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Datenbank der Kulturdenkmale: Hagsfeld, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php?stadtteil=Hagsfeld&vid=180 |
Datenbank der Kulturdenkmale: Hagsfeld, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php?stadtteil=Hagsfeld&vid=180 (Website im April 2026 nicht mehr aufrufbar); KA-News vom 4.10.2020: https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/karlsruhe-von-oben-spektakulaere-ausblicke-ueber-hagsfeld-eine-bilderstrecke-art-2579189 (Zugriff jeweils am 23. März 2026). |
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Peter Pretsch: Karlsruher Stadtteile: Hagsfeld, Ausstellung der Stadtgeschichte im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe 1988; Gerhard Friedrich Linder: Eintausend Jahre Hagsfeld. Die Geschichte eines Dorfes, Karlsruhe 1991 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Bd. 12). |
Peter Pretsch: Karlsruher Stadtteile: Hagsfeld, Ausstellung der Stadtgeschichte im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe 1988; Gerhard Friedrich Linder: Eintausend Jahre Hagsfeld. Die Geschichte eines Dorfes, Karlsruhe 1991 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Bd. 12). |
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Version vom 9. April 2026, 14:52 Uhr
Hagsfeld
Nach der frühesten urkundlichen Überlieferung im Güterbuch des Klosters Weißenburg hieß der Ort "Habechesfeld" und bestand nur aus einer Kirche und sieben Bauernhöfen. Für das Jahr 991 verzeichnet Abt Edelinus von Weißenburg den Raub dieser damals dem Kloster gehörenden Güter durch Herzog Otto von Worms und Kärnten. Hagsfeld wäre nach dieser Ersterwähnung in den Urkunden über 1.000 Jahre alt. Die alte Namensform weist aber in fränkische Zeit zurück, also bereits ins siebte oder achte Jahrhundert nach Christus, als sich wahrscheinlich die Gefolgsleute des "Habech" hier niedergelassen haben. Dass es sich um ein Feld gehandelt hat, über dem der Habicht kreist, wie gelegentlich behauptet wird, ist eher unwahrscheinlich. In der Form "Hagesvelt" erscheint der Ort dann in einer Papsturkunde Urbans IV. von 1261 als Besitztum des um 1100 gegründeten Klosters Gottesaue und gerät damit später in den Herrschaftsbereich der Markgrafen von Baden. Nach der Teilung der Markgrafschaft Baden von 1535 und der wenig später folgenden Reformation wurde Hagsfeld evangelisch, da es nun zu Baden-Durlach gehörte. Die Gegenreformation führte schließlich zum Dreißigjährigen Krieg, unter dem das Dorf stark zu leiden hatte. So rafften Kriegswirren und Hungersnot von 1618 bis 1648 nahezu die Hälfte der Einwohnerschaft hin. Rund 50 Jahre später machte der Pfälzische Erbfolgekrieg einen zaghaften Neubeginn wieder zunichte. Die Franzosen brannten den Ort fast vollständig nieder.
Eine authentische Ortsansicht vor dieser Zerstörung ist nicht überliefert. Dagegen kann man den baulichen Zustand des Dorfes nach dem Wiederaufbau hinreichend rekonstruieren. Besonders aufschlussreich ist dabei ein 1762 entstandener Ortsgrundriss von Geometer Johann Jakob Stober, der die Lage sämtlicher Gebäude und Grundstücke wiedergibt. Mithilfe des dazugehörigen Lagerbuchs lassen sich über die Nummerierung Funktion und Bewohner der Häuser feststellen. So erkennt man auf dieser Karte den noch bestehenden Verlauf der Karlsruher-, Schwetzinger-, Brücken- und Jägerhausstraße, die sich im Zentrum des Ortes kreuzen. Diese Kreuzung hieß früher im Volksmund und seit 2008 offiziell Lindenplatz. Auf Stobers Plan grenzen an diesen Platz das Rathaus, ein Hirtenhaus und die beiden ältesten Wirtshäuser von Hagsfeld Krone und Kanne.
War Hagsfeld damals noch eine reine Landgemeinde, deren Einwohner hauptsächlich von Ackerbau und Viehzucht lebten, so änderten sich diese Verhältnisse im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch die von Karlsruhe ausgehende Industrialisierung mehr und mehr. Die Hagsfelder Bauern gingen nun in die Karlsruher Fabriken zur Arbeit, behielten ihren landwirtschaftlichen Betrieb aber als Nebenerwerb. Industrielle Ansiedlungen im Ort selbst gab es zu dieser Zeit noch keine. Begünstigt wurde die Entwicklung durch den 1891 erfolgten Anschluss an die Karlsruher Lokalbahn, die bis nach Spöck und Durmersheim führte und es den Hagsfelder Bauern erlaubte, schnell und bequem zu ihren Arbeitsstätten in der Residenzstadt zu gelangen. Als sogenannte Arbeiterbauern kamen sie so zu einem bescheidenen Wohlstand.
