Hans Schöpflin an seinem 80. Geburtstag, 9. Januar 1976, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A31/6/4/27.

Hans (eigentlich Johann Friedrich) Schöpflin

Maler, * 9. Januar 1896 Furtwangen/Schwarzwald-Baar-Kreis, † 10. April 1976 Karlsruhe, konfessionslos, ledig.

Hans Schöpflin, Sohn eines 1900 verstorbenen Forstmeisters, entdeckte infolge einer schweren Erkrankung bereits mit acht Jahren seine Leidenschaft für das Zeichnen und Aquarellieren. 1912-1914 machte Schöpflin eine Lehre bei einem Kirchenmaler in Freiburg. Bei Kriegsausbruch 1914 meldete er sich freiwillig, wurde an die Westfront abkommandiert und nach schwerer Verwundung und Lazarettaufenthalt 1916 aus dem Militärdienst entlassen. In Freiburg besuchte er danach die dortige Kunstgewerbeschule, bevor er zum Herbst 1916 an die Großherzoglich Badische Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe wechselte, an der er bis 1924 blieb.

Zu seinen Lehrern zählten Walter Georgi, Friedrich Fehr, Wilhelm Trübner, Walter Conz und Hans Adolf Bühler, dessen Meisterschüler er ab 1918 war. Über Bühler lernte er 1919 Hans Thoma kennen. Schöpflin, der sich zu Beginn seiner Ausbildung intensiv mit Altdeutscher Malerei auseinandergesetzt hatte, fand durch Thoma wieder zur Ölmalerei zurück, die – anders als die von Bühler praktizierte, rasch trocknende Temperamalerei – weiche, stufenlose Farbübergänge ermöglichte.

Ein Staatsstipendium ermöglichte Schöpflin 1925 eine halbjährige Italienreise. Über die folgenden Jahre als freischaffender Kunstmaler ist kaum etwas bekannt; im Karlsruher Adressbuch ist er erstmals in der Ausgabe von 1933 verzeichnet. 1933-1944 war er auf Betreiben Bühlers dessen persönlicher Assistent und als Fachlehrer für Raumkunstmalerei an der Badischen Kunsthochschule tätig. Nach einjähriger Vorbereitung fuhren er und Bühler 1936 mit ihren Schülern nach Berlin, um im Olympischen Dorf 14 Wandbilder mit badischen und pfälzischen Sujets anzufertigen. Schöpflin erhielt dafür 1936 die Deutsche Olympia-Erinnerungsmedaille und wurde 1937 mit der Durchführung einer badischen Landesausstellung in Berlin betraut. Bis 1944 führte er diverse öffentliche und private Aufträge aus, darunter das Hoheitszeichen im neuen Gemeinschaftsraum der Kunstakademie (1941), Wandmalereien, Entwürfe für Wandbehänge und Glasfenster. Ab 1938 war er Vorsitzender des Karlsruher Künstlervereins.

Nach der Zerstörung seines Ateliers in der Bismarckstraße bei einem Luftangriff im Dezember 1944 zog er ins württembergische Nürtingen, wo er bis 1952 lebte. Seine Wahl zum Vorsitzenden der 1951 in Karlsruhe gegründeten "Gemeinschaft Deutscher Künstler e. V.", die an die völkischen Bestrebungen der "Deutschen Kunstgesellschaft" anknüpfte, veranlasste ihn, 1952 nach Karlsruhe zurückzukehren, wo er bis zu seinem Tode lebte. 1959 wurde er Vorsitzender der Gesellschaft der Zügelfreunde – Freie Malergruppe Wörth.

Schöpflins Malerei zeigt bis etwa Mitte der 1920er-Jahre stilistische Einflüsse von Bühler, Thoma und den im Dritten Reich verfemten Künstlern der Neuen Sachlichkeit (Karl Hubbuch, Rudolf Schlichter, Georg Scholz), bevor er dann zu einer idyllisch überhöhten Darstellungsweise fand, in der die Natur und das einfache bäuerliche Leben in der Natur nationalistisch verklärt wurden.

Katja Förster 2016

Literatur

Susanne Vögely: Zwischen Realismus und Neuidealismus. Zum Leben und Werk des Malers Hans Schöpflin, in: Badische Heimat/Ekkhart, hrsg. vom Landesverein Badische Heimat, 1975, S. 121-128; Stilstreit und Führerprinzip. Künstler und Werk in Baden 1930-1945, hrsg. von Wilfried Rößling im Auftrag des Badischen Kunstvereins Karlsruhe, Karlsruhe 1981, S. 44-58, S. 267.