Carlos Grethe, um 1900, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 229.

Carlos (Carl) Conrad Hermann Grethe

Maler, * 25. September 1864 Montevideo/Uruguay, † 24. Oktober 1913 Nieuwpoort/Westflandern/Belgien, bestattet in Stuttgart, ev., ∞ Emilie (Lilli) Catharine Bertha Elwine Wolf.

Carlos Grethe, Sohn eines Kaufmanns, brach 1880 die kaufmännische Ausbildung in einem Hamburger Großhandelsunternehmen ab und trat in die Lehre bei einem Dekorationsmaler ein. Auf der Hamburger Gewerbeschule lernte Grethe Franz Hein kennen, mit dem er aufgrund der gemeinsamen Begeisterung für die Malerei Ferdinand Kellers im Herbst 1882 ein Studium an der Großherzoglich-Badischen Kunstschule in Karlsruhe aufnahm. Grethes Lehrer bis zum Sommer 1884 waren Theodor Poeckh und Ernst Schurth (Antiken- und Naturklasse), Karl Hoff (Genre) sowie seit Frühjahr 1884 Keller. Von Herbst 1884 bis zum Sommer 1886 war er Schüler an der Pariser Académie Julian. Anschließend kehrte er an die Karlsruher Kunstschule zurück, und war von Herbst 1896 bis Herbst 1890 Meisterschüler von Keller.

Seit November 1890 war Grethe zunächst als Hilfslehrer, seit Juli 1891 als Professor für Aktzeichnen an der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule tätig. Parallel dazu arbeitete er von Dezember 1890 bis Ende September 1892 als Assistent in der Malklasse von Gustav Schönleber an der Kunstschule. Als ihm im November 1893 eine Professur für Malerei an der Kunstschule angetragen wurde, gab er die Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule auf.

Am 25. April 1896 gehörte er neben Leopold von Kalckreuth, Friedrich Kallmorgen, Gustav Kampmann, Robert Poetzelberger, Gustav Schönleber und weiteren 18 Künstlern zu den Gründungsmitgliedern des Karlsruher Künstlerbundes. Auf Grethes Initiative erfolgte noch im selben Monat die Herausgabe einer ersten Lithografien-Mappe und ebenso veranlasste er gemeinsam mit Kalckreuth im Mai 1897 die Gründung einer Druckerei für den Künstlerbund, welche seit 1901 offiziell als "Kunstdruckerei Künstlerbund Karlsruhe" (KKK) firmierte.

Behinderungen durch den konservativen Künstlerkreis, vor allem durch Keller, veranlassten Grethe, wie auch seine beiden Kollegen Kalckreuth und Poetzelberger, den Ruf zum Professor an die Königliche Kunstschule in Stuttgart zum 1. Oktober 1899 anzunehmen, an der er bis zu seinem Tode 1913 wirkte. Er unterrichtete an der technischen Malschule der Einrichtung und in der Antikenklasse. Auch in Stuttgart engagierte sich Grethe aktiv im kunstpolitischen Geschehen; unter anderem war er Mitbegründer des Ausstellerverbandes Künstlerbund Stuttgart (1900) und des deutschen Künstlerbundes (1904).

Eine achtmonatige Seereise nach Mexiko 1888/89 beeindruckte Grethe so sehr, dass er sich von da an in seiner Kunst fast ausschließlich maritimen Sujets zuwandte. Die anfänglichen Bilder mit Fischern und Matrosen, einzeln oder in der Gruppe in typischen Situationen wie bei Sturm auf hoher See dargestellt, wurden schon bald durch Grethes regelmäßige Reisen an die deutsche, dänische, schwedische, italienische und belgische Küste um andere Themen erweitert. Beliebte Motive bildeten seit 1897 die Ansichten vom Hamburger Hafen, seiner Werften und Werftarbeiter oder seit 1906 die Krevettenfischer auf ihren Pferden. Grethe arbeitete bevorzugt in Öl und Öltempera sowie Gouache und Aquarell. Der Großteil der Arbeiten entstand mit raschem Pinselduktus in impressionistisch-naturalistischer Manier.

Katja Förster 2016

Literatur

Ingrun Stocke: Der Maler des Meeres. Carlos Grethe (1864-1913). Leben und Werk, Weimar 2008; dies.: Vom Realismus zum Impressionismus. Werke von Carlos Grethe (1864-1913), hrsg. von der Stiftung Schlösschen im Hofgarten in Wertheim, Weimar 2009.