Der Musikverein Knielingen während des Festzugs beim 2. Knielinger Straßenfest, 1982, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A43/225/5/33.

Bürgerverein Knielingen

Der Bürgerverein Knielingen ist die Interessenvertretung der Bewohnerinnen und Bewohner des Karlsruher Stadtteils Knielingen. Sein Zweck besteht laut Satzung in der Förderung der Jugendarbeit, der Altenpflege, der Erhaltung und Verbesserung der natürlichen Lebensbedingungen der Bevölkerung, der Pflege der Heimatgeschichte und des örtlichen Brauchtums, des Natur-, Umwelt- und Landschaftsschutzes sowie der Pflege der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude.

Hervorgegangen ist der Bürgerverein Knielingen aus der 1946 gegründeten Bürgerkommission Knielingen zur Umsetzung der von der Stadt Karlsruhe im Eingemeindungsvertrag vom 28. März 1935 vereinbarten Zusicherungen. Gegründet wurde der Bürgerverein am 8. März 1959 im Gasthaus Zum Schwanen. Knielingen war zum damaligen Zeitpunkt der einzige Karlsruher Stadtteil ohne Bürgerverein. In der Interessengemeinschaft Knielinger Vereinsvorstände war man deshalb zu der Erkenntnis gelangt, die Belange des Stadtteils bei der Stadtverwaltung durch einen Bürgerverein besser kommunizieren zu können.

Eine erste wichtige Aufgabe kam dem Bürgerverein bei den Verhandlungen der Knielinger mit der Stadtverwaltung über die Preise für deren Grundstücke zu sowie bei der anschließenden Umsetzung einer anwohnerfreundlichen und umweltschonenden Planung der beiden Ölraffinerien DEA-Scholven und ESSO nördlich des Rheinhafens im Rheinauewald. Weitere Themen der 1960er- und 1970er-Jahre, an denen sich der Bürgerverein beteiligte, betrafen die Erweiterung des Friedhofgeländes, den Ausbau der Rheinbrückenstraße mit einer Fußgängerunterführung am Elsässer Platz (1966), die Verlängerung der Straßenbahnlinie bis zur Rheinbergstraße (1967), die sogenannten Nachbarschaftstreffen zwischen Vertretern der Firmen MiRO, Siemens und StoraEnso sowie dem Bürgerverein Knielingen zum gegenseitigen Gedankenaustausch über die Anliegen und Interessen der einzelnen Parteien (seit 1968), die Anlage einer geordneten Mülldeponie (1971), die Bekämpfung der Schulraumnot und die Einweihung der Schulsporthalle als erstem öffentlichen Neubau in Knielingen seit 40 Jahren (1976).

In den 1980er-Jahren verantwortete der Bürgerverein die Veranstaltung des alle zwei Jahre stattfindenden Knielinger Straßenfests (seit 1980), die Herausgabe einer Ortsgeschichte (1985) sowie die Durchführung der Festlichkeiten zur 1200-Jahr-Feier Knielingens (1986). Nach den Jubiläumsfeierlichkeiten entstand eine Initiative zur Gründung eines Knielinger Heimatmuseums, aus der der 1992 gegründete Förderverein Knielinger Museum e. V. hervorging, der seit 1993 das Museum im Hofgut Maxau betreibt. Die 1990er-Jahre waren geprägt von den Diskussionen um den Bau der Müllverbrennungsanlage Thermoselect, des Industriegebiets Knieligen-West mit Nordtangente und – nach Abzug der US-Streitkräfte 1995 – um die Anschlussnutzung des Areals der ehemaligen Rheinkaserne im Norden Knielingens, an denen sich der Bürgerverein kritisch beteiligte. Hinzu kamen regelmäßig wiederkehrende Themen wie allgemeiner Lärmschutz, der Bau einer zweiten Rheinbrücke auf Knielinger Gemarkung sowie stadtteilspezifische Probleme den Autoverkehr, den Straßenausbau und die Parkplatzsituation betreffend. Ein Erfolg des Bürgervereins der jüngeren Vergangenheit stellte 2012 – nach einer Vorlaufzeit von zehn Jahren – die Eröffnung des Sportparks Knielingen dar.

Das erstmals im Dezember 1961 herausgegebene Mitteilungsblatt des Bürgervereins Der Knielinger erscheint zweimal jährlich und berichtet über aktuelle und historische Themen aus dem Stadtteil, den Vereinen und den Kirchen. Vorsitzende des Bürgervereins Knielingen waren Friedrich Buchleither (1959-1973), Irmtraud Kaiser (1973-1985), Gerold Kiefer (1985-1991), Joachim Schulz (1991-1995), Hubert Wenzel (1995-2005) und Matthias Fischer (2005-2019). Seit 2019 hat Ursula Hellmann dieses Amt inne.

René Gilbert 2019

Quellen

StadtAK 8/StS 20/2908; Homepage des Bürgervereins Knielingen, https://www.knielingen.de/karlsruhe/ (Zugriff am 5. Juli 2019).

Literatur

Bürgerverein Knielingen (Hrsg.): Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum des Bürgervereins Knielingen e. V. 1959-1984, Knielingen 1984; Bürgerverein Knielingen (Hrsg.): 1200 Jahre Knielingen 786-1986, Karlsruhe 1985, S. 630-657; Hubert Wenzel: 50 Jahre BVK (Vorwort), in: Der Knielinger 66 (1999), S. 3; Der Knielinger – Mitteilungsblatt des Bürgervereins Knielingen e. V. Nr. 1-106 (1961-2019), https://www.knielingen.de/karlsruhe/index.php/buergerverein/der-knielinger (Zugriff am 5. Juli 2019).