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De:Lexikon:ort-0140: Unterschied zwischen den Versionen

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Entlang der Rüppurrer Straße ließen sich zunächst Gewerbebetriebe nieder, die beim Aufbau des neuen Stadtteils aber auch für den Bahnbetrieb eine Rolle spielen sollten, so mehrere Ziegeleien und Kohlenhandlungen. An der dem alten Bahnhof nächst gelegenen heutigen <lex id="top-0287">Baumeisterstraße</lex> (damals Bahnhofstraße), entstanden die ältesten Häuser der Südstadt, darunter eines ebenfalls mit einer Kohlenhandlung, die der Transportunternehmer <lex id="bio-1216">Eugen von Steffelin</lex> 1877 übernehmen und hier zu seinem repräsentativen Firmensitz ausbauen sollte. In der Rüppurrer Straße 16 eröffnete der Steinhauermeister Tobias Mürnseer um 1860 einen einschlägigen Gewerbebetrieb. In dessen Hinterhof erbaute sein Enkel Josef 1893 ein Ateliergebäude für Fotografie, das 1920 von <lex id="bio-2164">Hermann Schmeiser</lex> übernommen wurde. Nahe dem alten Güterbahnhof wurde 1865 in der <lex id="top-2940">Wielandtstraße</lex> ein Zementwerk der später reichsweit tätigen Baufirma <lex id="ins-0003">Dyckerhoff & Widmann</lex> gegründet, auf deren ehemaligen Firmengelände sich seit 1912 die Zuckerwarenfabrik <lex id="ins-0139">Ebersberger & Rees</lex> niederließ, die bis in die Nachkriegszweit produzierte. In dessen Nachbarschaft hatte der Architekt <lex id="bio-0199">Karl Philipp Dyckerhoff</lex> 1892 das <lex id="ins-1126">Hauptzollamt</lex> errichtet, das erst vor wenigen Jahren in einen Neubau in der <lex id="top-2184">Philipp-Reis-Straße</lex> neben dem Telekom-Areal umgezogen ist.
Entlang der Rüppurrer Straße ließen sich zunächst Gewerbebetriebe nieder, die beim Aufbau des neuen Stadtteils aber auch für den Bahnbetrieb eine Rolle spielen sollten, so mehrere Ziegeleien und Kohlenhandlungen. An der dem alten Bahnhof nächst gelegenen heutigen <lex id="top-0287">Baumeisterstraße</lex> (damals Bahnhofstraße), entstanden die ältesten Häuser der Südstadt, darunter eines ebenfalls mit einer Kohlenhandlung, die der Transportunternehmer <lex id="bio-1216">Eugen von Steffelin</lex> 1877 übernehmen und hier zu seinem repräsentativen Firmensitz ausbauen sollte. In der Rüppurrer Straße 16 eröffnete der Steinhauermeister Tobias Mürnseer um 1860 einen einschlägigen Gewerbebetrieb. In dessen Hinterhof erbaute sein Enkel Josef 1893 ein Ateliergebäude für Fotografie, das 1920 von <lex id="bio-2164">Hermann Schmeiser</lex> übernommen wurde. Nahe dem alten Güterbahnhof wurde 1865 in der <lex id="top-2940">Wielandtstraße</lex> ein Zementwerk der später reichsweit tätigen Baufirma <lex id="ins-0003">Dyckerhoff & Widmann</lex> gegründet, auf deren ehemaligen Firmengelände sich seit 1912 die Zuckerwarenfabrik <lex id="ins-0139">Ebersberger & Rees</lex> niederließ, die bis in die Nachkriegszweit produzierte. In dessen Nachbarschaft hatte der Architekt <lex id="bio-0199">Karl Philipp Dyckerhoff</lex> 1892 das <lex id="ins-1126">Hauptzollamt</lex> errichtet, das erst vor wenigen Jahren in einen Neubau in der <lex id="top-2184">Philipp-Reis-Straße</lex> neben dem Telekom-Areal umgezogen ist.


