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[[Datei:Ort-0123 Daxlanden 8 PBS XVI 1.jpg|alternativtext=Älteste Ansicht von Daxlanden und der Appenmühle auf einer Panoramakarte des 16. Jahrhunderts (rechte Bildhälfte, Ansicht von Westen), Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 1.|links|mini|Älteste Ansicht von Daxlanden und der Appenmühle auf einer Panoramakarte des 16. Jahrhunderts (rechte Bildhälfte, Ansicht von Westen), Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 1.]] |
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[[Datei:Ort-0123 Daxlanden GLA H-1 Nr. 312 Bild 1 (4-468569-1).jpg|alternativtext=Ortsbebauung von Daxlanden zwischen dem Federbach im Westen und der Appenmühle im Osten, Ausschnitt aus einem Gemarkungsplan von 1864, Generallandesarchiv Karlsruhe H-1 Nr. 312.|links|mini|Ortsbebauung von Daxlanden zwischen dem Federbach im Westen und der Appenmühle im Osten, Ausschnitt aus einem Gemarkungsplan von 1864, [https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=14217&sprungId=10111590&letztesLimit=suchen Generallandesarchiv Karlsruhe H-1 Nr. 312.]]] |
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[[Datei:Ort-0123 Daxlanden GLA J-B Daxlanden 1 Bild 1 (4-1459122-1).jpg|alternativtext=Dorfstraße mit Blick zur St. Valentinskirche, Federzeichnung von Ludwig Barth, 1956, Generallandesarchiv Karlsruhe J-B Daxlanden Nr. 1.|links|mini|Dorfstraße mit Blick zur St. Valentinskirche, Federzeichnung von Ludwig Barth, 1956, [https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=24121&sprungId=3468801&letztesLimit=suchen Generallandesarchiv Karlsruhe J-B Daxlanden Nr. 1].]] |
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In einem Güterbuch des Klosters Weißenburg wird Daxlanden als "marca Daherslar" um das Jahr 1000 erstmals erwähnt. Der Ortsname wurde in der Forschung als "Weideland eines Daho" gedeutet, was aber nicht gesichert ist. Als "villa Daslar" taucht der Ort um 1261 in einer Besitzurkunde des Klosters <lex id="top-2452">Gottesaue</lex> erneut auf, was heute als eindeutigeres Datum der Ersterwähnung gewertet wird. Tatsächlich weisen Grabungsfunde aus fränkischer Zeit auf der <lex id="top-2289">Rheininsel</lex> Rappenwört aber auf eine weit ältere Besiedlung hin. |
In einem Güterbuch des Klosters Weißenburg wird Daxlanden als "marca Daherslar" um das Jahr 1000 erstmals erwähnt. Der Ortsname wurde in der Forschung als "Weideland eines Daho" gedeutet, was aber nicht gesichert ist. Als "villa Daslar" taucht der Ort um 1261 in einer Besitzurkunde des Klosters <lex id="top-2452">Gottesaue</lex> erneut auf, was heute als eindeutigeres Datum der Ersterwähnung gewertet wird. Tatsächlich weisen Grabungsfunde aus fränkischer Zeit auf der <lex id="top-2289">Rheininsel</lex> Rappenwört aber auf eine weit ältere Besiedlung hin. |
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Aufgrund der großen Gemarkung des Dorfes konnte die Bevölkerung seit dem Mittelalter gut von der Landwirtschaft leben. Im Nebenerwerb wurden außerdem wie im Nachbarort <lex id="ort-0061">Knielingen</lex> Fischfang und <lex id="ereig-0277">Goldwäscherei</lex> am Rhein betrieben. Allerdings störten nicht nur die Rheinüberschwemmungen, sondern auch Kriegsereignisse die Entwicklung des Dorfes. So brannten die Franzosen die am neuen Standort aufgebaute Siedlung im <lex id="ereig-0070">Pfälzischen Erbfolgekrieg</lex> nieder und der alte Ortskern von Daxlanden, wie er sich heute präsentiert, konnte erst danach wieder entstehen, so auch die <lex id="ins-1300">St. Valentinskirche</lex> und die <lex id="ort-0122">Appenmühle</lex>, die seit dem Mittelalter als Bannmühle den umliegenden Dörfern der Verarbeitung des Getreides gedient hatte, und die heute unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäuser an der <lex id="top-2833">Vorder-</lex>, <lex id="top-2166">Pfarr-</lex>, <lex id="top-1377">Insel-</lex> und <lex id="top-0738">Federbachstraße</lex>. Die im 19. Jahrhundert entstandenen Gebäude des <lex id="ins-1785">Rathauses</lex> und des Schulhauses werden heute von der <lex id="ins-1745">Federbachschule</lex> genutzt. |
