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De:Lexikon:ort-0117: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Ort-0117 Dörfle 8 PBS XVI 1041.jpg|alternativtext=Plan des markgräflichen Küchengartens am Durlacher Tor mit Darstellung der Modellhäuser der östlichen Langen Straße in "Groß Carols Ruh" und der kleinen Tagelöhnerhäuschen am Landgraben in "Klein Carols-Ruh", 1723, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 1041.|links|mini|Plan des markgräflichen Küchengartens am Durlacher Tor mit Darstellung der Modellhäuser der östlichen Langen Straße in "Groß Carols Ruh" und der kleinen Tagelöhnerhäuschen am Landgraben in "Klein Carols-Ruh", 1723, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 1041.]]
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Mit der <lex id="ereig-0230">Stadtgründung</lex> der neuen <lex id="ereig-0269">Residenz</lex> Karlsruhe entstand an deren Südostrand 1715 eine Tagelöhnersiedlung, die wenig später als Klein-Karlsruhe bezeichnet, im Volksmund aber das Dörfle genannt wurde. Auf einem Wiesenstreifen entlang des <lex id="top-1670">Landgrabens</lex> hatten sich dort Handwerker, Gartenknechte und Waldarbeiter niedergelassen, die nicht das Bürgerrecht erwerben und auch nicht <lex id="top-1936">modellmäßig</lex> bauen konnten, da sie zu arm waren. Als <lex id="ereig-0046">Hintersassen</lex> konnten sie vom Landesherrn zu Fronarbeiten herangezogen werden.
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Version vom 17. Juni 2024, 08:55 Uhr


Das Dörfle

Plan des markgräflichen Küchengartens am Durlacher Tor mit Darstellung der Modellhäuser der östlichen Langen Straße in "Groß Carols Ruh" und der kleinen Tagelöhnerhäuschen am Landgraben in "Klein Carols-Ruh", 1723, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 1041.
Plan des markgräflichen Küchengartens am Durlacher Tor mit Darstellung der Modellhäuser der östlichen Langen Straße in "Groß Carols Ruh" und der kleinen Tagelöhnerhäuschen am Landgraben in "Klein Carols-Ruh", 1723, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 1041.
Fasanen-/Ecke Brunnenstraße, Aufnahme von Hermann Schmeiser 1909, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 56.
Fasanen-/Ecke Brunnenstraße, Aufnahme von Hermann Schmeiser 1909, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVe 56.
Blick auf das Dörfle und die Bauten der Universität, Luftaufnahme von 1956, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XV 21.
Blick auf das Dörfle und die Bauten der Universität, Luftaufnahme von 1956, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XV 21.

Mit der Stadtgründung der neuen Residenz Karlsruhe entstand an deren Südostrand 1715 eine Tagelöhnersiedlung, die wenig später als Klein-Karlsruhe bezeichnet, im Volksmund aber das Dörfle genannt wurde. Auf einem Wiesenstreifen entlang des Landgrabens hatten sich dort Handwerker, Gartenknechte und Waldarbeiter niedergelassen, die nicht das Bürgerrecht erwerben und auch nicht modellmäßig bauen konnten, da sie zu arm waren. Als Hintersassen konnten sie vom Landesherrn zu Fronarbeiten herangezogen werden.

Die mit kleinen Tagelöhnerhäuschen an unregelmäßigen Straßenzügen entstandene Siedlung, die im Gegensatz zur geometrischen Klarheit der Stadtanlage stand, hatte lange keinen eigenen Rechtsstatus. 1795 verlieh Markgraf Karl Friedrich Klein-Karlsruhe das Dorfbürgerrecht, aber bereits 1812 wurde das Dörfle in die größer gewordene Residenzstadt eingemeindet. Zu den 7.700 Alt-Karlsruhern kamen damals 3.000 Personen hinzu und die Gemarkung wuchs um circa sieben Hektar. Die ursprüngliche Ausdehnung des Dörfles lässt sich nach einem Stadtplan von 1779/80 rekonstruieren. Danach reichte sie vom am heutigen Lidellplatz errichteten Hospital, dem Vorgängerbau der Gewerbeschule, im Westen bis zum Durlacher Tor, im Osten und von der Zähringerstraße im Norden bis zum Landgraben im Bereich der späteren Stein- und Kapellenstraße im Süden.