Viele der noch heute als Kulturdenkmäler geschützten Mietshausbauten der Südstadt entstanden in der Zeit des <lex id="ABCD">XYZ</lex>Kaiserreichs und prägen das Bild des Stadtteils im Stilgemisch des Historismus bis heute. Die Erschließungsstraßen sind schmal und später überwiegend als Einbahnstraßen ausgewiesen worden. Die <lex id="ABCD">XYZ</lex>Werderstraße wurde allerdings zwischen <lex id="ABCD">XYZ</lex>Wilhelm- und <lex id="ABCD">XYZ</lex>Marienstraße verbreitert, so dass sich hier die zentrale Anlage des <lex id="ABCD">XYZ</lex>Werderplatzes für die Südstadt ergab, die auch als <lex id="ABCD">XYZ</lex>Markt genutzt werden sollte. Zudem wurden in den Erdgeschosszonen der Häuser Ladenlokale eingerichtet. An der Ecke zur Marienstraße wurde 1889/90 die erste Kirche für den Stadtteil errichtet, die evangelische <lex id="ABCD">XYZ</lex>Johanniskirche, die, ursprünglich mit einer Doppelturmfassade geplant, bis heute unvollendet blieb. Ihr gegenüber hatte bereits 1879/80 Ludwig Maisack eine Brauerei erbaut, die 1886 von <lex id="ABCD">XYZ</lex>Max Wolf übernommen und 1897 aufgestockt worden war. Dazwischen entstand 1927 der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Indianerbrunnen, der einerseits eine auf dem Platz notwendig gewordene Bedürfnisanstalt kaschieren sollte und andererseits den Südstadtbewohnern ein Denkmal setzte, die spätestens seit 1907 als Südstadtindianer bezeichnet worden waren, als sich eine Gruppe im Fastnachtsumzug entsprechend kostümierte. Erste <lex id="ABCD">XYZ</lex>Indianervereine in der Südstadt bestanden dann schon in der Zwischenkriegszeit.
Viele der noch heute als Kulturdenkmäler geschützten Mietshausbauten der Südstadt entstanden in der Zeit des <lex id="ereig-0038">Kaiserreichs</lex> und prägen das Bild des Stadtteils im Stilgemisch des Historismus bis heute. Die Erschließungsstraßen sind schmal und später überwiegend als Einbahnstraßen ausgewiesen worden. Die <lex id="top-2923">Werderstraße</lex> wurde allerdings zwischen <lex id="top-2973">Wilhelm-</lex> und <lex id="top-1853">Marienstraße</lex> verbreitert, so dass sich hier die zentrale Anlage des <lex id="top-3134">Werderplatzes</lex> für die Südstadt ergab, die auch als <lex id="ereig-0292">Markt</lex> genutzt werden sollte. Zudem wurden in den Erdgeschosszonen der Häuser Ladenlokale eingerichtet. An der Ecke zur Marienstraße wurde 1889/90 die erste Kirche für den Stadtteil errichtet, die evangelische <lex id="ins-1259">Johanniskirche</lex>, die, ursprünglich mit einer Doppelturmfassade geplant, bis heute unvollendet blieb. Ihr gegenüber hatte bereits 1879/80 Ludwig Maisack eine Brauerei erbaut, die 1886 von <lex id="bio-1311">Max Wolf</lex> übernommen und 1897 aufgestockt worden war. Dazwischen entstand 1927 der <lex id="ort-0056">Indianerbrunnen</lex>, der einerseits eine auf dem Platz notwendig gewordene Bedürfnisanstalt kaschieren sollte und andererseits den Südstadtbewohnern ein Denkmal setzte, die spätestens seit 1907 als Südstadtindianer bezeichnet worden waren, als sich eine Gruppe im Fastnachtsumzug entsprechend kostümierte. Erste <lex id="ereig-0306">Indianervereine</lex> in der Südstadt bestanden dann schon in der Zwischenkriegszeit. Für den katholischen Bevölkerungsanteil der Südstadt wurde 1890/91 die <lex id="ins-1301">Liebfrauenkirche</lex> an der Marienstraße zwischen Augartenstraße und <lex id="top-2992">Winterstraße</lex> errichtet. Ebenfalls schon im 19. und an der Wende zum 20. Jahrhundert entstanden mit der <lex id="ins-1468">Uhlandschule</lex> in der <lex id="top-2507">Schützenstraße</lex> und der <lex id="ins-1459">Nebeniusschule</lex> in der <lex id="top-1983">Nebeniusstraße</lex> zwei Schulgebäude für die wachsende Bevölkerung.
Für den katholischen Bevölkerungsanteil der Südstadt wurde 1890/91 die <lex id="ABCD">XYZ</lex>Liebfrauenkirche an der Marienstraße zwischen Augartenstraße und <lex id="ABCD">XYZ</lex>Winterstraße errichtet. Ebenfalls schon im 19. und an der Wende zum 20. Jahrhundert entstanden mit der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Uhlandschule in der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Schützenstraße und der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Nebeniusschule in der Nebeniusstraße zwei Schulgebäude für die wachsende Bevölkerung.


Mittlerweile hatte sich der alte Karlsruher Hauptbahnhof mit seinen häufig geschlossenen Bahnübergängen am Rüppurrer und am Ettlinger Tor als innerstädtisches Verkehrshindernis und als Hemmschuh für die Stadtentwicklung erwiesen. Als Interessenvertretung für die Südstadt wurde mit der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Bürgergesellschaft schon 1888 der erste Bürgerverein in Karlsruhe gegründet, der vehement eine Lösung dafür einforderte. Um die Jahrhundertwende wurde damit begonnen, die Gleisanlagen und den Rangierbahnhof in den Süden der Stadt zu verlegen. Der neue <lex id="ABCD">XYZ</lex>Hauptbahnhof konnte nach dort notwendigen umfangreichen Erdarbeiten aber erst 1913 eröffnet werden. Der Ausbau der Südstadt endete nun mit der nach Westen abknickenden Rüppurrer Straße und der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Stuttgarter Straße vor den neuen Bahnanlagen. An der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Sybelstraße errichtete der Architekt und Leiter der städtischen <lex id="ABCD">XYZ</lex>Hochbauamts <lex id="ABCD">XYZ</lex>Friedrich Beichel 1913 das neue städtische <lex id="ABCD">XYZ</lex>Kinder- und Säuglingsheim. In diesem Teil der Südstadt hat aber vor allem der 1897 gegründete <lex id="ABCD">XYZ</lex>Mieter- und Bauverein den Wohnungsbau vorangetrieben und baute hier bis in die 1930er-Jahre hinein zahlreiche Mietshäuser. Deren Architekt <lex id="ABCD">XYZ</lex>Emil Brannath plante noch in der Zeit nach der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Machtübertragung auf die <lex id="ABCD">XYZ</lex>Nationalsozialisten den sogenannten <lex id="ABCD">XYZ</lex>Meidingerblock am alten Bahnhof im Norden des Stadtteils zwischen Baumeister- und <lex id="ABCD">XYZ</lex>Kriegsstraße, dessen Torgitter an den Zugängen zum Innenhof in der Gestaltung noch heute die Symbolik der <lex id="ABCD">XYZ</lex>NS- Ideologie widerspiegeln, auch wenn die Hakenkreuze nach dem <lex id="ABCD">XYZ</lex>Zweiten Weltkrieg durch Blumenornamente ersetzt wurden. Wenig später entstand der Neubau der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Oberpostdirektion (heute Verwaltungsgebäude der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Volkswohnung) nach dem Entwurf von Hermann Billing als Teil des monumental geplanten <lex id="ABCD">XYZ</lex>Ettlinger-Tor-Platzes. An das teilweise noch bestehende Bahnhofsgebäude wurde 1934 eine <lex id="ABCD">XYZ</lex>Markthalle angebaut, die erst im Zuge der Errichtung des <lex id="ABCD">XYZ</lex>Badischen Staatstheaters auf diesem Platz 1970 abgerissen wurde.
Mittlerweile hatte sich der alte Karlsruher Hauptbahnhof mit seinen häufig geschlossenen Bahnübergängen am Rüppurrer und am Ettlinger Tor als innerstädtisches Verkehrshindernis und als Hemmschuh für die Stadtentwicklung erwiesen. Als Interessenvertretung für die Südstadt wurde mit der <lex id="ins-1583">Bürgergesellschaft</lex> schon 1888 der erste Bürgerverein in Karlsruhe gegründet, der vehement eine Lösung dafür einforderte. Um die Jahrhundertwende wurde damit begonnen, die Gleisanlagen und den Rangierbahnhof in den Süden der Stadt zu verlegen. Der neue <lex id="ins-1335">Hauptbahnhof</lex> konnte nach dort notwendigen umfangreichen Erdarbeiten aber erst 1913 eröffnet werden. Der Ausbau der Südstadt endete nun mit der nach Westen abknickenden Rüppurrer Straße und der <lex id="top-2685">Stuttgarter Straße</lex> vor den neuen Bahnanlagen. An der <lex id="top-2699">Sybelstraße</lex> errichtete der Architekt und Leiter der städtischen <lex id="ins-1017">Hochbauamts</lex> <lex id="bio-0194">Friedrich Beichel</lex> 1913 das neue städtische <lex id="ins-1402">Kinder- und Säuglingsheim</lex>. In diesem Teil der Südstadt hat aber vor allem der 1897 gegründete <lex id="ins-1322">Mieter- und Bauverein</lex> den Wohnungsbau vorangetrieben und baute hier bis in die 1930er-Jahre hinein zahlreiche Mietshäuser. Deren Architekt <lex id="bio-2053">Emil Brannath</lex> plante noch in der Zeit nach der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> auf die <lex id="ereig-0016">Nationalsozialisten</lex> den sogenannten Meidingerblock am alten Bahnhof im Norden des Stadtteils zwischen Baumeister- und <lex id="top-1624">Kriegsstraße</lex>, dessen Torgitter an den Zugängen zum Innenhof in der Gestaltung noch heute die Symbolik der NS-Ideologie widerspiegeln, auch wenn die Hakenkreuze nach dem <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkrieg</lex> durch Blumenornamente ersetzt wurden. Wenig später entstand der Neubau der <lex id="ins-1111">Oberpostdirektion</lex> (heute Verwaltungsgebäude der <lex id="ins-1125">Volkswohnung</lex>) nach dem Entwurf von Hermann Billing als Teil des monumental geplanten <lex id="top-3110">Ettlinger-Tor-Platzes</lex>. An das teilweise noch bestehende Bahnhofsgebäude wurde 1934 eine <lex id="ort-0082">Markthalle</lex> angebaut, die erst im Zuge der Errichtung des <lex id="ins-0845">Badischen Staatstheaters</lex> auf diesem Platz 1970 abgerissen wurde.