Aufgrund der großen Gemarkung des Dorfes konnte die Bevölkerung seit dem Mittelalter gut von der Landwirtschaft leben. Im Nebenerwerb wurden außerdem wie im Nachbarort <lex id="ort-0061">Knielingen</lex> Fischfang und <lex id="ereig-0277">Goldwäscherei</lex> am Rhein betrieben. Allerdings störten nicht nur die Rheinüberschwemmungen, sondern auch Kriegsereignisse die Entwicklung des Dorfes. So brannten die Franzosen die am neuen Standort aufgebaute Siedlung im <lex id="ereig-0070">Pfälzischen Erbfolgekrieg</lex> nieder und der alte Ortskern von Daxlanden, wie er sich heute präsentiert, konnte erst danach wieder entstehen, so auch die <lex id="ins-1300">St. Valentinskirche</lex> und die <lex id="ort-0122">Appenmühle</lex>, die seit dem Mittelalter als Bannmühle den umliegenden Dörfern der Verarbeitung des Getreides gedient hatte, und die heute unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäuser an der <lex id="top-2833">Vorder-</lex>, <lex id="top-2166">Pfarr-</lex>, <lex id="top-1377">Insel-</lex> und <lex id="top-0738">Federbachstraße</lex>. Die im 19. Jahrhundert entstandenen Gebäude des <lex id="ins-1785">Rathauses</lex> und des Schulhauses werden heute von der <lex id="ins-1745">Federbachschule</lex> genutzt. |
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Seit dem Spätmittelalter gab es eine Schiffs- und Zollstation in Daxlanden. Handelsschiffe mussten hier Zoll entrichten, es wurden aber auch Güter für den Landweg verladen, die für die Markgrafschaft bestimmt waren. Ende des 18. Jahrhunderts kamen englische Seeleute nach Daxlanden, die im Schiffsbau Erfahrung hatten, so auch der englische Ingenieur Peter Burdett. Sie bauten für den Markgrafen ein herrschaftliches Jagdschiff, das hier stationiert war. Harry York übernahm die Schiffs- und Zollstation und eröffnete hier die Wirtschaft Zum Schiff. Nach der Anlage des <lex id="ins-1717">Maxauer Freihafens</lex> 1842 verlor die Schiffsstation an Bedeutung. Auch der Fährbetrieb wurde eingestellt, als in Maxau die erste Schiffbrücke über den Rhein entstanden war. |
Seit dem Spätmittelalter gab es eine Schiffs- und Zollstation in Daxlanden. Handelsschiffe mussten hier Zoll entrichten, es wurden aber auch Güter für den Landweg verladen, die für die Markgrafschaft bestimmt waren. Ende des 18. Jahrhunderts kamen englische Seeleute nach Daxlanden, die im Schiffsbau Erfahrung hatten, so auch der englische Ingenieur Peter Burdett. Sie bauten für den Markgrafen ein herrschaftliches Jagdschiff, das hier stationiert war. Harry York übernahm die Schiffs- und Zollstation und eröffnete hier die Wirtschaft Zum Schiff. Nach der Anlage des <lex id="ins-1717">Maxauer Freihafens</lex> 1842 verlor die Schiffsstation an Bedeutung. Auch der Fährbetrieb wurde eingestellt, als in Maxau die erste <lex id="top-2292">Schiffbrücke</lex> über den Rhein entstanden war. |
