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Flugplatz Karlsruhe


Flugplatz Karlsruhe

Zweiter Deutscher Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein: Rittmeister Luitpold Graf Wolffskeel von Reichenberg zu Uettingen (1879-1964), Hellmuth Hirth (1886-1938) und Leutnant Franz Hailer, Mai 1912, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XI 1650.
Zweiter Deutscher Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein: Rittmeister Luitpold Graf Wolffskeel von Reichenberg zu Uettingen (1879-1964), Hellmuth Hirth (1886-1938) und Leutnant Franz Hailer, Mai 1912, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XI 1650.
Erster NS-Flugtag auf dem Karlsruher Flugplatz, 10. September 1933, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 157/1b.
Erster NS-Flugtag auf dem Karlsruher Flugplatz, 10. September 1933, Stadtarchiv Karlsruhe  8/Alben 157/1b.
Laborflugzeug der US-Streitkräfte, 1960, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Bildstelle I 533/20.
Laborflugzeug der US-Streitkräfte, 1960, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Bildstelle I 533/20.

Der seit den 1820er-Jahren nachweisbare, mitten im herrschaftlichen Hardtwald gelegene große Exerzierplatz diente ab dem 1. Mai 1925 offiziell als Karlsruher Flugplatz. Da aber das riesige Areal schon vor dem Ersten Weltkrieg von Zivil- und Militärfliegern als Zwischenlandungsstelle genutzt wurde, setzte sich für den militärischen Ausbildungsplatz die Bezeichnung Flugplatz schon wesentlich früher durch.

Ein im November 1920 zwischen Lörrach-Karlsruhe-Frankfurt/Main eingerichteter Luft-Post-Verkehr musste infolge der Bestimmungen des Versailler Vertrags bereits im Dezember des Jahres eingestellt werden. Im Dezember 1924 gründete die Karlsruher Stadtverwaltung mit führenden Firmen des Handelskammerbezirks und der Junkers Flugzeugwerke AG die Badische Luftverkehrs-Gesellschaft mbH mit dem Ziel, Karlsruhe und Baden an das nationale und internationale Luftverkehrsnetz anzuschließen. Im Rahmen von Notstandsarbeiten wurde der ehemalige Exerzierplatz, den die Stadt vom Land pachten konnte, zu einem Flugplatz mit Flugzeughalle und Verwaltungsgebäude in der Südwestecke des Geländes.

Zum 1. Mai 1925 gab die Badische Luftverkehrs-Gesellschaft mbH ihren ersten Flugplan heraus mit den Strecken Karlsruhe-Berlin (über Stuttgart und Leipzig), Karlsruhe-München und Karlsruhe-Zürich (jeweils über Stuttgart) sowie Karlsruhe-Basel. Am selben Tag nahm sie auch den Flugverkehr von Karlsruhe nach Frankfurt/Main auf, wo Anschlussmöglichkeiten über Erfurt und Leipzig nach Berlin sowie über das Ruhrgebiet und Bremen nach Hamburg bestanden. Noch im Mai 1925 kam ein zweites Junkers-Verkehrsflugzeug für die Strecke Karlsruhe-Stuttgart zum Einsatz.

Die Fusion von der Badischen Luftverkehrs-Gesellschaft mbH in Karlsruhe und der 1925 zur Förderung der badischen und pfälzischen Luftverkehrsinteressen gegründeten Badisch-Pfälzischen Luftverkehrs AG Mannheim zur Badisch-Pfälzischen Luft-Hansa AG im Mai 1926 führte zu einem enormen Aufschwung, so dass Anfang der 1930er-Jahre zwischen der badischen Landeshauptstadt und zahlreichen deutschen und europäischen Großstädten Flugverbindungen eingerichtet waren. Seit 1926 gab es in der Reithalle der ehemaligen Telegraphenkaserne eine Flugzeugwerft.

Neben dem regulären Flugbetrieb wurde der Flugplatz auch von der 1928 von Studierenden der Technischen Hochschule gegründeten Akademischen Fliegergruppe Karlsruhe (Akaflieg) zu Übungs- und Schulungszwecken genutzt. Die Akaflieg widmete sich dem Motor- und Segelflugsport. Ihre Werkstatt, in der sie ihre Segelflugzeuge selbst bauten, war ebenfalls im Reitstall der ehemaligen Telegraphenkaserne untergebracht. Außerdem fanden auf dem Gelände Flug- und Großflugtage mit Kunstflug, Flugzeugakrobatik etc. statt.

Nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten Ende Januar 1933 versuchten die neuen Machthaber, die Begeisterung vieler junger Menschen für die Luftfahrt und den Luftsport für ihrer politischen Ziele zu instrumentalisieren. Schon im Juni 1933 lud die Deutsche Lufthansa AG, nunmehr die einzige Fluggesellschaft des öffentlichen Luftverkehrs, die deutsche Schuljugend zu Rundflügen und Besichtigungen von Flughäfen ein. Das eigens dafür hergerichtete Flugzeug Focke-Wulf A 17 Möwe, eine Verkehrsmaschine mit 20 Sitzplätzen, stand vom 17. bis 20. Juni 1933 auch der Karlsruher Schuljugend zur Verfügung. Ab 1933 wurden die Großflugtage als NS-Großflugtage mit umfangreichen Attraktionen fortgeführt. Auch die Ankunft wichtiger NS-Funktionäre auf dem Karlsruher Flugplatz wurde vor Ort und in der NS-Gauzeitung Der Führer propagandistisch in Szene gesetzt.

