Erich Kleinschmidt, 1909, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 12/45a.

Erich Kleinschmidt

Jurist, Bürgermeister, * 2. Oktober 1871 Ohrdruf/Lkr. Gotha, † 18. Dezember 1935 Karlsruhe, ev., ∞ Charlotte Pauline Focke, 1 Tochter, 2 Söhne.

Nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen im Jahr 1893 wurde Erich Kleinschmidt ein Jahr später zum Doktor der Rechtswissenschaft promoviert. 1898 folgten das Zweite Juristische Staatsexamen und die Niederlassung als Rechtsanwalt in Heidelberg. Als Syndikus war er von 1899 bis 1901 für die Gasanlagenfabrik Carl Francke in Bremen tätig. Danach war er bis 1907 zweiter Syndikus der Deutschen Bank Berlin. Zwei Jahre arbeitete er dann als Direktor der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin, ehe er am 1. September 1909 3. Bürgermeister der Stadt Karlsruhe wurde. Kleinschmidt, der im Ersten Weltkrieg als Leutnant der Landwehr eingezogen, noch 1914 zum Oberleutnant und 1916 zum Hauptmann befördert wurde, war seit August 1915 beim Kaiserlichen Gouvernement Antwerpen, der dortigen deutschen Besatzungsmacht, tätig. Nach wiederholten Anträgen der Stadt wurde er am 21. März 1918 aus dem Heeresdienst entlassen. Am 29. September 1919 bestätigte der Bürgerausschuss Kleinschmidt als Bürgermeister. Dieses Amt hatte er nach seiner Wiederwahl am 19. Juli 1928 noch bis zu seiner Entlassung 1933 durch die Nationalsozialisten inne.

Schwerpunkte seiner Tätigkeit als Bürgermeister waren das Schul-, Finanz- und Kassenwesen, zudem war er während seiner gesamten Amtszeit Vorsitzender des Verwaltungsrats der Städtischen Sparkasse. Im Kaiserreich war Kleinschmidt politisch der Nationalliberalen Partei zuzuordnen. Dass er in der Weimarer Republik zunächst der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), dann der Deutschen Volkspartei angehörte, ist wahrscheinlich, aber nicht zu belegen. Als Kleinschmidt nur zweieinhalb Jahre nach seiner erzwungenen Zurruhesetzung verstarb, unterblieben auf Anordnung von Oberbürgermeister Adolf Friedrich Jäger (NSDAP) das ansonsten übliche Beileidsschreiben und die Kranzspende.

Ernst Otto Bräunche 2019

Quelle

Stadtarchiv Karlsruhe 1/POA 1669.

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Residenzstadt, Landeshauptstadt, Gauhauptstadt. Zwischen Demokratie und Diktatur 1914-1945, in: Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe - Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 358-502, S. 434 und S. 458, https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP1XI2Dw44t/Karlsruhe%20Die%20Stadtgeschichte.pdf (Zugriff am 30. April 2020).