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Otto Lais


Otto Lais

Grafiker, Lehrer, * 19. Oktober 1897 Wilferdingen/Enzkreis, † 5. März 1988 Wegberg-Merbeck/Lkr. Heinsberg, ∞ 1923 Monika Ludwig, verw. Ewald, kinderlos.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Durlach nahm Lais am Ersten Weltkrieg teil. Danach wurde er am Lehrerseminar Karlsruhe ausgebildet und arbeitete zunächst als Zeichen- und Werklehrer unter anderem an der Schillerschule und der Uhlandschule. Das Oberschulamt Karlsruhe erlaubte ihm an zwei Wochentagen ein Musikstudium am badischen Konservatorium und bis 1926 den Besuch der Badischen Landeskunstschule bei Friedrich Fehr, August Babberger und Walter Conz. In dieser Zeit freundete er sich mit seinen Zeitgenossen Wilhelm Schnarrenberger, Rudolf Schlichter und Karl Hubbuch an und es entstanden bis 1933 etwa 100 Radierungen mit zeitkritischem Bezug, die unter anderem in den Kunstvereinen von Mannheim, Speyer und Karlsruhe gezeigt wurden.

In diesen Blättern hat Lais vor allem Eindrücke aus dem Rotlichtmilieu des damaligen Karlsruher Dörfle verarbeitet, das durch die Altstadtsanierung verschwunden ist, und damit ein eindrucksvolles Zeitdokument Karlsruher Lokalkolorits geschaffen, das in seinen Zeichnungen überliefert ist - zum Beispiel Szenen in der damaligen Bordellgasse Entengasse oder im Etablissement Kaffee Röderer mit der “Korallengrotte”. In diesen “trostarmen” Blättern, wie er sie nannte, hat er sowohl das Schicksal der Prostituierten als auch das Verhalten ihrer Kunden sozialkritisch beleuchtet, wobei er sich in dieser Szenerie auch häufig selbst darstellte.

Nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten wurde eine bereits geplante Ausstellung im Städel in Frankfurt abgesagt und ihm die Lehrerlaubnis als Kunsterzieher entzogen. Auch seine künstlerischen Aktivitäten waren damit zunächst beendet. Nach seiner Personalakte war Lais aber offensichtlich weiter als Lehrer tätig, bis er 1939 erneut zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Bis dahin hatte er auch mehrere, nun im Sinne der neuen Machthaber eher kriegsverherrlichende Erlebnisberichte zu seinem Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg verfasst und illustriert, die teilweise erst während des Zweiten Weltkrieges publiziert wurden.

Lais brachte es im Kriegseinsatz bis zum Oberstleutnant und befehligte am Ende des Krieges als Kommandeur ein Grenadier-Regiment in Nordfrankreich und in Holland, bevor er im Frühjahr 1945 in englische Kriegsgefangenschaft geriet. Zuvor war er für seinen mehrjährigen Fronteinsatz noch zum Schulrektor befördert worden. Nach Kriegsende und einem Spruchkammerverfahren wurde er im Oktober 1945 seines Amtes enthoben, aber bereits ein halbes Jahr später wieder eingestellt. Lais war danach lange Jahre Rektor an der Volksschule in Hagsfeld, bevor er 1961 wenige Jahre vor seinem 1964 erfolgten Ruhestand an die Hardtschule in Mühlburg wechselte.

Erst 1977 wurden er als Künstler und sein Werk wiederentdeckt. Die Karlsruher Galerie Apfelbaum konnte 87 seiner Kunstwerke ausfindig machen und präsentieren. Zudem hatten sich 40 Druckplatten seiner Radierungen erhalten, die der Künstler für Nachdrucke nutzen und signieren konnte. 1981 verfasste der ehemalige Bibliotheksdirektor und Leiter des Amtes Stadtbibliothek-Archiv-Sammlungen (SAS) Ludwin Langenfeld eine vielbeachtete und reich bebilderte Monografie über den Künstler. 1987 fand in Karlsruhe die letzte Einzelausstellung zu Otto Lais zu seinem 90. Geburtstag im Künstlerhaus statt. Als Vertreter der Kunstrichtung Verismus innerhalb der Neuen Sachlichkeit ist Lais mittlerweile auch in der Kunstwissenschaft beachtet und von ihr gewürdigt worden. Allerdings wurden seine Militärkarriere in zwei Weltkriegen und seine propagandistisch gefärbte Kriegsberichterstattung zum Ersten Weltkrieg dabei nicht zur Kenntnis genommen. Etwa 40 seiner Radierungen aus der Zeit der Weimarer Republik werden heute zusammen mit Schriftmaterial zu seiner Person aus dem Nachlass des Buchhändlers und Antiquars Thomas Kellner im Generallandesarchiv Karlsruhe verwahrt.

Peter Pretsch 2025

Quellen

GLA 467-1/3177, S Kellner K 28; Website zum Infanterieregiment Nr. 169 im Ersten Weltkrieg mit der Biografie von Otto Lais (englisch), https://www.ironregiment169.com/otto-lais.html (Zugriff am 19. Juli 2025).

Werk (nur Publikationen)

Maschinengewehre im Eisernen Regiment. 8. Badisches Infanterie-Regiment Nr. 169, Karlsruhe 1935; Ein Regiment stirbt den Heldentod. Mit Buchschmuck nach Zeichnungen des Verfassers, Karlsruhe 1938; Bilder aus der Sommeschlacht des Weltkrieges. Erlebnisbericht, Karlsruhe 1940; Die Schlacht im Kreidekalk 1917. Ein Erlebnisbericht, Karlsruhe 1942.

Literatur

Ludwin Langenfeld: Otto Lais. Das graphische Werk eines symbolischen Realisten der zwanziger Jahre, Freiburg i. B. 1981; Elke Schneider: Das Dörfle und die Kunst, in: Das Dörfle - Altstadt Karlsruhe. Streifzüge durch die Ortsgeschichte, hrsg. v. Stadtarchiv Karlsruhe und dem Bürgerverein Altstadt durch Peter Pretsch, Karlsruhe 2012, S. 103-115; G. Gruber: Otto Lais, in: De Gruyter. Allgemeines Künstlerlexikon, hrsg. v. Andreas Beyer u. a., Bd. 82, Berlin/Boston 2014, S. 518-519 (mit Ausstellungsliste und weiteren Literaturangaben).