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De:Lexikon:ins-0436: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Eiserne Front ging Ende 1931 aus dem am 22. Februar 1924 reichsweit zum Schutze der <lex id="ereig-0212">Republik</lex> gegen Angriffe von rechts gegründeten überparteilichen <lex id="ins-0786">Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold</lex> hervor. Sie wurde als Gegengewicht zur rechten Harzburger Front von <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischer Deutscher Arbeiterpartei (NSDAP)</lex>, <lex id="ins-0312">Deutschnationaler Volkspartei (DNVP)</lex>, Reichslandbund, <lex id="ins-1896">Alldeutschem Verband (ADV)</lex> und <lex id="ins-0411">Stahlhelm</lex> als Zusammenschluss der <lex id="ins-0330">Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD)</lex>, dem Reichsbanner, dem <lex id="ins-1633">Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB)</lex>, Arbeitersportverbänden und dem Allgemeinem freien Angestelltenbund (AfA-Bund) am 16. Dezember 1931 gegründet. Das von dem Mikrobiologen und Mitbegründer der Eisernen Front Sergej Tschachotin (1883-1973) und dem sozialdemokratischen Politiker Carlo Mierendorff (1897-1943) gestaltete Symbol der drei Pfeile als Gegensymbol zum Hakenkreuz warb für die neue Organisation. Als einheitlicher Gruß wurde Freiheit gerufen und die geballte Faust nach oben gestreckt. Frauen waren in der Eisernen Front ebenfalls aktiv.
Die Eiserne Front ging Ende 1931 aus dem am 22. Februar 1924 reichsweit zum Schutze der <lex id="ereig-0212">Republik</lex> gegen Angriffe von rechts gegründeten überparteilichen <lex id="ins-0786">Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold</lex> hervor. Sie wurde als Gegengewicht zur rechten Harzburger Front von <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischer Deutscher Arbeiterpartei (NSDAP)</lex>, <lex id="ins-0312">Deutschnationaler Volkspartei (DNVP)</lex>, Reichslandbund, <lex id="ins-1896">Alldeutschem Verband (ADV)</lex> und <lex id="ins-0411">Stahlhelm</lex> als Zusammenschluss der <lex id="ins-0330">Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD)</lex>, dem Reichsbanner, dem <lex id="ins-1633">Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB)</lex>, Arbeitersportverbänden und dem Allgemeinem freien Angestelltenbund (AfA-Bund) am 16. Dezember 1931 gegründet. Das von dem Mikrobiologen und Mitbegründer der Eisernen Front Sergej Tschachotin (1883-1973) und dem sozialdemokratischen Politiker Carlo Mierendorff (1897-1943) gestaltete Symbol der drei Pfeile als Gegensymbol zum Hakenkreuz warb für die neue Organisation. Als einheitlicher Gruß wurde Freiheit gerufen und die geballte Faust nach oben gestreckt. Frauen waren in der Eisernen Front ebenfalls aktiv.



Version vom 4. November 2025, 08:31 Uhr


Eiserne Front

Titelseite des Volksfreunds vom 11. Juli 1932, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Ze 16.
Titelseite des Volksfreunds vom 11. Juli 1932, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Ze 16.
Handzettel der Eisernen Front 1932, Stadtarchiv Karlsruhe 7/PS Boess 273.
Handzettel der Eisernen Front 1932, Stadtarchiv Karlsruhe 7/PS Boess 273.
Aufmarsch der Eisernen Front am 15. Januar 1933, Mitte rechts Gustav Heller, Mitte links Erwin Sammet, Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl A-Z 24/18a.
Aufmarsch der Eisernen Front am 15. Januar 1933, Mitte rechts Gustav Heller, Mitte links Erwin Sammet, Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl A-Z 24/18a.
Aufmarsch der Eisernen Front am 19. Februar 1933, Mitte Gustav Heller, Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl 24/18b.
Aufmarsch der Eisernen Front am 19. Februar 1933, Mitte Gustav Heller, Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl 24/18b.