Die <lex id="ABCD">XYZ</lex>Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg sollten sich dann auch auf die Südstadt verheerend auswirken. Über die Hälfte der Wohnhäuser wurden zerstört, so dass nach dem <lex id="ABCD">XYZ</lex>Wiederaufbau in den Straßen nicht mehr das einheitliche Bild der Bebauung der Kaiserzeit vorherrscht, sondern immer wieder durch die schlichten Neubauten der Nachkriegszeit unterbrochen wird. In der Ettlinger Straße veränderte die Nachkriegsarchitektur das Straßenbild am nachhaltigsten auch durch repräsentative Einzelbauten wie etwa das 1964 eröffnete <lex id="ABCD">XYZ</lex>Parkhotel (heute Leonardo-Hotel) oder das sogenannte <lex id="ABCD">XYZ</lex>Mona-Hochhaus der gleichnamigen Strumpf- und Kleiderfabrik in der Augartenstraße 1. In der Werderstraße entstanden seit 1947 die <lex id="ABCD">XYZ</lex>Tonfunk-Werke, die hier bis 1967 Radio- und Fernsehgeräte produzierten und deren Firmengebäude seit 1969 dem <lex id="ABCD">XYZ</lex>Verkehrsmuseum als Domizil dient. In der Rüppurrer Straße wurde anstelle kriegszerstörter Vorgängerbauten am <lex id="ABCD">XYZ</lex>Mendelssohnplatz zunächst das Hotel am Theater gebaut, das 1980 durch einen Neubau (heute Achat Plaza) ersetzt wurde. Ein Rest des Landesgestüts von <lex id="ABCD">XYZ</lex>Heinrich Hübsch wurde nach der Jahrtausendwende abgerissen und durch das monumentale <lex id="ABCD">XYZ</lex>Scheck-In-Center ersetzt. Dort entstand daneben der nicht minder monumentale Neubau der <lex id="ABCD">XYZ</lex>PSD-Bank mit seinem Rundturm, der heute den Eingang zum <lex id="ABCD">XYZ</lex>Citypark markiert. Weiter südlich wurde das kriegszerstörte ehemalige <lex id="ABCD">XYZ</lex>Lehrerseminar II zunächst durch den bis 1954 errichteten Neubau des <lex id="ABCD">XYZ</lex>Arbeitsamtes ersetzt, das 40 Jahre später in einen Neubau an der Brauerstraße zog und damit nach dem Abriss des alten Gebäudes Platz für das weiträumige <lex id="ABCD">XYZ</lex>Alten- und Pflegezentrum St. Anna schuf.
Die <lex id="ereig-0037">Bombardierungen</lex> im Zweiten Weltkrieg sollten sich dann auch auf die Südstadt verheerend auswirken. Über die Hälfte der Wohnhäuser wurden zerstört, so dass nach dem <lex id="ereig-0283">Wiederaufbau</lex> in den Straßen nicht mehr das einheitliche Bild der Bebauung der Kaiserzeit vorherrscht, sondern immer wieder durch die schlichten Neubauten der Nachkriegszeit unterbrochen wird. In der Ettlinger Straße veränderte die Nachkriegsarchitektur das Straßenbild am nachhaltigsten auch durch repräsentative Einzelbauten wie etwa das 1964 eröffnete Parkhotel (heute Leonardo-Hotel) oder das sogenannte <lex id="ins-1458">Mona</lex>-Hochhaus der gleichnamigen Strumpf- und Kleiderfabrik in der Augartenstraße 1. In der Werderstraße entstanden seit 1947 die <lex id="ins-0120">Tonfunk-Werke</lex>, die hier bis 1967 Radio- und Fernsehgeräte produzierten und deren Firmengebäude seit 1969 dem <lex id="ins-0840">Verkehrsmuseum</lex> als Domizil dient. In der Rüppurrer Straße wurde anstelle kriegszerstörter Vorgängerbauten am <lex id="top-1909">Mendelssohnplatz</lex> zunächst das Hotel am Theater gebaut, das 1980 durch einen Neubau (heute Achat Plaza) ersetzt wurde. Ein Rest des Landesgestüts von <lex id="bio-0211">Heinrich Hübsch</lex> wurde nach der Jahrtausendwende abgerissen und durch das monumentale Scheck-In-Center ersetzt. Dort entstand daneben der nicht minder monumentale Neubau der PSD-Bank mit seinem Rundturm, der heute den Eingang zum Citypark markiert. Weiter südlich wurde das kriegszerstörte ehemalige <lex id="ins-1557">Lehrerseminar II</lex> zunächst durch den bis 1954 errichteten Neubau des <lex id="ins-1216">Arbeitsamtes</lex> ersetzt, das 40 Jahre später in einen Neubau an der Brauerstraße zog und damit nach dem Abriss des alten Gebäudes Platz für das weiträumige Alten- und Pflegezentrum St. Anna schuf.


