Sally Grünebaum (3. v. l., nach Ludwig Marum und Gustav Heller) bei der Ankunft im KZ Kislau, 16. Mai 1933, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oVI 558 (Ausschnitt).

Sally Grünebaum

Journalist, Verfolgter des Nationalsozialismus, * 29. April 1886 Homburg/Markt Triefenstein/Main-Spessart-Kreis), † 25. März 1948 Tel Aviv, jüd., ∞ 1923 Else Mathilde Dreyer († 1938), 2 Töchter.

Sally Grünebaum, Sohn des späteren Vorstands der jüdischen Kultusgemeinde seines Heimatorts, besuchte die Oberrealschulen in Schweinfurt und Aschaffenburg und war anschließend im Bank- und Metallfachgewerbe tätig. Etwa 1908 begann er seine journalistische Tätigkeit. 1913/14 arbeitete Grünebaum als Landtags-Berichterstatter und parlamentarischer Mitarbeiter der sozialdemokratischen Presse Badens in Karlsruhe. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 studierte Grünebaum Nationalökonomie in Frankfurt a. M. und Heidelberg. Zusätzlich besuchte er literarische, geschichtliche und philosophische Seminare. 1919-1922 kehrte Grünebaum zur SPD-Presse Badens nach Karlsruhe zurück, 1922-1928 war er Chefredakteur der sozialdemokratischen Volkszeitung in Heidelberg, danach übernahm er in Karlsruhe bis 1933 die Politik- und Feuilletonredaktion der SPD-Zeitung Volksfreund.

Seit Anfang der 1930er-Jahre beschäftigte sich Grünebaum in seinen Artikeln vermehrt mit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), deren politische Vertreter bzw. Wirken er bisweilen ironisch kommentierte. Dies brachte ihm zwei Klagen des späteren Reichsstatthalters von Baden, Robert Wagner, ein, von denen letztere für ihn im Frühjahr 1933 zu einer Gefängnisstrafe führte. Diese trat Grünebaum freilich nicht an, da er in der von den Nationalsozialisten inszenierten Schaufahrt vom 16. Mai 1933 mit August Furrer, Gustav Heller, Ludwig Marum, Adam Remmele, Erwin Sammet und Hermann Stenz in das zum KZ umfunktionierte Gefängnis Kislau transportiert wurde. Unter der Bedingung, nach Palästina zu emigrieren, wurde Grünebaum am 18. Oktober aus dem KZ entlassen. Noch im selben Monat verließ er zusammen mit seiner Frau Deutschland. Seine Zwillingstöchter kamen 1934 nach.

Obwohl dreisprachig (deutsch, englisch, französisch) fand Grünebaum in Palästina keine dauerhafte Anstellung als Journalist, da er kein Hebräisch beherrschte. In der Folge lebte er von Sozialhilfe und den Zuwendungen seines ebenfalls ausgewanderten Bruders. Nach dem Tod seiner Frau mit seinen Töchtern in einem Ein-Zimmer-Appartement lebend, starb Grünebaum 1948 wenige Wochen vor der Ausrufung des Staates Israel an den Folgen eines Schlaganfalls, den er während einer Augenoperation erlitten hatte.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 480/30337 (1-4), 521 Zug. 1982 Nr. 48/8400.

Werk

Der erste Landtag der Republik Baden, Karlsruhe 1921; Ludwig Frank. Ein Beitrag zur Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie, Heidelberg 1924.

Literatur

Josef Eisele: 70 Jahre Dienst am Volke. Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Ortsverein Karlsruhe, Karlsruhe 1959; Christoph Clasen: Sally Grünebaum, in: Badische Biographien NF, Bd. V, hrsg. von Fred L. Sepaintner, Stuttgart 2005, S. 110-113.