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Landwirtschaft und Viehzucht waren bis zur Industrialisierung aber die eigentliche Existenzgrundlage des Dorfes. Im 18. Jahrhundert wurde auch Pferdezucht betrieben. Auf diese Tradition konnte später der Reiterverein und der <lex id="ins-0985">Reitsportclub Daxlanden</lex> aufbauen. Seit dem Bau des <lex id="ins-1511">Rheinhafens</lex> auf teilweise Daxlander Gemarkung um die Jahrhundertwende wurde die Landwirtschaft aber allmählich verdrängt, ein Prozess, der sich durch den Ausbau der Siedlungen in der Nachkriegszeit fortsetzte. Daxlanden wurde nun von einer Bauerngemeinde zu einem Industriearbeiterdorf und viele Bewohner arbeiteten nicht nur im Rheinhafen, sondern auch in den Fabriken der nahen <lex id="ereig- |
Landwirtschaft und Viehzucht waren bis zur <lex id="ereig-0008">Industrialisierung</lex> aber die eigentliche Existenzgrundlage des Dorfes. Im 18. Jahrhundert wurde auch Pferdezucht betrieben. Auf diese Tradition konnte später der Reiterverein und der <lex id="ins-0985">Reitsportclub Daxlanden</lex> aufbauen. Seit dem Bau des <lex id="ins-1511">Rheinhafens</lex> auf teilweise Daxlander Gemarkung um die Jahrhundertwende wurde die Landwirtschaft aber allmählich verdrängt, ein Prozess, der sich durch den Ausbau der Siedlungen in der Nachkriegszeit fortsetzte. Daxlanden wurde nun von einer Bauerngemeinde zu einem Industriearbeiterdorf und viele Bewohner arbeiteten nicht nur im Rheinhafen, sondern auch in den Fabriken der nahen <lex id="ereig-0269">Residenzstadt Karlsruhe</lex>, zumal der Ort 1913 an die <lex id="ins-0276">Lokalbahn</lex> angeschlossen wurde. Die engen Verflechtungen mit der Karlsruher Infrastruktur hatten bereits 1910 zur <lex id="ereig-0214">Eingemeindung</lex> des Dorfes geführt. |
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Die wachsende Großstadt konnte sich nun auch auf Daxlander Gemarkung ausbreiten. Die Bevölkerung im Ort selbst hatte sich von rund 400 Personen Anfang des 18. Jahrhunderts auf 4.200 im Jahr der Eingemeindung mehr als verzehnfacht. Schon lange war die St. Valentinskirche für diesen Bevölkerungszuwachs zu klein geworden und auf dem alten Friedhofsgelände wurden noch vor dem <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> mit der <lex id="ins-1273">Heilig-Geist-Kirche</lex> ein neues Gotteshaus und daneben ein neues Schulhaus für Daxlanden errichtet. In der Zwischenkriegszeit entstanden als größte Projekte in dem ehemaligen Bauern- und Fischerdorf das <lex id="ins-1619">Rheinstrandbad Rappenwört</lex>, das über die heutige <lex id="top-1205">Hermann-Schneider-Allee</lex> auch an das <lex id="ins-1231">Straßenbahnnetz</lex> angeschlossen wurde, und die benachbarte Vogelwarte (heute <lex id="ins-0833">Naturschutzzentrum</lex>), die Kleinhaussiedlungen in der <lex id="top-1276">Holländer-</lex> und der <lex id="top-2786">Valentinstraße</lex> sowie die Anfänge der <lex id="ort-0098">Rheinstrandsiedlung</lex>. Um 1930 konnte auch das <lex id="ort-0065">Kriegerdenkmal</lex> für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Daxlander realisiert werden, das der Bildhauer <lex id="bio-0401">Carl Egler</lex> entworfen hatte. |
Die wachsende Großstadt konnte sich nun auch auf Daxlander Gemarkung ausbreiten. Die Bevölkerung im Ort selbst hatte sich von rund 400 Personen Anfang des 18. Jahrhunderts auf 4.200 im Jahr der Eingemeindung mehr als verzehnfacht. Schon lange war die St. Valentinskirche für diesen Bevölkerungszuwachs zu klein geworden und auf dem alten Friedhofsgelände wurden noch vor dem <lex id="ereig-0068">Ersten Weltkrieg</lex> mit der <lex id="ins-1273">Heilig-Geist-Kirche</lex> ein neues Gotteshaus und daneben ein neues Schulhaus für Daxlanden errichtet. In der Zwischenkriegszeit entstanden als größte Projekte in dem ehemaligen Bauern- und