Ganz im Süden der Rüppurrer Straße entstand in der Wendeschleife der hier seit 1920 in Betrieb genommenen <lex id="ABCD">XYZ</lex>Straßenbahn der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Tivoliplatz, der nach einer dort schon Ende des 19. Jahrhunderts aber heute nicht mehr vorhandenen Gaststätte benannt ist, die zudem ein Treffpunkt vieler Südstadtvereine war. Heute wird dort an die Indianervereine mit der Skulptur der drei Pfeile von Bildhauer Norbert Huwer erinnert. In einem modernen Mehrzweckgebäude sind seit 2016 außerdem an diesem Platz neben Studentenwohnungen ein Discounter und zwei Kindergärten für muslimische Kinder und behinderte Vorschulkinder untergebracht. In den 1960er-Jahren wurde die Kriegsstraße zur Stadtautobahn umgebaut, was zu einer erneuten Barriere zwischen <lex id="ABCD">XYZ</lex>Innenstadt und Südstadt führte, die erst in jüngster Zeit mit dem Bau des <lex id="ABCD">XYZ</lex>Karoline-Luise-Tunnels für den Autoverkehr und einer begrünten Stadtbahnlinie und großzügigen Fußgängerwegen und Übergängen größtenteils überwunden wurde.
Ganz im Süden der Rüppurrer Straße entstand in der Wendeschleife der hier seit 1920 in Betrieb genommenen <lex id="ABCD">XYZ</lex>Straßenbahn der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Tivoliplatz, der nach einer dort schon Ende des 19. Jahrhunderts aber heute nicht mehr vorhandenen Gaststätte benannt ist, die zudem ein Treffpunkt vieler Südstadtvereine war. Heute wird dort an die Indianervereine mit der Skulptur der drei Pfeile von Bildhauer Norbert Huwer erinnert. In einem modernen Mehrzweckgebäude sind seit 2016 außerdem an diesem Platz neben Studentenwohnungen ein Discounter und zwei Kindergärten für muslimische Kinder und behinderte Vorschulkinder untergebracht. In den 1960er-Jahren wurde die Kriegsstraße zur Stadtautobahn umgebaut, was zu einer erneuten Barriere zwischen <lex id="ABCD">XYZ</lex>Innenstadt und Südstadt führte, die erst in jüngster Zeit mit dem Bau des <lex id="ABCD">XYZ</lex>Karoline-Luise-Tunnels für den Autoverkehr und einer begrünten Stadtbahnlinie und großzügigen Fußgängerwegen und Übergängen größtenteils überwunden wurde.
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Der Stadtteil hat sich aber nicht nur in seiner Bausubstanz stetig verändert, sondern auch in der Bevölkerungsstruktur. In der Nachkriegszeit wurde aus der ehemaligen Eisenbahnervorstadt ein multikultureller Hotspot durch den Zuzug von <lex id="ABCD">XYZ</lex>Gastarbeitern und Gastarbeiterinnen aber auch von Flüchtlingen und Vertriebenen, die das gesellschaftliche Leben mittlerweile prägen. Ausdruck findet diese Entwicklung etwa in jährlich durchgeführten Festivals aber auch im gastronomischen Angebot des Stadtteils. Ein kultureller Fixpunkt ist das Filmtheater <lex id="ABCD">XYZ</lex>Schauburg in der Marienstraße, das 1929 als Großraumkino aus einem ehemaligen Varietétheater hervorgegangen ist. Die zwei bereits um die Jahrhundertwende gegründeten Sportvereine <lex id="ABCD">XYZ</lex>VfB Südstadt und <lex id="ABCD">XYZ</lex>FC Südstern sowie der 1927 gegründete <lex id="ABCD">XYZ</lex>Postsportverein gingen in der Nachkriegszeit in Großsportvereinen auf, die ihre Spielstätten heute südlich des Bahnhofs an der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Ettlinger Allee haben. Dafür wurden seit den 1950er-Jahren Hinterhöfe und Grundstücke zwischen den Häuserfronten an der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Luisen- und der Augartenstraße zu einem Grünzug verbunden, der mit Spiel- und Sportplätzen ausgebaut und in dem 1986 ein Kinder- und Jugendhaus des <lex id="ABCD">XYZ</lex>Stadtjugendausschusses errichtet wurde, das jüngst wegen Baufälligkeit abgerissen wurde aber bald durch einen großzügigen Neubau ersetzt werden soll.
Der Stadtteil hat sich aber nicht nur in seiner Bausubstanz stetig verändert, sondern auch in der Bevölkerungsstruktur. In der Nachkriegszeit wurde aus der ehemaligen Eisenbahnervorstadt ein multikultureller Hotspot durch den Zuzug von <lex id="ABCD">XYZ</lex>Gastarbeitern und Gastarbeiterinnen aber auch von Flüchtlingen und Vertriebenen, die das gesellschaftliche Leben mittlerweile prägen. Ausdruck findet diese Entwicklung etwa in jährlich durchgeführten Festivals aber auch im gastronomischen Angebot des Stadtteils. Ein kultureller Fixpunkt ist das Filmtheater <lex id="ABCD">XYZ</lex>Schauburg in der Marienstraße, das 1929 als Großraumkino aus einem ehemaligen Varietétheater hervorgegangen ist. Die zwei bereits um die Jahrhundertwende gegründeten Sportvereine <lex id="ABCD">XYZ</lex>VfB Südstadt und <lex id="ABCD">XYZ</lex>FC Südstern sowie der 1927 gegründete <lex id="ABCD">XYZ</lex>Postsportverein gingen in der Nachkriegszeit in Großsportvereinen auf, die ihre Spielstätten heute südlich des Bahnhofs an der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Ettlinger Allee haben. Dafür wurden seit den 1950er-Jahren Hinterhöfe und Grundstücke zwischen den Häuserfronten an der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Luisen- und der Augartenstraße zu einem Grünzug verbunden, der mit Spiel- und Sportplätzen ausgebaut und in dem 1986 ein Kinder- und Jugendhaus des <lex id="ABCD">XYZ</lex>Stadtjugendausschusses errichtet wurde, das jüngst wegen Baufälligkeit abgerissen wurde aber bald durch einen großzügigen Neubau ersetzt werden soll.


