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[[Datei:Ins-0485 Bachverein 8 PBS X 5168.jpg|alternativtext=Plakat Jubiläumskonzert 100 Jahre Bachchor Karlsruhe, 24. April 2003, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 5168.|links|mini|Plakat Jubiläumskonzert 100 Jahre Bachchor Karlsruhe, 24. April 2003, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 5168.]] |
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Nach der Auflösung des <lex id="ins-0444">Cäcilienvereins</lex> 1892 und des <lex id="ins-1338">Philharmonischen Vereins</lex> im Winter 1898/99 gab es im Karlsruher Musikleben keinen gemischten Chor mehr, mit welchem Kantaten, Oratorien oder Messen der großen deutschen Klassiker Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt werden konnten. Um die Pflege klassischer Vokalmusik neu zu beleben, gründeten daher im Sommer 1905 kunstsinnige Persönlichkeiten wie der ehemalige Generalintendant des <lex id="ins-0845">Hoftheaters</lex> <lex id="bio-0642">Albert Bürklin</lex>, Hofkirchenmusikdirektor <lex id="bio-1080">Max Brauer</lex>, Staatsminister Alexander Freiherr von Dusch, Hofprediger Ernst Fischer, Buchdruckereibesitzer Karl Malsch, die beiden Akademieprofessoren <lex id="bio-0068">Hans Thoma</lex> und <lex id="bio-0482">Wilhelm Trübner</lex> und Gymnasialdirektor <lex id="bio-0178">Gustav Wendt</lex> den Bachverein Karlsruhe e. V. |
Nach der Auflösung des <lex id="ins-0444">Cäcilienvereins</lex> 1892 und des <lex id="ins-1338">Philharmonischen Vereins</lex> im Winter 1898/99 gab es im Karlsruher Musikleben keinen gemischten Chor mehr, mit welchem Kantaten, Oratorien oder Messen der großen deutschen Klassiker Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt werden konnten. Um die Pflege klassischer Vokalmusik neu zu beleben, gründeten daher im Sommer 1905 kunstsinnige Persönlichkeiten wie der ehemalige Generalintendant des <lex id="ins-0845">Hoftheaters</lex> <lex id="bio-0642">Albert Bürklin</lex>, Hofkirchenmusikdirektor <lex id="bio-1080">Max Brauer</lex>, Staatsminister Alexander Freiherr von Dusch, Hofprediger Ernst Fischer, Buchdruckereibesitzer Karl Malsch, die beiden Akademieprofessoren <lex id="bio-0068">Hans Thoma</lex> und <lex id="bio-0482">Wilhelm Trübner</lex> und Gymnasialdirektor <lex id="bio-0178">Gustav Wendt</lex> den Bachverein Karlsruhe e. V. |
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Ab dem 24. September warb der Verein in der |
Ab dem 24. September warb der Verein in der <lex id="ereig-0250">Karlsruher Presse</lex> um aktive und passive Mitglieder, da man schon im Winter drei Konzerte unter der musikalischen Leitung von Hofmusikdirektor Brauer geben wollte. Die Proben für die etwa 80 Sängerinnen und Sänger fanden im <lex id="ins-0936">Prinzessin-Wilhelm-Stift</lex> statt. Im November 1905 gab der Bachverein sein erstes Konzert mit zwei Bach-Kantaten und einer Mozart-Messe in der <lex id="ins-1251">Christuskirche</lex>. Im Februar 1906 folgte das Händel Oratorium Theodora im großen Saal der <lex id="ins-0506">Eintracht</lex> und im März Bachs Matthäuspassion in der <lex id="ins-1248">Evangelischen Stadtkirche</lex>. 1906 wurde Prinz <lex id="bio-0542">Maximilian von Baden</lex> Protektor des Vereins. Ab 1907/08 kamen jährlich zur Winterszeit vier große Chorwerke zur Aufführung. Insgesamt 36 Konzerte gab der Bachverein unter der Leitung von Max Brauer, der ab Jahresbeginn 1917 krankheitsbedingt keine Proben mehr abhalten konnte und am 2. Januar 1918 verstarb. |
