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De:Lexikon:ins-1911: Unterschied zwischen den Versionen

 
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Wie im gesamten Reich, so fanden sich auch in Karlsruhe nach dem Ende des <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkriegs</lex> im völkisch-nationalistischen Umfeld zahlreiche neue Gruppierungen zusammen. In der Regel waren dies lokale Ableger reichsweit agierender Gruppen. Zu diesen gehörte der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund. Dieser wurde im Februar 1919 als Deutscher Schutz- und Trutzbund von dem <lex id="ins-1896">Alldeutschen Verband</lex> in Bamberg gegründet. Er war ein ausgewiesen <lex id="ereig-0082">antisemitischer</lex> Verband und einer der wichtigsten Vorgänger und Wegbereiter der <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)</lex> und bald auch in Karlsruhe ausgesprochen aktiv. So wurden auch Broschüren in Umlauf gebracht, die Namen jüdischer Geschäfte enthielten. Die <lex id="ins-0330">sozialdemokratische</lex> Parteizeitung <lex id="ins-1194">Volksfreund</lex> berichtete am 22. September 1919 über "Die Judenhetze", dass auffallend viele antisemitische Flugschriften in Karlsruher Fabriken verteilt worden waren. Als Urheber sah man die Alldeutschen, von denen die antisemitische Gründung des Bundes ausgegangen war.
Wie im gesamten Reich, so fanden sich auch in Karlsruhe nach dem Ende des <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkriegs</lex> im völkisch-nationalistischen Umfeld zahlreiche neue Gruppierungen zusammen. In der Regel waren dies lokale Ableger reichsweit agierender Gruppen. Zu diesen gehörte der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund. Dieser wurde im Februar 1919 als Deutscher Schutz- und Trutzbund von dem <lex id="ins-1896">Alldeutschen Verband</lex> in Bamberg gegründet. Er war ein ausgewiesen <lex id="ereig-0082">antisemitischer</lex> Verband und einer der wichtigsten Vorgänger und Wegbereiter der <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)</lex> und bald auch in Karlsruhe ausgesprochen aktiv. So wurden auch Broschüren in Umlauf gebracht, die Namen jüdischer Geschäfte enthielten. Die <lex id="ins-0330">sozialdemokratische</lex> Parteizeitung <lex id="ins-1194">Volksfreund</lex> berichtete am 22. September 1919 über "Die Judenhetze", dass auffallend viele antisemitische Flugschriften in Karlsruher Fabriken verteilt worden waren. Als Urheber sah man die Alldeutschen, von denen die antisemitische Gründung des Bundes ausgegangen war.


Seit November 1919 unterhielt er ein eigenes Büro, Geschäftsführer war der Musikalienhändler Hermann Stürer. Wenig später lockte am 5. Dezember 1919 eine Veranstaltung im Löwenrachen in der <lex id="top-1425">Kaiserpassage</lex> über 400 geladene Gäste, bei der vor allem die <lex id="ins-0309">Deutsche Demokratische Partei (DDP)</lex> als <lex id="ereig-0048">Juden</lex>-Partei diffamiert wurde und antisemitische Propaganda auslag. Auch die <lex id="ins-1072">Handelskammer Karlsruhe</lex> musste sich gegen ein antisemitisches Flugblatt der Völkischen wenden, das zum Kauf in christlichen Geschäften aufrief. Im März 1920 hielt der Heidelberger Philosophieprofessor Arnold Ruge, einer der aktivsten Propagandisten des Bundes, eine Rede in Karlsruhe, in der er forderte, dass Juden verschwinden müsten.
Seit November 1919 unterhielt er ein eigenes Büro, Geschäftsführer war der Musikalienhändler Hermann Stürer. Wenig später lockte am 5. Dezember 1919 eine Veranstaltung im Löwenrachen in der <lex id="top-1425">Kaiserpassage</lex> über 400 geladene Gäste, bei der vor allem die <lex id="ins-0309">Deutsche Demokratische Partei (DDP)</lex> als <lex id="ereig-0048">Juden</lex>-Partei diffamiert wurde und antisemitische Propaganda auslag. Auch die <lex id="ins-1072">Handelskammer Karlsruhe</lex> musste sich gegen ein antisemitisches Flugblatt der Völkischen wenden, das zum Kauf in christlichen Geschäften aufrief. Im März 1920 hielt der Heidelberger Philosophieprivatdozent Arnold Ruge, ein überzeugter Antisemit und einer der aktivsten Propagandisten des Bundes, eine Rede in Karlsruhe, in der er forderte, dass Juden verschwinden müsten.