Die größte Bauveränderung im Stadtteil bewirkte dann kurz vor der Jahrtausendwende die Stilllegung des Bundesbahnausbesserungswerks, das nun Platz für ein neues Stadtquartier mit mehrgeschossigen hochwertigen Wohnhausbauten aber auch einer weitläufigen Grünanlage schuf, deren Bezeichnung als Citypark heute geläufig ist. Dort entstanden dann auch neue Infrastruktureinrichtungen wie Kindergärten und Schulen, aber auch ein neuer Anschluss an den städtischen ÖPNV, der das Wohngebiet neben neuen Straßenzügen in Fortsetzung der Blockrandbebauung erschließt. Mächtige Büro- und Wohnkomplexe bilden den Abschluss des neuen Stadtviertels an der 2007 so benannten <lex id="ABCD">XYZ</lex>Ludwig-Erhard-Allee, der früheren östlichen Kriegsstraße. Die letzte Baumaßnahme im Stadtteil wird die neue Kleingartenanlage an der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Stuttgarter Straße sein, die die dort vorher vorhandenen jahrzehntealten Schrebergärten nach umfangreichen Erdarbeiten, die auch der Bergung von nicht detonierten Fliegerbomben des Zweiten Weltkriegs geschuldet waren, ersetzen werden. Ob der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Eisenbahnersportverein Frankonia dort auch sein neues Vereinsheim und Sportgelände bekommt, wie schon lange geplant, ist allerdings wegen der kritischen Finanzlage der Stadt Karlsruhe fraglich geworden.
Die größte Bauveränderung im Stadtteil bewirkte dann kurz vor der Jahrtausendwende die Stilllegung des Bundesbahnausbesserungswerks, das nun Platz für ein neues Stadtquartier mit mehrgeschossigen hochwertigen Wohnhausbauten aber auch einer weitläufigen Grünanlage schuf, deren Bezeichnung als Citypark heute geläufig ist. Dort entstanden dann auch neue Infrastruktureinrichtungen wie Kindergärten und Schulen, aber auch ein neuer Anschluss an den städtischen ÖPNV, der das Wohngebiet neben neuen Straßenzügen in Fortsetzung der Blockrandbebauung erschließt. Mächtige Büro- und Wohnkomplexe bilden den Abschluss des neuen Stadtviertels an der 2007 so benannten <lex id="ABCD">XYZ</lex>Ludwig-Erhard-Allee, der früheren östlichen Kriegsstraße. Die letzte Baumaßnahme im Stadtteil wird die neue Kleingartenanlage an der Stuttgarter Straße sein, die die dort vorher vorhandenen jahrzehntealten Schrebergärten nach umfangreichen Erdarbeiten, die auch der Bergung von nicht detonierten Fliegerbomben des Zweiten Weltkriegs geschuldet waren, ersetzen werden. Ob der <lex id="ABCD">XYZ</lex>Eisenbahnersportverein Frankonia dort auch sein neues Vereinsheim und Sportgelände bekommt, wie schon lange geplant, ist allerdings wegen der kritischen Finanzlage der Stadt Karlsruhe fraglich geworden.


Heute zählt die Südstadt (alter und neuer Teil) etwas mehr als 20.000 Einwohner, nachdem noch zu Beginn der 1930er-Jahre nur im alten Teil dort einmal rund 30.000 Menschen mit ihren kinderreichen Familien gelebt hatten. 2022 erließ der Karlsruher <lex id="ABCD">XYZ</lex>Gemeinderat eine soziale Erhaltungssatzung für die Alte Südstadt, um einkommensschwache Familien vor Verdrängungsdruck zu schützen. Diese wurde aber mittlerweile wieder aufgehoben, da deren Überwachung zu hohe Kosten verursachen würde.
Heute zählt die Südstadt (alter und neuer Teil) etwas mehr als 20.000 Einwohner, nachdem noch zu Beginn der 1930er-Jahre nur im alten Teil dort einmal rund 30.000 Menschen mit ihren kinderreichen Familien gelebt hatten. 2022 erließ der Karlsruher <lex id="ABCD">XYZ</lex>Gemeinderat eine soziale Erhaltungssatzung für die Alte Südstadt, um einkommensschwache Familien vor Verdrängungsdruck zu schützen. Diese wurde aber mittlerweile wieder aufgehoben, da deren Überwachung zu hohe Kosten verursachen würde.