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Nachfolger von Brauer wurde im Frühjahr 1918 Hofoperndirektor <lex id="bio-0313">Fritz Cortolezis</lex>. Damit begann eine enge Kooperation mit dem Hoftheater (ab 1919 Badisches Landestheater), durch die der Bachverein seine Selbstständigkeit einbüßte. Der Verein trat künftig nicht mehr als Konzertveranstalter auf, sondern nur noch als mitwirkender Chor in Aufführungen des Landestheaters. Bei der Aufführung von Bachs Johannespassion an Karfreitag 1921 verstärkte Cortolezis den Bachverein noch durch den Lehrergesangverein. Beide Chöre wirkten fortan unter der Leitung von Heinrich Kaspar, der von 1921 bis 1924 Direktor des <lex id="ins-1022">Badischen Konservatoriums</lex> war, als Karlsruher Chorgemeinschaft an den Aufführungen des Badischen Landestheaters mit. |
Nachfolger von Brauer wurde im Frühjahr 1918 Hofoperndirektor <lex id="bio-0313">Fritz Cortolezis</lex>. Damit begann eine enge Kooperation mit dem Hoftheater (ab 1919 Badisches Landestheater), durch die der Bachverein seine Selbstständigkeit einbüßte. Der Verein trat künftig nicht mehr als Konzertveranstalter auf, sondern nur noch als mitwirkender Chor in Aufführungen des Landestheaters. Bei der Aufführung von Bachs Johannespassion an Karfreitag 1921 verstärkte Cortolezis den Bachverein noch durch den Lehrergesangverein. Beide Chöre wirkten fortan unter der Leitung von Heinrich Kaspar, der von 1921 bis 1924 Direktor des <lex id="ins-1022">Badischen Konservatoriums</lex> war, als Karlsruher Chorgemeinschaft an den Aufführungen des Badischen Landestheaters mit. |
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Mit <lex id="bio-1257">Franz Philipp</lex>, der im September 1924 die Leitung des Konservatoriums übernahm, erhielt der Bachverein wieder einen eigenen musikalischen Leiter. Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit bildete die Erstaufführung der Großen Messe in f-Moll für Chor, Soli und Orgel von Anton Bruckner am 19. Oktober 1925 in der Städtischen Festhalle, an der auch das Orchester des Landestheaters beteiligt war. Um wenigstens im kleinen Rahmen eigenständig arbeiten zu können, rief der Bachverein Ende 1925 eine eigene Kammermusikreihe ins Leben. |
Mit <lex id="bio-1257">Franz Philipp</lex>, der im September 1924 die Leitung des Konservatoriums übernahm, erhielt der Bachverein wieder einen eigenen musikalischen Leiter. Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit bildete die Erstaufführung der Großen Messe in f-Moll für Chor, Soli und Orgel von Anton Bruckner am 19. Oktober 1925 in der <lex id="ins-1233">Städtischen Festhalle</lex>, an der auch das Orchester des Landestheaters beteiligt war. Um wenigstens im kleinen Rahmen eigenständig arbeiten zu können, rief der Bachverein Ende 1925 eine eigene Kammermusikreihe ins Leben. |
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Als Philipp Anfang 1927 die Leitung des Bachvereins niederlegte, folgte ihm Generalmusikdirektor <lex id="bio-0326">Josef Krips</lex> nach, der seit September 1926 am Badischen Landestheater als Dirigent tätig war. Unter der musikalischen Leitung von Krips wurde an Karfreitag 1927 Mozarts Requiem aufgeführt, bei dem der Bachverein durch den Singchor und den Hilfschor des Landestheaters unterstützt wurde. |
Als Philipp Anfang 1927 die Leitung des Bachvereins niederlegte, folgte ihm Generalmusikdirektor <lex id="bio-0326">Josef Krips</lex> nach, der seit September 1926 am Badischen Landestheater als Dirigent tätig war. Unter der musikalischen Leitung von Krips wurde an Karfreitag 1927 Mozarts Requiem aufgeführt, bei dem der Bachverein durch den Singchor und den Hilfschor des Landestheaters unterstützt wurde. |
