11. Deutsche Hallen-Schwimm-Meisterschaften, 1958, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 2483.

Schwimmsport

Literatur über die Schwimmkunst wurde seit dem 17. Jahrhundert und insbesondere in der Zeit der Aufklärung verbreitet. Schwimmschulen in Deutschland entstanden ausgehend vom preußischen Militär seit Beginn des 19. Jahrhunderts. In Karlsruhe übernahm Friedrich Arnold 1826 die Anlage einer Militärschwimmanstalt an der Alb beim Kühlen Krug, in der abends auch die männliche Jugend Schwimmunterricht erhielt. Nachfolgeschwimmanstalt für das Militär wurde 1915 das Rheinhafenbad (Sonnenbad).

Inzwischen waren zahlreiche Freiluft-Badeanstalten an der Alb und im Rhein bei Maxau entstanden, bereits 1811 das Stephanienbad von Friedrich Weinbrenner. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Hallenbäder in Deutschland, die neben dem Schwimmen mit Wannenbädern überwiegend der Hygiene dienten. Das erste Karlsruher Hallenschwimmbad war das von Karl August Lepper privat betriebene Friedrichsbad in der Kaiserstraße 136, das 1920 in städtischen Besitz überging. Das seit 1873 bestehende Vierordtbad war eine Kur- und Wannenbäderanstalt und diente erst mit dem Anbau der Schwimmhalle 1900 auch dem Schwimmen.

Der erste Schwimmverein nach dem Muster der englischen Sportvereine bildete sich in Deutschland in Berlin 1878. Der erste Schwimmverein in Karlsruhe, dessen Zweck anfangs insbesondere der Vorsorge vor möglichem Ertrinken galt, war der Erste Karlsruher Schwimmclub Neptun 1899, ein Jahr später ging daraus der zweite Verein Schwimmverein Poseidon hervor. Insbesondere Poseidon verfolgte das sportliche Wettkampfprinzip im In- und Ausland. Beide Vereine fusionierten 1919 zum Karlsruher Schwimmverein (KSV), in dem auch Wasserball gespielt wurde; 1945 als Karlsruher Schwimmverein Neptun 1899 (KSN) wiedergegründet und 1979 mit dem Sport-und SchwimmClub Karlsruhe e.V. (SSC) Waldstadt zum KSN/SSC fusioniert. 1906 war der 1. Durlacher Schwimmverein entstanden.

Neben den Flussbadeanlagen und dem Rheinhafen boten die neuen Freibäder Gelegenheit, Schwimmen zu erlernen und den Sport auszuüben: 1907 das spätere Durlacher Turmbergbad, 1915 das Rheinhafenbad, 1929 das Rheinstrandbad Rappenwört, 1935 das Wolfartsweierer Freibad, allesamt nach den 1950er-Jahren modernisiert und erweitert, 1953 entstand das Freibad Rüppurr. Freizeitschwimmen und Schulsport als Breitensport und der Spitzensport bedingten sich in Karlsruhe lange gegenseitig. So dienten die Hallenbäder wie das 1955 errichtete Tullabad und das 1982 eröffnete Fächerbad dem Volkssport sowie nationalen und internationalen Wettkämpfen. Insbesondere in den 1950er-Jahren holten zahlreiche KSN-Schwimmer Titel bei deutschen und internationalen Wettbewerben. Nach 1970 entstanden neue Hallenbäder.

Auseinanderdriftende Entwicklungen in den Ansprüchen an Sport und Freizeit führten ebenso wie Finanz- und Standortfragen 1987 zum ersten Karlsruher Bäderkonzept, das immer weiter fortgeschrieben wird. Der Bestand der Karlsruher Bäder sollte kritisch analysiert und deren künftige Entwicklung beschlossen werden. Neben dem klassischen Schwimmsport in Vereinen befriedigen Abteilungen bestehender Sportvereine auch Bedürfnisse nach Wassergymnastik. Seit 2008 entspricht das städtische Europabad der seit Ende der 1980er-Jahre aufgekommenen Welle von Spaß- und Freizeitbädern, bei denen weniger der Schwimmsport als Wellness und Freizeitspaß an erster Stelle stehen.

Jürgen Schuhladen-Krämer 2015

Literatur

Rebekka Menges: Schwimmen, in: Ernst Otto Bräunche/Volker Steck (Hrsg.): Sport in Karlsruhe. Von den Anfängen bis heute, Karlsruhe 2006, S. 341-357 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 28); Festschrift 70 Jahre Karlsruher Schwimmverein Neptun 1899 e. V., Karlsruhe 1969; Festschrift 90 Jahre 1. Durlacher Schwimmverein 1906 e. V., Karlsruhe 1996.