Hermann Ball, 1961, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A8/44/2/30.

Hermann Otto Ball

Bauingenieur, Bürgermeister, * 14. August 1895 Budapest, † 23. Juni 1983 Karlsruhe, kath., ∞ 1925 Luise Krieg, kinderlos.

Hermann Ball, dessen gleichnamiger Vater gebürtiger Karlsruher war und zur Zeit seiner Geburt als Reichsbahnamtmann in Budapest arbeitete, besuchte ab 1901 die Volksschulen in Budapest und Basel, bevor er 1906 mit seinen Eltern und seinen beiden jüngeren Brüdern nach Karlsruhe kam. 1915 legte er am Realgymnasium (heute Humboldt-Gymnasium) das Abitur ab. Nachdem Ball im Ersten Weltkrieg als Soldat in verschiedenen Regimentern an Kampfhandlungen in Frankreich teilgenommen hatte, studierte er 1918-1922 Bauingenieurwesen an den Technischen Hochschulen (TH) Karlsruhe und Berlin-Charlottenburg und schloss das Studium mit der Diplom-Prüfung ab.

Anschließend erhielt er eine Stelle als Ingenieur bei der badischen Wasser- und Straßenbaudirektion in Karlsruhe. Danach war Ball für das badische Wasser- und Straßenbauamt in Konstanz tätig und legte 1928 den Vorbereitungsdienst für den höheren technischen Verwaltungsdienst beim Kulturbauamt Karlsruhe und beim Reichsbahnbauamt Karlsruhe mit dem Staatsexamen ab. Daraufhin ging er zurück an die TH Berlin und wurde wissenschaftlicher Assistent von Adolf Ludin, der dort als Ordinarius für Wasserbau und Wasserwirtschaft lehrte. Darüber hinaus hatte Ball einen Lehrauftrag an der Berliner städtischen Baugewerkeschule und arbeitete als Sachverständiger für wasserwirtschaftliche und wasserrechtliche Fragen beim Preußischen Kammergericht, am Berliner Landgericht sowie am Amtsgericht Potsdam. 1933 wurde Ball an der TH Berlin promoviert.

1934 nahm er einen Ruf als hauptamtlicher Dozent an der Technischen Höheren Staatslehranstalt für Tiefbau in Rendsburg bzw. nach deren Aufhebung an der Höheren Technischen Staatslehranstalt für Hoch- und Tiefbau in Eckernförde an. 1937 wurde Ball, der 1931-1933 Erster Vorsitzender des Zentrumsvereins Berlin-Charlottenburg-Süd gewesen war, wegen "politischer Unzuverlässigkeit" aus dem Staatsdienst entlassen. Daraufhin ging er zurück nach Berlin, wo er bis November 1946 als Prokurist, leitender Ingenieur und Geschäftsführer (ab 1942) für die Firma Hans Zomak Betonbau arbeitete.

1947 kehrte Ball nach Karlsruhe zurück und engagierte sich politisch in der Freien Demokratischen Partei Deutschlands (FDP). Als politisch Unbelastetem wurde ihm zum 1. Januar vom Karlsruher Gemeinderat das neu gebildete und in der Nachkriegszeit besonders wichtige Wirtschaftsdezernat übertragen, das unter anderem die Bereiche Wirtschafts-, Industrie- und Verkehrsförderung umfasste. Als Wirtschaftsbürgermeister hatte Ball maßgeblich Anteil am Wiederaufbau der Stadtwerke Karlsruhe, des Rheinhafens und des Rheinhafen-Dampfkraftwerks sowie an der Ansiedlung von Industriebetrieben wie Siemens & Halske, Dr. Willmar Schwabe, Dr. Madaus oder der Gablonzer Schmuckwarenindustrie. Außerdem wirkte er am Wiederaufbau der Bundesbahndirektion Karlsruhe sowie an der Ansiedlung der neu gegründeten Bundesanstalt für Wasserbau und der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder in Karlsruhe mit.

Als Nachfolger von Fridolin Heurich übernahm Ball 1953 das Baudezernat. In dieser Funktion kam es maßgeblich ihm zu, in einer der bauintensivsten Phasen der Stadtgeschichte Baugelände für den Wohnungsbau bereitzustellen. Außerdem war Ball an der Neuausrüstung und Verstärkung der Berufsfeuerwehr, der Neugründung der Freiwilligen Feuerwehr sowie am Bau der Feuerwache West beteiligt. 1961 trat er in den Ruhestand.

Zur Förderung des Tourismus wirkte Ball bei der Neugründung des Karlsruher Verkehrsvereins 1947 mit und amtierte als dessen Erster Vorsitzender, später als stellvertretender Vorsitzender. Außerdem fungierte er als Erster Vorsitzender des Kreisvereins Karlsruhe des Deutschen Roten Kreuzes und war ab 1956 Beiratsvorsitzender des Staatstechnikums.

René Gilbert 2016

Quellen

GLA 466-2/1451; StadtAK 1/POA 1/79, 1/POA 1/5201.

Werk

Betrachtungen über die pflanzenphysiologischen Grundlagen der künstlichen Beregung: Ein Beitrag zum Wasserbedarfs-Problem unserer Kulturpflanzen, Diss. Berlin 1933; Der Stahlverbrauch bei massiven Dacheindeckungen von Industriebauten, in: Bauwelt 1942, Heft 1/2, S. 4, 13-16; Der Wasserbau in der Landeskultur, in: Johannes Hentze: Wasserbau, Teil 2, 11., durchgesehene Aufl., Stuttgart 1958, S. 115-141.

Literatur

Manfred Koch: Trümmerstadt – Residenz des Rechts – Zentrum der Technologieregion – Wechselvoller Weg in die Gegenwart, in: Susanne Asche/Ernst Otto Bräunche/Manfred Koch/Heinz Schmitt/Christina Wagner: Karlsruhe – Die Stadtgeschichte, Karlsruhe 1998, S. 562, http://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP1XI2Dw44t/Karlsruhe%20Die%20Stadtgeschichte.pdf (Zugriff am 28. Juli 2016).