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[[Datei:Ins-1194.jpg|200px|thumb|left|Werbeplakat für den Volksfreund, 1920, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 2963.]] |
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In Karlsruhe erschien vor der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> auf die <lex id="ereig-0016">Nationalsozialisten</lex> 1933 eine Vielzahl von <lex id="ereig-0250">Zeitungen</lex>, zu denen der am 1. April 1889 als Parteizeitung der nach dem Fall des Sozialistengesetzes auch hier erstarkenden <lex id="ins-0330">Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD)</lex> gegründete Volksfreund gehörte. Vorgänger war der 1880 in Offenburg von <lex id="bio-1465">Adolf Geck</lex> gegründete Rheinbote, der dort zuletzt dreimal in der Woche erschien. 1882 schloß sich dieser mit dem Mittelrheinischen Wochenblatt zusammen, so dass die Zahl der Abonnenten auf 1.000 stieg. Das Experiment, die Zeitung dreimal in Offenburg und dreimal in Karlsruhe zu drucken, war zuvor gescheitert. In der Zeit des Sozialistengesetzes hatte es die Zeitung schwer, 1887 wurde sie verboten. Erst im Oktober 1890 konnte der Volksfreund, der inzwischen in den Besitz der Partei übergegangen war, wider erscheinen. In deren Auftrag konnte die Freiburger Drucker Johann Melchior Burger und Rudolf Goldschagg in der <lex id="top-2923">Werderstraße</lex> 31 in Karlsruhe die dafür erforderliche Druckerei betrieben. Dort war auch die Redaktion untergebracht. Die Geschäftsleitung übernahm <lex id="bio-0751">Eugen Geck</lex>, die Redaktion lag bei <lex id="bio-1466">Anton Fendrich</lex> und <lex id="bio-0682">Wilhelm Kolb</lex>, der nach dem Ausscheiden Fendrichs von 1908-1918 alleiniger Redakteur war. Der Volksfreund wurde so zum Sprachrohr der revisionistischen Politik der badischen SPD. Nach dem Tod von Kolb folgte ihm 1918 der Reichstagsabgeordnete <lex id="bio-0755">Georg Schöpflin</lex> (Pseudonym Isegrim) in der Chefredaktion, der die vieköpfige Redaktion leitete. Zahlreiche Artikel aus seiner Feder bekämpften seit 1920 von Anbeginn an die <lex id="ins-0324">Nationalsozialistische Partei Deutschlands (NSDAP)</lex>. |
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1904 übernahm die Partei mit der Gründung der OHG Geck & Co den Druck in Eigenregie in einem vormals vom <lex id="ins-0180">Lebensbedürfnisverein</lex> genutzten Haus, <lex id="top-1806">Luisenstraße</lex> 24. Bis zur Verselbständigung der Tochtergründung Volkswacht in Freiburg 1911 war der Volksfreund das SPD-Blatt für Mittel- und Oberbaden. Die Volkswacht übernahm zum 1. Juli 1911 6.000 Abonnenten des Volksfreunds. Die Auflage des Volksfreunds blieb dennoch vor dem <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> im fünfstelligen Bereich und |
1904 übernahm die Partei mit der Gründung der OHG Geck & Co den Druck in Eigenregie in einem vormals vom <lex id="ins-0180">Lebensbedürfnisverein</lex> genutzten Haus, <lex id="top-1806">Luisenstraße</lex> 24. Bis zur Verselbständigung der Tochtergründung Volkswacht in Freiburg 1911 war der Volksfreund das SPD-Blatt für Mittel- und Oberbaden. Die Volkswacht übernahm zum 1. Juli 1911 6.000 Abonnenten des Volksfreunds. Die Auflage des Volksfreunds blieb dennoch vor dem <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> im fünfstelligen Bereich und erreichte in der <lex id="ereig-0212">Weimarer Republik</lex> 1932 mit ca. 21.000 ihren Höhepunkt. Im Laufe der Zeit bekam der Volksfreund dem Beispiel anderer Zeitungen folgend etliche Wochenbeilagen, 1932 waren es sechs: Heimat und Wandern; Unterhaltung, Wissen, Kunst; Sozialistische Jugend; Die Musestunde; Sport und Spiel sowie Die Welt der Frau. |
