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Emil Julius Firnrohr


Emil Julius Firnrohr, Städtische Galerie Karlsruhe.

Emil Julius Firnrohr

Maler, * 9. Januar 1881 Karlsruhe, † 20. April 1968 Karlsruhe, ev., ∞ 1924 Luise Emma Siebach.

Der Sohn eines Dekorateurs avancierte ab 1910 neben Caspar Ritter und Ferdinand Keller zu einem der beliebtesten Porträtmaler der Karlsruher Gesellschaft. Firnrohr besuchte 1887 bis 1895 die Bürgerschule, danach bis 1898 für Abendkurse die Kunstgewerbeschule. 1904 bis 1912 studierte er an der Großherzoglich Badischen Akademie der bildenden Künste bei Hans Thoma, Gustav Schönleber, Ludwig Schmid-Reutte, Wilhelm Trübner und Ferdinand Keller, wobei Trübner und ganz besonders Keller mit ihrer Porträtmalerei den angehenden Künstler nachhaltig beeinflussten. In dieser Zeit gewann er mit zwei Mitbewerbern den Wettbewerb für das Plakat für die Landwirtschaftliche und Gartenbauausstellung 1906 anlässlich der Goldenen Hochzeit des Großherzogspaars, das er dann gestalten durfte. Firnrohrs Interesse für das Landschaftsfach, das Schönleber und Schmid-Reutte unterrichteten, ließ ab 1909/10 deutlich zugunsten der Porträtmalerei nach. Die lange Reihe an Bildnissen, bevorzugt von Kindern, Verwandten und Geschäftsleuten, wurde nur noch sporadisch von Landschaften aus der näheren Umgebung Karlsruhes oder auch von Fabrikansichten (Süßwarenfabrik Ebersberger & Rees, 1920) unterbrochen. Von 1910-1913 war er, wie zahlreiche andere Künstler und Professoren aus Karlsruhe und Grötzingen, auf der populären Münchner Jahresausstellung im Glaspalast vertreten.

Stilistisch lässt sich Firnrohrs Œuvre dem deutschen Impressionismus zuordnen. Die von der Stadt in Auftrag gegebenen Porträts der beiden Oberbürgermeister August Klose und Bernhard Dollmaetsch gehören zu seinen späten Arbeiten. Firnrohrs Atelier befand sich 1909-1913 im neuen Akademiegebäude in der Bismarckstraße 14 und von 1913 bis zur vollständigen Zerstörung durch Brandbomben am 27. September 1944 im städtischen Ateliergebäude in der Westendstraße (heute Reinhold-Frank-Straße) 65. Außerdem wurden das väterliche Haus in der Kaiserstraße 28, seine Fünf-Zimmer-Wohnung in der Hirschstraße 104 und zwei in seinem Besitz befindliche Häuser in Pforzheim völlig zerstört.

Firnrohr wirkte am Karlsruher Vereinsleben als Künstler im „Verein bildender Künstler“ und der Künstlergruppe "Zunft zur Arche" sowie als Sänger in den Vereinen "Eintracht" und "Liederhalle", die ihn 1933 zum Ehrensänger nach 30-jähriger Mitgliedschaft ernannte, am städtischen Kunst- und Kulturleben mit. Für diese Vereine gestaltete er oft die Bühenbilder bei deren Veranstaltungen.

Darüber hinaus war er auch Fußballspieler beim Karlsruher FC Phönix 1894, für den er an fast allen Spielen teilnahm, die 1909 zum Sieg in der deutschen Fußballmeisterschaft 1909 führten. Zuvor hatte er schon 1897 bis 1900 beim Freiburger FC gespielt. Für ein Jahr schloss er sich dann erstmals dem FC Phönix an, ehe er zum Frankfurter FC 1899 Kickers wechselte . Danach kehrte er zum FC Phönix zurück, diesmal dauerhaft bis zum Ende seiner Fußballerkarriere 1912. Aus dieser Zeit stammt auch Firnrohrs Porträt des damaligen Kapitäns Arthur Beier. Firnrohr, der zeitweise auch in der Schiedrichterliste des Gaus Mittelbaden aufgeführt wurde, erhielt 1909 den goldenen Phönixring, 1924 die Ehrenmitgliedschaft des FC Phönix.

Zum 1. Mai 1933 trat der Maler in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein. Schon im Juli des Jahres stellte er im Schaufenster des Haushaltswaren-Fachgeschäfts Hammer & Helbling ein "flott gemaltes Hitlerporträt" und einen kleinformatigen Entwurf "zu einen großen Gemälde, das den Volkskanzler im Kreise unserer badischen Führer" aus. Zum 1. Januar 1934 aus wurde er Mitglied der "Reichskammer der bildenden Künste" und ab 1938 auch der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV). Trotzdem gab er in seinem Entnazifierungsverfahren an, eine unpolitische Person gewesen zu sein, die der Partei reserviert gegenüber gestanden habe, die ihn aber "wohl dafür geeignet" gehalten habe, "mir die Anregung zu geben, in die Partei einzutreten". Die Spruchkammer verurteilte ihn als Belasteten zu einer Sühnezahlung von 1.800 Mark.

Von 1945 bis zu seinem Tode lebte und arbeitete er in sehr beschränkten Verhältnissen in der Karlstraße 87. Die Städtische Galerie Karlsruhe besitzt rund ein Dutzend Werke von ihm, darunter das bekannte Selbstbildnis von 1952.

Katja Förster 2014/Ernst Otto Bräunche 2025

Quellen

GLA 465 h 11116; StadtAK 1/Wi-ko-Amt 9439; 8/ZGS Personen; Karlsruher Zeitungenhttps://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828 (Zugriff am 3. November 2025); Ausstellungskataloge der Münchener Jahresausstellungen im Königlichen Glaspalast 1910-1913.