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Nikolauskirche

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Nikolauskirche

Nikolauskirche mit Albbrücke von Süden, Aufnahme von Wilhelm Kratt um 1910, Generallandesarchiv Karlsruhe 498-1 Nr. 2369 Bild 1.
Nikolauskirche mit Albbrücke von Süden, Aufnahme von Wilhelm Kratt um 1910, Generallandesarchiv Karlsruhe 498-1 Nr. 2369 Bild 1.

Eine Kirche in Rüppurr ist erstmals in einer Urkunde des Jahres 1351 als "Capella vel cymeterium in Rietbur" nachweisbar. Es handelt sich dabei um die Vorläuferin der heute noch bestehenden Nikolauskirche in der Nähe der Schlossmühle. Auf Panoramakarten des 16. Jahrhunderts ist sie als kleines Kirchlein mit Turm und querstehendem Langhaus zwischen Schloss und Dorf Rüppurr erkennbar. Die Kapelle war jedoch bis zur Reformation keine Pfarrkirche, sondern diente nur den Schlossbewohnern für den Gottesdienst. Das Dorf Rüppurr war als Filiale der Gemeinde Ettlingen angeschlossen und seine Einwohner fanden in einem Seitenschiff der dortigen Martinskirche ihren Platz. Als Schloss und Dorf Rüppurr 1594 und 1603 an den badischen Markgrafen Ernst Friedrich verkauft wurden, verordnete dieser die Auflösung des Pfarrverbandes mit Ettlingen und setzte einen lutherischen Pfarrer für Rüppurr ein. Somit war der Ort eine evangelische Pfarrei geworden. Das Kloster Lichtental, das schon seit 1290 Rechte am Kirchenzehnten hatte, behielt diesen zwar weiter, sollte aber für den Erhalt der nunmehr protestantischen Nikolauskirche sorgen. Daraus entwickelte sich ein jahrhundertelanger Streit um die Renovierung des Gotteshauses, das im 17. Jahrhundert baufällig geworden war. Aus dieser Zeit stammt auch ein Bauplan der Kirche des Karlsruher Residenzbaumeisters Jakob Friedrich von Batzendorf, der 1712 eine schlichte Außenansicht und einen L-förmigen Grundriss des alten Gotteshauses zeichnete. Schließlich wurde das Kloster Lichtental 1769 vom Reichskammergericht in Wetzlar dazu verurteilt, die Kirche neu zu bauen. Johann Friedrich Weyhing, ein enger Mitarbeiter des Karlsruher Bauinspektors Jeremias Müller, lieferte schöne Entwürfe für eine spätbarocke Kirche, die aber seit 1774 aus Kostengründen in sehr viel schlichterer Form ausgeführt wurde.

Der fünfgeschossige, durch Fensteröffnungen an jeder Seite akzentuierte Turm, wurde dabei auf den alten Fundamenten des Vorgängerbaus vor der Breitseite des Kirchenschiffs errichtet. Der Turmhelm trägt eine Weltkugel, auf der sich ein Kreuz erhebt. Das Langhaus war ursprünglich mit drei Emporen ausgestattet, die aber bei Renovierungsmaßnahmen in der Nachkriegszeit entfernt wurden. Von der Vorkriegsausstattung der Kirche ist außer einem über 300 Jahre alten Taufstein heute nichts mehr vorhanden. Das Herzgrabmal für den 1533 verstorbenen Fürstbischof Reinhard von Rüppurr und das Epitaph für den 1582 verstorbenen Philipp Jakob von Rüppurr wurden in das Innere des Kirchenschiffs verbracht, nachdem das eine früher im Turm und das andere an der Außenwand angebracht waren und beide dadurch stark verwittert sind. Die heutige Altarausstattung wurde von der Karlsruher Bildhauerin Gudrun Schreiner gestaltet. Eine Schmalwand des Langhauses schmückt seit 1948 ein von Clara Kress gestaltetes Kirchenfenster, das den heiligen Nikolaus im Bischofsgewand darstellt. Damals wurden ein einfacher Altar unter diesem Fenster und Bänke in Längsrichtung des Kirchenschiffs aufgestellt, was aber später zugunsten der traditionellen Ausrichtung auf den neuen Altar im Zentrum des Raumes wieder aufgegeben wurde.

Zu Beginn der 19. Jahrhunderts setzte der Lyriker der Befreiungskriege Max von Schenkendorf, der 1812 eine Karlsruherin geheiratet hatte, dem “Kirchlein an der Straßen” mit seinem Gedicht ein literarisches Denkmal.

In der Nikolauskirche hielt Aloys Henhöfer 1823 in Anwesenheit von Prälat Johann Peter Hebel und von Großherzog Ludwig seine Probepredigt. Der ehemals katholische Priester und spätere Anführer der badischen Erweckungsbewegung war damals zum evangelischen Glauben übergetreten. Bis 1908 blieb die Nikolauskirche eine evangelische Kirche. Danach konnte die evangelische Gemeinde von Rüppurr die neuerbaute Auferstehungskirche in der Lange Straße in Besitz nehmen und das für sie zu klein gewordene Gotteshaus an die Rüppurrer Katholiken verkaufen, die damit ihre erste eigene Kirche bekamen. Nachdem auch diese mit der Christ-König-Kirche 1936 ein neues stattliches Kirchengebäude errichtet hatten, erschien der Erhalt der Nikolauskirche zunächst fraglich. Sie steht aber heute unter Denkmalschutz und wird von der katholischen Kirchengemeinde Alb-Südwest St. Nikolaus betreut, die im Frühjahr 2025 eine andernorts nicht mehr benötigte Orgel für Gottesdienste in der Kirche aufstellen konnte. Außerdem kümmert sich ein Förderverein um den Erhalt des Gebäudes, der vor allem mit Konzerten Spenden dafür sammelt und sein Wirken auch online dokumentiert.

Peter Pretsch 2025

Quellen

Datenbank der Karlsruher Kulturdenkmale, hier Rastatter Str. 20, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/detail.php?id=02153; Kirchengemeinde Alb-Südwest St. Nikolaus, https://www.st-nikolaus-ka.de/; Förderverein Nikolauskirche e. V. Förderverein Nikolauskirche Rüppurr e.V. (Zugriff jeweils am 21. November 2025).

Literatur

Ute Fahrbach-Dreher: Rüppurrs Kirchen und Kapellen, hrsg. von der Bürgergemeinschaft Rüppurr durch Günther Philipp, Karlsruhe 2008, S. 12-35 (= Rüppurrer Hefte Bd. 5); Jürgen Krüger: Kirchen in Karlsruhe und die Synagoge, Ubstadt-Weiher 2015, S. 168-191.