Fischerdorf das <lex id="ins-1619">Rheinstrandbad Rappenwört</lex>, das über die heutige <lex id="top-1205">Hermann-Schneider-Allee</lex> auch an das <lex id="ins-1231">Straßenbahnnetz</lex> angeschlossen wurde, und die benachbarte Vogelwarte (heute <lex id="ins-0833">Naturschutzzentrum</lex>), die Kleinhaussiedlungen in der <lex id="top-1276">Holländer-</lex> und der <lex id="top-2786">Valentinstraße</lex> sowie die Anfänge der <lex id="ort-0098">Rheinstrandsiedlung</lex>. Um 1930 konnte auch das <lex id="ort-0065">Kriegerdenkmal</lex> für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Daxlander realisiert werden, das der Bildhauer <lex id="bio-0401">Carl Egler</lex> entworfen hatte. |
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Nach der <lex id="ereig- |
Nach der <lex id="ereig-0111">Machtübertragung</lex> auf die Nationalsozialisten wurden auch in Daxlanden <lex id="ins-0330">sozialdemokratische</lex> und <lex id="ins-0321">kommunistische</lex> NS-Gegner, die dem <lex id="ereig-0155">Widerstand</lex> angehörten, verfolgt. <lex id="bio-0873">August Dosenbach</lex>, nach dem später in der Rheinstrandsiedlung eine <lex id="top-0230">Straße</lex> benannt wurde, wurde als einer der ersten Opfer der Gewaltherrschaft nach einem Botengang mit regimekritischen Schriften über die deutsch-französische Grenze in Knielingen erschossen. Im <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkrieg</lex> wurden etwa 150 Wohnhäuser und rund 300 Stallgebäude in Daxlanden zerstört, beim schwersten <lex id="ereig-0037">Luftangriff</lex> am 4. Dezember 1944 starben 25 Menschen. |
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Der in der Vorkriegszeit begonnene Siedlungsbau wurde in der Nachkriegszeit in großem Umfang fortgesetzt, so dass sich mit dem Baugebiet Daxlanden-Ost und der Rheinstrandsiedlung ein großer Teil bisher landwirtschaftlich genutzter Flächen der Gemarkung in Wohnbebauung verwandelte. Durch Zuzug, unter anderem auch von <lex id="ereig-0062">Flüchtlingen</lex> und <lex id="ereig-0045">Vertriebenen</lex>, wuchs die Bevölkerung bis heute auf knapp 12.000 Personen an. Das seit der Erbteilung der badischen Markgrafschaft von 1535 in zwei Herrschaftsgebiete weitgehend katholisch gebliebene Daxlanden wurde dadurch zunehmend auch von Protestanten bewohnt. Für sie und die evangelische Bevölkerung in <lex id="top-1022">Grünwinkel</lex> wurde bis 1960 die <lex id="ins-1246">Thomaskirche</lex> im <lex id="top-0079">Albgrün</lex> errichtet. 1992 kamen die evangelische <lex id="ins-1265">Philippuskirche</lex> und das Gemeindezentrum der Hoffnungsgemeinde in der Rheinstrandsiedlung hinzu. |
Der in der Vorkriegszeit begonnene Siedlungsbau wurde in der Nachkriegszeit in großem Umfang fortgesetzt, so dass sich mit dem Baugebiet Daxlanden-Ost und der Rheinstrandsiedlung ein großer Teil bisher landwirtschaftlich genutzter Flächen der Gemarkung in Wohnbebauung verwandelte. Durch Zuzug, unter anderem auch von <lex id="ereig-0062">Flüchtlingen</lex> und <lex id="ereig-0045">Vertriebenen</lex>, wuchs die Bevölkerung bis heute auf knapp 12.000 Personen an. Das seit der Erbteilung der badischen Markgrafschaft von 1535 in zwei Herrschaftsgebiete weitgehend katholisch gebliebene Daxlanden wurde dadurch zunehmend auch von Protestanten bewohnt. Für sie und die evangelische Bevölkerung in <lex id="top-1022">Grünwinkel</lex> wurde bis 1960 die <lex id="ins-1246">Thomaskirche</lex> im <lex id="top-0079">Albgrün</lex> errichtet. 1992 kamen die evangelische <lex id="ins-1265">Philippuskirche</lex> und das Gemeindezentrum der Hoffnungsgemeinde in der Rheinstrandsiedlung hinzu. |
