Titelblatt einer Broschüre der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Karnevalsgesellschaften mit Liedertexten, 1952; auf den Schellenbändern der Marotte sind die Namen der damaligen Mitgliedsvereine eingetragen, Stadtarchiv Karlsruhe 8/StS 2/197.
Neujahrsempfang für den FKF im Haus Solms im Januar 1980, in der Mitte FKF-Präsident Alfred Demmer, 2. von links OB Otto Dullenkopf, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A39/5/7/1.

Festausschuss Karlsruher Fastnacht

1952 wurde die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Karnevalsgesellschaften gegründet, die damals noch in enger Verbindung mit dem Verkehrsverein die Fastnachtsumzüge organisieren sollte. Zu den seinerzeit sieben Gründungsvereinen gehörten die Große Karnevalsgesellschaft Karlsruhe, die Große Karnevalsgesellschaft Durlach, die Karnevalsgesellschaft Badenia, die damals noch bestehende Karnevalsgesellschaft der Altstadt Alt-Karlsruhe, die Straßenbahnerkarnevalsgesellschaft StraBaka, die Karnevalsgesellschaft der Oststadt KGO und die Karnevalsgesellschaft West Die Krautköpfler. Ein Jahr später ging daraus der heute noch bestehende Festausschuss Karlsruher Fastnacht (FKF) hervor, der im Lauf der Jahrzehnte zeitweise bis zu 30 Mitgliedsvereine zählte. Das seit 1968 bestehende Organisationskomitée Durlacher Fastnacht (OKDF) organisiert parallel dazu den Durlacher Umzug am Fastnachtssonntag, dessen Motivwagen und -gruppen sich traditionell auch am Karlsruher Umzug am Fastnachtsdienstag beteiligen.

Neben der Koordination der an den Umzügen teilnehmenden Vereine und Gruppen sorgt der FKF für die Repräsentation der Karlsruher Fastnacht nach außen, was sich etwa in der Stadtschlüsselübergabe durch den Karlsruher Oberbürgermeister an den FKF-Präsidenten am 11.11. eines Jahres und die Rückgabe durch diesen an die Stadtverwaltung an Aschermittwoch dokumentiert. Seit 1997 wird außerdem die Fastnacht am durch den FKF initiierten Narrenbrunnen auf dem Kronenplatz an den gleichen Tagen aus der Taufe gehoben und dort beerdigt. Daneben führte der FKF eigene Veranstaltungen wie Ordensmatineen und -bälle oder Prunksitzungen durch, die seit Mitte der 1960er-Jahre auch im Fernsehen gezeigt wurden. Der jährliche Umzug am Fastnachtsdienstag wurde seit 1951 nur selten durch außenpolitische Ereignisse oder ungewöhnliche Wetterphänomene verhindert, Anfang der 2020er-Jahre allerdings durch die Coronapandemie.

Vor allem unter den FKF-Präsidenten Alfred Demmer, einem Direktor der Binding-Brauerei, und Jürgen Olm, Besitzer eines Autohauses, erlebte die Karlsruher Fastnacht von 1966 bis in die jüngere Zeit einen kontinuierlichen Aufschwung. Zur Fastnachtsparade, die zeitweise bis zu 300.000 Zuschauer anlockte und über hundert Umzugsnummern lang war, gehörten Guggemusiker aus der Schweiz, Hexen der alemannischen Fastnacht, Gardemädchen aus Karlsruhes Partnerstadt Nancy und andere Gruppen aus Frankreich sowie natürlich die zahlreichen Karnevalsvereine aus Stadt und Region neben den wie im Rheinland üblichen Motivwagen, die zumeist Politikerinnen und Politiker als Schwellköpfe aus Pappmaché persiflierten.

Die Begeisterung für die Aktivitäten, die der Karlsruher Geschäftswelt und den Restaurationsbetrieben regelmäßig Einnahmen bescherte, wurde auch durch die Übertragung in den Medien und zuletzt durch digitale Präsentationen des FKF und seiner Mitgliedsvereine im Netz unterstützt.

Peter Pretsch 2022

Quelle

Homepage des FKF: http://karlsruher-festausschuss.de/ (Zugriff am 16. Februar 2022).

Literatur

Peter Pretsch: "Geöffnetes Narrenturney", Geschichte der Karlsruher Fastnacht im Spiegel gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen, Karlsruhe 1995 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 16); Werner Hill: Fasnacht. Ein Porträt des Narrenspiels in badisch-pfälzischen Landen, Speyer 1998.