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Diese Kampfansage gegen die Moderne prägten seine Artikel, die er z. T. mit dem Pseudonym „Monti“ schrieb. Zu den gefährlichen Erneuerern zählte er die Vegetarier, die Antialkoholiker und „die von der Nacktkultur“, aber auch die „Rassen- und Blutpolitiker, die darwinistischen Hochzüchter und die fanatischen Nationalisten“, so dass er auch immer wieder mit der <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)</lex> in Konflikt geriet. In der letzten Ausgabe der Kunstwarte machte er noch einmal seine gegen die Moderne gerichtete konservative Haltung mehr als deutlich: die Generation kultivierter Theaterbesucher sei ausgestorben, das Kino, die Jazzband und die „verschweinigelte“ Operette dominiere. Karlsruhe habe seinen Rang als Wagnerspielstätte verloren, generell in Deutschland seien „inferiore Schreiberseelen“ am Werk (Kunstwarte Nr. 26, 30. Juli 1926). |
Diese Kampfansage gegen die Moderne prägten seine Artikel, die er z. T. mit dem Pseudonym „Monti“ schrieb. Zu den gefährlichen Erneuerern zählte er die Vegetarier, die Antialkoholiker und „die von der Nacktkultur“, aber auch die „Rassen- und Blutpolitiker, die darwinistischen Hochzüchter und die fanatischen Nationalisten“, so dass er auch immer wieder mit der <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)</lex> in Konflikt geriet. In der letzten Ausgabe der Kunstwarte machte er noch einmal seine gegen die Moderne gerichtete konservative Haltung mehr als deutlich: die Generation kultivierter Theaterbesucher sei ausgestorben, das Kino, die Jazzband und die „verschweinigelte“ Operette dominiere. Karlsruhe habe seinen Rang als Wagnerspielstätte verloren, generell in Deutschland seien „inferiore Schreiberseelen“ am Werk (Kunstwarte Nr. 26, 30. Juli 1926). |
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Politisch vertrat Röder, der Zeitgenossen als der streitbarste unter den Karlsruher Journalisten galt, ebenfalls die konservative Richtung und war zunächst seit 1882 in der Deutschkonservativen Partei aktiv. Der preußische Gesandte berichtete 1898 nach Berlin, dass Röder dem <lex id="ereig-0082">antisemitischen</lex> Flügel angehöre, |
Politisch vertrat Röder, der Zeitgenossen als der streitbarste unter den Karlsruher Journalisten galt, ebenfalls die konservative Richtung und war zunächst seit 1882 in der Deutschkonservativen Partei aktiv. Der preußische Gesandte berichtete 1898 nach Berlin, dass Röder dem <lex id="ereig-0082">antisemitischen</lex> Flügel angehöre, woran später auch in der lex id="ereig-0016">nationalsozialistischen</lex> Presse erinnert wurde. Der <lex id="ins-0330">sozialdemokratische</lex> <lex id="ins-1194">Volksfreund</lex> würdigte den Senior der Karlsruher Journalisten anlässlich dessen 70. Geburtstag dagegen als einen Christlich-Konservativen, der zwar zu den Gefolgsleuten des bekannten Antisemiten Stöcker gehörte habe, allerdings ohne dessen "bösen antisemitischen Einschlag". Der mit G. Sch. gezeichnete Artiker, vermutlich aus der Feder des Chefredakteurs und längjährigen Reichstagsabgeordneten <lex id="bio-0755">Georg Schöpflin</lex>, hob hervor, dass Röder "tief und echt religiös, aber frei von Muckertum" sei, dem es eigenen Angaben zufolge schwer gefallen sei, die Wandlung "vom christlich-konservativen Monarchisten zum Republikaner" zu vollziehen, was er aber geschafft habe. So sei er auch nicht der rechtskonservativen <lex id="ins-0312">Deutschnationalen Volkspartei (DNVP)</lex> beigetreten, sondern habe sich dem <lex id="ins-0339">Zentrum</lex> angeschlossen. Röder wurde bei den <lex id="ereig-0289">Reichstagswahlen</lex> im Mai 1924 und im Dezember 1924 auf dessen Reichswahlliste des in den Reichstag gewählt und war zeitweise der einzige Protestant in der Fraktion, der immer wieder in Opposition zu manchen Zentrumspositionen geraten sei. So sei er aus Protest demonstrativ dem <lex id="ins-0786">Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold</lex> beigetreten, als der vormalige Reichskanzler und Zentrumspolitiker Wilhelm Marx diesen im Juli 1927 verließ. Röder sei zwar immer ein entschiedener Gegner der SPD gewesen, bei dem es sich aber immer gelohnt habe, "auf den Kampfplatz zu treten". (Volksfreund vom 15. November 1928) |
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Nach der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> auf die Nationalsozialisten wurde die Süddeutsche Conservative Correspondenz für mehrere Wochen verboten, weil Röder sich gegen den so genannten Arierparagraph gewandt hatte. |
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Version vom 11. August 2026, 18:04 Uhr
Adam Röder
Politiker, Journalist, * 15. November 1858 Kirchheim/Landkreis Ludwigsburg, † 2. April 1937 Karlsruhe, ∞ 23. März 1893 Katharine Christine Fleischmann.
