Luftschutzübung in Karlsruhe, 31. August 1939, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/240a.
Luftschutzübung in Karlsruhe, 31. August 1939, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/240b.

Luftschutz bis 1945

Karlsruhe gehörte wegen seiner Grenznähe zu den Städten, die im Ersten Weltkrieg vor anderen aus der Luft bombardiert wurden. Auf dem Rathaus und auf den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken (DWM) angebrachte Motorsirenen, zwei Dreiklangpfeifen im Gaswerk II und im E-Werk am Rheinhafen sowie Dampfpfeifen der Brauerei Sinner in Grünwinkel sollten Alarm geben, wenn sich feindliche Flugzeuge der Stadt näherten. Diese verhinderten aber nicht, dass Karlsruhe bei Luftangriffen 168 Todesopfer zu beklagen hatte und damit die Stadt mit der höchsten Zahl an Toten unter der Zivilbevölkerung war. Die Bevölkerung war 188 Mal durch die Sirenen gewarnt worden, allein 100 Mal im letzten Kriegsjahr, dem Jahr mit den meisten Angriffen.

In den ersten Jahren nach dem Ende des Krieges war der Luftschutz kein Thema in Karlsruhe, doch in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre setzten erneute Bemühungen um die Organisation des Luftschutzes ein. Am 26. Mai 1926 war in Paris ein Abkommen geschlossen worden, das die Bestimmungen des Versailler Vertrages gelockert und zumindest den zivilen Luftschutz in Deutschland freigegeben hatte. Der daraufhin gegründete Verein Deutscher Luftschutz e. V. war auch in Karlsruhe tätig. Offensichtlich sahen auch die Behörden Handlungsbedarf, denn am 13. Juni 1932 fand eine erste Luftschutzübung der Karlsruher Polizei statt, die einen Angriff auf einen Industriebetrieb annahm, den man in der Telegrafenkaserne ansiedelte.

Ende 1932 wurde in Karlsruhe ein Luftschutzbeirat und eine Ortsgruppe des Deutschen Luftschutzverbandes gegründet, der am 11. Mai 1933 einen ersten Probealarm mit Verdunklungsmaßnahme als Luftschutzübung abhielt, der zahlreiche weitere folgten. Die Stadt wandte nun auch verstärkt Mittel für den Luftschutz auf, sie stiegen von 2.144 Reichsmark im Jahr 1933 auf 80.385 im Jahr 1938 an. Noch kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges fand am 31. August 1939 eine Luftschutzübung statt.

Da bis zum Juni 1940 gerade eine Stunde Fliegeralarm gegeben worden war, schien die Gefahr eines Luftangriffs zunächst relativ gering zu sein. Aber auch in Karlsruhe wurde aus den Luftschutzübungen der Vorkriegszeit bald bitterer Ernst. Obwohl Karlsruhe in dem nach 1940 aufgelegten Luftschutz-Sofortprogramm nicht zu den 61 Städten 1. Ordnung gehörte, erhielt es seit August 1941 elf Luftschutzbunker, drei Hochbunker (Bunker in der Erzbergerstraße sowie im Irisweg und in der Rheinhafenstraße) und fünf Tiefbunker (Bernsteinstraße, Danziger Straße, Haselweg, Panoramaweg, Zeppelinstraße). Dazu kamen der Operationsbunker der Landesfrauenklinik (Kaiserallee), der Bunker unter dem Bahnsteig 7 des Hauptbahnhofs und der Werksluftschutzbunker der damaligen Argus Motoren GmbH (Michelinstraße) sowie rund 30 Deckungsgräben mit 40-50 Zentimeter starken Betonwänden sowie über 100 behelfsmäßige öffentliche Schutzräume in Kellern.

All diese Maßnahmen konnten nicht verhindern, dass in Karlsruhe am Ende des Krieges 1.745 Tote und 3.508 Verletzte zu beklagen waren. Die Fackeln des Krieges, die Deutschland nach Europa getragen hatte, waren als Bomben auf Karlsruhe und die meisten anderen deutschen Städte zurückgefallen.

Ernst Otto Bräunche 2015

Literatur

Ernst Otto Bräunche: Zivile Luftschutzmaßnahmen in Karlsruhe zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg, in: Blick in die Geschichte Nr. 66 vom 18. März 2005, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/blick_geschichte/blick66/luftschutz (Zugriff am 23. November 2015); Joachim Kleinmanns: Luftschutz-Operationsbunker, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/kulturdenkmale/denkmaltag_archiv/denkmaltag_2005/weststadt/abschluss (Zugriff am 23. November 2015).