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De:Lexikon:ort-0129: Unterschied zwischen den Versionen

 
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Als Rintheim am 1. Januar 1907 gemeinsam mit <lex id="ort-0005">Beiertheim</lex> und <lex id="top-2374">Rüppurr</lex> nach Karlsruhe <lex id="ereig-0214">eingemeindet</lex> wurde, geschah dies mit ausdrücklicher Zustimmung von Bürgermeister und Gemeinderat des Dorfes. Der Ort erhoffte sich durch die Eingemeindung eine Steigerung seines Wohlstandes und die Verbesserung seiner Infrastruktur, sollte Rintheim doch wie die weiteren bis 1910 eingemeindeten Dörfer <lex id="ort-0127">Grünwinkel</lex> und <lex id="ort-0123">Daxlanden</lex> an die städtische <lex id="ins-1094">Gas-</lex>, <lex id="ereig-0153">Wasser-</lex>, und Stromversorgung angeschlossen werden. Damit konnte man beispielsweise bald auf Petroleumlampen, die die Straßen bisher nur unzureichend beleuchtet hatten, verzichten. Auch die Pumpbrunnen und Abortanlagen verschwanden nach und nach aus den Höfen der Häuser, als das städtische Kanal- und Leitungsnetz in den 1920er-Jahren allmählich den Vorort erreichte.
Als Rintheim am 1. Januar 1907 gemeinsam mit <lex id="ort-0005">Beiertheim</lex> und <lex id="top-2374">Rüppurr</lex> nach Karlsruhe <lex id="ereig-0214">eingemeindet</lex> wurde, geschah dies mit ausdrücklicher Zustimmung von Bürgermeister und Gemeinderat des Dorfes. Der Ort erhoffte sich durch die Eingemeindung eine Steigerung seines Wohlstandes und die Verbesserung seiner Infrastruktur, sollte Rintheim doch wie die weiteren bis 1910 eingemeindeten Dörfer <lex id="ort-0127">Grünwinkel</lex> und <lex id="ort-0123">Daxlanden</lex> an die städtische <lex id="ins-1094">Gas-</lex>, <lex id="ereig-0153">Wasser-</lex>, und Stromversorgung angeschlossen werden. Damit konnte man beispielsweise bald auf Petroleumlampen, die die Straßen bisher nur unzureichend beleuchtet hatten, verzichten. Auch die Pumpbrunnen und Abortanlagen verschwanden nach und nach aus den Höfen der Häuser, als das städtische Kanal- und Leitungsnetz in den 1920er-Jahren allmählich den Vorort erreichte.


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==Quellen==
==Quellen==
"Von Hühnern, Hasen und Enten. Zwischen Natur und Innovation lässt es sich in Rintheim gut leben", [https://karlsruhepuls.de/rintheim/ Onlinemagazin Karlsruhepuls 2025]; Sanierung Rintheim 2010 bis 2022, Dokumentation des Stadtplanungsamtes, https://www.karlsruhe.de/securedl/sdl-eyJ0eXAiOiJKV1QiLCJhbGciOiJIUzI1NiJ9.eyJpYXQiOjE3MzExMDA5MTgsImV4cCI6MzMyMTc2MjY0NTYsInVzZXIiOjAsImdyb3VwcyI6WzAsLTFdLCJmaWxlIjoiZmlsZWFkbWluL3VzZXJfdXBsb2FkLzA1X01vYmlsaXRhZXRfU3RhZHRiaWxkLzA1Ml9TdGFkdHBsYW51bmcvMl9TYW5pZXJ1bmcvRG9rdV9SaW50aGVpbV8yMl8wMjcwLnBkZiIsInBhZ2UiOjExNjd9.deqzdGWpXBOrsNVC8Nlx3KuLDY9QQcNBX4EoxaLDd_c/Doku_Rintheim_22_0270.pdf (Zugriff jeweils am 10. Juni 2025).
"Von Hühnern, Hasen und Enten. Zwischen Natur und Innovation lässt es sich in Rintheim gut leben", [https://karlsruhepuls.de/rintheim/ Onlinemagazin Karlsruhepuls 2025];<br/ > Sanierung Rintheim 2010 bis 2022, Dokumentation des Stadtplanungsamtes, https://www.karlsruhe.de/securedl/sdl-eyJ0eXAiOiJKV1QiLCJhbGciOiJIUzI1NiJ9.eyJpYXQiOjE3MzExMDA5MTgsImV4cCI6MzMyMTc2MjY0NTYsInVzZXIiOjAsImdyb3VwcyI6WzAsLTFdLCJmaWxlIjoiZmlsZWFkbWluL3VzZXJfdXBsb2FkLzA1X01vYmlsaXRhZXRfU3RhZHRiaWxkLzA1Ml9TdGFkdHBsYW51bmcvMl9TYW5pZXJ1bmcvRG9rdV9SaW50aGVpbV8yMl8wMjcwLnBkZiIsInBhZ2UiOjExNjd9.deqzdGWpXBOrsNVC8Nlx3KuLDY9QQcNBX4EoxaLDd_c/Doku_Rintheim_22_0270.pdf (Zugriff jeweils am 10. Juni 2025).