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Am 8. September 1926 wurde die OHG in eine GmbH umgebildet, deren Aufsichtsrat der spätere <lex id="ins-1014">Oberbürgermeister</lex> <lex id="bio-0028">Fritz Töpper</lex> leitete. Dringendste Aufgabe war zu dieser Zeit der Neubau eines modernen Verlagsgebäudes, das in der <lex id="top-2864">Waldstraße</lex> 28 nach Plänen des Architekten <lex id="bio-0245">Hans Zippelius</lex> am 10. Juni 1927 feierlich eingeweiht werden konnte. Im neuen Verlagsgebäude waren auch das Parteisekretariat und eine Volksbuchhandlung untergebracht. |
Am 8. September 1926 wurde die OHG in eine GmbH umgebildet, deren Aufsichtsrat der spätere <lex id="ins-1014">Oberbürgermeister</lex> <lex id="bio-0028">Fritz Töpper</lex> leitete. Dringendste Aufgabe war zu dieser Zeit der Neubau eines modernen Verlagsgebäudes, das in der <lex id="top-2864">Waldstraße</lex> 28 nach Plänen des Architekten <lex id="bio-0245">Hans Zippelius</lex> am 10. Juni 1927 feierlich eingeweiht werden konnte. Im neuen Verlagsgebäude waren auch das Parteisekretariat und eine Volksbuchhandlung untergebracht. |
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In der Weimarer Republik vertrat der Volksfreund die sozialdemokratischen Positionen in scharfer Abgrenzung nach links vor allem gegen die <lex id="ins-0321">Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)</lex> und nach rechts gegen die <lex id="ins-0311">Deutsche Volkspartei (DVP)</lex>, die <lex id="ins-0312">Deutschnationale Volkspartei (DNVP)</lex> und vor allem die |
In der Weimarer Republik vertrat der Volksfreund die sozialdemokratischen Positionen in scharfer Abgrenzung nach links vor allem gegen die <lex id="ins-0321">Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)</lex> und nach rechts gegen die <lex id="ins-0311">Deutsche Volkspartei (DVP)</lex>, die <lex id="ins-0312">Deutschnationale Volkspartei (DNVP)</lex> und vor allem die NSDAP. |
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Bereits nach der Ernennung <lex id="bio-0043">Hitlers</lex> zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde der Volksfreund im Wahlkampf zur <lex id="ereig-0299">Reichstagswahl</lex> wiederholt verboten, am 18. März musste er sein Erscheinen einstellen. Der letzte Chefredakteur <lex id="bio-1232">Sally Grünebaum</lex> gehörte zu den sieben Sozialdemokraten, die am 16. Mai mit einer <lex id="ereig-0229">Schaufahrt</lex> ins KZ <lex id="ins-1739">Kislau</lex> gebracht wurden. Das Verlagsgebäude wurde enteignet und von der NS-Gauzeitung <lex id="ins-1164">Der Führer</lex> weiter genutzt. |
Bereits nach der Ernennung <lex id="bio-0043">Hitlers</lex> zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde der Volksfreund im Wahlkampf zur <lex id="ereig-0299">Reichstagswahl</lex> wiederholt verboten, am 18. März musste er sein Erscheinen einstellen. Der letzte Chefredakteur <lex id="bio-1232">Sally Grünebaum</lex> gehörte zu den sieben Sozialdemokraten, die am 16. Mai mit einer <lex id="ereig-0229">Schaufahrt</lex> ins KZ <lex id="ins-1739">Kislau</lex> gebracht wurden. Das Verlagsgebäude wurde enteignet und von der NS-Gauzeitung <lex id="ins-1164">Der Führer</lex> weiter genutzt. |
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==Quellen== |