Der Schutz- und Trutzbund war in der Frühzeit der Weimarer Republik der mitgliederstärkste antisemitische Verband in Baden, in Heildelberg waren es bis 380 Mitglieder. In Karlsruhe waren es allerdings wohl immer weniger. Viele der badischen <lex id="ereig-0016">Nationalsozialisten</lex> engagierten sich zunächst im Deutschvölkischen Schutzbund wie zum Beispiel die Brüder die beiden NSDAP-Abgeordneten Albert und Robert Roth aus Liedolsheim, einer frühen NSDAP-Hochburg, sowie der Fraktionsvorsitzende der NSDAP-<lex id="ins-1520">Landtag</lex>sfraktion und spätere badische Ministerpräsident <lex id="bio-0049">Walter Köhler</lex>. In Baden wurde der antisemitische Verband 1922 nach der Ermordung Walther Rathenaus verboten.
Der Schutz- und Trutzbund war in der Frühzeit der Weimarer Republik der mitgliederstärkste antisemitische Verband in Baden, in Heildelberg waren es bis 380 Mitglieder, in Karlsruhe allerdings wohl immer weniger. Viele der badischen <lex id="ereig-0016">Nationalsozialisten</lex> engagierten sich zunächst im Deutschvölkischen Schutzbund wie zum Beispiel die Brüder die beiden NSDAP-Abgeordneten Albert und Robert Roth aus Liedolsheim, einer frühen NSDAP-Hochburg, sowie der Fraktionsvorsitzende der NSDAP-<lex id="ins-1520">Landtag</lex>sfraktion und spätere badische Ministerpräsident <lex id="bio-0049">Walter Köhler</lex>. In Baden wurde der antisemitische Verband 1922 nach der Ermordung Walther Rathenaus verboten.<div style="text-align:right;">''Ernst Otto Bräunche 2023''</div>
<div style="text-align:right;">''Ernst Otto Bräunche 2023''</div>


==Quellen==
==Quellen==

Aktuelle Version vom 4. August 2025, 17:38 Uhr


Anzeige des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes in der Badischen Presse vom 3. August 1920 (Abendausgabe).
In Karlsruhe 1919/1920 verbreiteter Handzettel des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, Stadtarchiv Karlsruhe 8/StS 20/600.

Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund

Wie im gesamten Reich, so fanden sich auch in Karlsruhe nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im völkisch-nationalistischen Umfeld zahlreiche neue Gruppierungen zusammen. In der Regel waren dies lokale Ableger reichsweit agierender Gruppen. Zu diesen gehörte der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund. Dieser wurde im Februar 1919 als Deutscher Schutz- und Trutzbund von dem Alldeutschen Verband in Bamberg gegründet. Er war ein ausgewiesen antisemitischer Verband und einer der wichtigsten Vorgänger und Wegbereiter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und bald auch in Karlsruhe ausgesprochen aktiv. So wurden auch Broschüren in Umlauf gebracht, die Namen jüdischer Geschäfte enthielten. Die sozialdemokratische Parteizeitung Volksfreund berichtete am 22. September 1919 über "Die Judenhetze", dass auffallend viele antisemitische Flugschriften in Karlsruher Fabriken verteilt worden waren. Als Urheber sah man die Alldeutschen, von denen die antisemitische Gründung des Bundes ausgegangen war.

Seit November 1919 unterhielt er ein eigenes Büro, Geschäftsführer war der Musikalienhändler Hermann Stürer. Wenig später lockte am 5. Dezember 1919 eine Veranstaltung im Löwenrachen in der Kaiserpassage über 400 geladene Gäste, bei der vor allem die Deutsche Demokratische Partei (DDP) als Juden-Partei diffamiert wurde und antisemitische Propaganda auslag. Auch die Handelskammer Karlsruhe musste sich gegen ein antisemitisches Flugblatt der Völkischen wenden, das zum Kauf in christlichen Geschäften aufrief. Im März 1920 hielt der Heidelberger Philosophieprivatdozent Arnold Ruge, ein überzeugter Antisemit und einer der aktivsten Propagandisten des Bundes, eine Rede in Karlsruhe, in der er forderte, dass Juden verschwinden müsten.

Der Schutz- und Trutzbund war in der Frühzeit der Weimarer Republik der mitgliederstärkste antisemitische Verband in Baden, in Heildelberg waren es bis 380 Mitglieder, in Karlsruhe allerdings wohl immer weniger. Viele der badischen Nationalsozialisten engagierten sich zunächst im Deutschvölkischen Schutzbund wie zum Beispiel die Brüder die beiden NSDAP-Abgeordneten Albert und Robert Roth aus Liedolsheim, einer frühen NSDAP-Hochburg, sowie der Fraktionsvorsitzende der NSDAP-Landtagsfraktion und spätere badische Ministerpräsident Walter Köhler. In Baden wurde der antisemitische Verband 1922 nach der Ermordung Walther Rathenaus verboten.

Ernst Otto Bräunche 2023

Quellen

Karlsruher Zeitungen 1919-1922, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff am 10. November 2023).

Literatur

Johnpeter Horst Grill: The Nazi Movement in Baden,1920-1945, The University of North Carolina Press, Chapel Hill 1983; Manfred Koch: Die Weimarer Republik: Juden zwischen Integration und Ausgrenzung, in: Juden in Karlsruhe, hrsg von Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt, Karlsruhe 1988, S. 155-188 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 8); Ernst Otto Bräunche: "Wer zieht die schwarzrotgoldene auf?". Antisemitismus in Karlsruhe 1918-1933, in: Verborgene Spuren. Jüdische Künstler*innen und Architekt*innen in Karlsruhe 1900-1950, hrsg.von der Städtischen Galerie Karlsruhe, Petersberg 2021, S. 27-39.