==Literatur==
==Literatur==

Aktuelle Version vom 11. Juni 2025, 10:42 Uhr


Rintheim

Alte Ortsmitte Rintheims mit Rathaus und Gasthaus zum Schwanen, um 1920, Foto: Wilhelm Kratt, GLA Karlsruhe 498-1 Nr. 2301.
Alte Ortsmitte Rintheims mit Rathaus und Gasthaus zum Schwanen, um 1920, Foto: Wilhelm Kratt, GLA Karlsruhe 498-1 Nr. 2301.
Gemarkungsplan Rintheims von 1864, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 210.
Gemarkungsplan Rintheims von 1864, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 210.
Luftaufnahme Rintheims von 1923, rechts die Schule, hinten am Ende der Rintheimer Hauptstraße die evangelische Kirche, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIa 254.
Luftaufnahme Rintheims von 1923, rechts die Schule, hinten am Ende der Rintheimer Hauptstraße die evangelische Kirche, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIa 254.
Rintheimer Hauptstraße nach dem Luftangriff im April 1944, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/599a.
Rintheimer Hauptstraße nach dem Luftangriff im April 1944, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 5/599a.
Luftaufnahme des Rintheimer Feldes, um 1960, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 3 IX/4.
Luftaufnahme des Rintheimer Feldes, um 1960, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 3 IX/4. 

Als Rintheim am 1. Januar 1907 gemeinsam mit Beiertheim und Rüppurr nach Karlsruhe eingemeindet wurde, geschah dies mit ausdrücklicher Zustimmung von Bürgermeister und Gemeinderat des Dorfes. Der Ort erhoffte sich durch die Eingemeindung eine Steigerung seines Wohlstandes und die Verbesserung seiner Infrastruktur, sollte Rintheim doch wie die weiteren bis 1910 eingemeindeten Dörfer Grünwinkel und Daxlanden an die städtische Gas-, Wasser-, und Stromversorgung angeschlossen werden. Damit konnte man beispielsweise bald auf Petroleumlampen, die die Straßen bisher nur unzureichend beleuchtet hatten, verzichten. Auch die Pumpbrunnen und Abortanlagen verschwanden nach und nach aus den Höfen der Häuser, als das städtische Kanal- und Leitungsnetz in den 1920er-Jahren allmählich den Vorort erreichte.

