Franz Johann Erich Hein

Maler, Grafiker, * 30. November 1863 Hamburg-Altona, † 21. Oktober 1927 Leipzig, ev., ∞ 1889 Ida Auguste Wilhelmine Caroline Necker, 2 Söhne.

Franz Hein, bei dem sich schon früh die Neigung zu Kunst, Dichtung und Theater zeigte, besuchte zunächst die Hamburger Gewerbeschule als Vorbereitung für ein Kunsthandwerk und absolvierte dann ab 1879 eine Lehre bei einem Theatermaler. Seine Begeisterung für die Malerei von Ferdinand Keller führte ihn im Herbst 1882, gemeinsam mit seinem Hamburger Freund Carlos Grethe, an die Großherzoglich Badische Kunstschule in Karlsruhe, an der er, nach ersten Übungen bei Theodor Poeckh, Karl Hoff und Ernst Schurth, noch vor Frühjahr 1883 Schüler von Keller wurde. Im Frühjahr 1884 kehrten er und Grethe nach Hamburg zurück. 1885-1888 führte er verschiedene Dekorationsaufträge im südwestdeutschen Raum aus, wobei er den Kontakt zu seinen Karlsruher Malerfreunden und Lehrern aufrecht hielt. So wurde er von Karl Hoff 1886 neben Paul Borgmann, Friedrich Kallmorgen, Heinrich Kley und Ernst Schurth zur künstlerischen Gestaltung des Heidelberger Festzugs anlässlich der Fünfhundertjahrfeier der dortigen Universität herangezogen.

1888 ließ sich Hein in Karlsruhe nieder. Ab Herbst 1890 unterrichtete er Aktzeichnen an der Großherzoglich Badischen Kunstgewerbeschule. Im selben Jahr lernte er die Künstlerin Jenny Nottebohm kennen, die seit 1888 im Schloss Augustenburg in Grötzingen lebte, welches ihr zukünftiger Mann, der Maler Otto Fikentscher, 1891 kaufte. Auf ihre Einladung hin zog das Ehepaar Hein im März 1891 in das historische Gebäude, das für Heins Kunst, die vor allem um Märchen kreiste, zu einer wichtigen Inspirationsquelle wurde (Frau Ida Hein auf der Brücke im Schloss Augustenburg in Grötzingen, 1892; Pfinzgaumuseum Karlsruhe-Durlach; Spuk im Schloss Augustenburg in Grötzingen, 1892; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe). Weitere Motive für seine märchenhaften Bilderfindungen fand Hein auch im Elsass, das er 1894 mit Hermann Billing sowie 1895 und 1896 mit Karl Biese - 1896 stieß noch Gustav Kampmann dazu - bereiste. In Paul Schultze-Naumburg, 1887-1893 Schüler der Karlsruhe Kunstschule, und Jacques Gabriel Rosenberg, Bruder des Kunsthistorikers Marc Rosenberg, fand er zwei wichtige Förderer seiner von Impressionismus und Jugendstil geprägten Kunst.

Die enge Beziehung unter den Künstlern der so genannten ersten Generation der Grötzinger Malerkolonie zeigte sich unter anderen in der Illustration der dreibändigen "Studien"-Ausgabe von Adalbert Stifter durch Kallmorgen und Hein 1895/96 im Verlag Amelang, Leipzig oder auch im geschlossenen Austritt der Gruppe aus der Karlsruher Künstlergenossenschaft 1896 und der anschließenden Neugründung des Karlsruher Künstlerbundes, dessen Präsident Hein 1900-1902 war. Nachdem der Künstler 1901 einen Ruf an die Magdeburger und 1902 an die Berliner Kunstgewerbeschule abgelehnt hatte, ernannte ihn Großherzog Friedrich I. 1902 zum Professor. 1905 folgte er dem Ruf an die "Königliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe" in Leipzig.

Katja Förster 2016

Quelle

Franz Hein: Wille und Weg. Lebenserinnerungen eines deutschen Malers, Leipzig 1924.

Literatur

Rudolf Theilmann: Hein, Franz Johann Erich, Maler, Graphiker, Buchgewerbler, Schriftsteller, in: Badische Biographien, NF Bd. III, hrsg. von Bernd Ottnad, Stuttgart 1990, S. 121-123; Die Grötzinger Malerkolonie. Die erste Generation 1890-1920. Karl Biese, Jenny Fikentscher, Otto Fikentscher, Franz Hein, Margarethe Hormuth-Kallmorgen, Friedrich Kallmorgen, Gustav Kampmann, hrsg. von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe 1975, S. 42 f., S. 79-86, S. 159-168; Rupert Pfaff: Friedrich Kallmorgen und Franz Hein als Illustratoren der Studien Adalbert Stifters, in: Badische Heimat, 1995, Heft 4, S. 581-591.