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StadtAK 8/Ze 16; Volksfreund, 14. April 1906, 1. April 1924 und Sonderbeilage "Zur festlichen Eröffnung des Neubaus der Druckerei des Volksfreundes" vom 11. Juni 1927. |
StadtAK 8/Ze 16; Volksfreund, 14. April 1906, 1. April 1924 und Sonderbeilage "Zur festlichen Eröffnung des Neubaus der Druckerei des Volksfreundes" vom 11. Juni 1927; 50 Jahre Volksfreund. Beilage zur Ausgabe vom 30. April 1931<nowiki/>https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/3689161<nowiki/>(Zugriff am 27. Dezember 2024). |
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==Literatur== |
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Jörg Schadt/Wolfgang Schmierer (Hrsg.): Die SPD in Baden-Württemberg und ihre Geschichte, Stuttgart 1979 (= Schriften zur politischen Landeskunde Bd. 3); Konrad Dussel: Pressebilder in der Weimarer Republik: Entgrenzung der Information, Münster 2012 (= Kommunikationsgeschichte Bd. 29). |
Ernst Otto Bräunche: "Schon wieder eine neue Zeitung!" Ein Überblick zur Entwicklung der Presselandschaft in Karlsruhe seit dem 18. Jahrhundert, in: Manfred Koch (Hrsg.): Bewegte Zeiten. Beiträge zur Karlsruher Geschichte, Ubstadt-Weiher 2022, S. 187-216 (= Forschungen und Quellen. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 21); Jörg Schadt/Wolfgang Schmierer (Hrsg.): Die SPD in Baden-Württemberg und ihre Geschichte, Stuttgart 1979, S. 94-97 (= Schriften zur politischen Landeskunde Bd. 3); Konrad Dussel: Pressebilder in der Weimarer Republik: Entgrenzung der Information, Münster 2012 (= Kommunikationsgeschichte Bd. 29); Annika Kleine: Der Volksfreund – Zeitung der badischen Sozialdemokratie, in: BLBlog vom 17. August 2026 <nowiki>https://www.blb-karlsruhe.de/blblog/artikel/zeitungen-iii-der-volksfreund</nowiki> (Zugriff am 18. August 2026). |
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Aktuelle Version vom 20. August 2026, 09:07 Uhr
Volksfreund
In Karlsruhe erschien vor der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten 1933 eine Vielzahl von Zeitungen, zu denen der am 1. April 1889 als Parteizeitung der nach dem Fall des Sozialistengesetzes auch hier erstarkenden Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) gegründete Volksfreund gehörte. Vorgänger war der 1880 in Offenburg von Adolf Geck gegründete Rheinbote, der dort zuletzt dreimal in der Woche erschien. 1882 schloß sich dieser mit dem Mittelrheinischen Wochenblatt zusammen, so dass die Zahl der Abonnenten auf 1.000 stieg. Das Experiment, die Zeitung dreimal in Offenburg und dreimal in Karlsruhe zu drucken, war zuvor gescheitert. In der Zeit des Sozialistengesetzes hatte es die Zeitung schwer, 1887 wurde sie verboten. Erst im Oktober 1890 konnte der Volksfreund, der inzwischen in den Besitz der Partei übergegangen war, wider erscheinen. In deren Auftrag konnte die Freiburger Drucker Johann Melchior Burger und Rudolf Goldschagg in der Werderstraße 31 in Karlsruhe die dafür erforderliche Druckerei betrieben. Dort war auch die Redaktion untergebracht. Die Geschäftsleitung übernahm Eugen Geck, die Redaktion lag bei Anton Fendrich und Wilhelm Kolb, der nach dem Ausscheiden Fendrichs von 1908-1918 alleiniger Redakteur war. Der Volksfreund wurde so zum Sprachrohr der revisionistischen Politik der badischen SPD. Nach dem Tod von Kolb folgte ihm 1918 der Reichstagsabgeordnete Georg Schöpflin (Pseudonym Isegrim) in der Chefredaktion, der die vieköpfige Redaktion leitete. Zahlreiche Artikel aus seiner Feder bekämpften seit 1920 von Anbeginn an die Nationalsozialistische Partei Deutschlands (NSDAP).