800 Jahre Selbstständigkeit hatte der kleine Ort nicht leicht überstanden. Kriege und wirtschaftliche Not hatten seine Existenz immer wieder bedroht. Zur Zeit seiner ersten Erwähnung als Besitz des Klosters Gottesaue in einer Urkunde von Kaiser Heinrich V. vom Jahr 1110 bestand Rintheim wohl lediglich aus einigen Bauernhäusern. Die dort aufgeführte Namensform "Rintdan" ist als Niederung oder Schlupfwinkel an einer Bachrinne gedeutet worden. Wie andere Hardtdörfer war Rintheim an der sogenannten Markgenossenschaft beteiligt. Das bedeutet, dass diese Orte den Hardtwald zur Brenn- und Bauholzgewinnung und zur Viehweide gemeinsam nutzen durften, dafür aber dem Kloster Gottesaue tribut- und fronpflichtig waren. Das dreifache Kreuz im Ortswappen ist vielleicht damals als Dorfzeichen entstanden und hat als Markierung auf den Grenzsteinen der Gemarkung gedient. 1556 wurde in der Markgrafschaft Baden-Durlach die Reformation eingeführt und das Kloster aufgehoben. Seine Rechte gingen an die badische Landesherrschaft über. Die beteiligten Dörfer mussten nun für das Nutzungsrecht am Hardtwald an den Markgrafen Steuern und Abgaben entrichten. Im Zusammenhang mit diesem Abhängigkeitsverhältnis wird Rintheim auch in späteren Urkunden immer wieder einmal erwähnt. Ansonsten erfahren wir kaum etwas vom Schicksal dieses wohl eher unbedeutenden Dorfes im Mittelalter.

Rintheims Feldmark muss ursprünglich sehr klein gewesen sein und kaum das Existenzminimum der Bauern gesichert haben. 1605 kaufte die Gemeinde daher 160 Morgen Äcker und Wiesen aus ehemals Gottesauer Besitz. Zu dieser Zeit hatte das Dorf weder eine Kirche noch ein Rathaus oder eine Schule. Die Rintheimer mussten deswegen auch später noch jahrhundertelang nach Hagsfeld gehen und bis 1809 sogar ihre Toten auf dem dortigen Friedhof begraben.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Rintheim von Einquartierungen der Soldaten und damit verbundenen Plünderungen heimgesucht. Die Zahl der Einwohner schrumpfte auf 14 Familien zusammen. Auch nach dem Ende dieses Krieges kamen mit dem Wiederaufbau zerstörter Gebäude weitere Belastungen auf das Dorf zu. Außerdem mussten die Rintheimer 1665 in Fronarbeit den südlich ihrer Gemeinde gelegenen herrschaftlichen Entenkoy wieder herrichten. Der Entenkoy war mit einem Teich schon im 16. Jahrhundert auf Befehl des Markgrafen Karl II. zum Fang von Wildenten angelegt worden, die die markgräfliche Speisekarte bereichern sollten. Das wollten sich offensichtlich auch seine Nachfolger nicht entgehen lassen. Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Rintheim einen herrschaftlichen Entenjäger. Heute erinnert noch der Koyweg daran.

Am Ende des 17. Jahrhunderts fegte wieder ein Krieg über das Dorf hinweg und machte alle Wiederaufbauarbeiten zunichte. 1689 brannten die Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg Rintheim fast vollständig nieder. Das Inferno überlebten 18 Bürger mit ihren Familien. Die Gemeinde konnte sich in den folgenden Jahrzehnten aber erstaunlicherweise wieder konsolidieren. So entstand 1749 ein schmuckes Rathausgebäude, im Untergeschoss aus Stein, und im Obergeschoss aus Fachwerk mit einem achteckigen Dachreiter. Hier hielt der Durlacher Obervogt 1760 erstmals das sogenannte Ruggericht ab; bis dahin waren die Rintheimer auch dazu immer nach Hagsfeld gekommen. Das Ruggericht gab den Dorfbewohnern die Gelegenheit, Streitigkeiten zu schlichten und Missstände zu beseitigen. So wurde damals unter anderem die Pflasterung der Dorfstraße beschlossen.

