Elferrat der Großen Karnevalsgesellschaft Karlsruhe um seinen Präsidenten Fritz Römhildt, Fotomontage von 1903, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS IV 157/2.
Übergabe einer Spende für die Aufzucht junger Schimpansen an Zoodirektor Karl Birkmann (Mitte) durch den Präsidenten der GroKaGe Karlsruhe Hans Leppert in Begleitung der Fächergarde, 1969, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A17/72/1/41.

Große Karnevalsgesellschaft Karlsruhe

Seit der Revolution von 1848/49 gab es in Karlsruhe lange keinen eigenständigen Karnevalsverein mehr. Jahrzehntelang wurde daher über das wilde und ungezügelte Treiben an Fastnacht in den Straßen geklagt, "dem eine ordnende Hand fehle". Mit der Gründung der Großen Karnevalsgesellschaft Karlsruhe (GroKaGe) am 13. November 1902 in der Gaststätte Palmengarten (heute Stephanus-Buchhandlung, Herrenstraße 34) durch Karlsruher Kaufleute und Industrielle sollte diesem Problem Abhilfe geschaffen und gleichzeitig der Fremdenverkehr in der Stadt gestärkt werden. Die GroKaGe verstand sich nämlich als Dachorganisation für alle Fastnacht treibenden Vereine. Der Aufruf zur Beteiligung ganzer Vereine an der neuen Karnevalsgesellschaft war ein voller Erfolg, stiegen doch die Mitgliederzahlen innerhalb weniger Monate auf über 3.000 Personen an. Die GroKaGe veranstaltete fortan Damen- und Fremdensitzungen in der Festhalle und organisierte von 1903 bis 1909 die Fastnachtsumzüge in der Residenzstadt unter Beteiligung von fast 40 Vereinen. Außerdem waren mehrere Elferratsmitglieder mit Humor begabt und traten auch als Büttenredner auf wie etwa der erste Karnevalspräsident Fritz Römhildt, der unter seinem Pseudonym Romeo zahlreiche Gedichtbände in Karlsruher Mundart veröffentlicht hatte. Wegen Streitigkeiten mit der Stadtverwaltung und dem 1904 gegründeten Verkehrsverein, der sich nun um die Förderung des Tourismus kümmern sollte, um die Aufteilung der Finanzierung von Veranstaltungen, wurde die GroKaGe 1911 wieder aufgelöst.

In Erinnerung an deren Aktivitäten wurde sie aber nach dem Ersten Weltkrieg, den Inflationsjahren und der Aufhebung des Verbots von Umzügen 1928 wieder ins Leben gerufen und veranstaltete seit 1929 wieder Karnevalssitzungen und im März 1930 den einzigen Fastnachtsumzug, der in der Zeit der Weimarer Republik in Karlsruhe stattfand. Die Intention zur Wiedergründung des Vereins war dieselbe wie vor dem Ersten Weltkrieg. Man erhoffte sich eine Belebung des Tourismus und der Verkehrsverein und die Stadtverwaltung unterstützten den Verein dieses Mal nach Kräften. Dies gelang in der Zeit der Weltwirtschaftskrise aber nur kurzfristig, denn bereits 1931 wurden Fastnachtsveranstaltungen wieder verboten.

1934 wurde die GroKaGe abermals mit der Unterstützung des Verkehrsvereins wiedergegründet. Sie konnte aber nicht mehr an ihre Bedeutung als Dachorganisation für die Fastnacht treibenden Vereine anknüpfen. Die Organisation der Umzüge und öffentlichkeitswirksamer Veranstaltungen nahm der Verkehrsverein mit seinem Geschäftsführer Julius Lacher in die Hand. Er versuchte dabei den Vorgaben der nationalsozialistischen Machthaber zu entsprechen, die die Darstellung der Fastnacht als "völkisches Brauchtum" einforderten.

So beteiligte sich 1935 am Narrenbaumsetzen auf dem Marktplatz auch die GroKaGe mit ihrem damaligen Präsidenten Johann Hanagarth. Sie ließ sich allerdings für die antisemitische Propaganda, die um sich griff, als die Umzüge zunehmend unter den Einfluss von NS-Parteiorganen gerieten, nicht mehr einspannen. Stattdessen veranstaltete sie eigene Karnevalssitzungen mit Büttenreden, die zwar eher harmlos waren und so bei den Machthabern nicht auf Widerstand stießen, aber in der Tradition des bei diesen mittlerweile verpönten rheinischen Karnevals standen.

Im und nach dem Zweiten Weltkrieg waren Fastnachtsveranstaltungen wieder verboten. Nach der Aufhebung dieses Verbots 1949 wurde die Fastnacht vom Verkehrsverein zur Förderung des Tourismus in Karlsruhe wiederbelebt und die GroKaGe noch Ende dieses Jahres mit den Aktiven der Vorkriegszeit wie etwa dem Komiker Adi Walz und dem alten Präsidenten wiedergegründet. Sie sah sich allerdings nicht mehr imstande, einen Karnevalszug zu organisieren, der dann erst 1951 durch die Bemühungen des Verkehrsvereins zustande kam. 1952 wurde daher die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Karnevalsgesellschaften gegründet, die damals noch in enger Verbindung mit dem Verkehrsverein auch die Umzüge organisieren und die sich bald in Festausschuss Karlsruher Fastnacht umbenennen sollte. Immerhin gehörte die GroKaGe nun zu den damals erst sieben Gründungsvereinen.

Sie versuchte zudem, mit ihren Veranstaltungen gesellschaftlich wieder an Bedeutung zu gewinnen. So lud sie bekannte Bühnenstars wie etwa Caterina Valente zu ihren von bis zu 3.000 Besuchern frequentierten Bällen in der Schwarzwaldhalle ein und machte sich auf dem Felde des Gardetanzes einen Namen. 1958 wurde die Fächergarde gegründet, die auch in Karlsruhes Partnerstadt Nancy bei den dortigen Karnevalszügen auftrat. Von 1972 bis 2015 betreute die GroKaGe unter den damaligen Präsidenten Hans Leppert und Hans-Wolfgang Belli mehr als 40 Gardetanzturniere, die unter anderem auch in Karlsruhe stattfanden. Wegen Nachwuchsmangels mussten allerdings in den letzten Jahren die Fächergarde und alle Garden der Jugendabteilung der GroKaGe aufgelöst werden. Mit Ulrike Bosch, der Tochter des 1986 verstorbenen Hans Leppert, die auch als Büttenrednerin aktiv ist, wurde 2016 erstmals eine Frau zur Präsidentin der GroKaGe gewählt.

Peter Pretsch 2022

Quelle

Chronik auf der Website der GroKaGe Karlsruhe, https://www.grokage-karlsruhe.de/chronik/ (Zugriff am 24. Februar 2022).

Literatur

90 Jahre 1. Große Karnevalsgesellschaft Karlsruhe 02 e. V., Festschrift 1992; Peter Pretsch: "Geöffnetes Narrenturney". Geschichte der Karlsruher Fastnacht im Spiegel gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen, Karlsruhe 1995 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 16).