Version vom 12. Oktober 2026, 11:23 Uhr


Südstadt

Mit dem Anschluss an die Eisenbahnlinie Mannheim-Basel 1843 erhielt die badische Haupt- und Residenzstadt einen Schub für die Industrialisierung und die Stadterweiterung. So entstanden mit der Verlegung der Eisenbahn allein drei Fabriken in Karlsruhe, die den Maschinenbau etablieren sollten: es waren die Keßlersche Maschinenfabrik, die 1842 die erste badische Lokomotive produzieren sollte, die Waggonfabrik Schmieder & Mayer vor dem Ettlinger Tor und die Großherzoglichen Eisenbahnwerkstätten als Staatsunternehmen vor dem Rüppurrer Tor, die beiderseits des von Friedrich Eisenlohr geplanten Bahnhofsgebäudes errichtet wurden. Mit diesen drei Unternehmen erwuchs Karlsruhe auch eine neue Schicht von Industriearbeitern, die nicht nur die Sozialstruktur der Stadt, sondern auch ihr bauliches Gesicht verändern sollte, brauchte man doch Wohnungen für die in dem neuen Wirtschaftszweig erforderlichen Arbeitskräfte. Bereits 1847 gab es daher Planungen für eine "Eisenbahnervorstadt", die allerdings durch die badische Revolution von 1848/49 zunächst ins Stocken gerieten und seit etwa 1857 wirklich umgesetzt wurden.

In rasterförmiger Blockrandbebauung entstanden bis 1890 in dem nun Südstadt genannten Stadtteil mehrstöckige Mietshäuser, die immerhin 15.000 Menschen aufnahmen. Erschlossen wurde der neue Stadtteil von der am Ettlinger Tor beginnenden Ettlinger Straße, an der das Sallenwäldchen lag, aus dem sich seit 1865 der Zoologische Stadtgarten entwickeln sollte, im Westen und der am Rüppurrer Tor beginnenden Rüppurrer Straße im Osten, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts am 1820 eröffneten Gasthaus Grüner Hof, dem 1828 von Heinrich Hübsch erbauten Landesgestüt, am Schützenhaus des ältesten Karlsruher Vereins, der Schützengesellschaft, und am Stahlbad Augarten mit einer in der Biedermeierzeit beliebten Gartenwirtschaft vorbeiführte.

Bebaut wurde die Südstadt dann jedoch nicht nur mit Wohnhäusern anfangs im spätklassizistischen und nach 1871 im Gründerzeitstil, sondern es ließen sich auch zahlreiche Gewerbebetriebe in dem neuen Stadtteil nieder. Zu Beginn war dies bereits 1854 eine Filiale der Pariser Silberwarenfabrik Christofle, die an der Ettlinger Straße am Eingang der Augartenstraße ein weitläufiges Werk mit Direktorenvilla, Produktionsstätten und einem Arbeiterhaus für seine Beschäftigten errichtete. Die hier hergestellten feinen Silberbestecke und Trinkgefäße sowie Tischgarnituren sollten von der Karlsruher Filiale aus vor allem den osteuropäischen Raum für die Pariser Firma als Absatzmarkt erschließen. Dies gelang immerhin über ein halbes Jahrhundert bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg, als die Produktion 1921 in Karlsruhe aufgegeben wurde.

Weitere Industriebetriebe entstanden hier südlich der Augartenstraße erst am Ende des 19. Jahrhunderts etwa mit der Kupferschmiede Franz Schwarze, deren Firmenansicht auf einem Briefkopf auch einen seltenen Blick aus der Vogelperspektive über die damalige Südstadt vom Lauterberg bis zur Rüppurrer Straße bietet, die Furnierfabrik von Sixtus Utz mit einer Firmenvilla, die heute noch existiert (Ettlinger Straße 15) und die Chemische Waschanstalt und Färberei von Eduard Printz mit einer ebenfalls noch bestehenden Firmenvilla (Ettlinger Straße 67).

Entlang der Rüppurrer Straße ließen sich zunächst Gewerbebetriebe nieder, die beim Aufbau des neuen Stadtteils aber auch für den Bahnbetrieb eine Rolle spielen sollten, so mehrere Ziegeleien und Kohlenhandlungen. An der dem alten Bahnhof nächst gelegenen heutigen Baumeisterstraße (damals Bahnhofstraße), entstanden die ältesten Häuser der Südstadt, darunter eines ebenfalls mit einer Kohlenhandlung, die der Transportunternehmer Eugen von Steffelin 1877 übernehmen und hier zu seinem repräsentativen Firmensitz ausbauen sollte. In der Rüppurrer Straße 16 eröffnete der Steinhauermeister Tobias Mürnseer um 1860 einen einschlägigen Gewerbebetrieb. In dessen Hinterhof erbaute sein Enkel Josef 1893 ein Ateliergebäude für Fotografie, das 1920 von Hermann Schmeiser übernommen wurde. Nahe dem alten Güterbahnhof wurde 1865 in der Wielandtstraße ein Zementwerk der später reichsweit tätigen Baufirma Dyckerhoff & Widmann gegründet, auf deren ehemaligen Firmengelände sich seit 1912 die Zuckerwarenfabrik Ebersberger & Rees niederließ, die bis in die Nachkriegszweit produzierte. In dessen Nachbarschaft hatte der Architekt Karl Philipp Dyckerhoff 1892 das Hauptzollamt errichtet, das erst vor wenigen Jahren in einen Neubau in der Philipp-Reis-Straße neben dem Telekom-Areal umgezogen ist.