1770 bekamen die Rintheimer Kinder endlich ihre eigene Schule. 1806 versuchten die Wirte der drei Gasthäuser, die es mittlerweile in Rintheim gab, die Konzession für eine vierte Wirtschaft zu verhindern. Wenig später wurden in Rintheim 62 Häuser und 413 Einwohner gezählt. Die Vergrößerung des Ortes machte einen abermaligen Ankauf von Ackergelände aus ehemals Gottesauer Besitz notwendig. Diesmal waren es 67 Morgen. Doch bald sollte die Industrialisierung dafür sorgen, dass die Landwirtschaft nicht der einzige Broterwerb für Rintheims Einwohner blieb. Wie auch die Bewohner der anderen Hardtorte gingen die Rintheimer in die entstehenden Karlsruher Fabriken zur Arbeit, behielten ihre Landwirtschaft aber im Nebenerwerb bei. Der Wohlstand stieg dadurch an. Doch auch von Geländeverkäufen an die sich ausbreitende benachbarte Residenzstadt profitierte das Dorf. So wurde seit 1874 der Karlsruher Hauptfriedhof auf ehemals Rintheimer Gemarkung angelegt. Um 1890 entstand daneben das neue Industriegebiet Ost mit Firmen, die sicherlich auch manchem Rintheimer Verdienstmöglichkeiten gaben. So baute Friedrich Hoepfner hier neben seinem Eiskeller, den es dort bereits seit 1872 gab, die noch heute imposante Brauerei mit ihrer an eine Burg erinnernde Architektur an der Karl-Wilhelm-Straße, und die Nähmaschinenfabrik Haid & Neu errichtete beiderseits dieser Straße ein neues weitläufiges Werk und gab diesem Abschnitt der Straße damit einen neuen Namen.

Der wachsende Wohlstand führte auch zu einer baulichen Erweiterung des Dorfes. Bereits am 5. November 1871 weihten die Rintheimer die neue evangelische Kirche Zum guten Hirten ein. Jetzt zählte der Ort 962 Einwohner. Nur 40 davon waren katholisch. 1907, im Jahr der Eingemeindung, war die Bevölkerung von Rintheim auf über 2.000 Bewohner angestiegen. Parallel zur alten Hauptstraße waren an der Ernststraße auch zahlreiche neue Wohngebäude entstanden. Den Rintheimern war es daher sehr willkommen, dass sie 1929 auch an das städtische Straßenbahnnetz angeschlossen wurden – eine alte Forderung aus dem Eingemeindungsvertrag. Der SPD-Stadtverordnete Gustav Heller, der ein Jahr später von den Nationalsozialisten bei einer Schlägerei im Rintheimer Gasthaus zum Schwanen schwer verletzt wurde, übergab damals die neue Linie der Bevölkerung. Die Bebauung der Oststadt südlich der Rintheimer Straße war bis dahin schon entstanden. Das Rintheimer Feld nördlich davon sollte erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit zahlreichen Hoch- und Mehrfamilienhäusern bebaut werden, die das ehemalige Dorf nun endgültig mit der Kernstadt verbinden.

Der Zweite Weltkrieg war allerdings für Rintheim ein verheerender Einschnitt, der der Katastrophe von 1689 in nichts nachstand. In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 wurden bei einem Luftangriff der Royal Air Force 70 Prozent der Gebäude zerstört. Dabei galt dieser Angriff gar nicht dem unter militärischen Gesichtspunkten unbedeutenden Dorf. Ursprünglich sollten nämlich das Rheinhafengebiet und die Bahnanlagen bombardiert werden. Durch kräftigen Wind waren aber die Luftangriffszeichen, die sogenannten Christbäume, auf die Höhe von Rintheim und Hagsfeld abgetrieben worden und führten zu dem für die beiden Orte verhängnisvollen Irrtum. Die Bombardierung nahm Rintheim seine dörfliche Identität, wurden doch dadurch auch das Rathaus und das älteste Wirtshaus, der “Schwanen”, in der Ortsmitte zerstört. Dieser Verlust konnte durch den Wiederaufbau in der Nachkriegszeit nicht wieder wettgemacht werden, der dem Stadtteil eher den Charakter einer anonymen Vorstadt verlieh.