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Im Herbst 1928 wurde die Karlsruher Chorvereinigung gegründet, an deren Gründung <lex id="ins-1014">Oberbürgermeister</lex> <lex id="bio-0006">Julius Finter</lex> maßgebend beteiligt war, der auch erster Präsident wurde. Die Vereinigung bestand aus dem Bachverein und dem Lehrergesangverein, wobei jeder Verein seine Selbstständigkeit bewahrte. Im März 1929 führte die Chorvereinigung unter der künstlerischen Leitung von Kapellmeister Heinz Knöll Bachs Matthäuspassion, im November 1929 Bruckners f-Moll Messe und im April und Mai 1930 Händels Oratorium Esther auf. |
Im Herbst 1928 wurde die Karlsruher Chorvereinigung gegründet, an deren Gründung <lex id="ins-1014">Oberbürgermeister</lex> <lex id="bio-0006">Julius Finter</lex> maßgebend beteiligt war, der auch erster Präsident wurde. Die Vereinigung bestand aus dem Bachverein und dem Lehrergesangverein, wobei jeder Verein seine Selbstständigkeit bewahrte. Im März 1929 führte die Chorvereinigung unter der künstlerischen Leitung von Kapellmeister Heinz Knöll Bachs Matthäuspassion, im November 1929 Bruckners f-Moll Messe und im April und Mai 1930 Händels Oratorium Esther auf. |
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1932 konnte der Bachverein Wilhelm Rumpf, der als Musiklehrer am <lex id="ins-1420">Fichte-Gymnasium</lex> und Organist an der Christuskirche tätig war, für die musikalische Leitung gewinnen. Am 12. März 1933 (Sonntag Reminiscere) veranstaltete der Verein mit Johannes Brahms' Deutschem Requiem erstmals wieder ein eigenständiges Konzert. Angesichts der schwierigen politischen Verhältnisse überzeugte Rumpf, der seit 1933 als Kirchenmusikdirektor in der evangelischen Kirchengemeinde Karlsruhe wirkte, 1938 den Bachverein, unter seiner Regie nur noch als Oratorien- und Vokalchor aufzutreten. In den Konzertankündigungen des Jahres 1939 liest man noch Bachverein Karlsruhe, seit 1940 Bachchor Karlsruhe. Da der Wiederaufbau der im September 1944 zerstörten Evangelischen Stadtkirche erst 1958 abgeschlossen war, trat der Bachchor unter der Leitung von Rumpf nach 1945 zunächst in der Markuskirche und dann in der notdürftig wiederhergestellten Christuskirche auf. |
1932 konnte der Bachverein Wilhelm Rumpf, der als Musiklehrer am <lex id="ins-1420">Fichte-Gymnasium</lex> und Organist an der Christuskirche tätig war, für die musikalische Leitung gewinnen. Am 12. März 1933 (Sonntag Reminiscere) veranstaltete der Verein mit Johannes Brahms' Deutschem Requiem erstmals wieder ein eigenständiges Konzert. Angesichts der schwierigen politischen Verhältnisse überzeugte Rumpf, der seit 1933 als Kirchenmusikdirektor in der evangelischen Kirchengemeinde Karlsruhe wirkte, 1938 den Bachverein, unter seiner Regie nur noch als Oratorien- und Vokalchor aufzutreten. In den Konzertankündigungen des Jahres 1939 liest man noch Bachverein Karlsruhe, seit 1940 Bachchor Karlsruhe. Da der Wiederaufbau der im September 1944 zerstörten Evangelischen Stadtkirche erst 1958 abgeschlossen war, trat der Bachchor unter der Leitung von Rumpf nach 1945 zunächst in der <lex id="ins-1245">Markuskirche</lex> und dann in der notdürftig wiederhergestellten Christuskirche auf. |
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Nach Rumpfs Tod im Juni 1964 wurde sein ehemaliger Schüler Karlheinz Schmidt, der Studienassessor in Heilbronn mit Orgel im Hauptfach war, im Januar 1965 sein Nachfolger. Um die Stelle eines hauptamtlichen Bezirkskantors und Organisten an der Evangelischen Stadtkirche antreten zu können, hatte Schmidt noch 1964 die A-Prüfung, die höchste kirchenmusikalische Qualifikation, abgelegt. Bis zu seiner Pensionierung 1996 führte Schmidt mit dem Bachchor 43 verschiedene Chorwerke von Barock bis Spätromantik auf. Vor den großen Vokalwerken aber, wie Beethovens Missa solemnis oder Bruckners f-Moll Messe, schreckte er wegen der erforderlichen Orchesterbesetzung zurück. |
