, z. B. in der Jugendherberge auf Burg Wettin bei Halle.
Ende 1927 soll der Bund in Karlsruhe 50 Mitglieder gehabt haben, aber am 3. Dezember 1927 konnten bei einem Werbeabend in Anwesenheit der Bundesführerin Marie Netz aus Halle 35 neue "Bundeskameradinnen" verpflichtet werden. 1927 befand sich die Geschäftsstelle in der Westendstraße 69, zwei Jahre später in Durlach, Weiherstraße 8a.
Nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten schlossen sich die Luisenbünflerinnen, die immer der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) nahegestanden hatten, mit der Frauenschaft der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zur Deutschen Frauenfront zusammen. Am 2. März 1934 löste sich der Bund selbst auf. Reichsweit stand er seit 1932 unter Leitung von Charlotte Freifrau von Hadeln, landesweit von Margarete Elble, Weinbrennerstraße 17 und lokal von Frau Förster, Pfalzstraße 93.
Quellen
GLA 309/6160-6161; Staatsarchiv Freiburg A 96/1 1617, https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/bild_zoom/thumbnails.php?bestand=22869&id=2369155&syssuche=1617&logik=und; Karlsruher Zeitungen 1920-1933, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff jeweils am 18. November 2024).
Literatur
Birte Förster: Mit Königin Luise gegen die Demokratie. Partizipatives Handeln rechtskonservativer Frauen in der Weimarer Republik, in: Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte (2018) Nr. 73-74, S. 64–71.