1904 übernahm die Partei mit der Gründung der OHG Geck & Co den Druck in Eigenregie in einem vormals vom Lebensbedürfnisverein genutzten Haus, Luisenstraße 24. Bis zur Verselbständigung der Tochtergründung Volkswacht in Freiburg 1911 war der Volksfreund das SPD-Blatt für Mittel- und Oberbaden. Die Volkswacht übernahm zum 1. Juli 1911 6.000 Abonnenten des Volksfreunds. Die Auflage des Volksfreunds blieb dennoch vor dem Ersten Weltkrieg im fünfstelligen Bereich und erreichte in der Weimarer Republik 1932 mit ca. 21.000 ihren Höhepunkt. Im Laufe der Zeit bekam der Volksfreund dem Beispiel anderer Zeitungen folgend etliche Wochenbeilagen, 1932 waren es sechs: Heimat und Wandern; Unterhaltung, Wissen, Kunst; Sozialistische Jugend; Die Musestunde; Sport und Spiel sowie Die Welt der Frau.
Am 8. September 1926 wurde die OHG in eine GmbH umgebildet, deren Aufsichtsrat der spätere Oberbürgermeister Fritz Töpper leitete. Dringendste Aufgabe war zu dieser Zeit der Neubau eines modernen Verlagsgebäudes, das in der Waldstraße 28 nach Plänen des Architekten Hans Zippelius am 10. Juni 1927 feierlich eingeweiht werden konnte. Im neuen Verlagsgebäude waren auch das Parteisekretariat und eine Volksbuchhandlung untergebracht.
In der Weimarer Republik vertrat der Volksfreund die sozialdemokratischen Positionen in scharfer Abgrenzung nach links vor allem gegen die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und nach rechts gegen die Deutsche Volkspartei (DVP), die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und vor allem die NSDAP.
Bereits nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde der Volksfreund im Wahlkampf zur Reichstagswahl wiederholt verboten, am 18. März musste er sein Erscheinen einstellen. Der letzte Chefredakteur Sally Grünebaum gehörte zu den sieben Sozialdemokraten, die am 16. Mai mit einer Schaufahrt ins KZ Kislau gebracht wurden. Das Verlagsgebäude wurde enteignet und von der NS-Gauzeitung Der Führer weiter genutzt.
Nach dem Krieg knüpften die Südwestdeutsche Allgemeine Zeitung (1947-1949) und die AZ Badische Abend-Zeitung (1950 - 1968) an die sozialdemokratische Tradition einer eigenen Parteizeitung an, die beide in der Waldstraße 28 gedrückt wurden.
Auflage:
1904: 9.000
1907: 15.500
1914: 14.000
1925: 18.600
1928: 19.400
1932: 20.900
Quellen
StadtAK 8/Ze 16; Volksfreund, 14. April 1906, 1. April 1924 und Sonderbeilage "Zur festlichen Eröffnung des Neubaus der Druckerei des Volksfreundes" vom 11. Juni 1927; 50 Jahre Volksfreund. Beilage zur Ausgabe vom 30. April 1931https://digital.blb-karlsruhe.de/blbz/periodical/pageview/3689161(Zugriff am 27. Dezember 2024).
Literatur
Ernst Otto Bräunche: "Schon wieder eine neue Zeitung!" Ein Überblick zur Entwicklung der Presselandschaft in Karlsruhe seit dem 18. Jahrhundert, in: Manfred Koch (Hrsg.): Bewegte Zeiten. Beiträge zur Karlsruher Geschichte, Ubstadt-Weiher 2022, S. 187-216 (= Forschungen und Quellen. Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 21); Jörg Schadt/Wolfgang Schmierer (Hrsg.): Die SPD in Baden-Württemberg und ihre Geschichte, Stuttgart 1979, S. 94-97 (= Schriften zur politischen Landeskunde Bd. 3); Konrad Dussel: Pressebilder in der Weimarer Republik: Entgrenzung der Information, Münster 2012 (= Kommunikationsgeschichte Bd. 29); Annika Kleine: Der Volksfreund – Zeitung der badischen Sozialdemokratie, in: BLBlog vom 17. August 2026 https://www.blb-karlsruhe.de/blblog/artikel/zeitungen-iii-der-volksfreund (Zugriff am 18. August 2026).