Viele der noch heute als Kulturdenkmäler geschützten Mietshausbauten der Südstadt entstanden in der Zeit des Kaiserreichs und prägen das Bild des Stadtteils im Stilgemisch des Historismus bis heute. Die Erschließungsstraßen sind schmal und später überwiegend als Einbahnstraßen ausgewiesen worden. Die Werderstraße wurde allerdings zwischen Wilhelm- und Marienstraße verbreitert, so dass sich hier die zentrale Anlage des Werderplatzes für die Südstadt ergab, die auch als Markt genutzt werden sollte. Zudem wurden in den Erdgeschosszonen der Häuser Ladenlokale eingerichtet. An der Ecke zur Marienstraße wurde 1889/90 die erste Kirche für den Stadtteil errichtet, die evangelische Johanniskirche, die, ursprünglich mit einer Doppelturmfassade geplant, bis heute unvollendet blieb. Ihr gegenüber hatte bereits 1879/80 Ludwig Maisack eine Brauerei erbaut, die 1886 von Max Wolf übernommen und 1897 aufgestockt worden war. Dazwischen entstand 1927 der Indianerbrunnen, der einerseits eine auf dem Platz notwendig gewordene Bedürfnisanstalt kaschieren sollte und andererseits den Südstadtbewohnern ein Denkmal setzte, die spätestens seit 1907 als Südstadtindianer bezeichnet worden waren, als sich eine Gruppe im Fastnachtsumzug entsprechend kostümierte. Erste Indianervereine in der Südstadt bestanden dann schon in der Zwischenkriegszeit. Für den katholischen Bevölkerungsanteil der Südstadt wurde 1890/91 die Liebfrauenkirche an der Marienstraße zwischen Augartenstraße und Winterstraße errichtet. Ebenfalls schon im 19. und an der Wende zum 20. Jahrhundert entstanden mit der Uhlandschule in der Schützenstraße und der Nebeniusschule in der Nebeniusstraße zwei Schulgebäude für die wachsende Bevölkerung.

Mittlerweile hatte sich der alte Karlsruher Hauptbahnhof mit seinen häufig geschlossenen Bahnübergängen am Rüppurrer und am Ettlinger Tor als innerstädtisches Verkehrshindernis und als Hemmschuh für die Stadtentwicklung erwiesen. Als Interessenvertretung für die Südstadt wurde mit der Bürgergesellschaft schon 1888 der erste Bürgerverein in Karlsruhe gegründet, der vehement eine Lösung dafür einforderte. Um die Jahrhundertwende wurde damit begonnen, die Gleisanlagen und den Rangierbahnhof in den Süden der Stadt zu verlegen. Der neue Hauptbahnhof konnte nach dort notwendigen umfangreichen Erdarbeiten aber erst 1913 eröffnet werden. Der Ausbau der Südstadt endete nun mit der nach Westen abknickenden Rüppurrer Straße und der Stuttgarter Straße vor den neuen Bahnanlagen. An der Sybelstraße errichtete der Architekt und Leiter der städtischen Hochbauamts Friedrich Beichel 1913 das neue städtische Kinder- und Säuglingsheim. In diesem Teil der Südstadt hat aber vor allem der 1897 gegründete Mieter- und Bauverein den Wohnungsbau vorangetrieben und baute hier bis in die 1930er-Jahre hinein zahlreiche Mietshäuser. Deren Architekt Emil Brannath plante noch in der Zeit nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten den sogenannten Meidingerblock am alten Bahnhof im Norden des Stadtteils zwischen Baumeister- und Kriegsstraße, dessen Torgitter an den Zugängen zum Innenhof in der Gestaltung noch heute die Symbolik der NS-Ideologie widerspiegeln, auch wenn die Hakenkreuze nach dem Zweiten Weltkrieg durch Blumenornamente ersetzt wurden. Wenig später entstand der Neubau der Oberpostdirektion (heute Verwaltungsgebäude der Volkswohnung) nach dem Entwurf von Hermann Billing als Teil des monumental geplanten Ettlinger-Tor-Platzes. An das teilweise noch bestehende Bahnhofsgebäude wurde 1934 eine Markthalle angebaut, die erst im Zuge der Errichtung des Badischen Staatstheaters auf diesem Platz 1970 abgerissen wurde.

Die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg sollten sich dann auch auf die Südstadt verheerend auswirken. Über die Hälfte der Wohnhäuser wurden zerstört, so dass nach dem Wiederaufbau in den Straßen nicht mehr das einheitliche Bild der Bebauung der Kaiserzeit vorherrscht, sondern immer wieder durch die schlichten Neubauten der Nachkriegszeit unterbrochen wird. In der Ettlinger Straße veränderte die Nachkriegsarchitektur das Straßenbild am nachhaltigsten auch durch repräsentative Einzelbauten wie etwa das 1964 eröffnete Parkhotel (heute Leonardo-Hotel) oder das sogenannte Mona-Hochhaus der gleichnamigen Strumpf- und Kleiderfabrik in der Augartenstraße 1. In der Werderstraße entstanden seit 1947 die Tonfunk-Werke, die hier bis 1967 Radio- und Fernsehgeräte produzierten und deren Firmengebäude seit 1969 dem Verkehrsmuseum als Domizil dient. In der Rüppurrer Straße wurde anstelle kriegszerstörter Vorgängerbauten am Mendelssohnplatz zunächst das Hotel am Theater gebaut, das 1980 durch einen Neubau (heute Achat Plaza) ersetzt wurde. Ein Rest des Landesgestüts von Heinrich Hübsch wurde nach der Jahrtausendwende abgerissen und durch das monumentale Scheck-In-Center ersetzt. Dort entstand daneben der nicht minder monumentale Neubau der PSD-Bank mit seinem Rundturm, der heute den Eingang zum Citypark markiert. Weiter südlich wurde das kriegszerstörte ehemalige Lehrerseminar II zunächst durch den bis 1954 errichteten Neubau des Arbeitsamtes ersetzt, das 40 Jahre später in einen Neubau an der Brauerstraße zog und damit nach dem Abriss des alten Gebäudes Platz für das weiträumige Alten- und Pflegezentrum St. Anna schuf.

