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[[Datei:Top-3121 Lidellplatz 8 PBS oXIVa 1647.jpg|alternativtext=Holz- und Heumarkt auf dem damaligen Spitalplatz mit dem Hospital im Hintergrund, um 1840, Lithographie von Peter Wagner, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 1647.|links|mini|Holz- und Heumarkt auf dem damaligen Spitalplatz mit dem Hospital im Hintergrund, um 1840, Lithographie von Peter Wagner, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVa 1647.]] |
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Die bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert bestehende Platzanlage hat erst seit 1893 ihren heutigen Namen. Früher wurde sie Spitalplatz genannt, da an ihrer Ostseite das älteste <lex id="ins-1431">Krankenhaus</lex> der Stadt errichtet worden war. Bereits 1764 hatte man sich im Zuge einer geplanten Stadterweiterung über die Notwendigkeit eines Hospitals im Stadtgebiet Gedanken gemacht und wenige Jahre später auch den Standort bestimmt, nämlich am Schnittpunkt der neuen Spitalstraße (heute <lex id="top-1856">Markgrafenstraße</lex>), die als Straßendiagonale vom <lex id="top-3109">Rondellplatz</lex> ausging, mit der <lex id="top-0009">Adlerstraße</lex>. Zusammen mit dem Verlauf des <lex id="ort-0118">Landgrabens</lex> ergab sich hier die Dreiecksgestalt eines circa 31 Ar großen Platzes. |
Die bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert bestehende Platzanlage hat erst seit 1893 ihren heutigen Namen. Früher wurde sie Spitalplatz genannt, da an ihrer Ostseite das älteste <lex id="ins-1431">Krankenhaus</lex> der Stadt errichtet worden war. Bereits 1764 hatte man sich im Zuge einer geplanten Stadterweiterung über die Notwendigkeit eines Hospitals im Stadtgebiet Gedanken gemacht und wenige Jahre später auch den Standort bestimmt, nämlich am Schnittpunkt der neuen Spitalstraße (heute <lex id="top-1856">Markgrafenstraße</lex>), die als Straßendiagonale vom <lex id="top-3109">Rondellplatz</lex> ausging, mit der <lex id="top-0009">Adlerstraße</lex>. Zusammen mit dem Verlauf des <lex id="ort-0118">Landgrabens</lex> ergab sich hier die Dreiecksgestalt eines circa 31 Ar großen Platzes. |
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Die Bebauung des Platzes entstand nach der Errichtung des Krankenhauses seit 1790 zunächst in zwei- bis dreistöckiger Modellbauweise entlang der Nordseite des Platzes. Markantestes Gebäude ist noch heute das seit 1926 so benannte <lex id="ins-0290">Gasthaus zum Kleinen Ketterer</lex> an der Ecke zur Adlerstraße. Die Häuser an der Südseite des Lidellplatzes entstanden nach 1805, als entlang des Landgrabens die <lex id="top-2649">Steinstraße</lex> gebaut wurde, um den Zugang zu der neuen Wohnbebauung zu ermöglichen. Der Landgraben selbst wurde erst 1815 im Zuge einer neuen Platzgestaltung überwölbt. Bis dahin hatte der Spitalplatz als Gemüsegarten gedient. An der Straße eröffneten zahlreiche Wirtshäuser, die in den 1920er-Jahren einer neuen Bebauung weichen mussten, so etwa dem großen Komplex der <lex id="ins-0043">Badenia Druckerei und Verlag</lex>. In das Nachbargebäude Steinstraße 23 zog der Lithograph Arthur Albrecht ein, der hier vor allem Plakate, Postkarten und Werbeartikel herstellte. Heute wird dieses Gebäudeensemble mit seinem weitläufigen Hinterhof vom <lex id="ins-0209">Gewerbehof</lex> genutzt. Bombentreffer im <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkrieg</lex> sorgten dafür, dass daneben Gebäude im Stil der 1950er-Jahre in Platten- und Betonbauweise entstanden. |
Die Bebauung des Platzes entstand nach der Errichtung des Krankenhauses seit 1790 zunächst in zwei- bis dreistöckiger Modellbauweise entlang der Nordseite des Platzes. Markantestes Gebäude ist noch heute das seit 1926 so benannte <lex id="ins-0290">Gasthaus zum Kleinen Ketterer</lex> an der Ecke zur Adlerstraße. Die Häuser an der Südseite des Lidellplatzes entstanden nach 1805, als entlang des Landgrabens die <lex id="top-2649">Steinstraße</lex> gebaut wurde, um den Zugang zu der neuen Wohnbebauung zu ermöglichen. Der Landgraben selbst wurde erst 1815 im Zuge einer neuen Platzgestaltung überwölbt. Bis dahin hatte der Spitalplatz als Gemüsegarten gedient. An der Straße eröffneten zahlreiche Wirtshäuser, die in den 1920er-Jahren einer neuen Bebauung weichen mussten, so etwa dem großen Komplex der <lex id="ins-0043">Badenia Druckerei und Verlag</lex>. In das Nachbargebäude Steinstraße 23 zog der Lithograph Arthur Albrecht ein, der hier vor allem Plakate, Postkarten und Werbeartikel herstellte. Heute wird dieses Gebäudeensemble mit seinem weitläufigen Hinterhof vom <lex id="ins-0209">Gewerbehof</lex> genutzt. Bombentreffer im <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkrieg</lex> sorgten dafür, dass daneben Gebäude im Stil der 1950er-Jahre in Platten- und Betonbauweise entstanden. |