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==Quellen== |
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Vorortarchiv Daxlanden im Stadtarchiv Karlsruhe; Stadt Karlsruhe, Datenbank der Kulturdenkmale: Daxlanden, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php?stadtteil=Daxlanden&vid=90; Stadtteilentwicklungsprozess Daxlanden- SWOT-Analyse von 2023, |
Vorortarchiv Daxlanden im Stadtarchiv Karlsruhe; Stadt Karlsruhe, Datenbank der Kulturdenkmale: Daxlanden, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php?stadtteil=Daxlanden&vid=90; [https://www.google.de/search?sca%20esv=180af7e8d3421ee1&q=Stadtteil+Entwicklungsprozess+Daxlanden-+SWOT-Analyse+von+2023&spell=1&sa=X&ved=2ahUKEwjQwYqP-Y-JAxVcgv0HHaZgCE8QBSgAegQICRAB&biw=1920&bih=899&dpr=1 Stadtteilentwicklungsprozess Daxlanden- SWOT-Analyse von 2023] (Google-Trefferliste, oberster Eintrag) (Zugriff jeweils am 3. Oktober 2024). |
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file:///C:/Users/49157/Downloads/00648183.pdf (Zugriff jeweils am 3. Oktober 2024). |
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==Literatur== |
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Daxlanden. Die Ortsgeschichte, hrsg. vom Bürgerverein Daxlanden durch Werner Burkart u. a., Redaktion Manfred Koch, Karlsruhe 2007. |
Daxlanden. Die Ortsgeschichte, hrsg. vom Bürgerverein Daxlanden durch Werner Burkart u. a., Redaktion Manfred Koch, Karlsruhe 2007. |
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Aktuelle Version vom 20. Dezember 2025, 10:56 Uhr
Daxlanden
In einem Güterbuch des Klosters Weißenburg wird Daxlanden als "marca Daherslar" um das Jahr 1000 erstmals erwähnt. Der Ortsname wurde in der Forschung als "Weideland eines Daho" gedeutet, was aber nicht gesichert ist. Als "villa Daslar" taucht der Ort um 1261 in einer Besitzurkunde des Klosters Gottesaue erneut auf, was heute als eindeutigeres Datum der Ersterwähnung gewertet wird. Tatsächlich weisen Grabungsfunde aus fränkischer Zeit auf der Rheininsel Rappenwört aber auf eine weit ältere Besiedlung hin.
Das Ortsbild von Daxlanden und sein Standort haben sich durch verheerende Rheinüberflutungen mehrfach geändert, zuletzt im Jahr 1651, als der Fluss 20 Häuser und die Kirche verschlang. Das Dorf versuchte sich mit dem Anlegen von Dämmen und Abzugsgräben gegen die Überschwemmungen zu wappnen, was zur Bezeichnung der Bewohner als "Schlaucher" führte, woran heute ein Brunnen erinnert. Letztlich führte aber erst die Rheinregulierung durch Ingenieuroberst Johann Gottfried Tulla, die hier seit 1819 durchgeführt wurde, zu einer Beruhigung der Lage.
Aufgrund der großen Gemarkung des Dorfes konnte die Bevölkerung seit dem Mittelalter gut von der Landwirtschaft leben. Im Nebenerwerb wurden außerdem wie im Nachbarort Knielingen Fischfang und Goldwäscherei am Rhein betrieben. Allerdings störten nicht nur die Rheinüberschwemmungen, sondern auch Kriegsereignisse die Entwicklung des Dorfes. So brannten die Franzosen die am neuen Standort aufgebaute Siedlung im Pfälzischen Erbfolgekrieg nieder und der alte Ortskern von Daxlanden, wie er sich heute präsentiert, konnte erst danach wieder entstehen, so auch die St. Valentinskirche und die Appenmühle, die seit dem Mittelalter als Bannmühle den umliegenden Dörfern der Verarbeitung des Getreides gedient hatte, und die heute unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäuser an der Vorder-, Pfarr-, Insel- und Federbachstraße. Die im 19. Jahrhundert entstandenen Gebäude des Rathauses und des Schulhauses werden heute von der Federbachschule genutzt.