Ganz im Süden der Rüppurrer Straße entstand in der Wendeschleife der hier seit 1920 in Betrieb genommenen XYZStraßenbahn der XYZTivoliplatz, der nach einer dort schon Ende des 19. Jahrhunderts aber heute nicht mehr vorhandenen Gaststätte benannt ist, die zudem ein Treffpunkt vieler Südstadtvereine war. Heute wird dort an die Indianervereine mit der Skulptur der drei Pfeile von Bildhauer Norbert Huwer erinnert. In einem modernen Mehrzweckgebäude sind seit 2016 außerdem an diesem Platz neben Studentenwohnungen ein Discounter und zwei Kindergärten für muslimische Kinder und behinderte Vorschulkinder untergebracht. In den 1960er-Jahren wurde die Kriegsstraße zur Stadtautobahn umgebaut, was zu einer erneuten Barriere zwischen XYZInnenstadt und Südstadt führte, die erst in jüngster Zeit mit dem Bau des XYZKaroline-Luise-Tunnels für den Autoverkehr und einer begrünten Stadtbahnlinie und großzügigen Fußgängerwegen und Übergängen größtenteils überwunden wurde.

Der Stadtteil hat sich aber nicht nur in seiner Bausubstanz stetig verändert, sondern auch in der Bevölkerungsstruktur. In der Nachkriegszeit wurde aus der ehemaligen Eisenbahnervorstadt ein multikultureller Hotspot durch den Zuzug von XYZGastarbeitern und Gastarbeiterinnen aber auch von Flüchtlingen und Vertriebenen, die das gesellschaftliche Leben mittlerweile prägen. Ausdruck findet diese Entwicklung etwa in jährlich durchgeführten Festivals aber auch im gastronomischen Angebot des Stadtteils. Ein kultureller Fixpunkt ist das Filmtheater XYZSchauburg in der Marienstraße, das 1929 als Großraumkino aus einem ehemaligen Varietétheater hervorgegangen ist. Die zwei bereits um die Jahrhundertwende gegründeten Sportvereine XYZVfB Südstadt und XYZFC Südstern sowie der 1927 gegründete XYZPostsportverein gingen in der Nachkriegszeit in Großsportvereinen auf, die ihre Spielstätten heute südlich des Bahnhofs an der XYZEttlinger Allee haben. Dafür wurden seit den 1950er-Jahren Hinterhöfe und Grundstücke zwischen den Häuserfronten an der XYZLuisen- und der Augartenstraße zu einem Grünzug verbunden, der mit Spiel- und Sportplätzen ausgebaut und in dem 1986 ein Kinder- und Jugendhaus des XYZStadtjugendausschusses errichtet wurde, das jüngst wegen Baufälligkeit abgerissen wurde aber bald durch einen großzügigen Neubau ersetzt werden soll.

Die größte Bauveränderung im Stadtteil bewirkte dann kurz vor der Jahrtausendwende die Stilllegung des Bundesbahnausbesserungswerks, das nun Platz für ein neues Stadtquartier mit mehrgeschossigen hochwertigen Wohnhausbauten aber auch einer weitläufigen Grünanlage schuf, deren Bezeichnung als Citypark heute geläufig ist. Dort entstanden dann auch neue Infrastruktureinrichtungen wie Kindergärten und Schulen, aber auch ein neuer Anschluss an den städtischen ÖPNV, der das Wohngebiet neben neuen Straßenzügen in Fortsetzung der Blockrandbebauung erschließt. Mächtige Büro- und Wohnkomplexe bilden den Abschluss des neuen Stadtviertels an der 2007 so benannten XYZLudwig-Erhard-Allee, der früheren östlichen Kriegsstraße. Die letzte Baumaßnahme im Stadtteil wird die neue Kleingartenanlage an der Stuttgarter Straße sein, die die dort vorher vorhandenen jahrzehntealten Schrebergärten nach umfangreichen Erdarbeiten, die auch der Bergung von nicht detonierten Fliegerbomben des Zweiten Weltkriegs geschuldet waren, ersetzen werden. Ob der XYZEisenbahnersportverein Frankonia dort auch sein neues Vereinsheim und Sportgelände bekommt, wie schon lange geplant, ist allerdings wegen der kritischen Finanzlage der Stadt Karlsruhe fraglich geworden.

Heute zählt die Südstadt (alter und neuer Teil) etwas mehr als 20.000 Einwohner, nachdem noch zu Beginn der 1930er-Jahre nur im alten Teil dort einmal rund 30.000 Menschen mit ihren kinderreichen Familien gelebt hatten. 2022 erließ der Karlsruher XYZGemeinderat eine soziale Erhaltungssatzung für die Alte Südstadt, um einkommensschwache Familien vor Verdrängungsdruck zu schützen. Diese wurde aber mittlerweile wieder aufgehoben, da deren Überwachung zu hohe Kosten verursachen würde.

Peter Pretsch 2026

Quellen

Karlsruher Südstadt Werbewoche, Sonderbeilage zum Karlsruher Tagblatt vom 9. Mai 1931; Die Südstadt - ein Ausgehviertel mit Multi-Kulti-Flair, in: Onlinemagazin Karlsruhepuls 2026, https://karlsruhepuls.de/stadtteile/suedstadt/, Ka-News vom 26.Juni 2025, https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/karlsruhe-von-oben-spektakulaere-ausblicke-ueber-die-suedstadt-eine-bilderstrecke-art-2576802, Milieuschutz im Gebiet alte Südstadt, https://www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/stadtentwicklung/milieuschutz (Zugriff jeweils am 7. September 2026).

Literatur

Toni Peter Kleinhans: Südstadt, Spazierwege durch Karlsruhe 2, hrsg. v. Stadtplanungsamt, Karlsruhe 1984; Harald Ringler: Stadtbaugeschichte Karlsruhe 1715 – 2000, hrsg. v. Katrin Dort u. Volker Steck, Ubstadt-Weiher 2021 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 36).