Heinrich Spachholz, Stadtarchiv Karlsruhe 1/POA 1/4736.

Heinrich Spachholz

Metallfacharbeiter, Gewerkschafter, Kommunalpolitiker, * 30. März 1879 Radolfzell, † 24. Oktober 1952 Karlsruhe, kath., ∞ 1900 Karoline Friederike Stadler (1876-1942), 3 Söhne, 2 Töchter.

Heinrich Spachholz besuchte die Volksschule in Radolfzell und absolvierte dort 1893-1896 eine Lehre zum Eisen- und Metalldreher beim Betrieb Gotthard Allweiler, Pumpen- und Spritzenfabrik (heute ALLWEILER GmbH). Parallel besuchte er den Unterricht der Gewerbeschule und belegte technische Kurse am Badischen Staatstechnikum (Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft). 1898 trat er in die Gewerkschaft und 1904 in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein. Nach der Gesellenprüfung arbeitete Spachholz bis 1907 in verschiedenen Betrieben in Karlsruhe und im Elsass. Anschließend wurde er Werkschreiber bei der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe, wo er 1911 die Meisterprüfung ablegte. Daran schloss sich bis 1917 eine Anstellung als Drehermeister bei diesem Betrieb an sowie 1917/18 eine Tätigkeit als Betriebsleiter in Schopfheim. Im Februar 1918 wurde Spachholz zum Kriegsdienst im Fußartillerieregiment Nr. 14 in Straßburg eingezogen. Nach Kriegsende arbeitete er als Obermeister bei Junker & Ruh und kehrte 1920 zur Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe zurück, um bis 1929 einen Posten als technischer Kalkulator zu übernehmen. In gleicher Funktion war er 1929/30 für die Berlin-Karlsruher Industrie-Werke AG, die zwischenzeitlich umbenannte Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik (DWM) tätig. Es folgten mehrere Jahre der Arbeitslosigkeit, ehe er 1935 bis zum Kriegsende 1945 seine frühere Stelle bei der DWM wieder aufnehmen konnte.

Neben seinem Beruf engagierte sich Spachholz in der Kommunalpolitik und in der Gewerkschaftsarbeit. 1918-1932 leitete er den Bezirksverein der SPD in Grünwinkel. 1922-1933 war er Stadtverordneter im Karlsruher Bürgerausschuss und 1933 für kurze Zeit Stadtrat. Er war 1898-1913 Mitglied im Deutschen Metallarbeiter-Verband sowie ab 1911 Mitglied im Deutschen Werkmeister-Verband und 1920-1924 Vorsitzender des Bezirksvereins Karlsruhe des Deutschen Werkmeister-Verbands. Als Mitglied der SPD geriet Spachholz nach der Machtübernahme der Nazis in Konflikt mit den Machthabern. So wurden insgesamt vier Hausdurchsuchungen bei ihm vorgenommen. Nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Spachholz am 22. August 1944 von der Gestapo in Schutzhaft genommen und vier Tage später in das Konzentrationslager Dachau überführt. Dort wurde er am 11. September 1944 entlassen.

Nach Kriegsende arbeitete Spachholz als politisch Unbelasteter, ab Oktober 1945 als technischer Angestellter bei den Stadtwerken Karlsruhe, wo er für die Prüfung und Abnahme der Installation von Gas- und Wasserleitungen zuständig war. Ende 1950 trat er in den Ruhestand.

1977 wurde in Grünwinkel die Heinrich-Spachholz-Straße nach ihm benannt.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 520 Zug. 1981-51/15249, 480/3768; StadtAK 1/POA 1/4736.

Literatur

Stadt Karlsruhe (Hrsg.): Straßennamen in Karlsruhe, Karlsruhe 1994, S. 102 (= Karlsruher Beiträge Nr. 7).