In der Nacht vom 30. auf den 31. August 1934 brannte die Flugzeughalle ab, sechs Sport- und zwei Segelflugzeuge wurden dabei zerstört. Die neue Flughalle wurde an der Ostseite des Fluglatzes, entlang der Hindenburgstraße (heute Erzbergerstraße), errichtet. Ende November 1936 nahm dort auch ein neues Verwaltungs- und Abfertigungsgebäude seinen Betrieb auf. Anfang 1937 eröffnete daneben noch eine neue Gaststätte mit Terrasse der Brauerei Schrempp-Printz und im Sommer 1937 das neue Schul- und Verwaltungsgebäude der im Vorjahr gegründeten Reichssportfliegerschule Karlsruhe, die dem Reichluftsportführer Oberst Albrecht Mahnke direkt unterstand.

Die Zahl der ankommenden und abfliegenden Fluggäste betrug 1933 847, 1934 1.230 und 1935 1.687 Personen. Ab dem 1. Mai 1935 flog die Deutsche Lufthansa AG den Flugplatz Baden-Baden nicht mehr an. Ein Auto-Zubringerdienst übernahm den Transfer der Fluggäste zwischen der Kurstadt und dem Karlsruher Flughafen, der fortan Flughafen Karlsruhe-Baden-Baden hieß. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Flughafen wiederholt Ziel alliierter Luftangriffe. Am 3. September 1942 wurden die Flughafengebäude bis auf die Gaststätte durch britische Kampfflugzeuge weitgehend zerstört.

Nach Kriegsende unterstand das Flughafenareal zunächst den französischen und ab Juli 1945 den US-Streitkräften, die erst im März 1993 den westlichen Teil des Areals für die zivile Nutzung freigaben. Ab 1950 entstand im Hardtwald östlich der Erzbergerstraße eine Wohnblockbebauung. Die südlichen zwölf Wohnblöcke bis zur Michigan-Allee waren für deutsche Mieter bestimmt, während nach Norden die US-Siedlung Paul-Revere-Village entstand. Als Ersatz für die Erweiterung der US-Siedlung durfte die Stadt ab 1953 einen 40 Hektar umfassenden Geländestreifen auf der Westseite des Flugplatzes mit dringend benötigten Mietwohnblöcken bebauen.

Noch vor der Freigabe des Flugplatzes 1993, auf dessen Sand- und Magerrasen inzwischen seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten einen neuen Lebensraum gefunden hatten, entzündete sich zwischen Befürwortern des Wohnungsbaus und Naturschützern sowohl im Gemeinderat als auch in der Öffentlichkeit eine heftige Kontroverse über die künftige Nutzung des ehemaligen Flugplatzes. Naherholung und Naturschutz setzten sich letzten Endes durch. Seit 2001 ist der Alte Flugplatz auf ausgewiesenen Rundwegen für Besucher geöffnet und seit 2003 durch eine Allgemeinverfügung der Stadt Karlsruhe geschützt. 2010 wurde er als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet offiziell in die Liste der Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Karlsruhe aufgenommen und mit der Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe zur Festlegung der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung vom 12. Oktober 2018 das Schutzgebiet festgelegt.

Katja Förster 2026

Quellen

Karlsruhe Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648, vor allem: Badische Presse vom 21. November 1913 (Ein „Flugplatz“ Karlsruhe), Volksfreund vom 12. November 1920 (Eröffnung der Flugpost Lörrach-Frankfurt), Badische Presse vom 1. Mai 1925 (Aufnahme des regelmäßigen Luftverkehrs in Karlsruhe), 14. März 1931 (Aufschwung des Karlsruher Luftsports), 15. Mai 1933 (Karlsruher im Sommerluftverkehr 1933), 17. Juni 1933 (Schuljugend auf dem Karlsruher Flugplatz), 23. Mai 1936 (Sportfliegerschule Karlsruhe), Durlacher Tagblatt vom 9. Januar 1937 (Der neue Karlsruher Flughafen im Ausbau); Naturschutzgebiet Alter Flugplatz Karlsruhe, hrsg. vom Regierungspräsidium Karlsruhe, Karlsruhe 2011; Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe zur Festlegung der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (FFH-Verordnung – FFH-VO) vom 12. Oktober 2018, in: Gesetzblatt von Baden-Württemberg, Stuttgart, Nr. 21, 27. Dezember 2018; Alter Flugplatz Karlsruhe, http://www.alter-flugplatz-karlsruhe.de (Zugriff jeweils am 14. Mai 2026).