Dieser Aufschwung schlug sich auch in einer Zunahme der Bevölkerung und in einer Ortserweiterung nach Süden nieder. So hat sich die Einwohnerschaft seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von 841 Personen auf 2.000 bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts mehr als verdoppelt. In dieser Zeitspanne wurden in Hagsfeld ein neues Rathaus am Lindenplatz und nacheinander drei Schulhäuser im Ruschgraben errichtet. Die neue Wohnbebauung erstreckte sich nun bis zum 1894 erbauten Hagsfelder Bahnhof, nachdem die Bahnlinie Karlsruhe-Schwetzingen-Mannheim durch die Gemarkung des Ortes verlegt worden war.
Die positive Entwicklung in Hagsfeld, die sich nicht ohne weiteres mit der Theorie des Marxismus über die Verelendung des Proletariats im Kapitalismus in Einklang bringen ließ, veranlasste 1895 Moritz Hecht, später Leiter des Badischen statistischen Landesamts, den Ort in seine Doktorarbeit über die wirtschaftlichen Verhältnisse in "Drei Dörfer der badischen Hardt" neben Friedrichstal und Blankenloch aufzunehmen. So kam es, dass das wenig bedeutende Dorf für einen Augenblick ins Visier der Weltpolitik geriet, denn kein Geringerer als Wladimir Iljitsch Lenin versuchte Hechts Arbeit in seiner Schrift "Die Agrarfrage und die Marxkritiker" zu widerlegen.
Noch vor dem Ersten Weltkrieg sollte Hagsfeld an die Infrastruktur der benachbarten Großstadt angeschlossen werden. 1910 gelang dies noch mit dem Anschluss an das Karlsruher Gasnetz, danach gerieten die Maßnahmen ins Stocken und nach diesem Krieg folgte ein wirtschaftlicher Abschwung. Immerhin etablierte sich 1920 mit der Schuhfabrik Raupp das erste industrielle Unternehmen im Ort, das bis 1975 produzierte. Im Karlsruher Generalbebauungsplan von 1926, der auch die Umgebung berücksichtigte, war für Hagsfeld eine großzügige Ortserweiterung mit neuen Platzanlagen und Grünflächen vorgesehen. In diesen nicht verwirklichten Plänen klang schon das spätere Waldstadtprojekt an, das dann nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings von Hagsfeld abgekoppelt wurde. War für das Dorf die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg mit einem bescheidenen Wohlstand verbunden gewesen, der an eine Aufgabe seiner Selbstständigkeit nicht denken ließ, so stellte sich die Situation danach anders dar. Der Gemeinderat versprach sich nun während der Weltwirtschaftskrise eine Verbesserung der ökonomischen Lage in Hagsfeld durch die Eingemeindung nach Karlsruhe. Der von zwei sozialdemokratischen Gemeinderäten 1929 dem Karlsruher Oberbürgermeister Julius Finter vorgetragene Wunsch stieß jedoch dort auf große Zurückhaltung. Man betrachtete die Eingemeindung von Hagsfeld in Karlsruhe wegen der schlechten Wirtschaftslage eher als Belastung denn als Vorteil. So kam die Eingliederung erst neun Jahre später auf Anordnung des Reichsstatthalters Robert Wagner unter dem NS-Regime am 1. April 1938 zustande. Mittlerweile hatte sich das Hagsfelder Gebiet durch die 1930 erfolgte Einverleibung eines Teils der abgesonderten Gemarkung Hardtwald noch wesentlich vergrößert.