Nach Rumpfs Tod im Juni 1964 wurde sein ehemaliger Schüler Karlheinz Schmidt, der Studienassessor in Heilbronn mit Orgel im Hauptfach war, im Januar 1965 sein Nachfolger. Um die Stelle eines hauptamtlichen Bezirkskantors und Organisten an der Evangelischen Stadtkirche antreten zu können, hatte Schmidt noch 1964 die A-Prüfung, die höchste kirchenmusikalische Qualifikation, abgelegt. Bis zu seiner Pensionierung 1996 führte Schmidt mit dem Bachchor 43 verschiedene Chorwerke von Barock bis Spätromantik auf. Vor den großen Vokalwerken aber, wie Beethovens Missa solemnis oder Bruckners f-Moll Messe, schreckte er wegen der erforderlichen Orchesterbesetzung zurück. |
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Dieser Herausforderung stellte sich dann Schmidts Nachfolger Christian-Markus Raiser, der seit 1996 Kantor und Leiter der Kirchenmusik an der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe und damit auch Leiter des Bachchors ist. Stetig erweitert Raiser das Profil des Chors. Neben den Klassikern wie der Matthäuspassion, dem Weihnachtsoratorium und der h-Moll-Messe von Bach, der Messias von Händel, der Schöpfung von Haydn und dem Requiem von Mozart, kommen auch weniger bekannte und moderne Vokalwerke zur Aufführung wie Deus Passus von Wolfgang Rihm, Vom jüdischen Schicksal von <lex id="bio-2049">Richard Fuchs</lex>, Golgotha von Frank Martin und Ende und Anfang – Der bleibende Ruf des Dietrich Bonhoeffer von Gerhard Kaufmann. |
Dieser Herausforderung stellte sich dann Schmidts Nachfolger Christian-Markus Raiser, der seit 1996 Kantor und Leiter der Kirchenmusik an der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe und damit auch Leiter des Bachchors ist. Stetig erweitert Raiser das Profil des Chors. Neben den Klassikern wie der Matthäuspassion, dem Weihnachtsoratorium und der h-Moll-Messe von Bach, der Messias von Händel, der Schöpfung von Haydn und dem Requiem von Mozart, kommen auch weniger bekannte und moderne Vokalwerke zur Aufführung wie Deus Passus von <lex id="bio-2210">Wolfgang Rihm</lex>, Vom jüdischen Schicksal von <lex id="bio-2049">Richard Fuchs</lex>, Golgotha von Frank Martin und Ende und Anfang – Der bleibende Ruf des Dietrich Bonhoeffer von Gerhard Kaufmann. |
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2025 feierte der etwa 100 Sängerinnen und Sänger umfassende Bachchor unter der Leitung von Raiser sein 120-jähriges Bestehen mit Dona nobis pacem von Ralph Vaughan Williams und der neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven. |
2025 feierte der etwa 100 Sängerinnen und Sänger umfassende Bachchor unter der Leitung von Raiser sein 120-jähriges Bestehen mit Dona nobis pacem von Ralph Vaughan Williams und der neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven. |
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Aktuelle Version vom 7. September 2026, 08:39 Uhr
Bachverein/Bachchor Karlsruhe
Nach der Auflösung des Cäcilienvereins 1892 und des Philharmonischen Vereins im Winter 1898/99 gab es im Karlsruher Musikleben keinen gemischten Chor mehr, mit welchem Kantaten, Oratorien oder Messen der großen deutschen Klassiker Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt werden konnten. Um die Pflege klassischer Vokalmusik neu zu beleben, gründeten daher im Sommer 1905 kunstsinnige Persönlichkeiten wie der ehemalige Generalintendant des Hoftheaters Albert Bürklin, Hofkirchenmusikdirektor Max Brauer, Staatsminister Alexander Freiherr von Dusch, Hofprediger Ernst Fischer, Buchdruckereibesitzer Karl Malsch, die beiden Akademieprofessoren Hans Thoma und Wilhelm Trübner und Gymnasialdirektor Gustav Wendt den Bachverein Karlsruhe e. V.