Dass sich die Einwohnerschaft trotzdem mit ihrem Wohnort identifiziert, ist dem regen Vereinsleben und der Integrationskraft der Kirchengemeinden zu verdanken. Neben einem Turnverein und einem gemischten Chor, die ihre Tradition beide auf Vereinsgründungen im 19. Jahrhundert zurückführen können, bestehen in Rintheim noch ein weiterer Sportverein, der Carnevalsclub Die Sandhasen, ein Kleintierzuchtverein und der Mitmachgarten Ostring e. V. sowie mehrere Kleingartenvereine. Diese haben sich in der Arbeitsgemeinschaft Dreschhalle zusammengeschlossen, wo sie auch Feste und Veranstaltungen durchführen. Für die Belange des Stadtteils tritt seit 1949 kontinuierlich der Bürgerverein ein. Eine alte Forderung aus dem Eingemeindungsvertrag ist – wenn auch spät - erfüllt worden. 1981 konnten die Rintheimer fünf Tage lang die Einweihung ihrer Sporthalle feiern.

Dörfliche Idylle ist in Rintheim am ehesten noch in der ehemaligen Gartenstadt Kirchenpfad zu spüren, die seit 1935 nördlich des 1809 angelegten Friedhofs am Drosselsang- und am Finkenschlagweg errichtet wurde. In der Nähe steht auch die evangelische Kirche, die nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in den 1950-er Jahren wieder aufgebaut worden ist. Für die durch Zuzug ständig wachsende Zahl der Katholiken wurde bereits 1923 am entgegengesetzten Ortsende eine Notkirche errichtet. Sie wurde im Krieg ebenfalls schwer beschädigt und daher 1959 als St. Martinskirche am Beginn der Mannheimer Straße neu erbaut. Nahe daran nehmen die Heinrich-Köhler-Schule und die Tulla-Realschule schon lange die wachsenden Schülerzahlen aus den um den alten Ortskern neu entstandenen Siedlungen auf. Heute hat Rintheim über 6.000 Einwohner. Protestanten und Katholiken halten sich mit jeweils 42 Prozent die Waage. Inzwischen hat die Großstadt Karlsruhe den alten Rintheimer Ortskern baulich und demographisch längst überwuchert und dem Vorort damit ein fast durchweg städtisches Gesicht gegeben, wozu auch der seit drei Jahrzehnten nördlich der Haid-und-Neu-Straße wachsende Technologiepark beigetragen hat. In jüngster Zeit haben Sanierungs- und Baumaßnahmen der Volkswohnung rund um den Staudenplatz im Rintheimer Feld im Rahmen des Bürgerbeteiligungs- und Stadtteilentwicklungsprojekts Die soziale Stadt den Stadtteil ökologisch, baulich und energetisch erheblich aufgewertet.

Peter Pretsch 2025

Quellen

"Von Hühnern, Hasen und Enten. Zwischen Natur und Innovation lässt es sich in Rintheim gut leben", Onlinemagazin Karlsruhepuls 2025;
Sanierung Rintheim 2010 bis 2022, Dokumentation des Stadtplanungsamtes, https://www.karlsruhe.de/securedl/sdl-eyJ0eXAiOiJKV1QiLCJhbGciOiJIUzI1NiJ9.eyJpYXQiOjE3MzExMDA5MTgsImV4cCI6MzMyMTc2MjY0NTYsInVzZXIiOjAsImdyb3VwcyI6WzAsLTFdLCJmaWxlIjoiZmlsZWFkbWluL3VzZXJfdXBsb2FkLzA1X01vYmlsaXRhZXRfU3RhZHRiaWxkLzA1Ml9TdGFkdHBsYW51bmcvMl9TYW5pZXJ1bmcvRG9rdV9SaW50aGVpbV8yMl8wMjcwLnBkZiIsInBhZ2UiOjExNjd9.deqzdGWpXBOrsNVC8Nlx3KuLDY9QQcNBX4EoxaLDd_c/Doku_Rintheim_22_0270.pdf (Zugriff jeweils am 10. Juni 2025).

Literatur

Rintheim - Streifzüge durch die Ortsgeschichte / 900 Jahre Rintheim, hrsg. v. Stadtarchiv Karlsruhe und dem Bürgerverein Rintheim durch Anke Mührenberg, Karlsruhe 2010 (dort weitere Quellen- und Literaturangaben).