Adam Röder, der Sohn eines Schuhmachers, studierte nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums bis 1881 Ingenieurwissenschaften, Volkswirtschaft und Literatur. Danach war er als Redakteur zunächst jeweils neun Jahre für den Hildesheimer Kurier und die Badische Landpost tätig, ehe er Chefredakteur des Rheinischen Kuriers in Wiesbaden wurde. Als Chefredakteur der Landpost gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Vereins Karlsruher Presse (Karlsruher Schriftsteller- und Journalistenverein). Im Anschluss an eine vierjährige Tätigkeit als Leiter der Deutschen Reichspost in Stuttgart wurde Röder 1913 Herausgeber der von ihm gegründeten und wesentlich mit von ihm geschriebenen Artikeln versorgten Süddeutschen Conservativen Correspondenz, zu deren Abonnentenstamm unter anderem die Frankfurter Zeitung und Wiener Journale gehörten. Außerdem schrieb er für den Kulturteil des Residenz-Anzeigers, den er mit zahlreichen Theaterkritiken prägte.
Von Dezember 1924 bis 30. Juli 1926 gab er die Karlsruher Kunstwarte. Wochenschrift für Theater, Musik, Bildende Kunst, Kulturpolitik heraus. In deren erster Nummer wird schon in Röders Einführung seine konservative, gegen die Moderne gerichtete Haltung deutlich, als er aus Richard Wagners Meistersinger Hans Sachs zitierte „Paßt auf, uns drohen üble Streich - und wälscher Dunst mit wälschem Tand sie pflanzen uns ins eigene Land. Damit meinte er nicht nur die „Wälschen jenseits der Vogesen“ meinte, auch die eigenen Landsleute, die „dem deutschen Volk seine Seele nehmen… und seinen Genius mit dem Absud eines ästhetischen Nihilismus“ vergiften.
Diese Kampfansage gegen die Moderne prägten seine Artikel, die er z. T. mit dem Pseudonym „Monti“ schrieb. Zu den gefährlichen Erneuerern zählte er die Vegetarier, die Antialkoholiker und „die von der Nacktkultur“, aber auch die „Rassen- und Blutpolitiker, die darwinistischen Hochzüchter und die fanatischen Nationalisten“, so dass er auch immer wieder mit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in Konflikt geriet. In der letzten Ausgabe der Kunstwarte machte er noch einmal seine gegen die Moderne gerichtete konservative Haltung mehr als deutlich: die Generation kultivierter Theaterbesucher sei ausgestorben, das Kino, die Jazzband und die „verschweinigelte“ Operette dominiere. Karlsruhe habe seinen Rang als Wagnerspielstätte verloren, generell in Deutschland seien „inferiore Schreiberseelen“ am Werk (Kunstwarte Nr. 26, 30. Juli 1926).
