Männer- und Zöglingsabteilung der Freien Turnerschaft Karlsruhe vor ihrer Turnhalle in der Gutenberg-Schule, 1907, Stadtarchiv Karlsruhe 8/SpoA 1100.
Ruderregatta "Rund um die Rheininsel und das Strandbad Rappenwört", 22. September 1929, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIc 584.
Erste Sportveranstaltung im Wildparkstadion vor dessen offizieller Einweihung: Das internationale Leichtathletik-Sportfest des KSC am 18. Juli 1955, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/130/4/34a.

Sport

Die meisten der Karlsruher Sportvereine entstanden erst im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts. Nur die Turnvereine und Schützenvereine sind älter. Am 16. Januar 1846 wurde der – demokratische – Allgemeine Turnverein gegründet, von dem sich 1848 der regierungstreue Karlsruher Turnverein abspaltete. Nach mancherlei Zusammenschlüssen und Abspaltungen bestanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts drei große Turnvereine, der Männerturnverein sowie die Turngemeinde und die Turngesellschaft, die 1919 zum Karlsruher Turnverein 1846 fusionierten. 1911 gab es darüber hinaus sechs der Freien Turnerschaft angehörende Vereine. Damit hatte sich in Karlsruhe auch der Arbeitersport etabliert, der seit den 1890er-Jahren in Absetzung vom bürgerlichen Sport entstanden war.

In den 1860er-Jahren führten die neu entstehende Sportbewegung und der aus England übernommene Gedanke der Konkurrenz zu anderen Sportlern mit regelmäßigen Wettkämpfen und Leistungsvergleichen zu immer neuen Vereinsgründungen. Aus der Turngemeinde kamen die Ruderer, die im März 1879 den Ruderverein Salamander (heute Karlsruher Ruderverein Wiking v. 1879) gründeten. Die Radler riefen in der Geburtsstadt des Fahrraderfinders Freiherr von Drais den Karlsruher Bicycle-Club von 1882 ins Leben, dem der Radfahrerverein Karlsruhe von 1887 folgte. Bis zum Ersten Weltkrieg entstanden 14 weitere Radfahrervereine. Reitsport wurde in der Garnisonstadt lange Zeit nur vom Militär betrieben. Der 1885 gegründete Karlsruher Reiterverein war zunächst noch ein ausschließlich von Militärs betriebener Verein.

Den höchsten Zulauf vor dem Ersten Weltkrieg hatte aber der Fußball. Der Fußballpionier Walther Bensemann gründete 1889 als Gymnasiast mit einigen Gleichgesinnten den ersten Karlsruher Fußballverein, den International Football-Club Karlsruhe, der auf dem Engländerplatz spielte, dem Geburtsort des Karlsruher Fußballs. Bensemann war auch maßgeblich an der Gründung des Karlsruher Fußballvereins (KFV) im Jahr 1891 und des FC Phoenix im Jahr 1894, der beiden herausragenden Karlsruher Fußballvereine, sowie vieler anderer, zum Teil nur kurzlebiger Vereine, beteiligt. Auch der in erster Linie von Arbeitern 1895 gegründete FC Frankonia existiert heute noch in der ESG Frankonia.

Dieser gehörte zu den Fußballvereinen, die die ersten Leichtathletikveranstaltungen in Karlsruhe veranstalteten. Erst relativ spät entstand in Karlsruhe der erste Schwimmverein, der Schwimmverein Neptun im Jahre 1899.

Der Erste Weltkrieg bremste insgesamt den Aufwärtstrend aller Sportvereine, deren aktive Mitglieder zum größeren Teil eingezogen wurden. Trotz der Kriegsereignisse wurde der Sportbetrieb aber weitgehend aufrecht erhalten, häufig übernahmen Frauen und Jugendliche bei Veranstaltungen die Programmteile, die früher den Männern vorbehalten waren.

Nach dem Krieg erlebten die Karlsruher Sportvereine einen wahren Boom, die Mitglieder- und Zuschauerzahlen wuchsen, Sport wurde nun zu einer Massenveranstaltung. Die Stadt kümmerte sich um geeignete Sportplätze und plante im Zuge des Generalbebauungsplans von 1926 gar einen halbkreisförmig um das Schloss angelegten Sportpark Hardtwald, der allerdings wegen der beginnenden Weltwirtschaftskrise nicht realisiert wurde. Umgesetzt wurde aber das Rheinstrandbad Rappenwört, der Geburtsort des Ringtennis.