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1912 wurde anstelle des abgerissenen Hospitals der imposante Neubau der heutigen <lex id="ins-1220">Carl-Hofer-Schule</lex> gebaut, der seitdem mit seiner schieren Größe den Platz dominiert. Den Platz selbst, auf dem bis 1889 der Holz- und Heumarkt abgehalten wurde, prägte seit dieser Zeit auch eine üppige Bepflanzung mit Bäumen. 1876 wurde der vorhandene Trinkbrunnen aus der <lex id="bio-0241">Weinbrennerzeit</lex> durch den Lidellbrunnen ersetzt, der an den Förderer und Stifter des Hospitals <lex id="bio-0550">Christoph Friedrich Lidell</lex> erinnern sollte und dem Platz seinen neuen Namen gab. |
1912 wurde anstelle des abgerissenen Hospitals der imposante Neubau der heutigen <lex id="ins-1220">Carl-Hofer-Schule</lex> gebaut, der seitdem mit seiner schieren Größe den Platz dominiert. Den Platz selbst, auf dem bis 1889 der Holz- und Heumarkt abgehalten wurde, prägte seit dieser Zeit auch eine üppige Bepflanzung mit Bäumen. 1876 wurde der vorhandene Trinkbrunnen aus der <lex id="bio-0241">Weinbrennerzeit</lex> durch den <lex id="ort-0076">Lidellbrunnen</lex> ersetzt, der an den Förderer und Stifter des Hospitals <lex id="bio-0550">Christoph Friedrich Lidell</lex> erinnern sollte und dem Platz seinen neuen Namen gab. |
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Die letzte Umgestaltung des Lidellplatzes liegt etwa 40 Jahre zurück. Das <lex id="ins-1060">Stadtplanungsamt</lex> nahm die Platzumfahrung für den Autoverkehr weitgehend heraus und gestaltete den Platz als Fußgängerzone mit Natursteinpflaster in reichen Mustern bis zu den Häuserfronten neu. In der Mitte wurde ein kreisrundes Wasserbecken mit einer sternförmigen Bekrönung aus Bronze angelegt, das von dem Bildhauer Gerhard Karl Huber gestaltet wurde und aus dem eine Fontäne schießt. Ein kleiner Spielplatz schließt sich hier an. 2006 wurde die ganze Platzanlage nochmals renoviert und auch der Spielplatz mit neuen Spielgeräten versehen. Mit der Umgestaltung hat der Lidellplatz merklich an Aufenthaltsqualität gewonnen und wird vor allem im Sommer nun stärker von Familien mit Kindern und Kunden und Gästen der hier ansässigen Lokale und Geschäfte frequentiert. Seit etlichen Jahren findet hier das von diesen und dem <lex id="ins-1565">Bürgerverein Altstadt</lex> organisierte Lidellplatzfest statt, bei dem 2011 der dort vorhandene Bücherschrank aufgestellt wurde. |
Die letzte Umgestaltung des Lidellplatzes liegt etwa 40 Jahre zurück. Das <lex id="ins-1060">Stadtplanungsamt</lex> nahm die Platzumfahrung für den Autoverkehr weitgehend heraus und gestaltete den Platz als Fußgängerzone mit Natursteinpflaster in reichen Mustern bis zu den Häuserfronten neu. In der Mitte wurde ein kreisrundes Wasserbecken mit einer sternförmigen Bekrönung aus Bronze angelegt, das von dem Bildhauer <lex id="bio-1064">Gerhard Karl Huber</lex> gestaltet wurde und aus dem eine Fontäne schießt. Ein kleiner Spielplatz schließt sich hier an. 2006 wurde die ganze Platzanlage nochmals renoviert und auch der Spielplatz mit neuen Spielgeräten versehen. Mit der Umgestaltung hat der Lidellplatz merklich an Aufenthaltsqualität gewonnen und wird vor allem im Sommer nun stärker von Familien mit Kindern und Kunden und Gästen der hier ansässigen Lokale und Geschäfte frequentiert. Seit etlichen Jahren findet hier das von diesen und dem <lex id="ins-1565">Bürgerverein Altstadt</lex> organisierte Lidellplatzfest statt, bei dem 2011 der dort vorhandene Bücherschrank aufgestellt wurde. |
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<div style="text-align:right;">''Peter Pretsch 2024''</div> |
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Aktuelle Version vom 26. August 2025, 07:29 Uhr
Lidellplatz
Die bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert bestehende Platzanlage hat erst seit 1893 ihren heutigen Namen. Früher wurde sie Spitalplatz genannt, da an ihrer Ostseite das älteste Krankenhaus der Stadt errichtet worden war. Bereits 1764 hatte man sich im Zuge einer geplanten Stadterweiterung über die Notwendigkeit eines Hospitals im Stadtgebiet Gedanken gemacht und wenige Jahre später auch den Standort bestimmt, nämlich am Schnittpunkt der neuen Spitalstraße (heute Markgrafenstraße), die als Straßendiagonale vom Rondellplatz ausging, mit der Adlerstraße. Zusammen mit dem Verlauf des Landgrabens ergab sich hier die Dreiecksgestalt eines circa 31 Ar großen Platzes.
