Das Kongresszentrum am linken unteren Bildrand mit dem markanten Dach der Schwarzhalle; darum im Uhrzeigersinne: Nancyhalle mit Verbindungsbrücke zur Schwarzwaldhalle, Konzerthaus, Stadthalle, Novotel, Gartenhalle (südliche grüne Dächer), 2014, Stadtarchiv Karlsruhe 11/DigA 44/159.

Kongresszentrum

Um Karlsruhe als Standort der seit 1949 jährlich stattfindenden, mit dem Therapiekongress einhergehenden Deutschen Heilmittelmesse zu sichern, plante Oberbürgermeister Günther Klotz schon unmittelbar nach seinem Amtsantritt 1952 ein Kultur- und Sportzentrum am Festplatz mit Mehrzweckhallen, Hallenbad und Restaurant. Zwischen 1953 und 1966 entstanden nach Plänen des Architekten Erich Schelling die Schwarzwaldhalle (1953), die Gartenhalle (1954/55) und die mit einem geräumigen Gastronomiebereich ausgestattete Nancyhalle (1964-1966). Sowohl die Garten- als auch die Nancyhalle waren direkt mit der Schwarzwaldhalle verbunden, damit das gesamte Hallenensemble auch gleichzeitig genutzt werden konnte.

Der 1950 gegründeten Ausstellungs- und Kongress-Gesellschaft (AuK) wurde 1971 das Management für sämtliche städtischen Hallen am Festplatz übertragen, das heißt auch das für Konzerthaus und Stadthalle. Diese beiden Gebäude waren bereits 1913-1915 nach Entwürfen des Architekturbüros Curjel & Moser entstanden und wurden bis zum Bezug des Theaterneubaus am Ettlinger Tor 1975 vom Badischen Staatstheater mit genutzt.

Ab den späten 1970er-Jahren investierte die Stadt regelmäßig große Summen in die Modernisierung und den weiteren Ausbau der vorhandenen Veranstaltungs- und Ausstellungshallen, um im überregionalen Wettbewerb weiterhin als Kongress- und Ausstellungszentrum bestehen zu können. Die ursprünglich als Ausstellungshalle konzipierte Stadthalle wurde 1981-1985 durch einen multifunktionalen Neubau nach Plänen von Herman Rotermund und Christine Rotermund-Lehmbruck ersetzt, die denkmalgeschützte Säulenvorhalle des Vorgängerbaus dabei in die Schaufassade integriert. Mit zahlreichen Veranstaltungs-, Konferenz-, Seminarräumen und Foyers ausgestattet, stellt die Stadthalle seitdem bereits für sich ein leistungsfähiges Kongresszentrum dar. Von 1988-1990 wurde die Schwarzwaldhalle renoviert und 1989/90 die Gartenhalle durch einen komplexen Neubau nach Plänen von Hildegund Brandenburg ersetzt. Des Weiteren erfolgte von 1992-1994 die Generalsanierung des Konzerthauses mit gleichzeitiger Umfunktionierung in eine Mehrzweckhalle. Von 2000-2002 wurde das Hallen-Ensemble am Festplatz noch um ein Kongresshotel (ehemals Dorint-Hotel; heute Novotel Karlsruhe City) nach Plänen des Hamburger Architekturbüros Schweger & Partner in direkter Nachbarschaft zur Stadthalle ergänzt.

Die 1977 aus der Umstrukturierung der AuK hervorgegangene Karlsruher Kongress- und Ausstellungs GmbH (KKA) wurde 2001 mit Blick auf die im Bau befindliche Messe Karlsruhe in Karlsruher Messe- und Kongress GmbH (KMK) umbenannt. Seit 2003 finden Großveranstaltungen am neuen Messestandort bei Rheinstetten statt, während das innerstädtische Kongresszentrum vor allem für Kongresse und kleinere Veranstaltungen genutzt wird, für die aber weder die Nancy- noch die Gartenhalle benötigt werden. Die Nancyhalle wird daher seit 2011 nicht mehr von der KMK betrieben und seit 2012 als Probebühne des Badischen Staatstheaters genutzt. Die Frage nach der künftigen Nutzung der Gartenhalle, die derzeit noch Bestandteil des Kongresszentrums ist, ist noch offen. Die Stadt Karlsruhe verfügt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadtzentrum über ein Ausstellungs- und Kongresszentrum, mit dem sie an die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition als Kongressstadt anknüpft. Ab 2017 wird die Stadthalle mit einem geschätzten Kostenvolumen von 56 Millionen Euro renoviert und an aktuelle Standards angepasst.

Katja Förster 2015

Literatur

Erich Schelling. Architekt. 1904-1986, München 1994, S. 60-69, S. 165-177; Gerhard Kabierske: Festplatz, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe, S. 236-249 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26).