Im Zweiten Weltkrieg hatte Hagsfeld im Luftkrieg furchtbare Kriegszerstörungen zu erdulden, die von den alliierten Bomberverbänden nicht einmal beabsichtigt gewesen waren, da sie am 24. April 1944 sich ganz andere Ziele, nämlich die Karlsruher Bahnanlagen und die Innenstadt vorgenommen hatten. Die Luftangriffszeichen, die sogenannten Christbäume, trieben aber von diesem Gebiet durch kräftigen Wind auf die Höhe des militärisch und strategisch ganz unbedeutenden Vororts ab und führten zu diesem für Hagsfeld so verhängnisvollen Irrtum. Die Hälfte der Häuser, das Rathaus und die beiden ältesten Wirtshäuser in der Ortsmitte wurden zerstört, die Laurentiuskirche brannte aus. Diese Kriegszerstörung hat zu dem weitgehenden Verlust einer historischen Dorfstruktur beigetragen, der den Einwohnern eine Identifizierung mit ihrem Wohnort erschwert. Außerdem verlagerten sich die stadtplanerischen Prioritäten in der Nachkriegszeit zunehmend auf die in Hagsfelds unmittelbarer Nähe seit den 1950er-Jahren entstehende Waldstadtsiedlung. Immerhin konnten die alten Schulhäuser im Ruschgraben als Kulturdenkmale von der Stadt renoviert werden. Das Kriegerdenkmal von 1870/71 wurde aber vom Lindenplatz in den Friedhof versetzt. Anstelle der zerstörten Gebäude entstanden relativ nichtssagende Neubauten im schmucklosen Stil der Nachkriegszeit. Heute ist der vielbefahrenen Lindenplatz eine Straßenkreuzung mit einem Kreisverkehr.
Neue Wohngebiete entstanden zwischen Bahnlinie und Karlsruher Straße, angestoßen zunächst durch eine Initiative der Nähmaschinenfabrik Haid & Neu, die ihren Arbeitern neue Wohnmöglichkeiten in der Nähe der Arbeitsstätte bieten wollte. Im Gewann An der Tagweide und im Storrenacker entstanden neue Industriegebiete.
In den 1970er-Jahren wurden rund um die 1952 wieder aufgebaute evangelische Kirche ein neues Wohngebiet, ein Gemeindezentrum, die Sporthalle des Turnvereins sowie das Behindertenwohnheim und die Fertigungsbereiche der Hagsfelder Werkstätten erstellt. Einzelne Projekte wie der Bau des katholischen Gemeindezentrums St. Nikolaus von Flüe neben der ehemaligen Notkirche Bruder Klaus in der Waldeckstraße und die Erbauung der Hagsfelder Brücke über die Bahnlinie wurden ebenfalls in dieser Zeit vorgenommen.
Der zwischen der Waldstadt und Hagsfeld angelegte Traugott-Bender-Sportpark mit dem Fächerbad entstand seit den 1970er-Jahren im Wesentlichen auf ehemals Hagsfelder Gemarkung ebenso wie die neue Siedlung im Gewann Geroldsäcker seit den 1980er-Jahren, die teilweise schon in ökologischer Bauweise am Geroldsäckerweg und an nach mittel- und ostdeutschen Städten benannten Straßen erstellt wurde. Die neue Infrastruktur in den genannten Siedlungen mit dem Waldstadtzentrum kommt auch den Bewohnern von Hagsfeld zugute, die sie über neu angelegte Verbindungswege wie die Beuthener Straße leicht nutzen können. Ärgerlich bleibt derzeit noch der Durchgangsverkehr im Ort, ausgelöst durch den neuen Autobahnanschluss Karlsruhe-Nord, der aber künftig durch die Umfahrung Hagsfeld abgeleitet werden soll. Für Hagsfeld betreffende städtebauliche Maßnahmen setzt sich schon lange die Bürgerkommission ein, die zudem die alljährliche Kerwe im Ort organisiert. Schon seit über 100 Jahren prägen außerdem eine Freiwillige Feuerwehr, zwei Gesangvereine sowie der ASV Hagsfeld und die Vereinigte Turnerschaft mit ihren weitläufigen Sportanlagen das Vereinsleben. Eine besondere Attraktion ist auch das vom Sportfischerverein Hagsfeld veranstaltete Fischerfest bei den Jägerhausseen, das an die ehemalige Fischzucht des Försters im heute nicht mehr bestehenden Jägerhaus anknüpft. Der Stadtteil Hagsfeld zählt heute durch den Zuzug in die neuen Siedlungen auch durch Flüchtlinge, Heimatvertriebene und Spätaussiedler knapp 7.300 Einwohner.
Quellen
Datenbank der Kulturdenkmale: Hagsfeld, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php?stadtteil=Hagsfeld&vid=180 (Website im April 2026 nicht mehr aufrufbar); KA-News vom 4.10.2020: https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/karlsruhe-von-oben-spektakulaere-ausblicke-ueber-hagsfeld-eine-bilderstrecke-art-2579189 (Zugriff jeweils am 23. März 2026).
Literatur
Peter Pretsch: Karlsruher Stadtteile: Hagsfeld, Ausstellung der Stadtgeschichte im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe 1988; Gerhard Friedrich Linder: Eintausend Jahre Hagsfeld. Die Geschichte eines Dorfes, Karlsruhe 1991 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, Bd. 12).