Die Eiserne Front ging Ende 1931 aus dem am 22. Februar 1924 reichsweit zum Schutze der Republik gegen Angriffe von rechts gegründeten überparteilichen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hervor. Sie wurde als Gegengewicht zur rechten Harzburger Front von Nationalsozialistischer Deutscher Arbeiterpartei (NSDAP), Deutschnationaler Volkspartei (DNVP), Reichslandbund, Alldeutschem Verband (ADV) und Stahlhelm als Zusammenschluss der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), dem Reichsbanner, dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB), Arbeitersportverbänden und dem Allgemeinem freien Angestelltenbund (AfA-Bund) am 16. Dezember 1931 gegründet. Das von dem Mikrobiologen und Mitbegründer der Eisernen Front Sergej Tschachotin (1883-1973) und dem sozialdemokratischen Politiker Carlo Mierendorff (1897-1943) gestaltete Symbol der drei Pfeile als Gegensymbol zum Hakenkreuz warb für die neue Organisation. Als einheitlicher Gruß wurde Freiheit gerufen und die geballte Faust nach oben gestreckt. Frauen waren in der Eisernen Front ebenfalls aktiv.

Mehr als der Reichsbanner wurde die Eiserne Front nun zu einer weitgehend sozialdemokratisch dominierten Kampforganisation, die vor allem in den beiden Reichstagswahlkämpfen und den beiden Wahlgängen zur Wahl des Reichspräsidenten des Jahres 1932 präsent war. In Karlsruhe kündigte die sozialdemokratische Parteizeitung Volksfreund am 22. Dezember 1932 die Gründung der Eisernen Front als "eine Art politischer Zweckverband mit einem begrenzten Ziel, nämlich dem Schutz der Republik in den kommenden Monaten gegen den Ansturm der faschistischen Front" im Januar des Folgejahres an. Dazu sollten fünf Staffeln gebildet werden: 1. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, 2. Republikanische Gewerkschaften und Beamtenbünde sowohl der freien wie der christlichen und der Hirsch-Dunkerschen Gewerkschaftsrichtung, 3. Arbeitersportverbände, 4. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, 5. Kartell der republikanischen Verbände (Volksfreund vom 22. Dezember 1932).

Im Frühjahr 1932 wurde dann auch in den Ortsverbänden der SPD verstärkt für die Unterstützung der Eisernen Front geworben. Inwieweit sich in Karlsruhe neben den im engeren Sinne sozialdemokratischen Organisationen auch solche des Zentrums oder aus dem bürgerlichen linksliberalen Umfeld anschlossen, ist nicht zu ermitteln. Das Zentrum zum Beispiel hatte mit der Badenwacht eine eigene paramilitärische Kampforganisation begründet. Die Leitung der Eisernen Front Karlsruhe übernahm auf jeden Fall der Stadtverordnete Gustav Heller, der bis dahin einer der aktivsten Redner in sozialdemokratischen oder gewerkschaftlichen Veranstaltungen war und nun verstärkt in Versammlungen der Eisernen Front auftrat. Seit dem 29. Juni schmückten die drei Pfeile der Eisernen Front die Kopfzeile des Volksfreunds. Eigene Organisationsstrukturen gab es allerdings nicht. Die Eiserne Front bediente sich hier bei den beteiligten Organisationen vor allem beim Reichsbanner, der SPD und den Gewerkschaften.

Zahlen über die Stärke der Eisernen Front in Karlsruhe liegen nicht vor, zu einem ersten Generalappell im Februar 1932 kamen dem Volksfreund zufolge 3.000 Personen in die Festhalle, an einem Demonstrationszug am 9. Juli 1932 sollen 6.000 teilgenommen haben, an der abschließenden Versammlung vor dem Alten Bahnhof 20.000. Auch im letzten Wahlkampf der Weimarer Republik mobilisierte die Eiserne Front noch einmal Tausende, letztlich vergeblich. Nach dem Wahlsieg der NSDAP, die zur absoluten Mehrheit allerdings immer noch die Hilfe der rechtskonservativen DNVP benötigte, am 5. März 1933 wurde die Eiserne Front nun im Zuge der Gleichschaltungsmaßnahmen am 17. März 1933 in Baden verboten. Ihr Führer Gustav Heller wurde zusammen mit sechs weiteren prominenten Sozialdemokraten in einer Schaufahrt am 16. Mai durch die Karlsruher Innenstadt in das Konzentrationslager Kislau überführt.

Ernst Otto Bräunche 2025

Quelle

Karlsruher Zeitungen 1931-1933, https://digital.blb-karlsruhe.de/zeitungen/topic/view/7756828 (Zugriff am 5. Oktober 2025).

Literatur

Sebastian Elsbach: Eiserne Front: Abwehrbündnis gegen Rechts 1931 bis 1933, Wiesbaden 2022 (= Schriftenreihe der Gesellschaft zur Erforschung der Demokratie-Geschichte Bd. 1).