Bereits im 18. Jahrhundert hatte die markgräfliche Verwaltung hier soziale Einrichtungen angesiedelt, als erste 1788 das Hospital, Karlsruhes ältestes Krankenhaus, in dessen Nordflügel ein Gewerbehaus mit Spinnschule, in dem sich später auch die Klein-Karlsruher Schule befand, sowie eine Suppenanstalt zur Armenspeisung untergebracht worden waren. Nach der Vereinigung der evangelischen Landeskirche mit der reformierten Gemeinde 1821 wurde im Dörfle eine eigene evangelische Gemeinde gegründet, die die vorher den Reformierten vorbehaltene Kleine Kirche für den Gottesdienst nutzten. Die katholischen Einwohner besuchten seit 1814 die von Friedrich Weinbrenner errichtete katholischen Pfarrkiche St. Stephan und seit 1902 die Kirche St. Bernhard am Durlacher Tor.

Weinbrenner hatte geplant, mit der Errichtung qualitätvoller Bürgerhäuser an der Zähringerstraße und um den Fasanenplatz, die aber erst nach seinem Tod erbaut wurden, das Dörfle aufzuwerten. Dies gelang nur bedingt, da mit der Industrialisierung Karlsruhes eine gegenläufige Entwicklung einsetzte. Viele Arbeiter der neuen Fabriken zogen mit ihren kinderreichen Familien wegen der billigeren Mieten ins Dörfle, was letztendlich zu einer Nachverdichtung mit hohen Mietskasernen auf engstem Raum, einer Übervölkerung und einer Verschlechterung der Wohn- und Lebensbedingungen führte. Das Stadtviertel zählte 1893 bereits 18.000 Einwohner. Zudem konzentrierte die Stadt dort das Prostitutionsgewerbe, das bis dahin über die Stadt verteilt gewesen war, um es besser kontrollieren zu können. Neben den einschlägigen Häusern in der sogenannten Entengasse, der früheren Kleinen Spitalstraße, die heute nicht mehr besteht, siedelten sich auch viele Barbetriebe an, die den Ruf des Stadtviertels nun fortan prägen sollten. Die Probleme, die sich daraus ergaben, führten 1901 zur Gründung des Bürgervereins Altstadt, der vor allem die Interessen der hier ansässigen Handwerksmeister, Wirte und Geschäftsinhaber vertrat, die sich eine Verbesserung ihres Wohnumfeldes wünschten. Zwei Jahre später gründeten diese auch die Karnevalsgesellschaft Alt-Karlsruhe, die bis 1954 bestand.