Die Bebauung des Platzes entstand nach der Errichtung des Krankenhauses seit 1790 zunächst in zwei- bis dreistöckiger Modellbauweise entlang der Nordseite des Platzes. Markantestes Gebäude ist noch heute das seit 1926 so benannte Gasthaus zum Kleinen Ketterer an der Ecke zur Adlerstraße. Die Häuser an der Südseite des Lidellplatzes entstanden nach 1805, als entlang des Landgrabens die Steinstraße gebaut wurde, um den Zugang zu der neuen Wohnbebauung zu ermöglichen. Der Landgraben selbst wurde erst 1815 im Zuge einer neuen Platzgestaltung überwölbt. Bis dahin hatte der Spitalplatz als Gemüsegarten gedient. An der Straße eröffneten zahlreiche Wirtshäuser, die in den 1920er-Jahren einer neuen Bebauung weichen mussten, so etwa dem großen Komplex der Badenia Druckerei und Verlag. In das Nachbargebäude Steinstraße 23 zog der Lithograph Arthur Albrecht ein, der hier vor allem Plakate, Postkarten und Werbeartikel herstellte. Heute wird dieses Gebäudeensemble mit seinem weitläufigen Hinterhof vom Gewerbehof genutzt. Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg sorgten dafür, dass daneben Gebäude im Stil der 1950er-Jahre in Platten- und Betonbauweise entstanden.
1912 wurde anstelle des abgerissenen Hospitals der imposante Neubau der heutigen Carl-Hofer-Schule gebaut, der seitdem mit seiner schieren Größe den Platz dominiert. Den Platz selbst, auf dem bis 1889 der Holz- und Heumarkt abgehalten wurde, prägte seit dieser Zeit auch eine üppige Bepflanzung mit Bäumen. 1876 wurde der vorhandene Trinkbrunnen aus der Weinbrennerzeit durch den Lidellbrunnen ersetzt, der an den Förderer und Stifter des Hospitals Christoph Friedrich Lidell erinnern sollte und dem Platz seinen neuen Namen gab.
Die letzte Umgestaltung des Lidellplatzes liegt etwa 40 Jahre zurück. Das Stadtplanungsamt nahm die Platzumfahrung für den Autoverkehr weitgehend heraus und gestaltete den Platz als Fußgängerzone mit Natursteinpflaster in reichen Mustern bis zu den Häuserfronten neu. In der Mitte wurde ein kreisrundes Wasserbecken mit einer sternförmigen Bekrönung aus Bronze angelegt, das von dem Bildhauer Gerhard Karl Huber gestaltet wurde und aus dem eine Fontäne schießt. Ein kleiner Spielplatz schließt sich hier an. 2006 wurde die ganze Platzanlage nochmals renoviert und auch der Spielplatz mit neuen Spielgeräten versehen. Mit der Umgestaltung hat der Lidellplatz merklich an Aufenthaltsqualität gewonnen und wird vor allem im Sommer nun stärker von Familien mit Kindern und Kunden und Gästen der hier ansässigen Lokale und Geschäfte frequentiert. Seit etlichen Jahren findet hier das von diesen und dem Bürgerverein Altstadt organisierte Lidellplatzfest statt, bei dem 2011 der dort vorhandene Bücherschrank aufgestellt wurde.
Quelle
KA-News v. 23. Mai 2011, https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/buch-trifft-platz-buchkunst-im-mittelpunkt-des-lidellplatzfests-art-628644 (Zugriff am 25. November 2024).
Literatur
Peter Pretsch: Lidellplatz, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. v. Manfred Koch, Karlsruhe 2003, S. 192-197 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26).