Ab dem 24. September warb der Verein in der Karlsruher Presse um aktive und passive Mitglieder, da man schon im Winter drei Konzerte unter der musikalischen Leitung von Hofmusikdirektor Brauer geben wollte. Die Proben für die etwa 80 Sängerinnen und Sänger fanden im Prinzessin-Wilhelm-Stift statt. Im November 1905 gab der Bachverein sein erstes Konzert mit zwei Bach-Kantaten und einer Mozart-Messe in der Christuskirche. Im Februar 1906 folgte das Händel Oratorium Theodora im großen Saal der Eintracht und im März Bachs Matthäuspassion in der Evangelischen Stadtkirche. 1906 wurde Prinz Maximilian von Baden Protektor des Vereins. Ab 1907/08 kamen jährlich zur Winterszeit vier große Chorwerke zur Aufführung. Insgesamt 36 Konzerte gab der Bachverein unter der Leitung von Max Brauer, der ab Jahresbeginn 1917 krankheitsbedingt keine Proben mehr abhalten konnte und am 2. Januar 1918 verstarb.
Nachfolger von Brauer wurde im Frühjahr 1918 Hofoperndirektor Fritz Cortolezis. Damit begann eine enge Kooperation mit dem Hoftheater (ab 1919 Badisches Landestheater), durch die der Bachverein seine Selbstständigkeit einbüßte. Der Verein trat künftig nicht mehr als Konzertveranstalter auf, sondern nur noch als mitwirkender Chor in Aufführungen des Landestheaters. Bei der Aufführung von Bachs Johannespassion an Karfreitag 1921 verstärkte Cortolezis den Bachverein noch durch den Lehrergesangverein. Beide Chöre wirkten fortan unter der Leitung von Heinrich Kaspar, der von 1921 bis 1924 Direktor des Badischen Konservatoriums war, als Karlsruher Chorgemeinschaft an den Aufführungen des Badischen Landestheaters mit.
Mit Franz Philipp, der im September 1924 die Leitung des Konservatoriums übernahm, erhielt der Bachverein wieder einen eigenen musikalischen Leiter. Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit bildete die Erstaufführung der Großen Messe in f-Moll für Chor, Soli und Orgel von Anton Bruckner am 19. Oktober 1925 in der Städtischen Festhalle, an der auch das Orchester des Landestheaters beteiligt war. Um wenigstens im kleinen Rahmen eigenständig arbeiten zu können, rief der Bachverein Ende 1925 eine eigene Kammermusikreihe ins Leben.
Als Philipp Anfang 1927 die Leitung des Bachvereins niederlegte, folgte ihm Generalmusikdirektor Josef Krips nach, der seit September 1926 am Badischen Landestheater als Dirigent tätig war. Unter der musikalischen Leitung von Krips wurde an Karfreitag 1927 Mozarts Requiem aufgeführt, bei dem der Bachverein durch den Singchor und den Hilfschor des Landestheaters unterstützt wurde.
Im Herbst 1928 wurde die Karlsruher Chorvereinigung gegründet, an deren Gründung Oberbürgermeister Julius Finter maßgebend beteiligt war, der auch erster Präsident wurde. Die Vereinigung bestand aus dem Bachverein und dem Lehrergesangverein, wobei jeder Verein seine Selbstständigkeit bewahrte. Im März 1929 führte die Chorvereinigung unter der künstlerischen Leitung von Kapellmeister Heinz Knöll Bachs Matthäuspassion, im November 1929 Bruckners f-Moll Messe und im April und Mai 1930 Händels Oratorium Esther auf.