Seit dem Spätmittelalter gab es eine Schiffs- und Zollstation in Daxlanden. Handelsschiffe mussten hier Zoll entrichten, es wurden aber auch Güter für den Landweg verladen, die für die Markgrafschaft bestimmt waren. Ende des 18. Jahrhunderts kamen englische Seeleute nach Daxlanden, die im Schiffsbau Erfahrung hatten, so auch der englische Ingenieur Peter Burdett. Sie bauten für den Markgrafen ein herrschaftliches Jagdschiff, das hier stationiert war. Harry York übernahm die Schiffs- und Zollstation und eröffnete hier die Wirtschaft Zum Schiff. Nach der Anlage des Maxauer Freihafens 1842 verlor die Schiffsstation an Bedeutung. Auch der Fährbetrieb wurde eingestellt, als in Maxau die erste Schiffbrücke über den Rhein entstanden war.
Landwirtschaft und Viehzucht waren bis zur Industrialisierung aber die eigentliche Existenzgrundlage des Dorfes. Im 18. Jahrhundert wurde auch Pferdezucht betrieben. Auf diese Tradition konnte später der Reiterverein und der Reitsportclub Daxlanden aufbauen. Seit dem Bau des Rheinhafens auf teilweise Daxlander Gemarkung um die Jahrhundertwende wurde die Landwirtschaft aber allmählich verdrängt, ein Prozess, der sich durch den Ausbau der Siedlungen in der Nachkriegszeit fortsetzte. Daxlanden wurde nun von einer Bauerngemeinde zu einem Industriearbeiterdorf und viele Bewohner arbeiteten nicht nur im Rheinhafen, sondern auch in den Fabriken der nahen Residenzstadt Karlsruhe, zumal der Ort 1913 an die Lokalbahn angeschlossen wurde. Die engen Verflechtungen mit der Karlsruher Infrastruktur hatten bereits 1910 zur Eingemeindung des Dorfes geführt.
Die wachsende Großstadt konnte sich nun auch auf Daxlander Gemarkung ausbreiten. Die Bevölkerung im Ort selbst hatte sich von rund 400 Personen Anfang des 18. Jahrhunderts auf 4.200 im Jahr der Eingemeindung mehr als verzehnfacht. Schon lange war die St. Valentinskirche für diesen Bevölkerungszuwachs zu klein geworden und auf dem alten Friedhofsgelände wurden noch vor dem Ersten Weltkrieg mit der Heilig-Geist-Kirche ein neues Gotteshaus und daneben ein neues Schulhaus für Daxlanden errichtet. In der Zwischenkriegszeit entstanden als größte Projekte in dem ehemaligen Bauern- und Fischerdorf das Rheinstrandbad Rappenwört, das über die heutige Hermann-Schneider-Allee auch an das Straßenbahnnetz angeschlossen wurde, und die benachbarte Vogelwarte (heute Naturschutzzentrum), die Kleinhaussiedlungen in der Holländer- und der Valentinstraße sowie die Anfänge der Rheinstrandsiedlung. Um 1930 konnte auch das Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Daxlander realisiert werden, das der Bildhauer Carl Egler entworfen hatte.
Nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten wurden auch in Daxlanden sozialdemokratische und kommunistische NS-Gegner, die dem Widerstand angehörten, verfolgt. August Dosenbach, nach dem später in der Rheinstrandsiedlung eine Straße benannt wurde, wurde als einer der ersten Opfer der Gewaltherrschaft nach einem Botengang mit regimekritischen Schriften über die deutsch-französische Grenze in Knielingen erschossen. Im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 150 Wohnhäuser und rund 300 Stallgebäude in Daxlanden zerstört, beim schwersten Luftangriff am 4. Dezember 1944 starben 25 Menschen.
