Blick von Süden, im Vordergrund die Fasanenstraße, 1972, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A24/169/5/17.
Foto: Roland Feitenhansl 2014.
Foto: Roland Feitenhansl 2014.

Waldhornstraße

Diese Straße ist eine der neun sogenannten Fächerstraßen, die strahlenförmig vom Schloss ausgehen und in ihrem letzten Abschnitt Bestandteil der ehemaligen Tagelöhnersiedlung Dörfle sind. Sie führt als östlichste Fächerstraße vom Schlossplatz in südöstliche Richtung und passiert dabei den Zirkel, die Kaiserstraße, die Zähringerstraße und den Waldhornplatz und endet an der Kapellenstraße, wo die Einfahrt zum Alten Friedhof eine Fortsetzung andeutet.

Ursprünglich (seit 1718) hieß die Straße Jung-Dresen (Draisen)-Gasse, nach einem der Gründungsmitglieder des Fidelitasordens wie alle anderen Fächerstraßen, und ab 1750 Waldhorngasse nach dem damaligen Gasthaus an der Ecke zur Langen Straße (heute Kaiserstraße). Das Waldhorn war die älteste Karlsruher Gastwirtschaft. Es bestand bereits vor der Stadtgründung 1715 und diente zunächst auch als Ratslokal und Versammlungsort der Zünfte. 1758 wurde das Gebäude abgerissen. Seit 1820 trägt die Straße ihren heutigen Namen. Sie endete zunächst an der damaligen Langen Straße, ihre Fortsetzung durch das Dörfle Richtung Altem Friedhof hieß bis 1820 Gottesackerstraße.

1911 befanden sich am Beginn der Straße links die Großherzogliche Zivilliste und das Hofdomänenärar (Nr. 1-3a), das Gebäude der Gräflich Douglasschen Hauptverwaltung (Nr. 5) sowie städtische Schulgebäude der Oberrealschule (Nr. 9) und der Humboldtschule (Realgymnasium, Nr. 15). Gegenüber hatten unter anderem die Hof-Wagenfabrik Kautt & Sohn (Nrn. 14, 16) und die Studentenverbindung Corps Bavaria (Nr. 20) ihre Gebäude.

Die Bebauung war von Anfang an aufgrund der unterschiedlichen Nutzungen (Verwaltung, Wohnen, Gewerbe) und Sozialstrukturen (gehobenes Bürgertum, Tagelöhner) sehr uneinheitlich. Dazu kamen während des Zweiten Weltkriegs größere Zerstörungen im gesamten Verlauf der Straße mit anschließendem, verändertem Wiederaufbau bis hin zu kompletten Neubauten, zum Beispiel während und nach der Altstadtsanierung in den 1970er-Jahren.

Als Einzelbauten hervorzuheben sind am Schlossplatz der Ostflügel des heutigen Regierungspräsidiums, 1833 erbaut von Heinrich Hübsch als Finanzkanzlei (Schlossplatz 1, 3), der Westflügel des um 1965 erbauten Institutsgebäudes für Mechanik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) (Englerstraße 2), das nach Kriegszerstörung vereinfacht wiederaufgebaute Stadtpalais, 1815 erbaut von Friedrich Weinbrenner (Nr. 20), die Nordwestfassade der Unfallkasse des Badischen Gemeindeunfallversicherungsverbands, 1979/80 erbaut von Karl Heinz Götz und Helmut Bätzner (Waldhornplatz 1), sowie die drei Werkbundhäuser von Gerd Gassmann, 1984 (Eckhaus zur Fasanenstraße), Dietrich Oertel, 1985 (Nr. 47), und Heinz Mohl, 1986 (Nr. 49). Wenige Schritte davon entfernt ist schließlich noch eines der wenigen Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert erhalten (Nr. 53).

Roland Feitenhansl 2013

Literatur

Susanne Asche, Ernst Otto Bräunche, Jochen Karl Mehldau: Straßennamen in Karlsruhe, Karlsruhe 1994, S. 210 (= Karlsruher Beiträge Nr. 7); Erich Lacker: Zielort Karlsruhe. Die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg, Karlsruhe 2005, 2. Auflage (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 18); Peter Pretsch (Hrsg.): Das Dörfle - Altstadt Karlsruhe. Streifzüge durch die Ortsgeschichte. Karlsruhe 2013; Edmund Sander: Karlsruhe. Einst und Jetzt in Wort und Bild, Karlsruhe 1911, S. 64-66.