Politisch vertrat Röder, der Zeitgenossen als der streitbarste unter den Karlsruher Journalisten galt, ebenfalls die konservative Richtung und war zunächst seit 1882 in der Deutschkonservativen Partei aktiv. Der preußische Gesandte berichtete 1898 nach Berlin, dass Röder dem antisemitischen Flügel angehöre, woran später auch in der lex id="ereig-0016">nationalsozialistischen</lex> Presse erinnert wurde. Der sozialdemokratische Volksfreund würdigte den Senior der Karlsruher Journalisten anlässlich dessen 70. Geburtstag dagegen als einen Christlich-Konservativen, der zwar zu den Gefolgsleuten des bekannten Antisemiten Stöcker gehörte habe, allerdings ohne dessen "bösen antisemitischen Einschlag". Der mit G. Sch. gezeichnete Artiker, vermutlich aus der Feder des Chefredakteurs und längjährigen Reichstagsabgeordneten Georg Schöpflin, hob hervor, dass Röder "tief und echt religiös, aber frei von Muckertum" sei, dem es eigenen Angaben zufolge schwer gefallen sei, die Wandlung "vom christlich-konservativen Monarchisten zum Republikaner" zu vollziehen, was er aber geschafft habe. So sei er auch nicht der rechtskonservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) beigetreten, sondern habe sich dem Zentrum angeschlossen. Röder wurde bei den Reichstagswahlen im Mai 1924 und im Dezember 1924 auf dessen Reichswahlliste des in den Reichstag gewählt und war zeitweise der einzige Protestant in der Fraktion, der immer wieder in Opposition zu manchen Zentrumspositionen geraten sei. So sei er aus Protest demonstrativ dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold beigetreten, als der vormalige Reichskanzler und Zentrumspolitiker Wilhelm Marx diesen im Juli 1927 verließ. Röder sei zwar immer ein entschiedener Gegner der SPD gewesen, bei dem es sich aber immer gelohnt habe, "auf den Kampfplatz zu treten". (Volksfreund vom 15. November 1928) Nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten wurde die Süddeutsche Conservative Correspondenz für mehrere Wochen verboten, weil Röder sich gegen den so genannten Arierparagraph gewandt hatte.
Quellen
Hans-Jürgen Kremer: Das Großherzogtum Baden in der politischen Berichterstattung der preußischen Gesandten 1871-1918, 2 Bde., Stuttgart 1990 und 1992, Bd. 1 (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Reihe A, Quellen Band 42); Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828; Karlsruher Kunstwarte. Wochenschrift für Theater, Musik, Bildende Kunst, Kulturpolitik 1924 -1926, StadtAK 8/Ze 28; Hans A. Berger: Karlsruher Journalisten-Porträts, Adam Röder, Badische Neueste Nachrichten vom 5. August 1958, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/8794923?query=%22Karlsruher%20Kunstwarte%22 (Zugriff jeweils am 3. August 2026).
Werk
Christlich-Konservativ, Leipzig 1892; Der ev.-soziale Kongreß, Stuttgart 1895; Der evangelisch soziale Kongress zu Frankfurt am Main, 1895; Der Austritt Stöckers aus der Konservativen Partei, Karlsruhe 1896; Ein neues Reichstagswahlrecht, Berlin 1896; Salome, Wiesbaden 1906; Reisebilder aus Amerika, Berlin 1906; Frau Lydia (Drama) 1906; Kulturkonservatismus, Stuttgart 1910; Konservative Zukunftspolitik, Karlsruhe 1918; Der Schmied von Ruhla, Mainz 1919; Die Zukunft des Badischen Landestheaters, Karlsruhe 1919; Der Deutsche Konservatismus und die Revolution, Gotha 1920; Reaktion und Antisemitismus, Berlin 1922; Der Weg des Zentrums, Berlin 1925; Die Mentalität des 20. Jahrhunderts, 1929; Amerika, Berlin 1906; Salome, Wiesbaden 1906; Reaktion u. Antisemitismus, 1922; Der Weg d. Zentrums, 1926; Die Mentalität des 20. Jahrhunderts, 1929 (?); Der Agitator (Roman); Um 20 Flaschen Sekt (Novelle); Des Dichters Traum (Schauspiel).
Literatur
Hubert Doerrschuck: Röder, Adam, Journalist, MdR-Z, in: Bernd Ottnad (Hrsg.): Badische Biographien Bd. IV, Stuttgart 1996.