In den 1880er-Jahren wurde der Landgraben überwölbt und die nach der am Alten Friedhof liegenden Kapelle benannte Kapellenstraße angelegt. Es entstanden dort mehrstöckige Wohnhäuser im Stil der Gründerzeit, die sich bis zum Mendelssohnplatz am Rüppurrer Tor zogen, das bereits 1874 als Verkehrshindernis abgerissen worden war. Ein erster Sanierungsplan für das Dörfle, der im Rahmen des Karlsruher Generalbebauungsplans 1926 entstand, scheiterte zunächst aus wirtschaftlichen Gründen und später am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Die Altstadtsanierung begann dann erst in der Nachkriegszeit mit großen Abrissmaßnahmen für die heutige Fritz-Erler-Straße, die als breite Schneise durch das Dörfle geschlagen wurde und der auch die Bauten am Mendelssohnplatz zum Opfer fielen. Als einziges Bauwerk an der heute nicht mehr bestehenden Schwanenstraße blieb die Alte Pfandleihe erhalten, die heute Domizil des Stadtarchivs ist. Dafür entstanden die imposante Heinrich-Hübsch-Schule des Architekten Heinz Mohl und sechsstöckige Wohnhäuser im sozialen Wohnungsbau gegenüber und an der Markgrafenstraße, die dem Stadtviertel ein völlig neues Gesicht geben. Mit dem Waldhornplatz und dem Kronenplatz wurden neue Platzanlagen geschaffen, denen die alte Dörflebebauung weichen musste. Neubauten wie das Jugend- und Begegnungszentrum (Jubez) und große Versicherungsgebäude und mehrgeschossige Wohnbauten in Blockrandbebauung prägen seitdem dort das Stadtbild. Alte Dörfle-Atmosphäre kann man heute nur noch im Osten des Stadtviertels rund um den Fasanenplatz, die Zähringerstraße und die Straße Am Künstlerhaus nachempfinden, da hier keine Flächensanierung, sondern eine Objektsanierung durchgeführt wurde. Daher blieben dort auch einige kleine Tagelöhnerhäuschen erhalten, die ähnlich wie das Seilerhäuschen in der östlichen Kaiserstraße an die Anfänge von Karlsruhe erinnern. Allerdings erhielt auch das Rotlichtviertel in der Brunnenstraße dort ein neues Domizil.

In dessen Nachbarschaft wurde in einem rekonstruierten Wohngebäude aus dem späten 18. Jahrhundert das Künstlerhaus als Sitz des Bezirksverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) eingerichtet, das diesem Abschnitt der Straße den neuen Namen gab. Hatten bildende Künstler in der Vorkriegszeit wie Rudolf Schlichter oder Karl Hubbuch das Lokalkolorit des alten Dörfle und der dort beheimateten Halbwelt als Motiv für sich entdeckt, so dokumentierten ihre Nachfolger wie Helmut Goettl, Benno Huth, Tutilo Karcher, Candace Carter oder Harald Herr in der Nachkriegszeit vor allem die Abrissmaßnahmen und deren Folgen, die sie mit ihren Werken sozialkritisch begleiteten. Damals kämpfte auch der Bürgerverein Altstadt gegen die Flächensanierung im Dörfle, die wegen der erforderlichen Umsiedlung der Bewohner mit sozialen Härten und einem Wandel in der Sozialstruktur des Stadtteils einherging, was 1984 auch in einem Film des Südwestrundfunks (SWR) dokumentiert wurde.

Das Dörfle wird heute als Stadtteil nicht mehr statistisch erfasst, sondern ist in der Innenstadt-Ost aufgegangen, die einen wesentlich breiteren Bereich im Stadtgebiet abbildet, der sich bis zur Karl-Friedrich-Straße im Westen und dem Adenauerring und dem Wildparkstadion im Nordosten erstreckt. Hier leben derzeit rund 6.500 Menschen. Im Rahmen eines Sanierungs- und Nutzungskonzepts soll dieses Gebiet in den nächsten Jahren aufgewertet werden. Seit 2016 veranstaltet der Verein “Eckkulturdörfle” ein jährliches Festival unter Beteiligung hier ansässiger Kulturinstitutionen und Restaurationsbetriebe, das guten Anklang gefunden hat und zahlreich besucht wird.

Peter Pretsch 2024

Quellen

Bürgerbeteiligungsportal der Stadt Karlsruhe: Sanierungsgebiet Innenstadt-Ost, https://beteiligung.karlsruhe.de/content/bbv/details/79; Homepage Eckkulturdörfle, https://eckkultur.de/locations/ (Zugriff jeweils am 15. Mai 2024).

Literatur

Das Dörfle - Altstadt Karlsruhe. Streifzüge durch die Ortsgeschichte, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe und dem Bürgerverein Altstadt durch Peter Pretsch, Karlsruhe 2012 (dort weitere Quellen- und Literaturangaben).