Der in der Vorkriegszeit begonnene Siedlungsbau wurde in der Nachkriegszeit in großem Umfang fortgesetzt, so dass sich mit dem Baugebiet Daxlanden-Ost und der Rheinstrandsiedlung ein großer Teil bisher landwirtschaftlich genutzter Flächen der Gemarkung in Wohnbebauung verwandelte. Durch Zuzug, unter anderem auch von Flüchtlingen und Vertriebenen, wuchs die Bevölkerung bis heute auf knapp 12.000 Personen an. Das seit der Erbteilung der badischen Markgrafschaft von 1535 in zwei Herrschaftsgebiete weitgehend katholisch gebliebene Daxlanden wurde dadurch zunehmend auch von Protestanten bewohnt. Für sie und die evangelische Bevölkerung in Grünwinkel wurde bis 1960 die Thomaskirche im Albgrün errichtet. 1992 kamen die evangelische Philippuskirche und das Gemeindezentrum der Hoffnungsgemeinde in der Rheinstrandsiedlung hinzu.
Ein großer Teil der Gemarkung Daxlanden ist aber bis heute als Naturschutzgebiet nicht angetastet worden. Dazu zählen die Rheinauen um die Saumseen und Rappenwört und die Fritschlach, die von einer alten Rheinschlinge, dem heutigen Federbach, umflossen wird. Dieses Gebiet hat seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auch viele Künstler angezogen, die sich hier in der Freilichtmalerei übten und sich zumeist in der noch heute bestehenden Künstlerkneipe trafen. Auch der seit 1921 als Sportfischerverein gegründete Anglerverein Daxlanden hat dort sein Domizil, der seit 1948 auch das beliebte und zahlreich besuchte Fischerfest ausrichtete, das heute allerdings nur noch in einem kleineren Rahmen stattfindet. Seit 1982 hat das Gehörlosenzentrum dort sein Domizil, das bundesweit Modellcharakter hat. Die traditionsreichen Vereine FV Daxlanden (gegründet 1912) und DJK Daxlanden (gegründet 1921) haben nach ihrem Zusammenschluss zur Sportgemeinschaft Daxlanden im Jahr 2000 seit kurzem gemeinsame Sportstätten ebenso im Naturschutzgebiet Fritschlach. Dadurch wurde das Gelände des nunmehr ungenutzten, nach dem Daxlander Nationalspieler August Klingler benannten Stadions des FV Daxlanden frei und wird derzeit von der Volkswohnung Karlsruhe mit einem Hochhauskomplex für über 350 Wohnungen überbaut. Wie sich der Stadtteil weiterentwickelt, soll auch durch ein Bürgerbeteiligungsverfahren der Stadt Karlsruhe geklärt werden, das bereits in Kooperation mit dem Bürgerverein Daxlanden angelaufen ist. Wie in anderen Karlsruher Stadtteilen ist der alte Ortskern Daxlandens seit 1998 durch eine Erhaltungssatzung geschützt.
Hier wird die Tradition auch durch Vereinsfeste wie dem Narrenbaumsetzen mit den Daxlander Schlampen an Fastnacht auf dem Schlaucherplatz, dem dort stattfindenden Christkindlesmarkt oder dem alle zwei Jahre durchgeführten Straßenfest lebendig gehalten. Für Vereinsaktivitäten steht außerdem seit 1980 die Rheinstrandhalle zur Verfügung, deren Erbauung durch die Stadt Karlsruhe gefördert wurde.
Quellen
Vorortarchiv Daxlanden im Stadtarchiv Karlsruhe; Stadt Karlsruhe, Datenbank der Kulturdenkmale: Daxlanden, https://web1.karlsruhe.de/db/kulturdenkmale/index.php?stadtteil=Daxlanden&vid=90; Stadtteilentwicklungsprozess Daxlanden- SWOT-Analyse von 2023 (Google-Trefferliste, oberster Eintrag) (Zugriff jeweils am 3. Oktober 2024).
Literatur
Daxlanden. Die Ortsgeschichte, hrsg. vom Bürgerverein Daxlanden durch Werner Burkart u. a., Redaktion Manfred Koch, Karlsruhe 2007.