1932 konnte der Bachverein Wilhelm Rumpf, der als Musiklehrer am Fichte-Gymnasium und Organist an der Christuskirche tätig war, für die musikalische Leitung gewinnen. Am 12. März 1933 (Sonntag Reminiscere) veranstaltete der Verein mit Johannes Brahms' Deutschem Requiem erstmals wieder ein eigenständiges Konzert. Angesichts der schwierigen politischen Verhältnisse überzeugte Rumpf, der seit 1933 als Kirchenmusikdirektor in der evangelischen Kirchengemeinde Karlsruhe wirkte, 1938 den Bachverein, unter seiner Regie nur noch als Oratorien- und Vokalchor aufzutreten. In den Konzertankündigungen des Jahres 1939 liest man noch Bachverein Karlsruhe, seit 1940 Bachchor Karlsruhe. Da der Wiederaufbau der im September 1944 zerstörten Evangelischen Stadtkirche erst 1958 abgeschlossen war, trat der Bachchor unter der Leitung von Rumpf nach 1945 zunächst in der Markuskirche und dann in der notdürftig wiederhergestellten Christuskirche auf.
Nach Rumpfs Tod im Juni 1964 wurde sein ehemaliger Schüler Karlheinz Schmidt, der Studienassessor in Heilbronn mit Orgel im Hauptfach war, im Januar 1965 sein Nachfolger. Um die Stelle eines hauptamtlichen Bezirkskantors und Organisten an der Evangelischen Stadtkirche antreten zu können, hatte Schmidt noch 1964 die A-Prüfung, die höchste kirchenmusikalische Qualifikation, abgelegt. Bis zu seiner Pensionierung 1996 führte Schmidt mit dem Bachchor 43 verschiedene Chorwerke von Barock bis Spätromantik auf. Vor den großen Vokalwerken aber, wie Beethovens Missa solemnis oder Bruckners f-Moll Messe, schreckte er wegen der erforderlichen Orchesterbesetzung zurück.
Dieser Herausforderung stellte sich dann Schmidts Nachfolger Christian-Markus Raiser, der seit 1996 Kantor und Leiter der Kirchenmusik an der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe und damit auch Leiter des Bachchors ist. Stetig erweitert Raiser das Profil des Chors. Neben den Klassikern wie der Matthäuspassion, dem Weihnachtsoratorium und der h-Moll-Messe von Bach, der Messias von Händel, der Schöpfung von Haydn und dem Requiem von Mozart, kommen auch weniger bekannte und moderne Vokalwerke zur Aufführung wie Deus Passus von Wolfgang Rihm, Vom jüdischen Schicksal von Richard Fuchs, Golgotha von Frank Martin und Ende und Anfang – Der bleibende Ruf des Dietrich Bonhoeffer von Gerhard Kaufmann.
2025 feierte der etwa 100 Sängerinnen und Sänger umfassende Bachchor unter der Leitung von Raiser sein 120-jähriges Bestehen mit Dona nobis pacem von Ralph Vaughan Williams und der neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven.
Quellen
GLA 69 Bachverein, GLA 235/5835; Anzeigen und Artikel im Karlsruher Tagblatt, https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/titleinfo/6354966 (Zugriff am 5. Juli 2026), u. a. vom 24. September 1905 (Aufruf), 21. November 1905 (erstes Konzert), 21. November 1906 (viertes Konzert, Protektorat Prinz Max von Baden), 18. Oktober 1924 (Aufruf), 22. September 1926 (Aufruf), 18. November 1928 (Aufruf, Zusammenschluss Karlsruher Chorvereinigung), 29. Juli 1930 (zweijähriges Bestehen der Karlsruher Chorvereinigung), 31. Januar 1931 (25-jähriges Stiftungsfest), 5. August 1932 (Hauptversammlung), 10. November 1940 (Missa solemnis), 9. Februar 1941 (Bachchor).100 Jahre Bachchor Karlsruhe, hrsg. vom Kantorat der Ev. Stadtkirche Karlsruhe, Karlsruhe [2005]; Bachchor Karlsruhe, https://www.musikanderstadtkirchekarlsruhe.de/ch%C3%B6re/bachchor/ (Zugriff am 5. Juli 2026).