Weitere Sportarten wie das Tennisspiel, dessen Anfänge in Karlsruhe bis vor den Ersten Weltkrieg zurückgehen, der Kanusport, bis zum Ersten Weltkrieg individuell betrieben und erst ab 1922 in Vereinen organisiert, das Handballspiel, das in den 1920er-Jahren in Karlsruhe begann, oder die Leichtathletik, die in derselben Zeit ihre ersten überregionalen Erfolge für Karlsruhe erzielte, waren hinzugekommen bzw. konnten erste Erfolge aufweisen. Auch die Karlsruher Schwimmer waren schon vor dem Ersten Weltkrieg erfolgreich und knüpften daran in der Weimarer Republik an.

Andere Sportarten, wie das Boxen oder das Hockeyspiel fristeten noch ein eher kümmerliches Dasein. Das Spektrum der Vereine wurde durch die katholischen Vereinsgründungen der Deutschen Jugendkraft (DJK) und die Arbeitersportvereine erweitert. Die 1919 gegründeten Sportdachverbände spiegelten diese Entwicklung wider, der Stadtausschuss für Leibesübungen und Jugendpflege umfasste die bürgerlichen Sportvereine, das Arbeitersportkartell die der Arbeiterbewegung.

Letztere wurden im Dritten Reich von den neuen Machthabern verboten. Die verbliebenen Vereine hatten nach wie vor großen Zuspruch, Karlsruhe galt Mitte der 1930er-Jahre als sportfreudigste Großstadt in Deutschland bezogen auf die Einwohnerzahl, wozu 70 Sportvereine mit 17.834 Mitgliedern beitrugen. Jüdische Sportler wurden schon 1933 aus den Vereinen ausgeschlossen, verfolgt und später zum Teil in den NS-Vernichtungslagern ermordet.

Der Zweite Weltkrieg traf die Vereine noch härter als der Erste, wieder waren viele Mitglieder eingezogen, wieder fielen zahlreiche Sportler. Diesmal gab es aber auch etliche zerstörte Sportstätten. Nach dem Krieg mussten sich die im Dritten Reich gleichgeschalteten und in das NS-System eingebundenen Sportvereine neu organisieren und auf eine demokratische Basis stellen. 1946 war die Gruppe der Turnvereine nach wie vor stärkste Fraktion, gefolgt von Fußball, Handball, Ski- und Schwimmsport sowie Leichtathletik. In den 1950er-Jahren knüpfte der 1952 aus der Fusion des VfB Mühlburg und des FC Phönix entstandene Karlsruher Sportclub (KSC) an die große Fußballtradition an.

Herausragende Ergebnisse der Karlsruher Leichtathleten Heinz Fütterer, Carl Kaufmann, Karl Heinz Klotz, Lothar Knörzer, Siegfried König und Karl Wolf ließen Karlsruhe in den 1950er- und 1960er-Jahren zu einer Hochburg der Leichtathletik werden. Ihre Erfolge errangen sie unter anderem in dem 1955 eingeweihten neuen Wildparkstadion, mit dem Karlsruhe endlich ein Großstadion erhielt. Da auch das Tullabad zu dieser Zeit eröffnet wurde, verfügte Karlsruhe zehn Jahre nach Kriegsende über zwei herausragende neue Sportstätten.

Erfolge waren auch im Handball zu verzeichnen, vor allem in den 1970er-Jahren, die mit dem Namen Turn- und Sportverein Rintheim 1896 verbunden sind, im Tennis mit dem Tennis Club Rüppurr 1929, im Boxen mit dem KSC, im Kanusport mit den Rheinbrüdern, und im Basketball mit der Basketball-Gemeinschaft Karlsruhe.

Ernst Otto Bräunche 2015

Literatur

Ernst Otto Bräunche/Volker Steck (Hrsg.): Sport in Karlsruhe von den Anfängen bis heute, Karlsruhe 2006 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 28).